Tagesarchiv für den 19. November 2009

Der HSV geht auf dem Zahnfleisch

19. November 2009

„Müssten wir heute schon gegen Bochum spielen, dann hätten wir tatsächlich arge personelle Probleme.“ Das sagt Bruno Labbadia, und er ist eigentlich kein Typ, der sich beklagt, der hadert oder gar weint. Zum Glück ist das Spiel gegen den VfL erst am Sonntag, denn: Jerome Boateng ist angeschlagen, Jonathan Pitroipa fällt ganz sicher aus, Ze Roberto muss am Donnerstag noch eine Kernspintomographie hinter sich bringen, Marcus Berg hat eine Magen- und Darm-Grippe und kann auch heute noch nicht trainieren, und Tunay Torun leidet unter einer Grippe. Noch Fragen? Wer soll da eigentlich gegen den VfL Bochum auflaufen?

Zu einem Sorgenkind entwickelt sich allmählich Boateng. „Er ist in den letzten Wochen ja regelmäßig ausgefallen, hat immer so um die 60. Minute herum Probleme mit seinen Waden bekommen“, sagt Labbadia über den Nationalspieler. An ein langwieriges Auskurieren ist im Moment nicht zu denken, Jerome Boateng muss aus den bekannten personellen Gründen die Zähne zusammen beißen und spielen, wenn es irgendwie geht. Ob es am Sonntag gehen wird, das konnte auch Bruno Labbadia nicht beantworten: „Er lässt sich pflegen, die medizinische Abteilung wird alles tun, um ihn wieder auf die Beine zu stellen.“ Das klingt nicht gut. Und allgemein gibt der HSV-Trainer zu: „Es ist im Moment schon so, dass wir an Länderspieltagen den Atem anhalten. Warum das so ist, wissen wir nicht, aber ich denke, dass wir in dieser Phase schon einen sehr hohen Preis für die Länderspiele bezahlen.“ Weil es immer wieder Hiobsbotschaften in Sachen Verletzungen gibt.

Trotz allem aber ist es ja noch immer so, dass der HSV oben mitmischt. Irgendwie wurden alle Widrigkeiten überwunden. Auch diesmal wieder? „Wir waren in den letzten Spielen zwar nicht sonderlich erfolgreich, aber wir waren immer in der Lage, einen Dreier zu holen, trotz der Personal-Probleme“, sagt Marcell Jansen und fügt optimistisch an: „Wir haben immer eine schlagkräftige Mannschaft aufstellen können, ich hoffe und bin auch zuversichtlich, dass wir es auch diesmal schaffen.“ Übrigens: Wer mehr von Marcell Jansen wissen und sehen will: Am Sonntag ist er beim NDR-Fernsehen zu Gast bei der Sendung Sportclub live  (21.45 Uhr), Moderator ist Gerhard Delling. Das nur am Rande.

Zurück zum Bochum-Spiel: Auch der HSV-Kapitän ist ebenfalls verhalten optimistisch. David Jarolim sagt: „Wir müssen konzentriert und mit viel Geduld spielen, und dann müssen wir unsere Torchancen, die wir bekommen werden, auch nutzen.“ Wenn das so einfach wäre. Zuletzt in Hannover war es das jedenfalls nicht so ganz, und deshalb gab es „nur“ ein 2:2. Beim einstigen Angstgegner. Aber auch der VfL Bochum hat schon einige Male „ganz Hamburg“ in Angst und Schrecken versetzt. Und diesmal kommt der abstiegsgefährdete VfL mit einem neuen Trainer an die Elbe. Die ersten beiden Spiele hat Heiko Herrlich bereits mit seinem neuen Team VERLOREN (sorry, aber die Zeit zum Training wurde knapp, sorry!), es kommt also ein angeschlagener Boxer in die Arena – Vorsicht!

„Der Heiko Herrlich hat jetzt den Vorteil gehabt, dass er die Länderspielpause volle 14 Tage nutzen konnte, und dazu hat er wesentlich mehr Spieler bei sich gehabt, als wir beim HSV“, sagt Bruno Labbadia über seinen neuen Kollegen. Über den VfL befindet der HSV-Coach: „Ich erwarte einen sehr organisierten Gegner, ich erwarte den VfL nicht so, dass er uns in unserer Hälfte festschnüren wird, sondern dass er kontrolliert spielen wird, dass er gut organisiert spielen wird, das er die Räume eng machen wird – und dann Konter zu setzen.“

So traten die Bochumer eigentlich immer in Hamburg auf, aber sie haben den HSV dabei auch oft ärgern können. Da gab es schon einige herbe Niederlagen, und oft genug verließen die HSV-Fans den Volkspark mit hängenden Ohren. Da diesmal die Vorzeichen nicht besonders gut sind, könnten sich diesmal zwei Teams begegnen, die sich auf Augenhöhe befinden – warum soll da die Heimmannschaft ihren kleinen Vorteil nicht nutzen?

„Wir werden alles dafür tun, dass wir am Sonntag als Sieger vom Platz gehen, denn dieses Spiel ist wichtig. Enorm wichtig, denn wir wollen oben dran bleiben“, sagt Labbadia, Ohne Heimsieg über Bochum aber wäre das wohl kaum noch möglich.

Ein nicht unwichtige Rolle könnte bei dieser Partie Piotr Trochowski spielen, der in der Begegnung gegen die Elfenbeinküste zu den besten deutschen Nationalspielern gehörte. Ihm müsste seine Leistung beim 2:2 in Gelsenkirchen eigentlich großen Auftrieb gegeben haben. Generell aber sagt „Troche“ über das Sonntagsspiel: „Wir müssen mal wieder ein Erfolgserlebnis haben, wir müssen gegen Bochum befreiter aufspielen, offensiv spielen, uns breiter aufstellen.“ Er scheint gelöster als noch vor einer Woche, Da hatte ihn Bayern-Manager Uli Hoeneß öffentlich grob beleidigt. Die Sache aber scheint jetzt aus der Welt. Ihr werdet Euch erinnern, was ich nach diesem „Hoeneß-Klops“ spontan gefordert hatte: eine Entschuldigung.

Trochowski berichtete nun über den in meinen Augen unglaublichen Vorfall: „Ich hatte es nicht gedacht, dass Uli Hoeneß so etwas über mich sagen würde, aber es ist passiert, und das war schon enttäuschend für mich. Allerdings hat er sich einen Tag später bei mir entschuldigt, er hat mich angerufen – und ich habe die Entschuldigung angenommen. Damit ist das erledigt.“ Wie schön. „Troche“ könnte also gelöst aufdribbeln – und vielleicht zum entscheidenden Mann im Volkspark werden. Es wäre ihm und seinem HSV zu gönnen.

Fortsetzung folgt. Um 14.30 Uhr beginnt das Training, das werde ich mir wie immer ansehen.  Bis  dahin bitte ich Euch, die Ruhe zu bewahren. Wer die vielen Kommentare hier nicht mag (und ich mag sie!), der sollte sie nicht lesen – aber bitte nicht schimpfen oder alles verdammen. Um es mir leicht zu machen: Nehmt Euch bitte, bitte ein Beispiel an Peacock, der hat jetzt offenbar den Bogen raus. Un aber weg, es eilt, ich bin schon zu spät auf dem Acker, oder besser: am Acker.

14.31 Uhr