Tagesarchiv für den 14. November 2009

Ansichten eines Altmeisters

14. November 2009

Kürzlich, noch auf Teneriffa, rief mich ein Mann an, der eine überaus erfolgreiche Vergangenheit mit seinem HSV erlebt hat. Und der auch heute noch bei jedem Heimspiel mit seiner Familie in der Arena dabei ist: Horst Schnoor. Der Torwart der Meistermannschaft von 1960, heute 75 Jahre alt, beschäftigt sich naturgemäß schon immer und im Besonderen mit den Torhütern, ganz speziell mit denen vom HSV. Irgendwie sind das ja seine Nachfolger. Horst Schnoor, der von allen HSV-Torhütern am längsten zwischen den Hamburger Pfosten stand (347 Oberliga-Spiele, 106 Bundesliga-Einsätze), hat in diesem Zusammenhang wenig Verständnis dafür, dass in der Öffentlichkeit – und auch in diesem Blog - schon mehrfach über die Nachfolge von Torwart Frank Rost spekuliert wurde.

Wörtlich sagte Schnoor zu mir: „Das geht mir echt auf den Wecker.“ Als ich erwiderte, dass Frank Rost doch mit seinen 36 Jahren auch nicht mehr der Jüngste sei, war der frühere B-Nationaltorhüter richtig in Fahrt: ” Das Alter interessiert bei einem Torwart überhaupt nicht, da gibt es unzählige Beispiele auf der ganzen Welt.” Ginge es nach Horst Schnoor, müsste der HSV-Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann den Vertrag mit Rost sofort um zwei Jahre verlängern. „Der Rost ist ein gestandener Mann, eine Persönlichkeit, topfit und bringt konstant gute Leistungen“, hat Schnoor mir gegenüber ganz entschieden seine Pro-Rost-Thesen untermauert.

Und auf meine Nachfrage hin, ob man nicht bei einem Keeper im fortgeschrittenen Alter wenigstens mal über Nachfolger nachdenken könne, erwiderte er: „Was heißt denn hier fortgeschrittenes Alter? Das ist doch Blödsinn.“ Er jedenfalls betrachtet Rosts physische und psychische Präsenz als alles andere als alarmierend. Im Gegenteil.

Horst Schnoor geht sogar noch einen Schritt weiter: Er würde Frank Rost in die Nachfolgesuche mit einbeziehen. Der HSV-Torwart hat seiner Ansicht nach so viel Rückgrat und Weitsicht, dass er ein wertvoller Ratgeber bei der Zukunftsausrichtung zwischen den Pfosten spielen könnte. Und das wäre dann ja auch schon ein erster kleiner Schritt in Sachen Sportchef oder Manager. Obwohl ich da, sage ich ganz deutlich, meine ganz großen Zweifel habe, ob Rost diese Position beim HSV erhalten würde. Dazu ist der Keeper doch ein wohl zu starker Mann, und ob der vom jetzigen Vorstand akzeptiert werden würde? Oh, oh. Eher nein.

Ich weiß, dass aus Eurem Kreis zuletzt immer wieder die Fragen kamen, was aus den Verträgen von Frank Rost, Paolo Guererro, Mladen Petric und Tomas Rincon wird? Ich konnte mich während des Urlaubs natürlich nicht großartig schlau machen, glaube aber auch nach wie vor, dass sich der HSV (und Bernd Hoffmann) da nicht einen Millimeter weit in die Verträge sehen lassen wird. Das wird in aller Ruhe vorbereitet, und dann geht es an die Öffentlichkeit. Wasserstandsmeldungen wird der Klub auf keinen Fall abgeben. So hat er es immer gehalten, so wird es auch in diesen Fällen bleiben.

Und ich werde dran bleiben, um etwas in diesen Richtungen zu erfahren. Und höre ich etwas, werdet Ihr es hier auch sofort lesen können.

Übrigens: Am Mittwoch soll Ze Roberto nach seinem Bänderriss seinen  Fuß vom Gips befreit bekommen. Auf die Frage, ob es dann noch zu einem Einsatz für das Bochum-Spiel langen könnte, setzte Trainer Bruno Labbadia ein Pokerface auf – und sagte (mit einem, das gebe ich zu, eher negativen Unterton): “Mal abwarten. Ze hat dann ja auch über eine Woche nicht trainiert. Mal sehen, wie sein körperlicher Zustand dann ist.” Immerhin: Ein klares “Nein” hat es von Bruno Labbadia nicht gegeben – und die Hoffnung stirbt bekanntlich ja zuletzt.

In diesem Sinne, kommt gut in dieses Wochenende. Am Sonntag werde ich, da der HSV erst am Montag wieder trainieren wird, mal wieder aus dem Nähkästchen plaudern, es gibt im Zusammenhang mit Teneriffa ein, zwei, drei wirklich herrliche HSV-Geschichten. Oder sogar mehr. Und die Sprechstunde wird in diesen Stunden auch wieder aufgenommen – versprochen.

14.55 Uhr

Nächste Einträge »