Tagesarchiv für den 17. November 2009

Von Verträgen und anderen Baustellen

17. November 2009

„Außer Rene Adler und Manuel Neuer, zeig mir einen Torwart in der Bundesliga, der besser ist als Frank Rost.“ Mein Freund Manfred staunte beim Training über die guten Leistungen von Rost. Der Keeper hielt nicht nur stark, er kommentierte beim abschließenden Kick auch lautstark fast alle Spielzüge seines Teams, und er ärgerte sich in bewährter Manier über jeden Gegentreffer. Und auch über den wohl zu stumpfen Rasen, denn bei einer waghalsigen Parade blieb Frank Rost mit dem linken Knie im Rasen hängen, hob eine Grube aus und lag einige Sekunden voller Schmerz am Boden. Aber ein Indianerherz kennt bekanntlich keinen Schmerz, Frank Rost hatte sich schnell wieder erholt und hielt tapfer durch.

Er blieb aber ein Thema, denn: Was wird aus dem 36-jährigen Torhüter am Ende der Saison? „Manni“ befand deutlich: „Der HSV muss mit Rost verlängern, ganz klar, denn Neuer oder Adler wird sich der Klub nicht leisten können.“ Worauf ich erwiderte: „Wie war das eigentlich damals bei Schalke? Da zauberte Trainer Mirko Slomka einen Nobody wie Neuer aus dem Hut – und setzte Rost fortan auf die Bank. Und ähnlich war es doch mit Adler. Bayer-Coach Skibbe holte ihn wie Kai aus der Kiste ins Tor, setzte den schmollenden Jörg Butt auf die Bretter, die Ersatz bedeuten.“

Und? Hat der HSV einen Neuer oder Adler aus dem Hut zu zaubern? Schön wäre es ja. Stellt Euch vor, da käme plötzlich ein junger Held, der noch besser als Frank Rost ist. Eben genau ein Typ Adler oder Neuer. Hatten Schalke und auch Leverkusen einfach nur Glück? Und: Gäbe es ein solches Talent, das im Nu zum Kreise der A-Nationalmannschaft gehört, überhaupt noch ein weiteres Mal im deutschen Fußball? Freund „Manni“ zuckte mit den Schulter: „Keine Ahnung, Eher wohl nicht. Obwohl ich nicht weiß, wie sich Wolfgang Hesl entwickeln würde, wenn er denn spielen müsste.“ Eine spannende Frage. Wobei am Dienstag im Training zu sehen war, dass sowohl Hesl (23) als auch der Keeper der Zweiten, Tom Mickel (20), durchaus eine hohe Veranlagung haben. Beide zeigten bei Schüssen von Torwarttrainer Claus Reitmaier einige herrliche Flugeinlagen, die sahen schon richtig gut und ganz nach Bundesliga-Torwart aus – Kompliment.

Rost würde wohl gerne noch ein Jahr bleiben. Als Torwart. Demnächst wird es Gespräche geben (müssen), denn seine sportliche Zukunft (beginnend mit Sommer 2010) ist noch ungewiss. Seine PR-Managerin Sabiene Hemkes sagt ur jetzigen Situation aber ganz entspannt: „Es gibt keinen Druck, es gibt keine Schwierigkeiten, es gibt auch keine Forderungen von Frank.“ Eigentlich die besten Voraussetzungen, noch ein Jahr zu verlängern. Mindestens ein Jahr. Mein Freund „Manni“ hatte dann noch einen ganz andere Idee: „Michael Rensing.“ Auf meine Frau hin, wieso der, erhielt ich die Antwort: „Erstens hatten den die Bayern als Kahn-Nachfolger ausgeguckt, vor allen Dingen FCB-Nachwuchs-Guru Hermann Gerland schwärmte von dem Keeper-Talent, also kann Rensing eigentlich nicht ganz so schlecht sein, wie er jetzt gemacht wird. Und zweitens will der trotz laufenden Vertrages weg aus München. Es käme auf einen Versuch mit Bayerns Nummer zwei an.“ Meine Antwort: „Naja, ich weiß nicht so recht.“

Aber wo wir schon gerade bei Verträgen sind: Rafael van der Vaart hat ja bei den Kollegen der Bild-Zeitung gesagt, er werde seinen Vertrag bei Real Madrid erfüllen. Und: Er wolle sich durchbeißen. Ich glaube ja in diesem Fall (an) nichts, denn: Wenn die einstige 23 bis zur Winterpause nicht mehr Spiele macht (obwohl Cristiano Ronaldo ja noch verletzt ist), dann ist er doch klug genug, um an die Weltmeisterschaft zu denken. Rafael van der Vaart braucht Spielpraxis, wenn er im Sommer 2010 in Südafrika für die Niederlande kicken will.

Dass er dann, wenn er derselben Meinung ist wie ich, noch einmal zum HSV zurück kommen wird, halte ich zum jetzigen Zeitpunkt für ausgeschlossen. Es gibt in meinen Augen keine Position für ihn, die frei wäre. Und im Sturm wäre er letztlich nur eine Notlösung. Auch wenn ich mit dieser Aussage die immer wiederkehrenden Van-der-Vaart-Befürworter bitter enttäuschen muss. Zudem steht für mich auch fest (wie für viele von Euch ebenfalls): Der HSV hat nicht das nötige Kleingeld, um sich einen van der Vaart leisten zu können. Und das Geld, was noch vorhanden ist, sollte dann in der tat sinnvoller eingesetzt werden, um die Baustellen auf Vordermann zu bringen, die es tatsächlich noch gibt.

Wobei sich diese Baustellen zurzeit gut entwickeln. Alex Silva trainierte am Dienstag (neben der Mannschaft) mit Reha-Trainer Markus Günther, erst gab es einige lange Sprints, dann sogar – gaaaaaanz vorsichtig – einige Slalomläufe mit Ball. Das sah schon richtig gut aus.
Auch mit Mladen Petric ist im neuen Jahr wieder zu rechnen, der Kroate ist auf dem besten Wege der Besserung. Bruno Labbadia ist jedenfalls völlig zufrieden („Mladen ist schon wieder ganz kernig dabei“) und unterstrich diese Zufriedenheit mit einigen zackigen Bewegungen mit Faust und Arm.
Unbeantwortet bleibt nach wie vor die Frage, was am Ende des Jahres aus Tomas Rincon wird. Er zeigte sich beim Training wieder von seiner guten Seite, zeigte auch etwas, was ich ihm nicht unbedingt zugetraut hätte: Beim Laufduell Mann gegen Mann wurde den beiden laufenden Spielern der Ball von hinten durch die Mitte gespielt – als Steilpass. Danach galt es für die beiden Spieler, sich der Kugel zu bemächtigen und den Torabschluss zu suchen. Als Rincon sich des Balles bemächtigt hatte und allein vor Frank Rost aufkreuzte, täuschte er einen Schuss in die lange Ecke an, schlenzte ihn aber abgebrüht in die kurze Ecke – Rost war ohne Chance. Ob aber solche Aktionen dabei helfen, dass Rincons Vertrag doch noch verlängert wird? Ich wage es zu bezweifeln.

Übrigens: Eigentlich wollte ich in diesen Tagen ein Vier-Augen-Gespräch mit Bruno Labbadia führen, wir haben das schon vor Monaten verabredet. Es geht aber auch in dieser Woche nichts, und wahrscheinlich, so wie es aussieht, auch in der nächsten nicht. Der Trainer ist viel auf Reisen, er will sich, wie er sagte, einige Spiele ansehen. So wie am Dienstag das U-21-Länderspiel zwischen den Niederlanden und Spanien. Ich werde also Geduld aufbringen müssen – aber es ist natürlich zum Wohle des HSV, deswegen gehe klaglos ich in die Warteschleife. Schließlich will sich Labbadia nach Verstärkungen umsehen, wobei das Motto dabei wohl eher „U 21“ ist – und nicht so sehr die Kategorie Rafael van der Vaart.

Zum guten Schluss, weil es gerade brandaktuell  aktuell ist, noch ein Schwenk auf die vielen Einträge bei “Matz ab”. Generell muss ich sagen, dass ich mich über den regen “Verkehr” freue, so lange es alles im Rahmen bleibt. Und das ist es zuletzt wieder, auch wenn es einige sehr private Ausschweifungen gab. Lächeln und durch. Ich weiß nämlich, dass sich einige User schon untereinander angefreundet haben, dass sie sich sich durch “Matz ab” bestens verstehen – und das kann doch nur in meinem Sinne sein.

Deshalb, lieber Peacock, wir kennen uns schon seit vielen Jahrzehnten, nehme es doch bitte mit ein wenig Humor, Du musst doch auch nicht alles lesen. Ich weiß aber von “Matz-ab”-Besuchern, dass sie zum Beispiel den fußballerischen Sachverstand von “Eiche Nogly” anerkennen und zu schätzen wissen. Auch wenn er ab und zu ins Private abdriftet – ich finde, das muss auch erlaubt sein. Wir sind doch unter uns. Also, lieber Peacock, nicht aufgeben, denn auch Du passt so wunderschön in diese Gemeinde. Ehrlich.

18.50 Uhr