Tagesarchiv für den 3. November 2009

Gegen eine HSV-Einheit hat Celtic keine Chance

3. November 2009

Die Beschwerden mehren sich, dass dieser Blog zu einem Forum verkomme. Ich möchte mich in die Diskussion auch einschalten, nachdem ich gerade mehr als eine Stunde mit dem Lesen Eurer Kommentare verbracht habe. Damit will ich nicht sagen, dass es aus meiner Sicht zu viele Einträge sind. An der Anzahl habe ich nichts zu bemängeln. Aber jeder sollte sich an die Grundregeln der sportlichen Fairness im Blog halten. Und das heißt eben auch, dass „Foulspieler“, deren Kritik untereinander ins Persönliche abdriftet, nicht mit brutalen Revanchefouls bedacht werden, sondern nüchtern ermahnt und gegebenenfalls ignoriert werden.

Außerdem sollten wir alle den Blog als Plattform für sachliche Themenkommentare nutzen und ruhig auch persönliche Erfahrungen, Erlebnisse und ähnliches im Zusammenhang mit dem HSV schildern dürfen. Ich denke, dass wir alle reif genug sind, um aus dieser Bühne kein Sammelbecken für zwischenmenschliche Scharmützel oder gar Beleidigungen werden zu lassen. Wir brauchen jetzt auch keine Blog-Regeln aufzustellen, sondern sollten uns einfach gegenseitig in die Schranken weisen – so wie es in einer gesunden und guten Fußballmannschaft auch der Fall ist.

So, nun aber wieder zu den wirklich wichtigen Themen: dem HSV. Mein Kollege Christian Pletz hat mir heute von Taktikschulungen im Training (heute) und von ausgiebigen Torschuss- und Laufwegübungen (gestern) erzählt. Im Abschlussspiel heute hat Bruno Labbadia auf sein prominentes „Verletzungsopfer“ Jerome Boateng, der erst morgen wieder ins Mannschaftstraining einsteigen soll, reagiert. Es dürfte kaum überraschen, dass David Rozehnal gegen Celtic Glasgow wohl den Innenverteidigerposten neben Joris Mathijsen übernehmen wird. Im Training hinterließ der Tscheche zuletzt einen soliden Eindruck, und heute hat er Ersatztorwart Tom Mickel nach der normalen Einheit einige gut platzierte 16-Meter-Schüsse ins Netz gelegt.

Einer, der ebenfalls immer wieder Sonderschichten einlegt, bevorzugt um an seiner Schusstechnik und –Genauigkeit zu feilen, ist Marcell Jansen. Die meisten von Euch waren ja überrascht, dass er gegen Gladbach nicht zur Anfangsformation zählte, sondern erneut nur auf der Ersatzbank Platz nehmen durfte. Ich muss gestehen, dass ich auch etwas überrascht war. Aber angesichts seiner langen Leidenszeit mit Verletzungen und Krankheiten ist gerade Jansen gefragt sehr viel Geduld aufzubringen. Und wenn die jüngsten Trainingseindrücke einen Trend zeigen, dann ist der Links-Allrounder diesbezüglich auf einem guten Weg. Gegen Celtic erwarte ich ihn nun gar nicht unbedingt in der Startelf, in Hannover aber auf jeden Fall.

Gegen die Schotten wird es darauf ankommen, dass die Grundordnung des HSV stimmt, dass die Abstände zwischen den Spielern und Mannschaftsteilen nicht so groß wie teilweise gegen Mönchengladbach sind, dass das Stellungsspiel vor allem in der Rückwärtsbewegung verbessert wird, dass teamintern kommuniziert wird und die Konzentration konstant hoch gehalten wird. Stimmen all diese Komponenten, sehe ich für Celtic keinerlei Chancen, einen „Dreier“ aus Hamburg zu entführen. Stimmen sie nicht, ist selbst so ein in seinen diesjährigen Mitteln beschränkter Klub wie Celtic in der Lage, dem HSV nachhaltige Probleme zu bereiten.

In Sachen Personalbesetzung hat Trainer Labbadia am Donnerstag kaum Veränderungsbedarf. Ich halte es sogar für wahrscheinlich, dass er der insgesamt enttäuschenden Mannschaft des Gladbach-Spiels (mit Rozehnal statt Boateng) eine neue Bewährungschance geben wird. Sollte Jonathan Pitroipa dabei ähnlich viel Wirbel verursachen wie am vergangenen Sonnabend, wird es gegen Celtics schwerfällige und gelegentlich sogar komplett überforderte Abwehrspieler einige Chancen und Freistöße zuhauf geben.

Marcus Berg, der meines Erachtens in den vergangenen Spielen ganz und gar nicht mit Kritiken und Kommentaren „abgewatscht“ wurde (habe in den Kommentaren von solchen Behauptungen gelesen), sondern sich mehr und mehr in seine Stammspielerrolle hinein fuchst, lässt sich durch das 2:3 gegen Gladbach jedenfalls nicht aus dem Tritt bringen.

Grundsätzlich möchte ich anmerken, dass die Mannschaft nach meinen Recherchen, Gesprächen und Beobachtungen (durch den Kollegen) nach wie vor einen gefestigten Eindruck macht. Die Profis wissen um die verpasste Chance gegen Gladbach, sie wissen aber auch um ihre Stärken und nach wie vor vorhandenen Potenziale. Und die gilt es nun bis zum Winter umzusetzen.

Bruno Labbadia hat sich nach einigen Einzelgesprächen heute nach dem Training lange mit Frank Rost, Joris Mathijsen, David Jarolim, Ze Roberto und Guy Demel unterhalten. Worum es in der Unterhaltung mit dem Mannschaftsrat ging, mochte niemand verraten. Aber es soll sich nicht um sportliche Dinge gehandelt haben. Vielleicht ging es ja um den internen Umgang mit Kritik, Vorwürfen und Schuldzuweisungen. Labbadia ist ein ausgesprochener Teamplayer, der weiß, dass öffentlich ausgetragene Konflikte oder auch nur Konfliktpotenziale, Missverständnisse und Fehlinterpretationen eine Mannschaft nachhaltig auf ihrem Erfolgsweg stören können. Und darum schreitet er vorsorglich ein und spricht mit seinen Führungskräften. Das ist richtig und gut so. Mir ist jedenfalls nicht bange um den Zustand der Mannschaft.

16:52 Uhr