Tagesarchiv für den 4. November 2009

Jansen ist der beste Fernschütze

4. November 2009

Ich habe mich gestern wohl etwas missverständlich ausgedrückt, jedenfalls deuteten das einige Kommentare von Euch an. Ich möchte die persönlichen Erlebnisse und Eindrücke und Anekdoten, die Ihr in Euren Beiträgen schildert, überhaupt nicht unterbinden oder einschränken. Im Gegenteil: Ich finde solche persönlichen Noten schön und wertvoll, weil sie neben dem Austausch sachlicher Inhalte auch immer wieder Erinnerungen wecken und Emotionen. Und die gehören zum Fußball und speziell zum HSV ganz sicher dazu.

Dem Verdacht, ich hätte eine Art „Liebesbeziehung“ zu Trainer Bruno Labbadia, kann ich ruhig widersprechen. Richtig ist, dass ich seine Art und Trainingsarbeit, seine grundsätzliche Fußballphilosophie sehr schätze. Er ist kein Schauspieler, kein Dampfplauderer und niemand, der sich verstellt, um im Licht der Öffentlichkeit besser dazustehen. Das ist in der heutigen Zeit nicht selbstverständlich, und ich finde, dass man so eine Einstellung und Identifikation auch mal erwähnen und hochpreisen darf.

Das ändert aber nichts daran, dass ich eventuelle Fehler Labbadias auch nüchtern und sachlich erwähnen und kritisieren werde, sobald sie mir (beziehungsweise momentan noch meinem Kollegen) auffallen werden. Und das habe ich in der Vergangenheit ja auch schon gemacht. Daran wird sich nichts ändern. Übrigens: Meine Frau hat sich köstlich amüsiert, als ich ihr von meiner vermeintlichen „Liebesbeziehung“ zum Trainer erzählt habe. Sie würde wohl eher behaupten, dass ich den Fußball im Allgemeinen liebe. Und da kann ich wirklich nicht widersprechen.

Ich habe breit gegrinst, als ich von den Torschussübungen von Marcell Jansen, Piotr Trochowski und Marcus Berg gelesen habe – mit dem aufkommenden Nebel am Montagnachmittag. Mein Kollege hat mir davon ebenfalls berichtet. Er sagte, die Kulisse hätte ihn an Edgar-Wallace-Filme erinnert. Und irgendjemand hätte scherzhaft vom Nebel des Grauens nach der Pleite gegen Gladbach geredet. Und er sagte mir auch, dass Jansens Schüsse die besten waren und Torwart Frank Rost mehrfach überwunden hätten.

Ich habe mal darüber nachgedacht, wer wohl die besten Schützen aus der Distanz, also aus 18 Metern aufwärts sind. Bei einigen Defensivspielern, speziell den Innenverteidigern, fällt mir das echt schwer. Kann Joris Mathijsen gut, hart und präzise schießen? Und wie ist es mit David Rozehnal?

Meine persönliche Rangliste der besten fünf Fernschützen im HSV-Team:

1. Marcell Jansen
2. Piotr Trochowski
3. Jerome Boateng
4. Dennis Aogo
5. Eljero Elia

Wenn wir nun auch über die schlechtesten Schützen diskutieren würden, gäbe es wohl kaum Zweifel an der Nummer eins: Jonathan Pitroipa. Aber auch David Jarolim, der so wichtig für das gesamte Spiel des HSV ist, würde unter den schwächsten fünf Spielern auftauchen. Wenn man den Tschechen manchmal bei Trainingsschüssen beobachtet, dann bekommt man den Eindruck, als wäre sein Bewegungsapparat zum Dribbeln und Passen und Ballbehaupten geschaffen, aber für wirklich gefährliche Schüsse eben nicht. Und ihn ärgert das am meisten. Oft schüttelt er bei Torschussübungen nach eigenen Versuchen den Kopf und lächelt mitleidig über seine eigene Schwäche.

Im Spiel gegen Celtic morgen wird „Jaro“ trotzdem wieder eine extrem wichtige Rolle einnehmen. Stimmt seine Ballsicherheit, ist er von den Schotten fast nur per Schubser oder durch ein anderes Foulspiel vom Ball zu trennen. Da das auch die Teamkollegen wissen, ist Jarolim ein gern angespielter Mann. Für mich sind er und Ze Roberto das Herzstück des gesamten HSV-Spiels.

Ach ja, das Handspiel gestern von Bordeaux wurde ja auch thematisiert. Zu den Regeln und ihren Hütern werde ich mich am Sonnabend mal äußern.

12:45 Uhr