Tagesarchiv für den 21. November 2009

Die Optimisten sind unter uns

21. November 2009

Marcus Berg war auf dem Platz, machte beim Abschlusstraining mit. Kommt da Hoffnung auf? Eindeutig ja. Wie schon mein „Assistent“ Peacock sowie Matz-ab-Blogger “Harry” schrieb, dass sie trotz der personellen Misere durchaus optimistisch sind (wir standen einträchtig nebeneinander) – ich bin es irgendwie auch. Es war ein Abschlusstraining, das irgendwie doch wieder Mut machte. Das begann schon mittendrin, als der erneut am Rande übende Mladen Petrtic vorzeitig vom Rasen ging. Der Kroate wurde außerhalb des Platzes von einer 30-köpfigen kraotischen Fan-Gruppe empfangen, aber wie! Das war fast wie Karneval in Hamburg: Er wurde besungen, beklatscht und hofiert, Petric musste Rede und Antwort stehen, posierte für unzählige Fotos, schrieb fleißig Autogramme und wurde enthusiastisch gefeiert, es gab sogar Applaus für ihn, weil er den Fans offenbar genau die richtigen Antworten gab. Das war in dieser Art ein Novum, aber Mladen Petric gab zu: „Das habe ich schon einige Male erleben dürfen, auch in der Schweiz.“

Zuvor, auf dem Rasen, machte der verletzte Stürmer schon wieder einen hervorragenden Eindruck (beim Sonder-Training mit Reha-Coach Markus Günther). Petric wirkte kräftig, dynamisch, entschlossen, beinahe schon wieder so, als könne er gegen den VfL Bochum schon wieder in der Anfangsformation stehen. Okay, es wäre ein Wunsch von mir, ich weiß natürlich, dass so etwas völlig ausgeschlossen ist, aber träumen darf man doch mal für einige Sekunden. Immerhin: Mladen Petric gab zu, dass er sich schon wieder sehr gut fühlt: „Es ging schon besser als vor einigen Tagen, am Freitag aber habe ich ausgesetzt, weil ich die großen Anstrengungen doch gemerkt habe.“ Das ist normal. Dennoch keimt frischer Mut auf, wenn er schon wieder so voller Willenskraft trainiert. Wann aber ist er wieder so weit? Hat er sich selbst ein Datum gesetzt? Petric lächelnd: „Ja, das habe ich, aber das verrate ich nicht.“ Weil er sich wahrscheinlich nicht selbst unter Druck setzen will.

Inzwischen drückt er seiner Mannschaft die Daumen, auch er wirkt optimistisch. Den Grund verrät er auch: „Es wurde in dieser Woche super trainiert, und ich habe die Kollegen beobachtet, als es die Video-Analyse von den letzten Spielen gab. Die Fehler wurden angesprochen, die Spieler wirken total entschlossen, sie wollen es gegen Bochum besser machen – und ich denke, es wird ihnen auch gelingen.“

Also noch ein Optimist mehr. Obwohl es beim Training auch den einen oder anderen Skeptiker unter den Kiebitzen gab. Tenor: „Bochum hat uns schon so oft in die Suppe gespuckt, und diesmal hätte der VfL ja den Vorteil, gegen einen arg geschwächten HSV antreten zu können.“
Aber mal abwarten, wie dezimiert wird der HSV denn tatsächlich auflaufen. In der Kabine ließen sich an diesem Sonnabend Ze Roberto und Jerome Boateng pflegen – gibt es da noch ein kleines Wunder, das sie trotz allem mitspielen können? Und was ist mit Eljero Elia, der nicht am Abschlusstraining teilnahm? Kann er eventuell doch mitmischen? Es gibt ja auch für Trainer eine gewisse Schmerzgrenze. Ich denke da an die vergangene Saison, als dem HSV auch die Spieler ausgegangen waren: Martin Jol rief am späten Sonnabend bei Jerome Boateng an und „überredete“ ihn, am nächsten Tag ins Stadion zu kommen – und dann spielte der Abwehrspieler auch tatsächlich von Beginn an mit. So etwas gibt es also auch. Es geht, wenn es denn muss, auch einmal unkonventionell.

Und wenn es schon mal gewisse Probleme im Angriff gibt, warum soll nicht auch mal das Mittelfeld ein Spiel entscheiden? Robert Tesche schoss, so ganz nebenbei, das einzige Tor im abschließenden Spielchen acht gegen acht. Zudem traf David Jarolim zweimal den Pfosten. Am Sonntag macht er es dann eben besser und etwas genauer.

Zudem habe ich ja irgendwie auch die Hoffnung, dass bei Piotr Trochowski (in dieser Saison) mal wieder der Knoten platzt. Beim Training machte er einen sehr guten Eindruck auf mich, nun liegt es an ihm, seine gute Leistung, die er im Länderspiel gegen die Elfenbeinküste gezeigt hat, auch mal bei einem Bundesliga-Spiel (noch dazu in Hamburg) zu bestätigen. Er könnte es doch . . . Ganz sicher, Und diesmal wäre es dazu noch sehr hilfreich, wenn er nicht nur Verantwortung übernehmen würde, sondern wenn er auch etwas Zählbares beisteuern würde. Und wie gesagt, ich habe da so ein Gefühl.

Übrigens machte aus der Zweiten auch Stürmer Maximilian Beister mit, und der Jugend-Nationalspieler erhielt zwischendurch auch mal ein Lob von Bruno Labbadia. Wie schön wäre es, wenn einmal ein solches Talent wie „Kai aus der Kiste“ käme, ein Tor, nein das Siegtor machen würde – um dann fortan eine gute Rolle im Kreise der Profis spielen zu können. Wäre, und was für ein toller Nebeneffekt, auch endlich einmal eine tolle Bestätigung für die Talent-Arbeit des HSV, aber nun höre ich auch auf damit – zu viele Träumereien auf einmal sind nämlich eigentlich verboten.

Apropos Traum: Nachreichen möchte ich an dieser Stelle noch die Gewinner von „Matz ab“. Hannah Mönikes gewann die beiden Karten für das Bochum-Spiel, Thomas Gerkens aus Horneburg das von Bastian Reinhardt signierte Original-Trikot. Wie viele andere User hatten sie die richtigen Antworten gegeben: Im Tor stand beim ersten HSV-Spiel gegen Bochum der gute Arkoc Özcan, und vom VfL zum HSV kamen einst die Spieler Mehdi Mahdavikia und Mustafa Kucukovic. Lang ist es her, und schwer war es auch, das gebe ich zu. Lasst Euch nicht entmutigen.

17.57 Uhr