Tagesarchiv für den 23. November 2009

Der HSV hat eine Punkte-Krise

23. November 2009

Rost – Demel, Boateng, Mathijsen, Aogo – Trochowski, Jarolim, Ze Roberto (sorry, hatte ich vergessen, Asche auf mein Haupt, ich war in Bochum-Form!), Jansen – Petric, Guererro. Was für eine Elf! Und glaubt mir, diese elf Spieler hätten den VfL Bochum aus der Arena gefegt. Gefegt! Aber wie! Doch leider, leider, es fehlen zurzeit einige Chorknaben, weil sie sich verletzt haben. Und dann gibt es eben auch mal ein 0:1 wie gegen Bochum. Nur, und das ist meine Frage an Euch: Was hat Bruno Labbadia damit zu tun? Hat er die HSV-Spieler zum Operateur getreten? Hat er Nachwuchsstürmer wie Tunay Torun, Tolgay Arslan oder Maximilian Beister zum HSV geholt? Steckt er in der Muskulatur von Guy Demel, Piotr Trochowski und Boateng? Ich fasse es nicht, dass in der jetzigen Phase einige von Euch tatsächlich an diesem Trainer herum mäkeln. Labbadia ist die ärmste Figur beim HSV, der kommt vor Kummer wahrscheinlich kaum noch in den Schlaf – aber die Schuld an allem, die trägt nur er? Wie billig ist das denn wohl? Und wie armselig dazu? Mich könnt Ihr damit nicht treffen, für mich ist das wirklich nur so ein Mist, wie jener Mist, der am Sonntag um 19.20 Uhr im Volkspark feststand.

Montag am Vormittag in der Arena. Guy Demel verlässt auf eigenen Füßen die Katakomben. Er geht normal, aufrecht, wie ein gesunder Spieler. Wer sich dran erinnert: Nur wenige Stunden zuvor bettelte er um seine Auswechslung. Er humpelte, sah beim entscheidenden Tor nur noch zu. Als er dann in der 88. Minute ausgewechselt wurde, humpelte er noch wie ein Schwerverletzter. Ich machte mir ernsthaft Sorgen: Fällt dieser Mann nun für die nächsten Wochen auch noch aus? Muss er eventuell nach dem Duschen im Rollstuhl Richtung Krankenhaus gefahren werden? Wird er eventuell Invalide?

Die Antwort auf diese Fragen erhielt ich am Monatg um 12.36 Uhr, als Guy Demel zu seinem Auto ging. Er ging. Und es also geht wieder mit ihm, im wahrsten Sinne des Wortes. Was für eine tolle Nachricht?! Schade für den HSV und für Demels Kollegen, dass es wenige Stunden zuvor nicht mehr so richtig gegangen war. Schade, einfach nur schade. Und das füge ich jetzt schnell hinzu: Ich unterstelle Demel nicht, ein Simulant zu sein, ich werfe ihm nur vor, nicht auf die Zähne zu beißen, nicht den “inneren Schweinehund” zu besiegen und auf dem Platz zu bleiben. Und solche Spiele gab es schon oft (eine solche Ergänzung hasse ich, aber ich wollte es klar stellen, dass ich Demel nicht als Simulanten hinstelle – er muss nur härter gegen sich selbst werden, oder sein).
Schade auch, dass Jerome Boateng nicht rechtzeitig fit geworden war. Am Montag konnte er wieder trainieren, aber gegen den VfL Bochum ging es noch nicht, dieses Spiel wäre für ihn zu früh gekommen – wahrscheinlich.

Oder das Thema Eljero Elia. In welchem Film sind wir da zurzeit? Er lässt sich aufstellen, sagt aber hinterher meinem Abendblatt-Kollegen Marcus Scholz: „Ich hätte nicht spielen dürfen.“ Ja, was denn nun? Zwingt ihn Bruno Labbadia – ohne jegliche Absprache so mir nichts dir nichts – auf den Rasen? Das wäre ja Freiheitsberaubung. Ihr könnt sicher sein, dass der Trainer vorher mit seinem grippekranken Spieler gesprochen hat, alles andere wäre doch auch grob fahrlässig. Letztlich muss der Spieler auch selbst davon überzeugt sein, dass er will, dass er es kann, dass es auch keine gesundheitlichen Nachteile für ihn bringt. Allerdings, und das kann ich denn auch wieder verstehen: Nach einem solchen Auftritt, wie ihn Elia hingelegt hat, hätte ich wahrscheinlich auch gesagt, dass „ich doch gar nicht hätte spielen dürfen“. Eine bessere Ausrede für diese (seine) Fahrkarten-Veranstaltung gibt es doch gar nicht.

Ich war am Vormittag, noch vor dem Training, beruflich bei Uwe Seeler. Es ging um das HSV-Buch des Hamburger Abendblattes, aber dazu mehr in den nächsten Stunden, Tagen. Natürlich haben wir uns über das Bochum-Spiel unterhalten, aber was wir über dieses Spiel sprachen, das war rein privat. Doch so richtig gut war es nicht, wenn ich mich richtig erinnere. Und „uns Uwe“ erinnerte mich noch einmal an seine Zeit: Mit dem Fahrrad fuhren er und Gerhard Krug aus Eimsbüttel zum Training in Norderstedt (Ochsenzoll). Und zwar immer. Bei Wind und Wetter, im Sommer wie im Winter. Eltern, die ihre wohl behüteten Knaben mit dem Auto zum Training kutschierten und sie bei Regen mit dem Schirm in die Kabine brachten, gab es damals nicht. Weil es zwar Schirme gab, aber kaum Autos. Und mit dem Fahrrad ging es auch wieder gen Heimat. Uwe Seeler sagt heute: „Den Spielern wird vom Verein alles geboten, die werden auf Händen getragen, alles wird ihnen abgenommen. Da laufen fünf Physiotherapeuten herum und pflegen die Muskeln der Spieler, es gibt viele Trainer und Betreuer, es gibt nichts, was es nicht gibt – aber dafür kommt dann doch zu wenig raus dabei.“ Volltreffer, Herr Seeler, Volltreffer, Sie können es ja immer noch.

Drei Punkte aus den letzten fünf Spielen hat der HSV „gewonnen“, eine kümmerliche Bilanz, die auch den vielen Ausfällen geschuldet ist. Vereins-Boss Bernd Hoffmann gab dann auch zu: „Wir brauchen nicht drum herum zu reden, wir haben sicherlich eine Punkte-Krise.“ Er blickt aber dennoch positiv zurück: „Fakt ist doch, dass wir in diesen fünf Spielen viermal die bessere Mannschaft waren, wir hätten diese Partien auch gewinnen können, in meinen Augen sogar sollen.“ Natürlich weiß der Vorstandsvorsitzende auch, woran es hapert derzeit: „Wir können doch die erkrankten und verletzten Spieler nicht herreden, es hilft doch alles nichts, sie fehlen uns eben.“ Schlusswort Hoffmann: „Wir haben sicher im Moment auch etwas Pech, so auch mit Schiedsrichter-Entscheidungen, wie in Hannover der Elfmeter, das nicht gegebene Tor von Joris Mathijsen gegen Bochum – aber wir können das nicht zurück drehen. Die Art und Weise aber, wie wir Fußball gespielt haben, die war in Ordnung, das gibt mir Hoffnung.“

So sieht es auch Bruno Labbadia auch einen Tag danach noch. „Wir haben 60, 70 Minuten sehr guten Fußball gespielt, wir haben kaum Konter-Situationen zugelassen, obwohl wir sehr offensiv gespielt haben, wir waren sehr oft im VfL-Strafraum, obwohl die Bochumer mit zehn Mann hinten drin standen – das einzige was erneut nicht stimmte, war das Ergebnis“, sagt der Trainer und fügt noch hinzu: „Wir hatten unsere Chancen, in jedem Spiel, und wenn wir die genutzt hätten, würden wir nun viel besser stehen – und das trotz der Verletzungsmisere.“

Natürlich, hätte wenn und aber, das weiß ich auch, das zählt nicht, aber rechnet einmal kurz nach: Ein Sieg gegen Mönchengladbach, ein Sieg gegen Bochum – und der HSV wäre Spitzenreiter, und zwar locker. Und diese beiden Siege wären ja möglich gewesen, trotz aller personellen Ausfälle. Und genau das sollte doch allen Mut machen. Auch jenen HSV-Fans, die nun total durchhängen und voller Pessimismus in Richtung Mittelmaß blicken.

Kleiner Schwenk am Rande: Reiner Calmund hatte im Fernsehen – vollmundig wie er nun einmal ist – verkündet, dass er glaube, dass Paolo Guerrero nicht wieder auf den Fußballplatz zurückkehren wird. Dazu Bernd Hoffmann: „Er ist ja auch jeden Tag hier, um das beurteilen zu können . . .“ Und Bruno Labbadia zu diesem Thema: „Wir können nur sagen, dass alles im Moment im Soll ist, dass das Knie gut aussieht, dass bislang alles so läuft, wie es sich der Arzt vorgestellt hat. Aber ob er letztlich wieder so spielen kann, wie er zuletzt gespielt hat, das wird sich dann zeigen, wenn er wieder auf dem Platz steht. Ich bin kein Hellseher, aber ich weiß auch nicht, ob das Calmund aus der Ferne beurteilen kann.“ Guerrero hält sich zurzeit in Peru auf, lässt sich in der Heimat behandeln – und kommt in 14 Tagen wieder zurück nach Hamburg.

Und zum Schluss noch in eigener Sache: Endlich wird hier wieder – wenn auch nicht so sehr erfreulich – über den Fußball und den HSV geschrieben. Endlich! Sollte allen ein Anreiz geben, wieder vermehrt an den HSV zu denken, als über alle anderen Sachen. Danke!

16.38 Uhr

Was läuft falsch beim HSV?

23. November 2009

Wenn ich jetzt „schon“ ins Bett gehen würde, dann käme ich wohl so gegen 7.30 Uhr zum Schlafen, so hat mich dieses 0:1 gegen Bochum aufgewühlt. Kann das wahr sein? Mir kommen immer noch Zweifel, ob dieses Spiel tatsächlich stattgefunden hat. Und dann auch noch mit diesen zahlreichen Facetten. Ich kann es nicht glauben. Und dann die Krönung nach dem Schlusspfiff, die Erkenntnis des Bochumer Trainers Heiko Herrlich. Unglaublich, aber auch wahr. Der sprach, fast hätte ich gesagt, er faselte etwas von “einem verdienten Sieg für seinen VfL“. Verdient? Da frage ich mich, wo dieser Mensch, der ja direkt vom DFB zu einem Abstiegskandidaten gewechselt ist, seine Lizenz erworben hat? Verdient? Auch das kann doch nicht wahr sein, dass sich ein Bundesliga-Trainer so in die eigene Tasche lügt.

Grausam, aber das ist wohl doch auch nur zweit- oder drittrangig für alle Hamburger, denn an erster Stelle steht ja wohl das große HSV-Dilemma. Immerhin standen auch diesmal elf Profis auf dem Rassen, die ja alle mal deswegen einen Vertrag beim HSV erhalten haben, weil sie eigentlich etwas können sollten. Aber sie konnte es (diesmal) nicht. Wieso nicht? Reicht die Klasse, die man in ihnen vermutet hat, doch nicht ganz?

Die Frage, die sich nach diesem Grotten-Kick ergibt, ist die: Geht es noch schlimmer?

Wahrscheinlich ja, denn Piotr Trochowski hatte sich mit Krämpfen aus dem Spiel verabschiedet (die Nationalmannschaft lässt grüßen), und Guy Demel zog sich eine Prellung zu. Fein, fein. Und wahrscheinlich erkranken dann in dieser Woche noch einige Spieler an Grippe . . . Man gönnt sich ja sonst nichts (beim HSV).

Was läuft aber zurzeit falsch in der Truppe des neuen Tabellenfünften – mal abgesehen davon, dass es den einen oder anderen verletzten oder erkrankten Spieler zuviel gibt? „Wir haben vor dem Spiel nicht gejammert, und das werden wir jetzt nach dem Spiel auch nicht tun“, sagte Labbadia. Hätte er bei seiner Aufstellung nicht auch würfeln können, wenn es darum ging, halb fitte und nicht so ganz fitte Spieler aufzustellen?

Er wurde danach gefragt, warum der eigentlich an Grippe leidende Elia doch spielte, obwohl keiner mit ihm gerechnet hatte? Antwort Labbadia: „Wir mussten uns am Morgen des Spiel für einen von drei Grippekranken entscheiden. Und Eljero Elija hat bei unseren Trainingseinheiten am wenigsten von allen Grippekranken gefehlt.“

Die Frage, warum nicht Marcus Berg von Anfang an, sondern Tolgay Arslan, schwebte im Presseraum durch die Luft, aber niemand stellte sie. Dafür riefen mich auf der Heimfahrt gleich drei Amateurtrainer an und sagten unisono: „Berg hätte von Beginn an spielen müssen, ich hätte es jedenfalls so gemacht, denn er hat mehr Erfahrung als Torun oder Arslan. Berg hätte so lange spielen müssen, so lange er die Kraft dazu hat. Berg hätte aber die gute Phase der Mannschaft nutzen können, die in den ersten 60 Minuten ja enormen Druck gemacht hat.“

Hinterher ist man immer schlauer. Aber es ist wohl was dran. Und zu Elia: Er hätte dieses Spiel ganz allein entscheiden können, ja sogar müssen – aber er hat versagt. Ist das nun seiner Unbekümmertheit und seiner Jugend zuzuschreiben, oder seiner Grippe? Ich vermag es nicht zu sagen, aber seine Vorstellung war einfach nur grausam schlecht.

Damit allerdings war er nicht so ganz allein. In Zeiten wie diesen, in denen wir alle etwas netter, wohlwollender und menschlicher miteinander umgehen wollen und sollen, weil uns der Enke-Tod dazu aufgerufen hat, wollte ich eigentlich nichts über die Vorstellung von Tolgay Arslan schreiben. Irgendwie möchte ich auch dabei bleiben, ich möchte nur so viel sagen: Das war absolut nichts. Und diese 61 Minuten, in denen er mitwirkte, haben mich nicht mit einer Phase meines Herzens (und Fußball-Verstandes) hoffnungsfroher gemacht, dass es noch einmal etwas mit ihm werden könnte. Aber auch ich kann mich täuschen, wobei ich an den guten alten und große Kollegen Horst Freese denken muss, der eine, nein, der die Presse-Institution in Hamburg war (Bild-Zeitung) und mir einst sagte: „Karsten Bäron wird nie ein guter Fußballer, der hätte zum Basket- oder Volleyball gehen sollen.“ Da irrte Freese, und ich kann mich beim Thema Arslan natürlich auch irren.

Wobei ich Arslan auch nicht als denjenigen ausmachen möchte, der als Hauptschuldiger der Niederlage in die Geschichte eingeht. Da gab es andere Profis, gestandene Männer.

Mir geht die immer wiederkehrende Wehleidigkeit eines Bären von Mannes auf den Keks. Aber total auf den Keks. Guy Demel wird in diesem Punkt wohl bis zum Ende seiner Hamburger Zeit ein ganz besonderer Fall bleiben, ich komme damit aber nicht zurecht. Und ich glaube auch, dass Bruno Labbadia damit ebenfalls so seine Probleme hat, denn auf die Frage, was denn seinen Verteidiger diesmal (und ein weiteres Mal) zum Ausscheiden zwang, sagte der Coach nur angefressen sowei kurz und schmerzlos: „Prellung.“ Ohne dabei sein Gesicht zu verziehen.

Wobei ich dann bei Maximilian Beister wäre. Der kam für Demel – in der 88. Minute. Ich hätte mir diesen „frechen Hund“ aber durchaus schon die eine oder andere Viertelstunde früher gewünscht, da hätte er vielleicht noch einiges bewegen können. So verpufften die Sekunden in aller Eile, ohne dass Beister noch etwas bewegen konnte. Und wenn ich schon im Sturm bin, dann möchte ich sagen, dass Tunay Torun aggressiver und entschlossener in seinen 29 Minuten wirkte, als sein Vorgänger Arslan in zuvor 61 Minuten. Aber, und das ist entscheidend, bewegt hat Torun letztlich auch nichts.

Robert Tesche, der im Mittelfeld spielte, trat eine Stunde lang so gut wie nie in Erscheinung, er wirkte in einigen Szene wie ein Fremdkörper (und auch unbeweglich), dann aber fand er allmählich besser ins Spiel. Und hatte dann mit der Zahl sechs zumindest die meisten Torschüsse eines HSV-Spielers vorzuweisen. Und einen Kopfball von ihm beförderte ausgerechnet der ehemalige St.-Pauli-Spieler Roman Prokoph von der Torlinie. Das war auch noch Pech.

Wie schon das Kopfball-Tor von Joris Mathijsen, der das vermeintliche 1:0 erzielt hatte, aber dann trat Schiedsrichter Günter Perl in Aktion: kein Tor. So etwas von lächerlich, ich finde dafür keine Worte. Da steht der kleine Elia am, ich wiederhole, am Fünfmeterraum, und der Riese Heerwagen, der VfL-Torwart, kann nicht zum Ball gehen – wie tragisch. Aber was hat das mit einem Foul zu tun? Franz Beckenbauer hat bei Sky über diese skandalöse Entscheidung nur müde gelächelt. Und nach dem Spiel lief mir in der Arena ein Hamburger Schiedsrichter über den Weg, der auch mit der Bundesliga zu tun hatte. Er fragte mich, warum dieses Tor keine Anerkennung gefunden hatte, er fragte mich! Denn: Er hatte nichts erkennen können, was da ein Foul gewesen sein soll. Er verdrehte nur die Augen über die Entscheidung des Pullachers. Perl wurde von einer Hamburger Zeitung zuvor ja schon als Glücksbringer für den HSV bezeichnet, das war er nun aber tatsächlich – nicht. Wird er aber vielleicht noch einmal. Ob aber auch noch in diesem Leben?

Mit einem besseren Schiedsrichter, das sage ich ganz bewusst, hätte der HSV zumindest einen Punkt in Hamburg behalten, den Sieg aber vergaben die indisponierten HSV-Profis gleich reihenweise. Und das ist genau so schwach, wie dieser Pullacher Perl.

Apropos schwach: David Rozehnal war wieder in einigen Szene so katastrophal fahrig, dass ich mich jetzt und nun absolut festlegen werde: Er packt es in dieser Liga nicht mehr.

Und Joris Mathijsen, der neue Rekordler der Niederlande? Wer die Entstehung des 1:0 für den VfL Bochum gesehen hat, als ihm Sestak davonlief, der weiß, wo Mathijsen seine große Schwäche hat.

Grundsätzlich muss ich genau an diesem Punkt einmal anmerken, dass in dieser HSV-Mannschaft kein Spieler ist, der bei Misserfolgen die Schuld bei einem seiner Nebenleuten suchen sollte, sondern sich zunächst einmal selbst an die eigene Nase fassen. Damit wäre er klug beraten.

Gute Noten beim HSV hatten sich diesmal kaum Spieler verdient. Frank Rost war absolut okay, Marcell Jansen war lange Zeit der beste Hamburger, aber nach einer Stunde ließen seine Kräfte nach. Und Piotr Trochowski knüpfte in der ersten Halbzeit durchaus an die gute Leistung, die er am Mittwoch im Länderspiel gegen die Elfenbeinküste gezeigt hatte, an. Als bei ihm aber die Krämpfe begannen, begann auch sein leistungsmäßiger Abstieg. Schade. Für den HSV in erster Linie. Über 90 Minuten gesehen war David Jarolim (96 Ballkontakte, die meisten aller Spieler) noch der konstanteste HSV-Feldspieler, aber auch er konnte so allein auf weiter Flur nichts mehr ausrichten.

Ein anderer Punkt noch: Vor dem Spiel haben einige Kollegen von mir noch gemutmaßt, was denn an dem Bericht der Sport Bild dran sei, die nur den guten Tabellenplatz dafür verantwortlich gemacht hat, dass es beim HSV bislang noch relativ ruhig zugehe. Ist da was dran? Ich würde es nach dieser Vorstellung nicht mehr strikt verneinen. Insgesamt fehlt mir in dieser Truppe ein wenig Leben, denn so richtig mitreißend spielt keiner. Wobei ich nicht nur das Spielerische meine, sondern vor allen Dingen das Verbale. Könnt Ihr es ausmachen, dass die Spieler sich untereinander anfeuern, motivieren, führen, unterstützen oder einfach nur durch und mit Worten helfen? Ich sehe das nur noch höchst selten. Allerdings muss ich auch feststellen, dass es im Training bislang immer ganz „normal“ zuging, da ist nichts von Aggressionen untereinander (oder auch offene Abneigung) zu spüren oder zu erkennen. Bislang jedenfalls.

Zum Schluss noch für alle Matz-ab-Leser der Original-Wortlaut der Erklärung von Bruno Labbadia bei der Pressekonferenz:

„Für uns ist es eine bittere Niederlage, wir haben in den ersten 60, 70 Minuten vieles richtig gemacht. Wir haben Fußball gespielt, wir haben den Gegner laufen lassen, haben mehrere Möglichkeiten gehabt, wo wir nach Pressbällen Möglichkeiten hatte, wo wir aber die falschen Entscheidungen getroffen haben, wo wir geschossen haben, statt den Ball quer zu legen. Ich denke einfach, dass wir schon sehr viele Dinge gut gemacht haben, außer dass wir nicht konsequent in der Chancenauswertung waren, und vor allem im Strafraum nicht konsequent genug waren, das hat uns ein bisschen gefehlt. In den letzten 20 Minuten haben wir denn ein Stück die Linie verloren, da hat man dann gemerkt, dass uns die Ruhe fehlt. Und leider sind wir dann in den Konter gelaufen, in den wir nicht laufen wollten.“

0.13 Uhr