Tagesarchiv für den 7. November 2009

Geduldig gegen die Wundertüte

7. November 2009

Eigentlich wollte ich mich ja heute einigen Fußballregeln, ihren Hütern und vielen Missverständnissen und Fehlinterpretationen diverser Regeln widmen (vor allem der so oft thematisierten Handspielregel!), doch angesichts des anstehenden Nordderbys bei Hannover 96 verschiebe ich das noch einmal. In den kommenden Tagen der Länderspielreisen werden wir ja genug Zeit haben, um einzelne Bereiche zu kommentieren und untereinander zu diskutieren.

Vorab möchte ich aber noch einmal in Sachen „HSV-Oliver“ etwas anmerken. Ich habe einige Kritik gelesen, dass ich ihn hier so öffentlich an den Pranger gestellt hätte. Das sehe ich dann doch etwas anders. Wir sind in einem HSV-Blog, ich empfinde das hier irgendwie auch als eine Mannschaft, und darum können Probleme, Themen, Lob, Kritik auch im Blog angesprochen werden. Ich möchte noch einmal klarstellen, dass jeder hier seine Meinung, und sei sie auch noch so abwegig, ungestraft und ungekürzt äußern darf und soll. Ich möchte und werde hier keine Zensur einführen. Und einen ebenfalls aufgekommenen Kritikpunkt an meinem letzten Beitrag habe ich angenommen. Ich empfand nicht nur einige Kommentare von „HSV-Oliver“ unpassend, sondern auch die zum Teil deutlich überzogenen Reaktionen darauf. Ich hätte das bereits in der ersten Mail schreiben sollen, nein, sogar müssen – mein Fehler. Ich bitte das zu entschuldigen.

Nun aber zum Sport und dem Derby. Ich habe heute viel über dieses Spiel gelesen. Der Trend spricht ja eigentlich für die Niedersachsen. Die Mannschaft von Trainer Andreas Bergmann hat die letzten zwei Spiele gewonnen, und Bruno Labbadias Mannschaft machte zuletzt nicht immer den besten Eindruck – tut sich gegen die vermeintlich „kleinen“ Mannschaften zudem immer etwas schwerer.

Aber ganz ehrlich: Wenn man sich als HSV-Begleiter jetzt schon Sorgen vor jedem Match gegen eine insgesamt schwächer besetzte Mannschaft machen müsste, dann wäre das ja in 80 Prozent aller Bundesligaspiele der Fall. Daher weiß ich auch, dass Trainer Labbadia sein Hauptaugenmerk auf die eigenen Stärken legen wird. Und die sind nach wie vor vorhanden, auch wenn die von mir bezweifelte geistige Frische momentan vielleicht etwas fehlt.

Jerome Boateng hat am Freitag problemlos mittrainiert, heute hat auch Guy Demel die Einheit neben der Nordbank-Arena mitgemacht. Was das für die Anfangself in der AWD-Arena bedeutet, ist mir ehrlicherweise noch nicht ganz klar. Ich schwanke gedanklich: Soll Labbadia die etablierte Viererkette mit Boateng (zentral) und Demel (rechts) bringen, dafür auf David Rozehnal und Tomas Rincon verzichten? Oder ist das angesichts nur zwei absolvierter Einheiten des einen und nur einer des anderen ein zu großes Risiko? Fragen über Fragen, die sicherlich auch Labbadia und sein Assistent Eddy Sözer intensiv diskutieren. Wenn sie dann auch noch Hannovers Stärken mit den Qualitäten ihrer in Frage kommenden Profis abstimmen, wird es interessant. Da lässt sich vieles abwägen. Ich verlasse mich mal auf mein Bauchgefühl und sage eine Kette mit Boateng (rechts) und Rozehnal (innen) voraus. Und ich habe zudem ein gutes Gefühl, dass die null stehen wird.

Natürlich nur defensiv, denn im Vorwärtsgang muss im Gegensatz zum Heimspiel gegen Celtic schon etwas mehr kommen. Da könnte es dem großen HSV zum Vorteil werden, dass Hannover ein Heimspiel hat und entsprechend gefragt ist, was eine offensive Ausrichtung betrifft. Was das für die meisten Medien so spannende „Fernduell“ zwischen den Torhütern Robert Enke und Frank Rost betrifft, bin ich ganz entspannt. Rost wird sich ebenso wie Enke nicht von Schlagzeilen ablenken lassen. Und dieses eine Spiel verändert an möglichen Interessen, Nachfolgeambitionen und ähnlichem schon mal gar nichts – schwere Verletzungen, die ich niemandem wünsche, mal ausgenommen.

Die heutigen Bundesligaspiele haben an der engen Lage der Tabellenspitze nichts entscheidend verändert. Ein Sieg in Hannover ist Pflicht, wenn Labbadias Team den Tabellenführer in Sichtweite behalten will. Aber trotz dieser Ausrichtung darf die Mannschaft nicht ungeduldig an die Aufgabe herangehen, denn das wäre gegen so eine „Wundertüte“ wie die 96er fatal. Den Begriff „Wundertüte“ meine ich nicht despektierlich. Aber bei Bergmanns Mannschaft weiß man wirklich nie, was einen erwartet. Die Hannoveraner schwanken zwischen Begeisterung und Depression. Mal top, mal Flop. Mal berechenbar, mal konfus-überraschend.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum meine Vorfreude von Stunde zu Stunde steigt. Nachdem die Bayern heute wieder einen Punkt gelassen haben (nach der Pleite gegen Bordeaux), möchte ich doch mal sehen, wie der HSV nach dem Teilerfolg gegen Celtic auf die jüngste Heimpleite gegen Gladbach reagiert. Ich hoffe: hungrig, bissig und zielorientiert!

18:20 Uhr