Tagesarchiv für den 25. November 2009

Etwas mehr defensive Leidenschaft

25. November 2009

Eigentlich wollte ich mich heute einem Reizthema widmen, doch das verschiebe ich mal auf morgen, weil ich mich sonst in der Länge dieses Beitrags verzetteln könnte. Stattdessen möchte ich Euch ein paar Eindrücke des heutigen Trainings schildern, das zu den sehenswertesten der vergangenen Wochen zählte.

Zunächst einmal konnte man Mladen Petric länger als eine Stunde mit dem Ball am Fuß bei Einzelübungen beobachten. Ich muss ehrlich sagen, dass ich ein weiteres Mal ziemlich überrascht war, wie weit der Stürmer schon zu sein scheint. Ohne in sein operiertes Gelenk schauen zu können, würde ich sagen, dass die Chancen sehr gut stehen, dass Petric noch vor der Winterpause zurück in den Kader kehren wird. Vielleicht ja auch schon ein Tickchen früher als Mitte Dezember. Der Mannschaft würde er als Alternative in jedem Fall gut tun. Und selbst wenn Petric anfangs nur für Mini-Einsätze in Frage käme, beispielsweise für die letzten zehn Minuten, dürfte er „für den Kopf“ des Teams eine viel gewichtigere Rolle spielen.

Das anschließende Trainingsprogramm von Bruno Labbadia hatte es in sich, vor allem, was den Spaß-, Zweikampf- und Teamcharakter betrifft. Nach dem Aufwärmprogramm bat Labbadia seine Mannschaft (erneut gespickt mit zahlreichen Talenten und Nachwuchskräften Christian Groß, Gerrit Pressel, Henrik Dettmann, Hanno Behrens, Maximilian Beister plus Tolgay Arslan und Tunay Torun) in eine Art Fußball-Käfig. Zwei Tore mit zwei Torhütern (Rost und Hesl) im abgesteckten Feld auf ungefähr 15 Metern Länge und acht Metern Breite – und dann ging es im direkten Eins-gegen-eins-Duell jeweils 30 Sekunden hoch her. Die Tore wurden den zwei gekennzeichneten Mannschaften (eine mit roten Leibchen, eine mit gelben) gutgeschrieben. Da war ordentlich Dampf drin. Jerome Boateng saß gegen Joris Mathijsen meistens auf dem Hosenboden. Marcell Jansen feierte gegen David Jarolim einen Hattrick in zehn Sekunden, und Christian Groß (der unheimlich positiv auffiel) landete gegen Eljero Elia einen beeindruckenden 2:1-Erfolg. Da kam Spaß auf, da war Begeisterung spürbar. Anschließend sah der Rasen danach an einigen Stellen aus wie nach einem Regenwurm-Massaker. Und leider gab es auch wieder einen „halben“ Verletzten: Dennis Aogo.

Der Linksverteidiger brach die Einheit wegen einer Verhärtung der hinteren Oberschenkelmuskulatur ab und begab sich in Behandlung. Mal sehen, ob die Physiotherapeuten ihn bis zum Spiel in Mainz wieder auf Vordermann bringen.

Apropos Aogo: Der deutsche U-21-Europameister hat ja eine Einladung aus Nigeria erhalten und steht dort offenbar für einen Platz in der A-Nationalmannschaft zur Disposition. Beim HSV dürfte diese Nachricht zunächst einmal die Alarmglocken schrillen lassen. Natürlich wissen Bruno Labbadia und Co., dass so eine Anfrage aus Afrika für einen Mann wie Aogo eine große Ehre ist. Und natürlich wissen sie auch, dass Aogo abwägen wird, wo er mehr Einsatzchancen hat: in der deutschen A-Nationalmannschaft oder in der nigerianischen. Andererseits würde eine Entscheidung Aogos für Nigeria einige negative Klubfolgen haben, denn neben anstrengenden Länderspielreisen steht ja auch ein Afrika-Cup mitten in der Bundesligasaison an. Und für so ein Turnier gibt es eine Abstellungspflicht.

Nun gut, den Teufel brauchen wir auch nicht gleich an die Wand zu malen. Aogo weiß ja, dass es auch in Deutschland nicht gerade ein Überangebot an gestandenen Linksverteidigern gibt. Und er weiß, dass Joachim Löw ihn bereits seit einiger Zeit beobachten lässt. An Aogos Stelle würde ich noch etwas länger warten als bis zur Winterpause, um diese weit reichende Entscheidung zu treffen. Ich hoffe (natürlich auch aus Hamburger Sicht), dass er sich für den DFB aussprechen wird.

Zurück zum Training heute. In Sachen Tempo, Spaß und Spektakel war das wirklich ordentlich, was Bruno Labbadias Männer da gezeigt haben. Da war Leben drin und keine gedämpfte Stimmung wie noch während des Bochum-Spiels. Manchmal fehlte mir persönlich allerdings der letzte Biss, die letzte Hartnäckigkeit im Verhindern von Toren. Gerade bei solchen Übungen auf engstem Raum kommt es immer wieder zu harten Duellen, auch zu ein paar erzwungenen Stürzen und Tritten, da waren mir die Profis und auch die Nachwuchsleute aber gerade in der Rückwärtsbewegung manchmal etwas zu brav.

Bitte nicht missverstehen: Ich will keine Tretmaschinen sehen, auch nicht zu üblen Fouls animieren (schon wegen der Personalsorgen!), aber wenn alle Spieler so leidenschaftlich und rigoros verteidigen würden wie heute beispielsweise Frank Rost, Marcell Jansen oder Joris Mathijsen, dann hätte der HSV manch Gegentreffer nicht kassiert. Das ist auch ein Aspekt, den Trainer Labbadia meines Erachtens noch mehr in den Mittelpunkt rücken sollte. In Sachen Offensivbegeisterung kann man der Mannschaft ja ohnehin nichts vorwerfen, und hierbei werden die Jungs ja auch immer wieder animiert zu spekulieren, nachzusetzen und Szenen gedanklich erst abzuhaken, wenn der Ball im Toraus oder im Netz gelandet ist. Diese Denkweise muss in der Defensivarbeit auch Einzug halten. Und dabei gilt die gleiche Regel wie im Angriff: Was im Training nicht umgesetzt wird, kann im Spiel auch nicht funktionieren.

PS: Prominente Trainingszuschauer gab es heute übrigens auch: Ex-Profi Stefan Böger (jetzt DFB-Juniorencoach), Hansi Müller und Marcus Marin schauten sich Bruno Labbadias Einheit interessiert an.

17:55 Uhr

Fast in eigener Sache

25. November 2009

„Ich sprenge alle Ketten.“ War 1967 ein Hit von Ricky Shayne. Wobei mir einfällt, der war für Frau M. der Vorgänger von Peter Maffay. Aber ich schweife schon wieder ab. Ich bin mit dem Lied ins Bett gegangen, denn da gab es um Mitternacht ja schon den neuen Rekord. Wahnsinn. Ich möchte diese Zahl nun schnell einmal stoppen, deswegen nun meine kurze Meldung quasi in eigener Sache.

Ich lese ja alles, und ich will, das habe ich schon mehrfach erklärt, niemanden hier bremsen. Ich freue mich über den „regen Verkehr“, denn hier haben sich doch HSV-Fans gefunden, die miteinander können. Das ist in der heutigen Zeit auch schon etwas Besonderes. Dass ich die Fußball-Kommentare von Euch ganz besonders schätze, liegt wohl für jeden User auf der Hand. Deswegen muss ich die Beitrag von „Wolfgang Funk“ um 0.03 Uhr (!) extra einmal loben – ich bin voll auf Deiner Seite, so wie Du es geschrieben hast, würde ich das voll unterstreichen.

Wobei ich jetzt „Du“ gesagt habe. Sorry, falls ich da jemanden von Euch zu sehr auf die Füße trete – aber ich biete hier jedem das „Du“ an, denn in der Redaktion bei uns ist es so Sitte. Geworden. Vor ungefähr zehn, elf Jahren. Als wir damals den Sportchef Jan Haarmeyer bekamen, waren alle per Du. Selbst der 13- oder 14-jährige Praktikant sagte zu allen Du. Wobei ich, als ich vor 25 Jahren beim Hamburger Abendblatt startete, einen Kollegen noch jahrelang gesiezt habe. Und andere Kollegen siezten sich auch noch über Jahre. Und dann kam Haarmeyer, und plötzlich war alles per Du. Und das war gut so. Also, wer will sagt Du, und wer nicht will, der macht es eben anders.

Bevor ich zu unserem Treffen komme, möchte ich einmal auf die Partie in Mainz am Sonnabend kommen. Neben „Ich sprenge alle Ketten“ bin ich heute Nacht auch mit der Sorge ins Bett gegangen (Frau M. schlief schon!), dass der HSV auch beim Aufsteiger Schiffbruch erleiden könnte. Grund für diese Annahme: Mainz 05 spielt immer noch mit dem Schwung eines Neulings. Dass dieser Zustand nun schon so lange anhält, ist ungewöhnlich, in den meisten Fällen verebbt so etwas nach zwei, drei Monaten. Mainz aber spielt mit Herz und Leidenschaft – und der HSV im Moment mit den Füßen. Wenn sich das nicht ändert, dann sehe ich Schwarz, da bin ich ehrlich. Jetzt ist der Psychologe in Trainer Bruno Labbadia gefragt, er muss es schaffen, seine Mannen wieder (und mit) voller Begeisterung auf den Rasen zu schicken. Zum Fußball gehören Herz und Leidenschaft, wenn sich die HSV-Profis darüber klar sind, dann wird es auch wieder erfolgreich.

So, nun schnell noch einmal zu „Matz ab“. Gleich geht es zum Training, erst danach gibt es einen neuen Eintrag. Der „Master of Grätsche“ hat ja – völlig richtig – Erwartungen bezüglich eines Treffens von uns allen geweckt. Ich wollte damit einmal mit dem Chefredakteur Claus Strunz sprechen, hatte eigentlich auch schon am Montag einen Termin, doch den mussten wir auf Donnerstag verschieben – Arbeit geht vor. Natürlich! Ich bleibe an diesem Thema, Ihr natürlich auch, deswegen bekommen wir das auch irgendwo und irgendwann hin. Und dann mit einer Dichterlesung von HSV Jonny?

Aber dennoch bleiben einige Fragen: Kommen zehn, 100 oder 1000 Leute? Wo soll das dann stattfinden? Ich wäre auch für die Raute, aber was ist, wenn die zu klein ist? Und braucht man dann eventuell einen Ordnungsdienst, denn Bier lockert den einen oder anderen doch ein wenig mehr – und auch die Zungen. Es ist nicht einfach so, einen Ort und eine Zeit zu finden, das muss schon sorgfältiger geplant werden. Ohne dass ich nun ein Pedant bin, ich würde sogar sagen, genau das Gegenteil ist der Fall. Aber grundsätzlich: Lasst mir (und uns) noch ein bisschen Zeit. Und dann ist die Frage: Vor Weihnachten, oder danach?

So, kurz noch zu meinen Flusigkeiten, dass ich Ze Roberto vergessen hatte – und Fred Rutten „eingedeutscht“ habe. Ze Roberto hatte ich in Gedanken schon abgehakt, das war ein Fehler. Rutten habe ich deswegen in voller Absicht erwähnt, weil er hier im Zusammenhang mit Bruno Labbadia auch schon erwähnt worden war. Motto: Fast hätten wir hier Fred Rutten gehabt. . . Und wer genau hingesehen hat, der wird auch erkannt haben, dass ich mit Peter Neururer ja auch einen Kandidaten erwähnte, der eher in die Kategorie Rutten passen würde.

Seid nicht so streng mit den Flusigkeiten, die letzten Artikel (nach dem Bochum-Spiel) hatten alle so um die 330 Zeilen (ja, ich gebe zu, das macht Spaß – weil ich gefragt worden bin), und ein Artikel in der Montags-Ausgabe des Hamburger Abendblattes über den HSV hat ungefähr 120 bis 130 Zeilen. Bei mir dürfte sich zwar auch kein Fehler einschleichen, tut es aber ab und zu mal – dafür bitte ich um Entschuldigung.

So, es geht nun fast schon zum Training. Zwei Sachen noch. Wer gerne einmal eine Zeile des HSV-Vierzeilers sprechen möchte und drei Kollegen oder Kolleginnen hat, der möge sich melden.

Apropos Reim: Wer genau hinschaut auf die bislang veröffentlichen Reime, der wird einen ehemaligen HSV-Spieler dabei entdecken. Der erste „Matz-abber“, der den Namen hier erwähnt, erhält ein Geschenk von mir. Versprochen.

Versprochen war ja auch die Sprechstunde, und die soll auch wieder eingeführt werden, ganz sicher. Aber Ihr werdet ja bemerkt haben, dass die Einträge im Moment „alle Ketten sprengen“. Wenn ich, durch meinen Urlaub aus dem „Sprechstunden-Tritt“ gekommen, nun alle Fragen der letzten Wochen nachlesen müsste, wäre ich damit hoffnungslos überfordert. Ich hoffe, wir können uns darauf einigen: Die Fragen dieser Woche werde ich am Wochenende bearbeiten, und wer sich dann bei diesen Antworten nicht entdeckt, der möge seine Frage bitte erneut stellen. Alles klar? Ich hoffe. In diesem Sinne, bis bald.

Nein, einen habe ich noch. „Eiche Nogly“ weiß, dass ich sensibel bin. Deswegen noch die Frage beantwortet, ob ich, wenn ich hier „Peacock“ erwähnen einen Freiflug erhalte – oder so ähnlich. Ja, ich gebe es zu, wenn ich „Peacock“ erwähne, dann erhalte ich einen Freiflug nach Blankenese – aber nur hin. Zurück geht es mit der S-Bahn. Auch mit Freikarte, selbstverständlich. Und wenn ich hier an dieser Stelle „Harry“ erwähne, der auch öfter mal zum Training kommt, denn erhalte ich kostenlos Fliesen nach Hause geliefert, ab und an auch mal Brötchen und Feinbrot. Nein, im Ernst, ich finde nichts dabei, wenn ich den einen oder anderen aus Eurem Kreise erwähne, mit dem ich plaudere. Und da sich „Peacock“ ja eigentlich aus diesem Kreise verabschieden wollte, wollte ich ihn so „überreden“, doch noch zu bleiben. Und? Hat geklappt.

Bis nachher.

9.38 Uhr