Tagesarchiv für den 26. November 2009

Ze Roberto operiert – Petric wieder da!

26. November 2009

Die Hiobsbotschaften reißen nicht ab. Ze Roberto wird in diesem Jahr keinen Fußball mehr spielen können. Der Brasilianer wurde am Donnerstag in Zürich am Knöchel operiert, seine Bänder waren hin. Es ist der reine Wahnsinn! Dann gibt es aber auch noch eine gute Nachricht: Mladen Petric wird wohl am Sonnabend in Mainz erstmalig wieder im Kader stehen, er wird zunächst auf der Bank Platz nehmen. Wir erinnern uns: Am 4. Oktober verletzte sich Petric im Spiel bei Hertha BSC schwer, seit dieser Zeit hat der HSV kein Spiel mehr gewonnen. Jetzt kehrt er zurück – auch als Glücksbringer.

Die Sache Petric läuft noch unter Geheimmission, Bruno Labbadia wollte sich zu diesem Thema noch nicht konkret äußern, wahrscheinlich will er Mainz 05 mit dem Torjäger überraschen. Immerhin verriet der Trainer aber, dass Petric am Donnerstag erstmalig wieder voll mit der Mannschaft trainieren würde. Das war so geheim, dass nicht einmal der Kroate davon wusste. Als Petric am kurz nach 14 Uhr die Arena betrat, wurde er danach gefragt – und ehrlich gab er zu Protokoll: „Ich weiß von nichts.“ Alle nahmen es ihm ab.

Petric weiter: „Wenn der Trainer das gesagt hat, dann ist er optimistisch. Geplant war, dass ich Teile des Trainings mitmachen, so wie Passübungen. Aber wenn er jetzt auch an Zweikämpfe denkt, dann werden wir mal sehen, wie das geht.“ Dabei hatte Mladen Petric gar kein gutes Gefühl, als er in die Kabine ging: „Ich habe ja gewisse Dinge im Training noch gar nicht gemacht. Und ich weiß nicht, ob es nach einem Training schon reicht, um dann in Mainz schon auf der Bank zu sitzen.“ Petric sagt aber auch: „Es wäre natürlich top, wenn alles funktionieren würde, denn ich bin auch heiß, ich kann es nicht erwarten, wieder zu spielen.“

Petric würde dem HSV gerade jetzt so gut tun, denn mit Ze Roberto liegt der nächste „Kracher“ flach. Davon wusste Mladen Petric um 14.05 Uhr allerdings noch nichts. Immerhin sagte er zu diesem weiteren Ausfall: „Es ist ja nichts Neues für uns, es ist ein weiterer Rückschlag für uns. Ze wird uns sehr fehlen, denn er ist ein ganz, ganz wichtiger Spieler für unsere Mannschaft.“

Ob Petric nun spielt, oder ob er nur 90 Minuten auf der Bank sitzen wird – für den HSV könnte es schon immens wichtig sein, dass er wieder dabei ist. Aus zweierlei Gründen: Jeder Offensivspieler weiß nun, wer da draußen sitzt, der Hochkaräter Petric könnte ihn ablösen. Und jeder Spieler wüsste zudem genau, dass mit Mladen Petric ein Mann auf seinen Einsatz wartet, der jedem Gegner das Fürchten lehren, der beim Gegner für Alarmstimmung sorgen kann. Das müsste allen Selbstvertrauen geben, Petric ist allein aus psychologischen Gründen von großer Wichtigkeit. Und er ahnt es: „Ich wurde zuletzt von vielen Kollegen gefragt, wann ich denn wohl wieder dabei sein werde. Es könnte in der Tat für die Jungen ein psychologischer Vorteil sein.“

Trotz allem wird Mainz kein Spaziergang. Im Gegenteil, die 05-Truppe ist heimstark, zweikampfstark, eine geschlossene Einheit. Und, wie schon einmal geschrieben, Mainz spielt mit Herz und Leidenschaft, der HSV zuletzt nur mit den Füßen. Das könnte ausschlaggebend sein für Sieg oder Niederlage. Labbadia muss seine Mannen so richtig schön heiß machen, damit sie in der Karnevalshochburg bestehen können.

Fest steht, dass neben Ze Roberto auch der immer noch gezerrte Jonathan Pitroipa fehlen wird. Die zuletzt wegen einer Erkältung angeschlagenen Spieler Marcus Berg, Tunay Torun, Eljero Elia und Jerome Boateng sind dagegen wieder fit. Nicht am Donnerstags-Training teilnehmen konnten David Jarolim und Dennis Aogo, sie trainierten aber in den Katakomben der Arena. Laut Physiotherapeut Uwe Eplinius, der einst Profi bei St. Pauli und Hessen Kassel war („Eine solche Seuche wie zurzeit habe ich noch nie mitgemacht“), besteht aber keine Gefahr, dass die beiden leicht angeschlagenen Spieler (Muskelverhärtungen) für das Mainz-Spiel ausfallen könnten.

Dass im Falle Ze Roberto wichtige Zeit verschenkt worden ist, weil zunächst auf eine konservative Heilung gesetzt worden war (Fuß im Gipsverband), verneint Bruno Labbadia: „Wir hatten die Hoffnung, aber es hat nicht funktioniert. Es war ein Versuch wert, es sah zunächst auch gut aus, aber nun war doch eine Operation unumgänglich. So oder so aber wäre die Vorrunde für Ze gelaufen gewesen.“

Zum Einsatz von Mladen Petric befand der Trainer: „Er hat sehr hart und sehr intensiv an sich gearbeitet, das war wichtig, er hat sein Reha-Programm sehr gut durchgezogen. Und er hat sich immer mehr herangetastet an die Mannschaft, mehr als er sollte – und nun müssen wir abwarten, wie Mladen auf den Einstieg ins Mannschaftstraining reagiert.“

Als mein Kollege Matthias Linnenbrügger (Die Welt) nachfragte, wie es um einen Petric-Einsatz in Mainz stehe, huschte für den Bruchteil einer Sekunde ein ganz kleiner Hauch von einem Lächeln über das Gesicht Labbadias. Ein verräterisches Lächeln? Ich deute es im Moment einmal so. Vielleicht gibt das Petric-Comeback ja auch dem (doch etwas angeschlagen wirkenden) Trainer wieder mehr Selbstbewusstsein. Labbadia erinnert sich im Hinblick auf Mainz an das Bochum-Spiel, sprach sich selbst Mut zu, indem er auf das mit 0:1 verlorene Bochum-Spiel zurück blickte: „Die Mannschaft hat den VfL 60 Minuten lang extrem gut auseinander genommen, nur haben wir aus unseren Chancen nichts gemacht, wir sind fahrlässige mit unseren Möglichkeiten umgegangen, weil die Durchschlagskraft gefehlt hat.“

Mit Mladen Petric (auf der Bank) kann das in Mainz ja schon wieder ganz anders, viel erfreulicher laufen. Kann.

Zum Schluss noch zwei Anmerkungen: In Sachen Toiletten werde ich am Ball bleiben, da gibt es sicher demnächst noch eine Bericht. Und dann hat der kleine Lukas (11) kürzlich seine erste selbstgebaute Website erstellt. Er freut sich bestimmt über nette Gästebucheinträge von Fans des besten Vereins Deutschlands. Was Lukas gemacht hat? Die erste „tunaytorunfanwebsite.de.tl“ ins Leben gerufen. Viel Spaß damit.

20.28 Uhr

Das Reizthema

26. November 2009

Die Geister die ich rief . . . Schade, schade, dass ich so viel Häme, Sarkasmus, so viel Böses und so viel Bitterkeit am Morgen lesen muss.  Ich bin enttäuscht und entsetzt zugleich, es tut mir weh. So war „Matz ab“ eigentlich nicht gedacht, aber im Moment sieht es wohl so aus, als würden diese gegenseitigen Vorwürfe überhand nehmen. Da ich nicht mit jedem von Euch korrespondieren kann, da ich aber auch schon einige Male erklärt hatte, dass mir die privaten Plaudereien nicht so auf den Zeiger gehen, wie einigen anderen in diesem Blog, hatte ich gehofft, das würde sich regeln. Denkste. Und ich mittendrin statt nur dabei. Es gab in dieser Nacht auch etliche gute Vorschläge – in jede Richtung. Täglich, wirklich täglich begegnen mir Leute, die „Matz ab“ lesen, die aber nur meine Kommentare lesen. Weil sie zu mehr keine Zeit haben, haben wollen, weil sie dieses Private nicht lesen mögen. Das ist eine Einstellung.

Eine andere wird mir auch täglich mitgeteilt: Sie lesen meine Kommentare, und sie lesen jene Kommentare, die über drei, vier oder fünf Zeilen hinausgehen. Auch eine Einstellung. Und nach wie vor ist es doch so, dass niemand gezwungen wird, das Private zu lesen. Denen, die sich darüber aufregen, denen möchte ich sagen, dass ich mich allein darüber freue, dass sie dabei sind und meine Kommentare lesen. Und dann selbst in die Tasten hauen und eine Reaktion schicken, oder abschalten und später wieder mal reinklicken.

Im Übrigen finde ich „Eiche Noglys“ Vorschläge gut und für überdenkenswert, denn: Wenn diese „Dampfplauderer“ bis 18 Uhr abschalten und abstinent bleiben, dann wäre doch der Tag für alle anderen gerettet. Oder? Ich weiß, es gab den Einwand, dass viele erst um 18 Uhr nach Hause kommen und dann lesen. Warum lesen sie nicht meinen Kommentar, dann lesen sie die Kommentare die bis 18 Uhr eingegangen sind – und danach wird dann eben gefiltert. Drei-, Vier- oder Fünfzeiler gehen ins Kröpfchen, die längeren gehen ins Töpfchen. Frei nach Aschenputtel.

Um es noch einmal zu sagen: Ich bin ein humorvoller Mensch, ich habe schon oft laut los gelacht, wenn ich hier allein vor meiner Kiste saß, aber es gibt eben auch Beiträge, die ich schnell wieder vergesse. Allen aber, wirklich allen sei an dieser Stelle noch einmal gesagt: Dieser Blog wurde ins Leben gerufen, weil sich HSV-Freunde und -Fans hier treffen sollten. Das muss nicht nur auf eine Art geschehen, das kann auch vielschichtig sein. Und dazu gehört vor allem eines: TOLERANZ. Ich, das sage ich ehrlich und voller Überzeugung, wusste nicht, was nach dem 7. August 2009 (Start von „Matz ab“) auf mich zukommen würde, ich war erst überrascht, dann begeistert. Diese Begeisterung wird nun schon seit geraumer Zeit von einem gewissen Misstrauen begleitet, denn keiner weiß, wie sich das hier alles entwickeln wird. Denkt jeder an seinen Klub, denkt jeder nur an seinen HSV, dann wird dieser Blog nicht verkümmern. Dazu gehört aber auch eine gewisse Blog-Disziplin, und die lege ich nun hiermit jedem, wirklich jedem ans Herz.

Tut mir Leid, wenn das nun ausuferte, aber auch ich mache mir Gedanken zu diesem Thema, und zwar nicht erst seit heute.
Gestern hatte ich von einem Reizthema gesprochen, damit war aber nicht meine jetzt verfasste Einleitung gemeint.

Ich stand am Dienstag beim Training, vor mir die Rentner, die immer da sind, bei Wind und Wetter. Und von denen einige immer höchst erregt auf den HSV eindreschen. Von wegen was alles falsch läuft jetzt. Und wenn Mann da zu hört, dann läuft vieles bis alles falsch. Und trotzdem gab es ein Aha-Erlebnis für mich. Es gab aus Richtung der Rentner-Gang Lob für Piotr Trochowski. Lautes Lob sogar, er müsste es eigentlich einige Male (wohlwollend) zur Kenntnis genommen haben, denn er schlug von einem Punkt Freistöße vor das Tor, der nur fünf, sechs Meter von den Rentner entfernt war. Und diese Freistöße waren so gut, dass „Troche“ Lob erhielt. War eine neue Erfahrung für mich.

Beim Verlassen des Platzes sagte aber ein Fan schon wieder: „Na gut, schießen kann er ja, aber sonst nichts.“ Wie bitte? Sonst nichts? Trochowski kann am Ball alles, er kann so dribbeln, wie kaum ein Zweiter (abgesehen von Ze Roberto) in dieser HSV-Mannschaft. Die Antwort des Nörglers: „Wenn Trochowski mehr könnte, dann würde er jetzt, wo so viele Ausfälle zu beklagen sind, endlich einmal Verantwortung übernehmen, er würde die Mannschaft führen und mitreißen – aber da kommt nichts.“

Es wird wohl ewig so bleiben: An Piotr Trochowski scheiden sich die Geister. Und irgendwie glaube ich, dass „Troche“ in Hamburg doch auf keinen grünen Zweig mehr kommt. Was ich für äußerst schade hielte, denn für mich ist er eindeutig einer der besten Fußballer in diesem Team. Mit teilweise überragenden Fähigkeiten. Die er, ich höre Euch jetzt schon wieder aufstöhnen, natürlich nicht immer einbringt – beim HSV. Oder auch viel zu wenig. Das gebe ich ja zu. Aber: Nicht jeder Fußballspieler hat auch die Fähigkeiten zu einem Führungsspieler.

Was ich dem Nörgler auch noch mit auf den Heimweg gab: Trochowski steht im Jahre 2009 an dritter Stelle jener deutschen Nationalspieler, die die meisten Länderspielminuten in diesem Jahr absolviert haben. Der Bronzeplatz kommt doch nicht daher, dass Bundestrainer Joachim Löw, ich wiederhole mich da, ein so „Nachtblinder“ ist, dass er Piotr Trochowski vom HSV so mir nichts dir nichts von einem Länderspiel ins nächste schleppt. Ein Bundestrainer hat viele Millionen Kollegen in diesem Lande, die würde dem guten Löw doch schon lange die Freundschaft gekündigt haben, wenn er so über Monate daneben liegen würde. Und Ihr könnt ganz sicher sein: Wenn ihm Millionen „Bundestrainer“ die Freundschaft kündigen würden, dann hätte auch schon lange der Deutsche Fußball-Bund reagiert – auch mit einer Kündigung.

Haben denn jene deutschen Nationalspieler des HSV in der Nationalmannschaft so gespielt, dass sie sich als Führungskräfte erwiesen hätten? Ganz sicher nicht. Jörg Albertz war einer aus der Neuzeit (der Nationalmannschaft). Ich erinnere mich genau: Sein Debüt gab er einst in Porto gegen Portugal. Berti Vogts brachte ihn zur zweiten Halbzeit. Und fortan prasselten heftige Worte der Kollegen von links, rechts, von hinten und von vorne auf mich ein: „Was spielt der denn für einen Mist?“ Das war noch gemäßigt. Albertz war in der Nati ein ganz schlechter Mitläufer, und beim HSV? Hat er da oft Verantwortung übernommen?
Ingo Herztzsch debütierte bei Rudi Völler. Der Innenverteidiger war in der Nati ein Mitläufer, und beim HSV ein Spieler, der seinen Dienst gut und zuverlässig erledigt hat – aber eine Führungskraft war er nie.

Und Christian Rahn? Bei ihm lief es doch genau so ab wie bei Hertzsch. Einzig der von mir nicht sonderlich geliebte Sven Kmetsch spielte beim HSV einst – für ganz kurze Zeit – eine dominierende Rolle, aber das war es dann auch schon.

Nun ist Jerome Boateng neu bei Joachim Löw, und ich bin gespannt, wohin der Weg von Boateng führen wird. Er ist noch so jung, steht erst am Anfang der Karriere, er kann sich immer noch zu einer Führungspersönlichkeit entwickeln. Das entwickelt sich aber nicht, indem Mann es will, sondern das entwickelt sich von allein, durch die Hierarchie in der Mannschaft (des HSV), durch Erfolgserlebnisse, durch gestärktes Selbstvertrauen, durch Anerkennung von innen und außen. Hat man die, und zwar über einen längeren Zeitraum, dann kann man auch den Mund aufmachen, dann kann man ein Team motivieren, lenken, mitreißen, führen.

Piotr Trochowski ist in meinen Augen ein hervorragender Fußballer, aber er ist nicht die geborene Führungsperson. Deswegen sollten alle einmal die Ansprüche an ihn herunterschrauben. Und ihn so sein Spiel machen lassen, wie er es kann, wie er es will. Zudem müssen doch die ewigen Trochowski-Kritiker eines in den letzten Wochen bemerkt haben: „Troche“ redet doch gar nicht mehr so viel, er ignoriert auch schon mal diese oder jene Kamera, er gibt nicht immer jedes gewünschte Interview. Und davon, dass er eigentlich bei Arsenal London, Real Madrid oder beim FC Barcelona besser aufgehoben wäre, davon hat er doch schon seit jetzt vielen Monaten nichts mehr gesagt. Deswegen sollten ihm seine Kritiker auch irgendwann einmal in nächster Zeit verzeihen, sollten sie sich mit ihm arrangieren. Vielleicht wird er dann, wenn er die Zuneigung von allen spürt, auch so gut, dass ihn dann alle, wirklich alle lieb schätzen und mögen. So wie jene Rentner, die eigentlich mehr meckern als loben. Aber sie loben eben auch mal.

PS: Auch von mir alles, alles Gute, LoNY.

11.31 Uhr

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