Tagesarchiv für den 28. November 2009

Mehr Pech geht nicht

28. November 2009

Alles gegeben, mit dem letzten Aufgebot super gefightet, aber dennoch wieder nicht gewonnen. Diesmal erneut mit viel Pech. Lange führten die Hamburger beim FSV Mainz 05 mit 1:0, doch in der Schlussphase führte einer der wenigen Fehler der HSV-Defensive, den der Tscheche David Rozehnal beging, doch noch zum 1:1-Endstand. Trotz der Tatsache, dass der HSV auch im sechsten Spiel in Folge sieglos blieb bleibt festzuhalten, dass die Labbadia-Mannschaft lange Zeit ein sehr gutes Spiel gemacht hat, dass sie sich besser als von mir erwartet am Bruchweg behauptet hatte. Der HSV stand lange Zeit vor einem Auswärtssieg, aber es hat auch diesmal nicht sollen sein. Zumal schon wieder einmal ein HSV-Profi schwer verletzt aus dem Spiel genommen werden musste, denn Eljero Elia wurde schon in der Anfangsphase ganz böse gefoult und quasi aus dem Spiel getreten. Quintessenz: Mehr Pech geht nicht.

Einmal vorab gesagt: Schiedsrichter Manuel Gräfe hat eine starke Leistung abgeliefert, der Berliner ist für mich im Moment einer der besten drei deutschen Schiedsrichter. Dennoch: Auch ihm fehlte der Mut, dem Mainzer Noveski die glatte Rote Karte zu zeigen, als dieser Eljero Elia einfach so mir nichts dir nichts „umgenietet“ hatte. Das war glatt Rot, dieses Foul war ein Skandal, da wünschte ich mir, dass so etwas auch einmal hart bestraft wird. Elia musste schwer verletzt vom Platz, Noveski hätte eigentlich hinterher traben müssen. Müssen.

Aber im Gegenteil. Als der Mainzer Heller wenig später auf der Linksaußen-Position David Rozehnal umtrat und Gräfe auf Freistoß entschied (22.), da tobte am Rande ein kleines Männlein namens Thomas Tuchel. Der 05-Coach rastete richtig aus, tobte, schrie, reklamierte. Von seinen Lippe war abzulesen: „Da war nichts, das war fair!“ Der junge Mann muss noch lernen, viel lernen. Vor allen Dingen viel ruhiger zu werden. Denn: Wenn ich als Trainer sehe, dass ein Spieler meiner Mannschaft einen Akteur des Gegners krankenhausreif tritt, dann halte ich erst einmal den Rand, verdammt noch einmal, aber wie! Tuchel hätte eigentlich bis zum Schlusspfiff betreten schweigen müssen, dass er sich überhaupt noch traute, so aufzubegehren, ist ebenfalls unerträglich.

Wobei ich auch an Bruno Labbadia gedacht habe. Der steht am Rande, sieht sich das alles an, aber er behält die Ruhe. Das war zuletzt in Hannover (beim Elfmeter in der 87. Minute gegen den HSV) anders, da musste er auf die Tribüne und später 6000 Euro als Strafe zahlen. Labbbadia ist eigentlich genau so stoisch wie sein Vorgänger Martin Jol. Ich weiß nicht, was besser ist, aber wenn ein Thomas Tuchel so ausflippt, dann beeinflusst er eventuell auch einmal den Schiedsrichter (Gräfe nicht!), aber er beeinflusst auf jeden Fall die Zuschauer, die dann nur noch mehr auf die Palme gehen. Ein Frechheit, dass Tuchel dann auch noch mit dem Halbzeitpfiff verbal auf den vierten Mann losging. Ist das nun Sitte, im neuen Freudenhaus der Liga?

Dazu passt natürlich auch das dusselige Fehlverhalten der HSV-Fans, die zu Beginn des Wiederanpfiffs auf der Tribüne in Mainz ein kleines (Freuden-)Feuer entfachten. Muss das wirklich sein? Das wird dem HSV wieder eine hübsche Summe kosten, und dann fragen diese „netten Fans“, warum denn kein Geld mehr für Verstärkungen da ist. Dazu passen denn auch die Zwischenfälle, die sich auf der Anfahrt auf der Raststätte Bielefeld ereignet haben sollen (Handgreiflichkeiten mit anderen Fans). Schade, schade.

Kommen wir zu den erfreulichen Dingen. Und da gibt es einige. Jerome Boateng im Mittelfeld – super. Diese taktische Maßnahme ging voll auf. Großartig, wie sich der deutsche Nationalspieler immer dann weiter rasch hinten orientierte, fast auf Höhe Innenverteidigung erschien, um dort abzuräumen. Erstklassig.

Eine gute Note verdienten sich auch davor David Jarolim und Piotr Trochowski, die oft sehr klug den Ball hielten und verteilten. Mir ist dabei nicht entgangen, dass „Troche“ diverse Fehlpässe produzierte, aber er spielte dennoch eine sehr wichtige Rolle. Weil er den Ball auch gegen zwei, drei Mainzer verteidigte, weil er immer anspielbar war, wenn seine Mitspieler in Not waren und den Ball loswerden mussten. Trochowski war in den meisten Szenen souverän. Das sieht zwar nicht immer spektakulär aus, aber es hilft dem gesamten Team – und leider entgeht eine solche Geschichte stets auch einigen Fans, die solche Feinheiten gar nicht registrieren. Außerdem rettete Trochowski, (der später doch sehr abbaute und kaum noch in Erscheinung trat!) einmal nach einem Bance-Kopfball auf der Torlinie, erst danach wurde die Situation durch den Pfiff des Unparteiischen unterbrochen.
Immer besser macht sich auch Marcell Jansen, der in dieser schlimmen personellen Situation des HSV mehr und mehr Verantwortung übernimmt, es allmählich auch schafft, länger auf diesem hohen Niveau zu spielen. Denn dass der Nationalspieler nach seinen Verletzungen und Erkrankungen noch immer nicht bei 100 Prozent ist, dürfte klar sein, aber er kommt stetig besser.

Einer, der immer voll da ist, ist Frank Rost, der Keeper war erneut in Bestform und ein erstklassiger Rückhalt.

Und dann komme ich zu Tunay Torun. Am Freitag, beim Abschlusstraining, führte Bruno Labbadia – bei Regen und Sturm – nur ein einziges Einzelgespräch. Mit Torun. Ein Inhalt dieser Unterhaltung: Der junge Türke solle seine Aktionen nicht zu früh abbrechen, er soll sie bis zum Ende, bis zu dem Zeitpunkt, wenn der Ball im Aus ist, durchziehen. Das tat der Stürmer dann auch in der dritten Minute. Abstoß Rost (mit Wind!), Torun springt in der Mainzer Hälfte zum Ball, verfehlt ihn knapp, die Kugel kommt zu Elia, der bedient Torun – und der Türke behält trotz dreier Gegenspieler die Ruhe und schließt eiskalt aus 16 Metern ab – sein erstes Bundesliga-Tor! Prima, dieser junge Mann.

Der fast noch ein zweites Tor erzielt hätte. Nach einem weiten Pass von Dennis Aogo lief Torun allein, wirklich mutterseelenallein auf das Mainzer Tor zu, aber die Assistent hatte die Fahne oben: abseits! Eine glatte Fehlentscheidung, unglaublich. Wahrscheinlich deshalb, weil der Ball weit aus der HSV-Hälfte heraus geschlagen worden und lange unterwegs war. Pech für Tunay Torun, dessen Trikot ja in dieser Woche bei „Matz ab“ der Hauptpreis ist, in der 68. Minute leicht angeschlagen vom Platz humpelte (für ihn kam Tolgay Arslan).

Und noch ein Pluspunkt im HSV-Team: Joris Mathijsen. Wie er die „Kante“ Bance bearbeitete und im Griff hatte (ganz ausschalten kann man den Mainzer nie), das war schon sehenswert.
Die Schlussphase war dann eine einzige Zitterei. Natürlich. Viele Hamburger waren schließlich in jüngster Zeit krank und konnten dadurch nicht immer am Training teilnehmen, zudem fehlt natürlich auch ein wenig Qualität, wenn ich das einmal so salopp bemerken darf.

Dass ausgerechnet David Rozehnal beim Ausgleich eine höchst unglückliche Figur abgab, als er den Ball mustergültig und einschussbereit vorlegte, ist nicht untypisch. Im Gegenteil, es passt ins Bild der letzten Wochen. Pech kam vorher noch dazu, denn der voraus gehende Eckstoß für die Mainzer hätte nicht gegeben werden dürfen, weil ein Mainzer zuletzt am Ball gewesen ist. Aber irgendwann liegt dann eben auch ein Schiedsrichter mal daneben. Bitter nur, dass dadurch der Sieg doch noch futsch war.

Ein Wort noch zu Marcus Berg, der für Elia gekommen war. Der Schwede ist zwar kein Ivica Olic, aber gerade in der Schlussphase störte Berg den Mainzer Spielaufbau mitunter effektiv, er ging weite Wege. Natürlich, Torgefahr strahlte er kaum einmal aus, aber seine Arbeit für das Team war dennoch enorm wertvoll. Dass es letztlich nur zu einem Unentschieden reichte, ist wirklich Schicksal. Der Fußball-Gott ist im Moment eben nicht auf der Seite der Hamburger.

17.39 Uhr