Tagesarchiv für den 12. November 2009

Mehr Beachtung für die Mitmenschen

12. November 2009

Ich habe lange hin und her überlegt und Eure Beiträge gelesen. Ich finde alle Entscheidungen des DFB nachvollziehbar und möchte entgegen meiner gestrigen Ankündigung auch noch nicht zur „Normalität“ übergehen. Das geht nach so einem Vorfall wahrscheinlich auch gar nicht, bei mir jedenfalls nicht.

Wenn Robert Enkes Tod einen Sinn hatte, von dem wir möglicherweise alle etwas haben, dann ist es meines Erachtens der Umstand des Nachdenkens. Ich habe mich in den vergangenen Jahren gegenüber Freunden und auch gegenüber Kollegen immer wieder beklagt, wie groß die Anonymität vieler Menschen mitten in unserer Gesellschaft doch ist. Wie oft hört man von älteren Leuten, die in ihrer Wohnung sterben, die aber erst Wochen oder manchmal sogar Monate später entdeckt werden. Niemand vermisst sie, selbst direkte Nachbarn haben sie nicht auf dem Zettel.

Vielleicht löst so ein dramatischer Fall wie der von Robert Enke eine neue Sensibilität aus. Das wäre echt wünschenswert. Es geht nicht darum, dass man die Probleme anderer alle lösen soll oder es versuchen muss. Aber wenn jeder in seiner näheren Umgebung Augen und Ohren offen hält, sich auch mal Zeit für die Probleme von Mitmenschen nimmt, dann ist schon ein großer Schritt getan. Ich weiß, dass sich jeder selbst am nächsten ist, und ich bin bestimmt kein alter Mann mit utopischen Hirngespinsten. Ich glaube nur, dass ein bisschen mehr Gemeinschaftsleben und Teamwork der gesamten Gesellschaft gut tun würde.

Dass all diese Schritte einen Fall Enke auch nicht verhindern können, haben Hannovers Verantwortliche verständlich gemacht. Er hat seine Krankheit bewusst verheimlicht, mit allen Mitteln. Und grundsätzlich gilt: Die Öffentlichkeit und auch die Klubs nehmen ja fast nur noch Profis als Einzelunternehmer wahr, das ist ein Zeichen der Zeit. Persönliche Probleme, Krankheiten und ähnliches werden kaum noch mit in die Kabine und ins Mannschaftsleben getragen. Das ist wohl auch kaum zu ändern.

Trotzdem sollte auch für die Bundesliga, ihre Berichterstatter, für Trainer, Verantwortliche, Fans und Spieler immer klar sein, dass die Hauptdarsteller dieses Millionengeschäfts Menschen sind. Und die machen eben nicht nur alles richtig, die machen Fehler (und das nicht absichtlich), die haben Ängste, Sorgen und Probleme wie wir alle. Und dieses Recht sollten sie auch behalten, obwohl sie überdurchschnittlich verdienen und berühmt sind.

Jetzt reicht es aber auch mit dieser Thematik. Robert Enkes Freitod wird uns wohl alle noch etwas länger gedanklich begleiten. Und jeder sollte seinen Weg finden, wie er oder sie am besten damit klarkommt.

14:45 Uhr