Tagesarchiv für den 10. November 2009

Enkes Tod sorgt für Bestürzung

10. November 2009

Mein Telefon steht nicht still. Seit der Nachricht von Robert Enkes Tod haben mich enge Freunde, Blog-Bekannte und Kollegen angerufen und mir ihre Bestürzung mitgeteilt. Keiner kann fassen, dass Hannovers Nationaltorwart so plötzlich aus dem Leben geschieden ist. Und viele wissen nicht, wie sie den Tod dieses gestandenen Mannes einordnen sollen. Ich schließe mich da an. Diese Informationsfetzen vom möglichen Selbstmord möchte ich eigentlich gar nicht so sehr an mich heranlassen, ehe mir nicht alle Umstände bekannt sind. Denn das wirft alles so viele traurige Fragen auf: Wie verzweifelt muss jemand sein? Und was muss seine Familie jetzt aushalten? Wie viel Schmerz lässt sich ertragen?

Ich möchte an dieser Stelle einfach nur mein Mitgefühl zum Ausdruck bringen und Euch sagen, dass es mich mit Stolz erfüllt, dass viele von Euch ungeachtet der Vereinszugehörigkeit, sportlicher Einschätzungen oder anderen Kriterien ihr Beileid kundgetan haben. Das ist für mich ein deutliches Zeichen, dass es immer noch Dinge gibt, die den Fußball und das ewige Konkurrenzdenken in den Hintergrund rücken und es eine Art Fußballfamilie gibt. Leider ist es in diesem Fall ein so tragisches Zeichen. Und darum möchte ich heute auch nicht mehr über den HSV schreiben. Ich bin fassungslos.

22:15 Uhr

Wie abhängig ist der HSV von Ze Roberto?

10. November 2009

Wie niederschmetternd können die personellen Nachrichten vom HSV noch werden? Da öffne ich gerade gut ausgeschlafen meine Mails, schon flattert mir eine Pressemitteilung des HSV mit der Nachricht von einem Bänderanriss bei Ze Roberto ins Haus. Grässlich. Ich kann jetzt schon erahnen, was sich bei vielen Fans im Kopf abspielen wird. Da entstehen Horrorszenarien mit spielerischer Armut im Mittelfeld, da macht sich die große Sorge breit, dass sich der „Negativtrend“ der jüngsten drei Partien vielleicht auch gegen Bochum fortsetzen könnte.

Aber halt: So weit ist es mit dem HSV dann jawohl doch noch nicht. Auch wenn ich nicht glaube, dass der Brasilianer Ze Roberto in dieser Hinrunde noch einmal zum Einsatz kommen wird, so ist sein Ausfall nicht gleichbedeutend mit dem Ende der fußballerischen Harmonie in der Schaltzentrale des HSV. Ich bin der festen Überzeugung, dass Tomas Rincon, Mickael Tavares oder vielleicht auch Guy Demel die Rolle Ze Robertos ganz gut übernehmen können. Keiner dieser Spieler wird dabei die Klasse Ze Robertos erreichen, muss er aber auch gar nicht, wenn die Aufgabenverteilung eindeutig vorgenommen wird.

Was geht jetzt wohl in Bruno Labbadia vor? Wie ich ihn kenne, wird er sich nach wie vor maßlos über das 2:2 in Hannover ärgern. Verletzungen wie jetzt die von Ze Roberto belasten ihn auch, aber bei weitem nicht so stark, denn diese Art von Rückschlägen lässt sich kaum beeinflussen. Und Labbadia hat bislang nicht den Eindruck gemacht, als gehöre er zur Trainerkategorie Jammerlappen, die jeden Ausfall eines Profis so hoch aufhängen, als fehle Herz und Hirn ihrer Mannschaft.

Möglicherweise wäre die Bezeichnung „Herz und Hirn“ im Falle von Ze Roberto sogar am ehesten zutreffend. Egal mit wem ich aus der Bundesliga gesprochen habe: Alle waren sich einig, dass der Brasilianer DIE Neuverpflichtung schlechthin ist, dass er maßgeblich am Höhenflug des HSV beteiligt ist und dem Team seinen Spielstil verinnerlicht hat. Technisch brillant, in Drucksituationen souverän und unaufgeregt – ich kann gestehen, dass ich mit dieser Spielweise als Zuschauer am ehesten den Begriff „Genuss“ verbinde.

Jetzt wird es natürlich extrem spannend sein, ob die Mannschaft einen Knacks bekommt, weil sie womöglich schon abhängig von Ze Robertos Ideen, Impulsen und Ballsicherungen ist. Da bekommt der Kapitän David Jarolim eine riesige Bedeutung. Jetzt werden sich die Augen auf ihn richten. Nun ist er nicht mehr „nur“ als Nebenmann Ze Robertos gefragt, der die gewohnte Ballsicherheit und geringe Fehlerquote an den Tag legt, sondern zudem noch mit Tempowechseln und „tödlichen Pässen“ den Offensivgeist nachhaltig belebt. Dass „Jaro“ das kann, wissen wir wohl alle. Labbadia und Co. haben nun anderthalb Wochen Zeit, diese leichte Ausrichtungsänderung im Mittelfeld herbeizuführen.

Je intensiver ich über den neuen zweiten Sechser im Mittelfeld nachdenke, desto mehr tendiere ich zu Guy Demel – sofern der Ivorer komplett genesen ist. Erinnert Ihr Euch noch an seine Superspiele im zentralen defensiven Mittelfeld? Da war Demel echt eine Art Wunderwaffe. Meist hielt er die defensive Position und räumte in bester Staubsaugermanier alles ab, was ihn düpieren oder überlaufen wollte. Dann setzte er – anders als bei vielen Kopfballduellen – seinen Vorzeigekörper gewinnbringend ein und verzückte seine Hinterleute durch eine enorm hohe Anzahl gewonnener Zweikämpfe. Und dann, immer wieder, unangekündigt, setzte er zu diesen spektakulären Vorstößen an. Wie eine Welle nahm er immer mehr Schwung mit und setzte seinen Weg in den gegnerischen Strafraum fort. Da sprang sofort der Funke aufs Publikum über, von der Torgefahr ganz zu schweigen.

Diesen Guy Demel, der mit Sicherheit eine andere, bessere Form hatte als der aktuelle, würde ich gerne mal wieder sehen. Und vielleicht bedurfte es ja dieser prominenten Verletzung, um bei dem Mann von der Elfenbeinküste die Trendwende einzuläuten. Ich lasse mich da überraschen – aber bitte nur positiv.

11:35 Uhr

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