Monatsarchiv für November 2009

Mentale Fitness wieder herstellen

30. November 2009

Die Nachricht aus der Presseabteilung des HSV habe ich erst einmal abgespeichert. Eljero Elia hat nur eine schwere Knöchelprellung in Mainz davongetragen. Ich kann es kaum glauben. Und wenn ich ehrlich bin, habe ich mich bei neu aufgeploppten Mails schon zweimal dabei erwischt, dass ich sie gedanklich schon vorempfunden habe. „Alles doch viel schlimmer“, stand dann da. Oder: „Elia muss doch zwei Monate pausieren!“ So weit ist es schon gekommen. Die „Seuche“ und dauerhafte Lazarett-Befüllung beim HSV hat sich schon nachhaltig auf die Gedankenwelt der ständigen Begleiter ausgewirkt. In meinem Umfeld gibt es mittlerweile nicht wenige HSV-Fans, die bei jedem schmerzverzerrten Gesicht eines Hamburger Profis einen Bänderriss vermuten. Und manche rufen mich nach dem Training an und fragen nur: „Na, wer fällt diesmal aus?“

Damit muss Schluss sein. Ich handhabe es da wie in einem der Kommentare auf die „Sprechstunde“: Der November-Blues findet mit dem Monat sein heutiges Ende, jetzt soll die Feiertagszeit eingeläutet werden. Am Mittwoch gegen Wien könnte mit dem Einzug in die nächste Europapokalrunde der erste Schritt in diese Richtung getan werden. Und die Personalmisere wird auch nicht dadurch besser, dass man sie sich täglich vor Augen hält. Es hilft nichts. Abhaken. Durchbeißen. An sich glauben. Nur so kann es bis Weihnachten funktionieren.

Heute möchte ich mich nicht so sehr mit den immer wieder angesprochenen David Rozehnal und Marcus Berg beschäftigen, sondern mit den Stichwörtern „Glück“ und „Pech“. Im Zusammenhang mit HSV-Spielen und vor allem Gegentoren oder nicht gegebenen Treffern lese ich immer häufiger etwas von „Pech mit Schiedsrichtern“, „Pech im Abschluss“ und ähnliches, dafür haben nun wieder Klubs wie Werder Bremen mit dem Tor in letzter Sekunde Glück oder auch der Mainzer Noveski, dass er für sein Foul an Elia nicht Rot gesehen hat.

Zumindest was den ersten Teil betrifft, nämlich dem so oft zitierten (auch von mir!!!) Pech, möchte ich doch eine kleine Korrektur vornehmen. Wenn man nämlich sieht, wie viele Punkte der HSV in der Endphase schon verschenkt hat (ich meine da in den vergangenen Tagen auch eine Rechnung in einem der Kommentare gelesen zu haben), dann kann man das kaum unter die Rubrik „Pech gehabt“ setzen.

Viel eher stellen sich andere Fragen zu so einer Durchlässigkeit im Defensivverbund: Ist die Mannschaft möglicherweise nicht fit genug, um 90 Minuten plus Nachspielzeit durchzuhalten? Stimmt die taktische Ausrichtung nicht? Wechselt Bruno Labbadia falsch?

Ich habe mir da so meine Gedanken gemacht und bin zu folgendem Schluss gekommen. Meines Erachtens liegt es nicht an der physischen Fitness, da ist sich die Mannschaft auch nach den immer wieder vorgenommenen Überprüfungsmaßnahmen gut in Schuss. Taktisch sehe ich auch keinen großen Haken. Selbst nach einer Defensivstärkung des Mittelfeldes mit Jerome Boateng gab es in Mainz noch das 1:1, ich habe insgesamt genug HSV-Profis in der Rückwärtsbewegung gesehen. Und über Wechsel lässt sich immer streiten, da sehe ich aber auch kein grundsätzliches Problem.

Wie ist die Schmach der vielen späten Gegentore dann zu erklären? Meine These: mit zunehmender mentaler Müdigkeit – und letztlich auch mit fehlender Qualität.

Ich habe Euch in den vergangenen Wochen ja schon mehrfach geschildert, dass Trainer Bruno Labbadia beim Training immer mal wieder verbal dazwischen geht. Ich habe mich noch einmal erinnert, dass es diesbezüglich eine Entwicklung in der bisherigen Saison gegeben hat. Anfangs hat der Trainer Spielzüge und Spielformen unterbrochen, weil die Akteure seine Vorstellungen nicht umgesetzt haben. Dann war es hier und da mal ein Verhaltensmuster eines Profis, das dem Trainer nicht gefiel und das er schonungslos ansprach.

In jüngster Vergangenheit waren es allerdings meist Konzentrationsschwächen, nicht abgeschlossene Aktionen, Leichtfertigkeiten und Abstimmungsprobleme, die den Coach zum Abbruch einzelner Übungen oder zu intensiven Einzelgesprächen im Anschluss veranlassten. Da regte sich hier mal ein Jerome Boateng lang und breit über ein im Trainingsspiel nicht geahndetes Handspiel auf, da brach Tunay Torun einen Vorstoß ab, weil die gegnerische Mannschaft „Abseits“ rief – was aber gar nicht gepfiffen wurde. Diese mentale Fitness muss jeder Einzelne nun versuchen wieder herzustellen.

Wie das geht, wissen Labbadia und die Spieler selbst bestens: durch Erfolgserlebnisse. Die Mannschaft darf sich nicht im Jammertal (Pech, Schiedsrichterfehler, Verletzungen, Negativserien) einnisten, sondern muss wieder in die aktive, gestaltende Rolle schlüpfen. Wie kann man späte Ausgleichstore verhindern? Ganz einfach: indem man vorher ein zweites eigenes Tor markiert. Es wird allerhöchste Zeit, dass sich der HSV mal wieder selbst beschert – inklusive des eigenen Publikums.

13:25 Uhr

Eine kleine Sprechstunde

29. November 2009

Natürlich, es ist alles ziemlich schlimm. Dennoch behaupte ich: Das Schlimmste an diesem 1:1 in Mainz war nicht der Verlust zweier Punkte, auch nicht das Spiel an sich, auch die Fehlentscheidungen des Schiedsrichters Manuel Gräfe nicht, der Torun zurückpfiff und dann vor dem 1:1 auf Eckball entschied und nicht auf Abstoß, nein, es war dieser üble Tritt von Noveski gegen Eljero Elia in der 14. Minute. Dieses Foul bringt mich immer noch auf die Palme, das war ganz, ganz fies, das war unglaublich – und glatt Rot. Aber auch ich werde diese Entscheidung nicht mehr zurück drehen, es bleibt bei nur „Gelb“. Zum Glück für den HSV und Elia besteht aber die Hoffnung, dass doch kein Band gerissen ist. Noch in Mainz sprach Elia davon, dass er glaube, dass nichts gerissen ist, sondern nur geprellt. Das wäre natürlich schön – und das wiederum für Elia und den HSV.

Morgen soll die Untersuchung des Knöchels erfolgen, dann sehen wir klarer, bis dahin bleibt uns allen die Hoffnung. Übrigens: Beim DSF-Doppelpass sprachen alle Teilnehmer – wie ich – von einer glatten Roten Karte für Noveski. Immerhin waren sich da einmal alle einig. Und am nächsten Sonntag sprechen sie dann alle wieder vom FC Bayern, denn die gesamte Bundesliga hat ja an diesem Wochenende für Uli Hoeneß gespielt – eben schießt Müller das Führungstor gegen Hannover 96. Kleine Frage am Rande: Habt Ihr Schulz bei diesem Tor gesehen, den Hannoveraner? Nur weil der ja auch hin und wieder als „Verstärkung“ beim HSV auftauchte. Bitte nicht, kann ich da nur sagen, bitte nicht.

So, kommen wir zur Sprechstunde. „Ralf“ fragte, nachdem ich über Manuel Gräfe als einer der „drei besten deutschen Schiedsrichter“ geschrieben hatte, wer denn die besten seien? Florian Meyer (Burgdorf) und Dr. Felix Brych (München) sehe ich gemeinsam mit Gräfe vorne, Wolfgang Stark, Babak Rafati und Thorsten Kinhöfer sehe ich dann auch noch gut. Und, das wurde ich auch gefragt, wie mein Verhältnis zu den Unparteiischen ist? Eigentlich ganz gut, aber es war mal besser. Mit Hellmut Krug (Gelsenkirchen) war (und bin ich noch?) befreundet, zu Dr. Markus Merk hatte ich immer ein sehr gutes Verhältnis, durfte zu ihm auch öfter in die Kabine (vorher), ja und dann sind Kinhöfer, Rafati, Gräfe, Gagelmann und Brych allesamt nette Kerle, die in die Welt passen – das weiß ich aus eigener Erfahrung. Und noch eines weiß ich: Mit Günter Perl werde ich nie ein Bier trinken.

Aber mit Euch, das sage ich mal schnell bei dieser Gelegenheit, werde ich ein Bier trinken. Wahrscheinlich, wenn Ihr mitmacht, im Januar. Abendblatt-Chefredakteur Claus Strunz, der Erfinder von „Matz ab“ (so die Frage von „Tante Käthe“), hat einem Treffen der „Matz-abber“ zugestimmt und versprochen, dass die erste Runde auf uns (HA) geht. Claus Strunz, das auch eine Frage, ist übrigens montags als Talkmaster bei N24 zu sehen, seine Sendung heißt: „Was erlauben Strunz?“.

Bei dieser Gelegenheit kann ich auch sagen, dass wir uns nach technischen Möglichkeiten für diesen Blog umsehen, kann es aber nicht versprechen, ob wir etwas finden werden, was dann auch in Eurem (?) Sinne wäre. Aber es gibt Überlegungen, und das dürfte besonders „HK Hans“, der wirklich sehr lesenswerte Beiträge hier abliefert, und auch „Thommy HSV“ interessieren. Und noch zu einem brisanten Thema, nämlich das der Wildpinkler. Ich habe mit Katja Kraus vom HSV gesprochen, die Vorstandsfrau wird dieser Thematik nachgehen und mich am Montag anrufen, ob eine bessere Lösung gefunden werden kann.

Mehrfach wurde nach den „Fehleinkäufen“ Marcus Berg und vor allem David Rozehnal gefragt (. . . gerade köpft der gute alte „Ivi“ Olic das 2:0 für Bayern). Ich habe kürzlich, ungefähr vor fünf Wochen – in vertrauter Zweierrunde – mit Dietmar Beiersdorfer gefrühstückt. Dabei habe ich ihn auch nach diesen beiden Herren gefragt. Danach war das so, dass Rozehnal  ungefähr zehnmal beobachtet wurde und dann  nicht genommen werden sollte. Und bei Berg war es ähnlich: Auch öfter beobachtet, dann stand fest, dass er keiner für den HSV ist. Auf jeden weiteren Kommentar verzichte ich lieber.

Zu Rozehnal fragte „Ed van der Matt“, warum ich ihn nicht mehr oder häufiger während des Kommentars zum Mainz-Spiel erwähnt habe. Der Grund: Vor einer oder zwei Wochen hatte ich bereits geschrieben, dass ich bei Rozehnal die Hoffnung aufgegeben habe, dass er sich noch einmal zu einer Stütze entwickelt. Mainz bestärkte mich in diesem Gefühl nur noch.

Dann schrieb „teanett“ davon, dass Ronaldo oder auch Beckham bei ManU nie umgetreten wurden, weil sich sonst einige Abwehrrecken böse gerächt hätten. Das vermisst er – und nicht nur er. Ja, ich auch. Es gibt keinen „Rächer“ mehr in dieser Mannschaft. Bei der Gelegenheit: Felix Magath verriet mir, ich glaube, dass ich dies schon einmal schrieb, mal, dass „Jimmy“ Hartwig nicht unbedingt viele Freunde in der damaligen HSV-Mannschaft hatte, aber wenn er gefoult worden war, dann fand sich immer ein „Rächer“, der dem Übeltäter mal gehörig auf die Füße trat – um es einmal salopp zu umschreiben.
„Randnotiz“ hat errechnet, dass der HSV schon elf Punkte hat liegen lassen. Ich sage: Und das fast mit einer B-Mannschaft. Das sollte jedem zu denken geben, der über den Trainer her fällt, denn so viele Punkte mehr waren ja immerhin trotz der riesigen personellen Misere möglich.

„HSV 1988“ fragte, warum im Mainz-Spiel wieder einmal die HSV-Standards so schlecht waren? Ich kann nur sagen, dass Standards trainiert werden, häufig sogar. Aber es muss eben noch mehr geübt werden. Allerdings: Gegen Bochum köpfte Joris Mathijsen bekanntlich das 1:0 (nur Herr Perl sah das anders), und dann köpfte Robert Tesche nach einem Eckstoß fast das 1:1, aber es wurde auf der Torlinie gerettet.

„Warum“, so fragte „Jogi“, „holt der HSV immer wieder teure Abwehrspieler aus dem Ausland (wie Silva, Rozehnal), die dann aber für die Bundesliga untauglich sind? Und warum holte man vor einigen Jahren nicht den jungen Per Mertesacker? Die erste Frage kann ich nicht beantworten, vielleicht so: Ist eventuell leicht, einfacher – und auch billiger? Und zu Mertesacker: Da kam ja keiner ran, auch der FC Bayern nicht. Weil der Hannoveraner von den eigenen Amateuren kam, auf Anhieb einschlug und sofort, quasi von null auf 100, Stammspieler wurde. Dass dann die Bremer schneller waren, lag vielleicht auch daran, dass dort noch ein wenig „internationaler“ gespielt wird (wurde).

„Mario“ will wissen, warum Marcell Jansen noch immer nicht bei 100 Prozent sei? Weil das einfach nicht so schnell geht, wie vielleicht bei einem Amateurspieler. In der Bundesliga gehört mehr dazu, und da hat Jansen eben noch einen gewissen Nachholbedarf. Leider. Er muss eben mal eine gewisse Zeit ohne Verletzung und ohne Erkrankung trainieren können, dann wird es auch was. Sogar noch mit der Nationalmannschaft und der WM in Südafrika. „Sandra“ fragte, ob Tomas Rincon im Training wirklich so schlecht ist, um Jerome Boateng auf der „Sechs“ spielen zu lassen? Schlecht ist Rincon gewiss nicht, nicht schlechter als andere jedenfalls, aber immer noch zu wild, zu ungestüm. Ich habe bereits geschrieben, dass ich fest davon überzeugt bin, dass Rincon den HSV Ende des Jahres verlassen muss. Ist nur ein Bauchgefühl, aber es ist eben da.

„Zorro“ fragte nach der Sprache, die während des HSV-Trainings gesprochen wird. Deutsch. So gut es eben geht. Mich stört nur daran, dass bei jedem Ausländer, der verpflichtet wird, gesagt wird, dass er ab sofort an einem Deutsch-Unterricht teilnehmen werde. Das ist wohl wörtlich zu nehmen: an einem. Alles was danach kommen soll, wird offenbar nicht mehr kontrolliert.

Und nun schießt der FC Bayern sogar das 3:0 – und steht erstmals wieder vor dem HSV. Bitter.
„Mighty Mouse“ fragt nach der Meinung (im HSV) über Thomas von Heesen, der ja in der Bundesliga gute Arbeit abgeliefert hat. Sehe ich genauso, aber ich glaube nicht, dass das die Herren des Aufsichtsrates auch so sehen – oder überhaupt wissen. Der gute „Thommy“ arbeitet zurzeit als Trainer auf Zypern, wäre aber für die Bundesliga sofort frei. Aber er spielt keine Rolle bei der HSV-Suche nach einem Sportchef.

So, zum Schluss möchte ich noch auf eine Besonderheit aufmerksam machen: Die Nummer 003 der auf 1000 Stück limitierten Sonderausgabe des HSV-Buches („Nur der HSV“, 89 Euro) wurde jetzt von den HSV-Profis signiert. Es ist ab sofort unter „www.abendblatt.de“ zu ersteigern, der Erlös geht an „Kinder helfen Kindern e. V.“

19.40 Uhr

Mehr Pech geht nicht

28. November 2009

Alles gegeben, mit dem letzten Aufgebot super gefightet, aber dennoch wieder nicht gewonnen. Diesmal erneut mit viel Pech. Lange führten die Hamburger beim FSV Mainz 05 mit 1:0, doch in der Schlussphase führte einer der wenigen Fehler der HSV-Defensive, den der Tscheche David Rozehnal beging, doch noch zum 1:1-Endstand. Trotz der Tatsache, dass der HSV auch im sechsten Spiel in Folge sieglos blieb bleibt festzuhalten, dass die Labbadia-Mannschaft lange Zeit ein sehr gutes Spiel gemacht hat, dass sie sich besser als von mir erwartet am Bruchweg behauptet hatte. Der HSV stand lange Zeit vor einem Auswärtssieg, aber es hat auch diesmal nicht sollen sein. Zumal schon wieder einmal ein HSV-Profi schwer verletzt aus dem Spiel genommen werden musste, denn Eljero Elia wurde schon in der Anfangsphase ganz böse gefoult und quasi aus dem Spiel getreten. Quintessenz: Mehr Pech geht nicht.

Einmal vorab gesagt: Schiedsrichter Manuel Gräfe hat eine starke Leistung abgeliefert, der Berliner ist für mich im Moment einer der besten drei deutschen Schiedsrichter. Dennoch: Auch ihm fehlte der Mut, dem Mainzer Noveski die glatte Rote Karte zu zeigen, als dieser Eljero Elia einfach so mir nichts dir nichts „umgenietet“ hatte. Das war glatt Rot, dieses Foul war ein Skandal, da wünschte ich mir, dass so etwas auch einmal hart bestraft wird. Elia musste schwer verletzt vom Platz, Noveski hätte eigentlich hinterher traben müssen. Müssen.

Aber im Gegenteil. Als der Mainzer Heller wenig später auf der Linksaußen-Position David Rozehnal umtrat und Gräfe auf Freistoß entschied (22.), da tobte am Rande ein kleines Männlein namens Thomas Tuchel. Der 05-Coach rastete richtig aus, tobte, schrie, reklamierte. Von seinen Lippe war abzulesen: „Da war nichts, das war fair!“ Der junge Mann muss noch lernen, viel lernen. Vor allen Dingen viel ruhiger zu werden. Denn: Wenn ich als Trainer sehe, dass ein Spieler meiner Mannschaft einen Akteur des Gegners krankenhausreif tritt, dann halte ich erst einmal den Rand, verdammt noch einmal, aber wie! Tuchel hätte eigentlich bis zum Schlusspfiff betreten schweigen müssen, dass er sich überhaupt noch traute, so aufzubegehren, ist ebenfalls unerträglich.

Wobei ich auch an Bruno Labbadia gedacht habe. Der steht am Rande, sieht sich das alles an, aber er behält die Ruhe. Das war zuletzt in Hannover (beim Elfmeter in der 87. Minute gegen den HSV) anders, da musste er auf die Tribüne und später 6000 Euro als Strafe zahlen. Labbbadia ist eigentlich genau so stoisch wie sein Vorgänger Martin Jol. Ich weiß nicht, was besser ist, aber wenn ein Thomas Tuchel so ausflippt, dann beeinflusst er eventuell auch einmal den Schiedsrichter (Gräfe nicht!), aber er beeinflusst auf jeden Fall die Zuschauer, die dann nur noch mehr auf die Palme gehen. Ein Frechheit, dass Tuchel dann auch noch mit dem Halbzeitpfiff verbal auf den vierten Mann losging. Ist das nun Sitte, im neuen Freudenhaus der Liga?

Dazu passt natürlich auch das dusselige Fehlverhalten der HSV-Fans, die zu Beginn des Wiederanpfiffs auf der Tribüne in Mainz ein kleines (Freuden-)Feuer entfachten. Muss das wirklich sein? Das wird dem HSV wieder eine hübsche Summe kosten, und dann fragen diese „netten Fans“, warum denn kein Geld mehr für Verstärkungen da ist. Dazu passen denn auch die Zwischenfälle, die sich auf der Anfahrt auf der Raststätte Bielefeld ereignet haben sollen (Handgreiflichkeiten mit anderen Fans). Schade, schade.

Kommen wir zu den erfreulichen Dingen. Und da gibt es einige. Jerome Boateng im Mittelfeld – super. Diese taktische Maßnahme ging voll auf. Großartig, wie sich der deutsche Nationalspieler immer dann weiter rasch hinten orientierte, fast auf Höhe Innenverteidigung erschien, um dort abzuräumen. Erstklassig.

Eine gute Note verdienten sich auch davor David Jarolim und Piotr Trochowski, die oft sehr klug den Ball hielten und verteilten. Mir ist dabei nicht entgangen, dass „Troche“ diverse Fehlpässe produzierte, aber er spielte dennoch eine sehr wichtige Rolle. Weil er den Ball auch gegen zwei, drei Mainzer verteidigte, weil er immer anspielbar war, wenn seine Mitspieler in Not waren und den Ball loswerden mussten. Trochowski war in den meisten Szenen souverän. Das sieht zwar nicht immer spektakulär aus, aber es hilft dem gesamten Team – und leider entgeht eine solche Geschichte stets auch einigen Fans, die solche Feinheiten gar nicht registrieren. Außerdem rettete Trochowski, (der später doch sehr abbaute und kaum noch in Erscheinung trat!) einmal nach einem Bance-Kopfball auf der Torlinie, erst danach wurde die Situation durch den Pfiff des Unparteiischen unterbrochen.
Immer besser macht sich auch Marcell Jansen, der in dieser schlimmen personellen Situation des HSV mehr und mehr Verantwortung übernimmt, es allmählich auch schafft, länger auf diesem hohen Niveau zu spielen. Denn dass der Nationalspieler nach seinen Verletzungen und Erkrankungen noch immer nicht bei 100 Prozent ist, dürfte klar sein, aber er kommt stetig besser.

Einer, der immer voll da ist, ist Frank Rost, der Keeper war erneut in Bestform und ein erstklassiger Rückhalt.

Und dann komme ich zu Tunay Torun. Am Freitag, beim Abschlusstraining, führte Bruno Labbadia – bei Regen und Sturm – nur ein einziges Einzelgespräch. Mit Torun. Ein Inhalt dieser Unterhaltung: Der junge Türke solle seine Aktionen nicht zu früh abbrechen, er soll sie bis zum Ende, bis zu dem Zeitpunkt, wenn der Ball im Aus ist, durchziehen. Das tat der Stürmer dann auch in der dritten Minute. Abstoß Rost (mit Wind!), Torun springt in der Mainzer Hälfte zum Ball, verfehlt ihn knapp, die Kugel kommt zu Elia, der bedient Torun – und der Türke behält trotz dreier Gegenspieler die Ruhe und schließt eiskalt aus 16 Metern ab – sein erstes Bundesliga-Tor! Prima, dieser junge Mann.

Der fast noch ein zweites Tor erzielt hätte. Nach einem weiten Pass von Dennis Aogo lief Torun allein, wirklich mutterseelenallein auf das Mainzer Tor zu, aber die Assistent hatte die Fahne oben: abseits! Eine glatte Fehlentscheidung, unglaublich. Wahrscheinlich deshalb, weil der Ball weit aus der HSV-Hälfte heraus geschlagen worden und lange unterwegs war. Pech für Tunay Torun, dessen Trikot ja in dieser Woche bei „Matz ab“ der Hauptpreis ist, in der 68. Minute leicht angeschlagen vom Platz humpelte (für ihn kam Tolgay Arslan).

Und noch ein Pluspunkt im HSV-Team: Joris Mathijsen. Wie er die „Kante“ Bance bearbeitete und im Griff hatte (ganz ausschalten kann man den Mainzer nie), das war schon sehenswert.
Die Schlussphase war dann eine einzige Zitterei. Natürlich. Viele Hamburger waren schließlich in jüngster Zeit krank und konnten dadurch nicht immer am Training teilnehmen, zudem fehlt natürlich auch ein wenig Qualität, wenn ich das einmal so salopp bemerken darf.

Dass ausgerechnet David Rozehnal beim Ausgleich eine höchst unglückliche Figur abgab, als er den Ball mustergültig und einschussbereit vorlegte, ist nicht untypisch. Im Gegenteil, es passt ins Bild der letzten Wochen. Pech kam vorher noch dazu, denn der voraus gehende Eckstoß für die Mainzer hätte nicht gegeben werden dürfen, weil ein Mainzer zuletzt am Ball gewesen ist. Aber irgendwann liegt dann eben auch ein Schiedsrichter mal daneben. Bitter nur, dass dadurch der Sieg doch noch futsch war.

Ein Wort noch zu Marcus Berg, der für Elia gekommen war. Der Schwede ist zwar kein Ivica Olic, aber gerade in der Schlussphase störte Berg den Mainzer Spielaufbau mitunter effektiv, er ging weite Wege. Natürlich, Torgefahr strahlte er kaum einmal aus, aber seine Arbeit für das Team war dennoch enorm wertvoll. Dass es letztlich nur zu einem Unentschieden reichte, ist wirklich Schicksal. Der Fußball-Gott ist im Moment eben nicht auf der Seite der Hamburger.

17.39 Uhr

Neue Position für Boateng

27. November 2009

Kommando zurück, müsste ich jetzt eigentlich schreiben, denn beim Abschlusstraining tauchte doch wieder das Abwehrduo Joris Mathijsen/David Rozehnal im Defensivzentrum der Stammformation auf. Vor Frank Rost spielten rechts Guy Demel, links Dennis Aogo. Im rechten Mittelfeld Piotr Trochowski, links Marcell Jansen. Und – jetzt kommt die Überraschung – im defensiven Mittelfeld bildeten David Jarolim und Jerome Boateng die „Doppelsechs“. Vorne stürmten Tunay Torun und Eljero Elia. Mladen Petric, das wisst Ihr ja mittlerweile auch schon, fällt nun mit einem Magen-Darm-Infekt aus. Schöne Sch…, kann man da nur sagen.

Angesichts der Eindrücke dieser Einheit – Bruno Labbadia unterbrach sie übrigens kurzzeitig, weil ihm die Einstellung mehrerer Profis inklusive Körpersprache nicht gefiel, und ermahnte seine Mannschaft lautstark – glaube ich aber nicht, dass die erprobte Formation auch die morgige in Mainz sein wird. Boateng harmonierte nicht sonderlich gut mit Jarolim, auch das Sturmduo Torun/Elia machte alles andere als Eigenwerbung. Und Guy Demel hatte seine besten Szenen in der Vorwärtsbewegung.

Labbadia wirkte ziemlich genervt. Ihm missfällt vor allem der Umstand, dass einige seiner Spieler die letzte Konsequenz in ihren Aktionen vermissen lassen. Eine Willens- oder eine Konzentrationsphase? Beispiel: langer Ball des B-Teams auf Marcus Berg. Guy Demel war erst am Mann, doch nach der Ballannahme Bergs mit der Brust ging er viel zu zaghaft gegen den Schweden vor, so dass dieser den Ball fast problemlos zu einem Kollegen abspielen konnte. „Druuuuccckkk, mehr Power“, hätte Co-Trainer Ricardo Moniz in so einer Szene seinem Lieblingsadressaten Tolgay Arslan zugeschrien. Tat er aber nicht, weil Moniz als Abwehrchef des B-Teams fungierte. Dafür rüffelte Labbadia seinen Ivorer in aller Deutlichkeit. Er weiß, dass solche Situationen Knackpunkte in Mainz sein können, denn der FSV konnte in der bisherigen Saison häufiger grandios aufspielen, wenn die Gegner nicht rigoros gegen die Mainzer Spielzentrale agierten. Im Fortlauf des Trainingsspiels lief es dann deutlich besser.

Die gewünschte Ausrichtung Labbadias ist seinen Spielern in jedem Fall bewusst. Und ich bin mir sicher, dass der Coach vor dem morgigen Spiel auch noch einmal eine intensivere Ansprache in die Vorbereitung einbauen wird, um seine Kicker für die wichtigen Aspekte zu sensibilisieren. Die Verantwortlichen wollen mit allen Mitteln versuchen, den Negativtrend zu bremsen, um auf dem Weg zur Winterpause nicht alles Erarbeitete zu verlieren und sich von der Personalmisere auch noch in ein komplettes Leistungsloch führen zu lassen.

Vertraut man den Trainingseindrücken dieser Woche, darf man sich aus HSV-Sicht vor allem von Marcell Jansen und Piotr Trochowski Impulse erhoffen. Sollte die Null mal stehen, ist ein Auswärtssieg drin.

18:35 Uhr

Mathijsen/Boateng passt besser

27. November 2009

In den vergangenen Tagen habe ich viele Abendblatt-interne Diskussionen zum Thema Abwehrproblem beim HSV geführt. Ich habe mir die Trainingseinheiten angeschaut, das Verhalten der einzelnen Profis miteinander, die Diskussionsatmosphäre und so weiter. Und am Ende bin ich – so kurz vor dem Spiel in Mainz – zu einer nicht gerade beruhigenden Bilanz gekommen: Die Innenverteidigung passt nur in einer einzigen Konstellation richtig zueinander.

Aus meiner Sicht kann Trainer Bruno Labbadia der Arbeit der Viererkette nur dann entspannt beiwohnen, wenn Joris Mathijsen und Jerome Boateng in der Stammformation stehen. Und das war zuletzt ja häufiger nicht der Fall.

Bitte denkt jetzt nicht, ich würde Mathijsen und Boateng hier auf Wolke sieben befördern wollen. Ganz und gar nicht. Mathijsen ist hin und wieder auch für einen kleinen Bock oder eine Stolpereinlage der verzichtbaren Art gut, und bei Boateng gehören gelegentliche Aussetzer oder Wadenzwicken leider auch zum Programm. Aber grundsätzlich passen die beiden als Spielertypen bestens zueinander. Mathijsen, für mich der „Mr. Supersolide“ in der Bundesliga, der keine herausragenden Einzelfähigkeiten hat, aber in seiner Gänze eben auch keine heraus stechende Schwäche offenbart und daher selten bis nie abfällt in seiner Leistung, und Shootingstar Boateng, der wegen seiner Schnelligkeit und seiner grandiosen Diagonalbälle sowie einer extrem guten Schusstechnik zurecht in die A-Nationalmannschaft vorgestoßen ist, ergänzen sich einfach prima.

Wenn ich mir dagegen Neuzugang David Rozehnal betrachte, wie er beispielsweise beim 0:1 gegen Bochum mit Mathijsen harmonierte, oder eben auch eher gar nicht, dann hätte ich als Trainer ein dauerhaftes Bauchgrummeln. Der Tscheche und der Niederländer passen meiner Meinung nach überhaupt nicht zueinander. Rozehnal hat zwar ein besseres Kopfballspiel als sein Nebenmann, was gelegentlich auch Gefahrensituationen verhindert, aber in seiner Spielanlage ist er Mathijsen zu ähnlich. Und zu langsam ist er auch. Normalerweise dürfte es daher nur heißen: Mathijsen ODER Rozehnal mit Boateng.

Einige von Euch werden jetzt den Kopf schütteln und mich womöglich in die Kategorie derer einordnen, die große Erinnerungslücken aufweisen, weil mit Bastian Reinhardt ja auch schon ein noch etwas langsamerer Spieler neben Mathijsen gespielt hat – und das funktionierte. Ich werde nicht widersprechen, aber dieses Duo hat auch nur deshalb funktioniert, weil es fußballerisch und auch außerhalb des Platzes hervorragend miteinander harmonierte. Wenn Mathijsen in einen riskanten Zweikampf ging, ließ sich Reinhardt meist etwas tiefer fallen, nahm fast eine Liberoposition ein, um eine potenzielle Gefahrenquelle zu verhindern. Reinhardt ließ sich von Mathijsen lenken. Bei Rozehnal habe ich manchmal das Gefühl, dass er sich in der Abwehrkette selbst als eine Art Alphatierchen betrachtet. Und das kann nur Konflikte oder Fehler hervorrufen. In einer Abwehrreihe muss es einen Boss geben, und der heißt Mathijsen.

Möglicherweise tue ich Rozehnal aber auch Unrecht. Er hat sich, das habe ich in den vergangenen Wochen ja auch hier und da immer wieder mal erwähnt, gesteigert. Vielleicht liegt meine sehr kritische Betrachtung auch an seinem gesamten Auftreten. Von ihm, der für etwas mehr als fünf Millionen Euro geholt wurde, habe ich einfach ein bisschen mehr erwartet. Er wirkt so emotionslos, manchmal auch nach Trainingseinheiten immer noch wie ein kleiner Fremdkörper. Und diesen Eindruck hat man als Zuschauer auch manchmal bei den Spielen. Ich habe mir vorgenommen, mein endgültiges Fazit in der Winterpause zu ziehen.

Für das Duell in Mainz muss ich mir wegen der Innenverteidiger-Harmonie wohl keine Sorgen machen – sofern Boatengs Wade mal hält -, und das ist gut so, denn gegen den FSV braucht der HSV unbedingt einen megaschnellen Abwehrmann im Zentrum, auch um die Kreise des schnellen und spielerisch mitunter brillanten Aristide Bance zu stören. Vielleicht tut es Labbadias Mannschaft auch ganz gut, dass die Favoritenrolle vor dem Spiel bei den sehr heimstarken Mainzern gar nicht mehr so eindeutig verteilt ist. Werden die Spiellust und die positive Atmosphäre dieser Trainingswoche mit zum FSV genommen und dort nach dem Anpfiff präsentiert, ist eine Überraschung drin – und das wäre ein Sieg nach dem jüngsten Negativlauf allemal.

Zwei Kleinigkeiten noch, von denen die zweite natürlich auch eine größere Nummer werden könnte. Erstens möchte ich HK Hans für seinen Kommentar am 27. November um 4.01 Uhr danken. Unglaublich, dass Du Dir um diese Uhrzeit so detaillierte und sachdienliche Gedanken machen kannst. Und lass Dir gesagt sein: Wir denken darüber nach und beschäftigen uns auch intern mit dem Thema, das wird aber nicht von heute auf morgen gehen.

Zweitens ist ja nach wie vor die Sportchef-Frage ungeklärt. Ich habe lange recherchiert und meine zuverlässigsten Quellen gelöchert, wann denn nun endlich etwas passieren wird – und vor allem, wer Dietmar Beiersdorfers Nachfolge antreten soll. Die Personalie steht meines Erachtens schon viel zu lange offen, aber ich denke, dass in der Winterpause etwas passieren wird (und muss). Nun ist mir fast durch einen Zufall ein Name begegnet, der uns anfangs schon einmal beschäftigt hat: Martin Bader, noch Sportdirektor des 1. FC Nürnberg.

Könnte ja passen. Der Mann ist kein Neueinsteiger, er kennt sich national aus und hatte wegen seiner vorherigen Tätigkeit für Vermarkter Sportfive auch international schon einiges zu tun. Außerdem soll er seinerzeit schon Kontakt bei Sportfive mit Bernd Hoffmann gehabt haben. Ich möchte die Gerüchteküche nicht anheizen, aber bei einer Art Tauglichkeitscheckliste hätte Bader gute Karten. Da sich der Aufsichtsrat zu dem Reizthema noch nicht äußern will, belasse ich es erst einmal bei diesem kleinen Einwurf. Mehr gibt es, sobald ich mehr erfahre oder es Abschlüsse zu verzeichnen gibt. 

11:54 Uhr

Ze Roberto operiert – Petric wieder da!

26. November 2009

Die Hiobsbotschaften reißen nicht ab. Ze Roberto wird in diesem Jahr keinen Fußball mehr spielen können. Der Brasilianer wurde am Donnerstag in Zürich am Knöchel operiert, seine Bänder waren hin. Es ist der reine Wahnsinn! Dann gibt es aber auch noch eine gute Nachricht: Mladen Petric wird wohl am Sonnabend in Mainz erstmalig wieder im Kader stehen, er wird zunächst auf der Bank Platz nehmen. Wir erinnern uns: Am 4. Oktober verletzte sich Petric im Spiel bei Hertha BSC schwer, seit dieser Zeit hat der HSV kein Spiel mehr gewonnen. Jetzt kehrt er zurück – auch als Glücksbringer.

Die Sache Petric läuft noch unter Geheimmission, Bruno Labbadia wollte sich zu diesem Thema noch nicht konkret äußern, wahrscheinlich will er Mainz 05 mit dem Torjäger überraschen. Immerhin verriet der Trainer aber, dass Petric am Donnerstag erstmalig wieder voll mit der Mannschaft trainieren würde. Das war so geheim, dass nicht einmal der Kroate davon wusste. Als Petric am kurz nach 14 Uhr die Arena betrat, wurde er danach gefragt – und ehrlich gab er zu Protokoll: „Ich weiß von nichts.“ Alle nahmen es ihm ab.

Petric weiter: „Wenn der Trainer das gesagt hat, dann ist er optimistisch. Geplant war, dass ich Teile des Trainings mitmachen, so wie Passübungen. Aber wenn er jetzt auch an Zweikämpfe denkt, dann werden wir mal sehen, wie das geht.“ Dabei hatte Mladen Petric gar kein gutes Gefühl, als er in die Kabine ging: „Ich habe ja gewisse Dinge im Training noch gar nicht gemacht. Und ich weiß nicht, ob es nach einem Training schon reicht, um dann in Mainz schon auf der Bank zu sitzen.“ Petric sagt aber auch: „Es wäre natürlich top, wenn alles funktionieren würde, denn ich bin auch heiß, ich kann es nicht erwarten, wieder zu spielen.“

Petric würde dem HSV gerade jetzt so gut tun, denn mit Ze Roberto liegt der nächste „Kracher“ flach. Davon wusste Mladen Petric um 14.05 Uhr allerdings noch nichts. Immerhin sagte er zu diesem weiteren Ausfall: „Es ist ja nichts Neues für uns, es ist ein weiterer Rückschlag für uns. Ze wird uns sehr fehlen, denn er ist ein ganz, ganz wichtiger Spieler für unsere Mannschaft.“

Ob Petric nun spielt, oder ob er nur 90 Minuten auf der Bank sitzen wird – für den HSV könnte es schon immens wichtig sein, dass er wieder dabei ist. Aus zweierlei Gründen: Jeder Offensivspieler weiß nun, wer da draußen sitzt, der Hochkaräter Petric könnte ihn ablösen. Und jeder Spieler wüsste zudem genau, dass mit Mladen Petric ein Mann auf seinen Einsatz wartet, der jedem Gegner das Fürchten lehren, der beim Gegner für Alarmstimmung sorgen kann. Das müsste allen Selbstvertrauen geben, Petric ist allein aus psychologischen Gründen von großer Wichtigkeit. Und er ahnt es: „Ich wurde zuletzt von vielen Kollegen gefragt, wann ich denn wohl wieder dabei sein werde. Es könnte in der Tat für die Jungen ein psychologischer Vorteil sein.“

Trotz allem wird Mainz kein Spaziergang. Im Gegenteil, die 05-Truppe ist heimstark, zweikampfstark, eine geschlossene Einheit. Und, wie schon einmal geschrieben, Mainz spielt mit Herz und Leidenschaft, der HSV zuletzt nur mit den Füßen. Das könnte ausschlaggebend sein für Sieg oder Niederlage. Labbadia muss seine Mannen so richtig schön heiß machen, damit sie in der Karnevalshochburg bestehen können.

Fest steht, dass neben Ze Roberto auch der immer noch gezerrte Jonathan Pitroipa fehlen wird. Die zuletzt wegen einer Erkältung angeschlagenen Spieler Marcus Berg, Tunay Torun, Eljero Elia und Jerome Boateng sind dagegen wieder fit. Nicht am Donnerstags-Training teilnehmen konnten David Jarolim und Dennis Aogo, sie trainierten aber in den Katakomben der Arena. Laut Physiotherapeut Uwe Eplinius, der einst Profi bei St. Pauli und Hessen Kassel war („Eine solche Seuche wie zurzeit habe ich noch nie mitgemacht“), besteht aber keine Gefahr, dass die beiden leicht angeschlagenen Spieler (Muskelverhärtungen) für das Mainz-Spiel ausfallen könnten.

Dass im Falle Ze Roberto wichtige Zeit verschenkt worden ist, weil zunächst auf eine konservative Heilung gesetzt worden war (Fuß im Gipsverband), verneint Bruno Labbadia: „Wir hatten die Hoffnung, aber es hat nicht funktioniert. Es war ein Versuch wert, es sah zunächst auch gut aus, aber nun war doch eine Operation unumgänglich. So oder so aber wäre die Vorrunde für Ze gelaufen gewesen.“

Zum Einsatz von Mladen Petric befand der Trainer: „Er hat sehr hart und sehr intensiv an sich gearbeitet, das war wichtig, er hat sein Reha-Programm sehr gut durchgezogen. Und er hat sich immer mehr herangetastet an die Mannschaft, mehr als er sollte – und nun müssen wir abwarten, wie Mladen auf den Einstieg ins Mannschaftstraining reagiert.“

Als mein Kollege Matthias Linnenbrügger (Die Welt) nachfragte, wie es um einen Petric-Einsatz in Mainz stehe, huschte für den Bruchteil einer Sekunde ein ganz kleiner Hauch von einem Lächeln über das Gesicht Labbadias. Ein verräterisches Lächeln? Ich deute es im Moment einmal so. Vielleicht gibt das Petric-Comeback ja auch dem (doch etwas angeschlagen wirkenden) Trainer wieder mehr Selbstbewusstsein. Labbadia erinnert sich im Hinblick auf Mainz an das Bochum-Spiel, sprach sich selbst Mut zu, indem er auf das mit 0:1 verlorene Bochum-Spiel zurück blickte: „Die Mannschaft hat den VfL 60 Minuten lang extrem gut auseinander genommen, nur haben wir aus unseren Chancen nichts gemacht, wir sind fahrlässige mit unseren Möglichkeiten umgegangen, weil die Durchschlagskraft gefehlt hat.“

Mit Mladen Petric (auf der Bank) kann das in Mainz ja schon wieder ganz anders, viel erfreulicher laufen. Kann.

Zum Schluss noch zwei Anmerkungen: In Sachen Toiletten werde ich am Ball bleiben, da gibt es sicher demnächst noch eine Bericht. Und dann hat der kleine Lukas (11) kürzlich seine erste selbstgebaute Website erstellt. Er freut sich bestimmt über nette Gästebucheinträge von Fans des besten Vereins Deutschlands. Was Lukas gemacht hat? Die erste „tunaytorunfanwebsite.de.tl“ ins Leben gerufen. Viel Spaß damit.

20.28 Uhr

Das Reizthema

26. November 2009

Die Geister die ich rief . . . Schade, schade, dass ich so viel Häme, Sarkasmus, so viel Böses und so viel Bitterkeit am Morgen lesen muss.  Ich bin enttäuscht und entsetzt zugleich, es tut mir weh. So war „Matz ab“ eigentlich nicht gedacht, aber im Moment sieht es wohl so aus, als würden diese gegenseitigen Vorwürfe überhand nehmen. Da ich nicht mit jedem von Euch korrespondieren kann, da ich aber auch schon einige Male erklärt hatte, dass mir die privaten Plaudereien nicht so auf den Zeiger gehen, wie einigen anderen in diesem Blog, hatte ich gehofft, das würde sich regeln. Denkste. Und ich mittendrin statt nur dabei. Es gab in dieser Nacht auch etliche gute Vorschläge – in jede Richtung. Täglich, wirklich täglich begegnen mir Leute, die „Matz ab“ lesen, die aber nur meine Kommentare lesen. Weil sie zu mehr keine Zeit haben, haben wollen, weil sie dieses Private nicht lesen mögen. Das ist eine Einstellung.

Eine andere wird mir auch täglich mitgeteilt: Sie lesen meine Kommentare, und sie lesen jene Kommentare, die über drei, vier oder fünf Zeilen hinausgehen. Auch eine Einstellung. Und nach wie vor ist es doch so, dass niemand gezwungen wird, das Private zu lesen. Denen, die sich darüber aufregen, denen möchte ich sagen, dass ich mich allein darüber freue, dass sie dabei sind und meine Kommentare lesen. Und dann selbst in die Tasten hauen und eine Reaktion schicken, oder abschalten und später wieder mal reinklicken.

Im Übrigen finde ich „Eiche Noglys“ Vorschläge gut und für überdenkenswert, denn: Wenn diese „Dampfplauderer“ bis 18 Uhr abschalten und abstinent bleiben, dann wäre doch der Tag für alle anderen gerettet. Oder? Ich weiß, es gab den Einwand, dass viele erst um 18 Uhr nach Hause kommen und dann lesen. Warum lesen sie nicht meinen Kommentar, dann lesen sie die Kommentare die bis 18 Uhr eingegangen sind – und danach wird dann eben gefiltert. Drei-, Vier- oder Fünfzeiler gehen ins Kröpfchen, die längeren gehen ins Töpfchen. Frei nach Aschenputtel.

Um es noch einmal zu sagen: Ich bin ein humorvoller Mensch, ich habe schon oft laut los gelacht, wenn ich hier allein vor meiner Kiste saß, aber es gibt eben auch Beiträge, die ich schnell wieder vergesse. Allen aber, wirklich allen sei an dieser Stelle noch einmal gesagt: Dieser Blog wurde ins Leben gerufen, weil sich HSV-Freunde und -Fans hier treffen sollten. Das muss nicht nur auf eine Art geschehen, das kann auch vielschichtig sein. Und dazu gehört vor allem eines: TOLERANZ. Ich, das sage ich ehrlich und voller Überzeugung, wusste nicht, was nach dem 7. August 2009 (Start von „Matz ab“) auf mich zukommen würde, ich war erst überrascht, dann begeistert. Diese Begeisterung wird nun schon seit geraumer Zeit von einem gewissen Misstrauen begleitet, denn keiner weiß, wie sich das hier alles entwickeln wird. Denkt jeder an seinen Klub, denkt jeder nur an seinen HSV, dann wird dieser Blog nicht verkümmern. Dazu gehört aber auch eine gewisse Blog-Disziplin, und die lege ich nun hiermit jedem, wirklich jedem ans Herz.

Tut mir Leid, wenn das nun ausuferte, aber auch ich mache mir Gedanken zu diesem Thema, und zwar nicht erst seit heute.
Gestern hatte ich von einem Reizthema gesprochen, damit war aber nicht meine jetzt verfasste Einleitung gemeint.

Ich stand am Dienstag beim Training, vor mir die Rentner, die immer da sind, bei Wind und Wetter. Und von denen einige immer höchst erregt auf den HSV eindreschen. Von wegen was alles falsch läuft jetzt. Und wenn Mann da zu hört, dann läuft vieles bis alles falsch. Und trotzdem gab es ein Aha-Erlebnis für mich. Es gab aus Richtung der Rentner-Gang Lob für Piotr Trochowski. Lautes Lob sogar, er müsste es eigentlich einige Male (wohlwollend) zur Kenntnis genommen haben, denn er schlug von einem Punkt Freistöße vor das Tor, der nur fünf, sechs Meter von den Rentner entfernt war. Und diese Freistöße waren so gut, dass „Troche“ Lob erhielt. War eine neue Erfahrung für mich.

Beim Verlassen des Platzes sagte aber ein Fan schon wieder: „Na gut, schießen kann er ja, aber sonst nichts.“ Wie bitte? Sonst nichts? Trochowski kann am Ball alles, er kann so dribbeln, wie kaum ein Zweiter (abgesehen von Ze Roberto) in dieser HSV-Mannschaft. Die Antwort des Nörglers: „Wenn Trochowski mehr könnte, dann würde er jetzt, wo so viele Ausfälle zu beklagen sind, endlich einmal Verantwortung übernehmen, er würde die Mannschaft führen und mitreißen – aber da kommt nichts.“

Es wird wohl ewig so bleiben: An Piotr Trochowski scheiden sich die Geister. Und irgendwie glaube ich, dass „Troche“ in Hamburg doch auf keinen grünen Zweig mehr kommt. Was ich für äußerst schade hielte, denn für mich ist er eindeutig einer der besten Fußballer in diesem Team. Mit teilweise überragenden Fähigkeiten. Die er, ich höre Euch jetzt schon wieder aufstöhnen, natürlich nicht immer einbringt – beim HSV. Oder auch viel zu wenig. Das gebe ich ja zu. Aber: Nicht jeder Fußballspieler hat auch die Fähigkeiten zu einem Führungsspieler.

Was ich dem Nörgler auch noch mit auf den Heimweg gab: Trochowski steht im Jahre 2009 an dritter Stelle jener deutschen Nationalspieler, die die meisten Länderspielminuten in diesem Jahr absolviert haben. Der Bronzeplatz kommt doch nicht daher, dass Bundestrainer Joachim Löw, ich wiederhole mich da, ein so „Nachtblinder“ ist, dass er Piotr Trochowski vom HSV so mir nichts dir nichts von einem Länderspiel ins nächste schleppt. Ein Bundestrainer hat viele Millionen Kollegen in diesem Lande, die würde dem guten Löw doch schon lange die Freundschaft gekündigt haben, wenn er so über Monate daneben liegen würde. Und Ihr könnt ganz sicher sein: Wenn ihm Millionen „Bundestrainer“ die Freundschaft kündigen würden, dann hätte auch schon lange der Deutsche Fußball-Bund reagiert – auch mit einer Kündigung.

Haben denn jene deutschen Nationalspieler des HSV in der Nationalmannschaft so gespielt, dass sie sich als Führungskräfte erwiesen hätten? Ganz sicher nicht. Jörg Albertz war einer aus der Neuzeit (der Nationalmannschaft). Ich erinnere mich genau: Sein Debüt gab er einst in Porto gegen Portugal. Berti Vogts brachte ihn zur zweiten Halbzeit. Und fortan prasselten heftige Worte der Kollegen von links, rechts, von hinten und von vorne auf mich ein: „Was spielt der denn für einen Mist?“ Das war noch gemäßigt. Albertz war in der Nati ein ganz schlechter Mitläufer, und beim HSV? Hat er da oft Verantwortung übernommen?
Ingo Herztzsch debütierte bei Rudi Völler. Der Innenverteidiger war in der Nati ein Mitläufer, und beim HSV ein Spieler, der seinen Dienst gut und zuverlässig erledigt hat – aber eine Führungskraft war er nie.

Und Christian Rahn? Bei ihm lief es doch genau so ab wie bei Hertzsch. Einzig der von mir nicht sonderlich geliebte Sven Kmetsch spielte beim HSV einst – für ganz kurze Zeit – eine dominierende Rolle, aber das war es dann auch schon.

Nun ist Jerome Boateng neu bei Joachim Löw, und ich bin gespannt, wohin der Weg von Boateng führen wird. Er ist noch so jung, steht erst am Anfang der Karriere, er kann sich immer noch zu einer Führungspersönlichkeit entwickeln. Das entwickelt sich aber nicht, indem Mann es will, sondern das entwickelt sich von allein, durch die Hierarchie in der Mannschaft (des HSV), durch Erfolgserlebnisse, durch gestärktes Selbstvertrauen, durch Anerkennung von innen und außen. Hat man die, und zwar über einen längeren Zeitraum, dann kann man auch den Mund aufmachen, dann kann man ein Team motivieren, lenken, mitreißen, führen.

Piotr Trochowski ist in meinen Augen ein hervorragender Fußballer, aber er ist nicht die geborene Führungsperson. Deswegen sollten alle einmal die Ansprüche an ihn herunterschrauben. Und ihn so sein Spiel machen lassen, wie er es kann, wie er es will. Zudem müssen doch die ewigen Trochowski-Kritiker eines in den letzten Wochen bemerkt haben: „Troche“ redet doch gar nicht mehr so viel, er ignoriert auch schon mal diese oder jene Kamera, er gibt nicht immer jedes gewünschte Interview. Und davon, dass er eigentlich bei Arsenal London, Real Madrid oder beim FC Barcelona besser aufgehoben wäre, davon hat er doch schon seit jetzt vielen Monaten nichts mehr gesagt. Deswegen sollten ihm seine Kritiker auch irgendwann einmal in nächster Zeit verzeihen, sollten sie sich mit ihm arrangieren. Vielleicht wird er dann, wenn er die Zuneigung von allen spürt, auch so gut, dass ihn dann alle, wirklich alle lieb schätzen und mögen. So wie jene Rentner, die eigentlich mehr meckern als loben. Aber sie loben eben auch mal.

PS: Auch von mir alles, alles Gute, LoNY.

11.31 Uhr

Etwas mehr defensive Leidenschaft

25. November 2009

Eigentlich wollte ich mich heute einem Reizthema widmen, doch das verschiebe ich mal auf morgen, weil ich mich sonst in der Länge dieses Beitrags verzetteln könnte. Stattdessen möchte ich Euch ein paar Eindrücke des heutigen Trainings schildern, das zu den sehenswertesten der vergangenen Wochen zählte.

Zunächst einmal konnte man Mladen Petric länger als eine Stunde mit dem Ball am Fuß bei Einzelübungen beobachten. Ich muss ehrlich sagen, dass ich ein weiteres Mal ziemlich überrascht war, wie weit der Stürmer schon zu sein scheint. Ohne in sein operiertes Gelenk schauen zu können, würde ich sagen, dass die Chancen sehr gut stehen, dass Petric noch vor der Winterpause zurück in den Kader kehren wird. Vielleicht ja auch schon ein Tickchen früher als Mitte Dezember. Der Mannschaft würde er als Alternative in jedem Fall gut tun. Und selbst wenn Petric anfangs nur für Mini-Einsätze in Frage käme, beispielsweise für die letzten zehn Minuten, dürfte er „für den Kopf“ des Teams eine viel gewichtigere Rolle spielen.

Das anschließende Trainingsprogramm von Bruno Labbadia hatte es in sich, vor allem, was den Spaß-, Zweikampf- und Teamcharakter betrifft. Nach dem Aufwärmprogramm bat Labbadia seine Mannschaft (erneut gespickt mit zahlreichen Talenten und Nachwuchskräften Christian Groß, Gerrit Pressel, Henrik Dettmann, Hanno Behrens, Maximilian Beister plus Tolgay Arslan und Tunay Torun) in eine Art Fußball-Käfig. Zwei Tore mit zwei Torhütern (Rost und Hesl) im abgesteckten Feld auf ungefähr 15 Metern Länge und acht Metern Breite – und dann ging es im direkten Eins-gegen-eins-Duell jeweils 30 Sekunden hoch her. Die Tore wurden den zwei gekennzeichneten Mannschaften (eine mit roten Leibchen, eine mit gelben) gutgeschrieben. Da war ordentlich Dampf drin. Jerome Boateng saß gegen Joris Mathijsen meistens auf dem Hosenboden. Marcell Jansen feierte gegen David Jarolim einen Hattrick in zehn Sekunden, und Christian Groß (der unheimlich positiv auffiel) landete gegen Eljero Elia einen beeindruckenden 2:1-Erfolg. Da kam Spaß auf, da war Begeisterung spürbar. Anschließend sah der Rasen danach an einigen Stellen aus wie nach einem Regenwurm-Massaker. Und leider gab es auch wieder einen „halben“ Verletzten: Dennis Aogo.

Der Linksverteidiger brach die Einheit wegen einer Verhärtung der hinteren Oberschenkelmuskulatur ab und begab sich in Behandlung. Mal sehen, ob die Physiotherapeuten ihn bis zum Spiel in Mainz wieder auf Vordermann bringen.

Apropos Aogo: Der deutsche U-21-Europameister hat ja eine Einladung aus Nigeria erhalten und steht dort offenbar für einen Platz in der A-Nationalmannschaft zur Disposition. Beim HSV dürfte diese Nachricht zunächst einmal die Alarmglocken schrillen lassen. Natürlich wissen Bruno Labbadia und Co., dass so eine Anfrage aus Afrika für einen Mann wie Aogo eine große Ehre ist. Und natürlich wissen sie auch, dass Aogo abwägen wird, wo er mehr Einsatzchancen hat: in der deutschen A-Nationalmannschaft oder in der nigerianischen. Andererseits würde eine Entscheidung Aogos für Nigeria einige negative Klubfolgen haben, denn neben anstrengenden Länderspielreisen steht ja auch ein Afrika-Cup mitten in der Bundesligasaison an. Und für so ein Turnier gibt es eine Abstellungspflicht.

Nun gut, den Teufel brauchen wir auch nicht gleich an die Wand zu malen. Aogo weiß ja, dass es auch in Deutschland nicht gerade ein Überangebot an gestandenen Linksverteidigern gibt. Und er weiß, dass Joachim Löw ihn bereits seit einiger Zeit beobachten lässt. An Aogos Stelle würde ich noch etwas länger warten als bis zur Winterpause, um diese weit reichende Entscheidung zu treffen. Ich hoffe (natürlich auch aus Hamburger Sicht), dass er sich für den DFB aussprechen wird.

Zurück zum Training heute. In Sachen Tempo, Spaß und Spektakel war das wirklich ordentlich, was Bruno Labbadias Männer da gezeigt haben. Da war Leben drin und keine gedämpfte Stimmung wie noch während des Bochum-Spiels. Manchmal fehlte mir persönlich allerdings der letzte Biss, die letzte Hartnäckigkeit im Verhindern von Toren. Gerade bei solchen Übungen auf engstem Raum kommt es immer wieder zu harten Duellen, auch zu ein paar erzwungenen Stürzen und Tritten, da waren mir die Profis und auch die Nachwuchsleute aber gerade in der Rückwärtsbewegung manchmal etwas zu brav.

Bitte nicht missverstehen: Ich will keine Tretmaschinen sehen, auch nicht zu üblen Fouls animieren (schon wegen der Personalsorgen!), aber wenn alle Spieler so leidenschaftlich und rigoros verteidigen würden wie heute beispielsweise Frank Rost, Marcell Jansen oder Joris Mathijsen, dann hätte der HSV manch Gegentreffer nicht kassiert. Das ist auch ein Aspekt, den Trainer Labbadia meines Erachtens noch mehr in den Mittelpunkt rücken sollte. In Sachen Offensivbegeisterung kann man der Mannschaft ja ohnehin nichts vorwerfen, und hierbei werden die Jungs ja auch immer wieder animiert zu spekulieren, nachzusetzen und Szenen gedanklich erst abzuhaken, wenn der Ball im Toraus oder im Netz gelandet ist. Diese Denkweise muss in der Defensivarbeit auch Einzug halten. Und dabei gilt die gleiche Regel wie im Angriff: Was im Training nicht umgesetzt wird, kann im Spiel auch nicht funktionieren.

PS: Prominente Trainingszuschauer gab es heute übrigens auch: Ex-Profi Stefan Böger (jetzt DFB-Juniorencoach), Hansi Müller und Marcus Marin schauten sich Bruno Labbadias Einheit interessiert an.

17:55 Uhr

Fast in eigener Sache

25. November 2009

„Ich sprenge alle Ketten.“ War 1967 ein Hit von Ricky Shayne. Wobei mir einfällt, der war für Frau M. der Vorgänger von Peter Maffay. Aber ich schweife schon wieder ab. Ich bin mit dem Lied ins Bett gegangen, denn da gab es um Mitternacht ja schon den neuen Rekord. Wahnsinn. Ich möchte diese Zahl nun schnell einmal stoppen, deswegen nun meine kurze Meldung quasi in eigener Sache.

Ich lese ja alles, und ich will, das habe ich schon mehrfach erklärt, niemanden hier bremsen. Ich freue mich über den „regen Verkehr“, denn hier haben sich doch HSV-Fans gefunden, die miteinander können. Das ist in der heutigen Zeit auch schon etwas Besonderes. Dass ich die Fußball-Kommentare von Euch ganz besonders schätze, liegt wohl für jeden User auf der Hand. Deswegen muss ich die Beitrag von „Wolfgang Funk“ um 0.03 Uhr (!) extra einmal loben – ich bin voll auf Deiner Seite, so wie Du es geschrieben hast, würde ich das voll unterstreichen.

Wobei ich jetzt „Du“ gesagt habe. Sorry, falls ich da jemanden von Euch zu sehr auf die Füße trete – aber ich biete hier jedem das „Du“ an, denn in der Redaktion bei uns ist es so Sitte. Geworden. Vor ungefähr zehn, elf Jahren. Als wir damals den Sportchef Jan Haarmeyer bekamen, waren alle per Du. Selbst der 13- oder 14-jährige Praktikant sagte zu allen Du. Wobei ich, als ich vor 25 Jahren beim Hamburger Abendblatt startete, einen Kollegen noch jahrelang gesiezt habe. Und andere Kollegen siezten sich auch noch über Jahre. Und dann kam Haarmeyer, und plötzlich war alles per Du. Und das war gut so. Also, wer will sagt Du, und wer nicht will, der macht es eben anders.

Bevor ich zu unserem Treffen komme, möchte ich einmal auf die Partie in Mainz am Sonnabend kommen. Neben „Ich sprenge alle Ketten“ bin ich heute Nacht auch mit der Sorge ins Bett gegangen (Frau M. schlief schon!), dass der HSV auch beim Aufsteiger Schiffbruch erleiden könnte. Grund für diese Annahme: Mainz 05 spielt immer noch mit dem Schwung eines Neulings. Dass dieser Zustand nun schon so lange anhält, ist ungewöhnlich, in den meisten Fällen verebbt so etwas nach zwei, drei Monaten. Mainz aber spielt mit Herz und Leidenschaft – und der HSV im Moment mit den Füßen. Wenn sich das nicht ändert, dann sehe ich Schwarz, da bin ich ehrlich. Jetzt ist der Psychologe in Trainer Bruno Labbadia gefragt, er muss es schaffen, seine Mannen wieder (und mit) voller Begeisterung auf den Rasen zu schicken. Zum Fußball gehören Herz und Leidenschaft, wenn sich die HSV-Profis darüber klar sind, dann wird es auch wieder erfolgreich.

So, nun schnell noch einmal zu „Matz ab“. Gleich geht es zum Training, erst danach gibt es einen neuen Eintrag. Der „Master of Grätsche“ hat ja – völlig richtig – Erwartungen bezüglich eines Treffens von uns allen geweckt. Ich wollte damit einmal mit dem Chefredakteur Claus Strunz sprechen, hatte eigentlich auch schon am Montag einen Termin, doch den mussten wir auf Donnerstag verschieben – Arbeit geht vor. Natürlich! Ich bleibe an diesem Thema, Ihr natürlich auch, deswegen bekommen wir das auch irgendwo und irgendwann hin. Und dann mit einer Dichterlesung von HSV Jonny?

Aber dennoch bleiben einige Fragen: Kommen zehn, 100 oder 1000 Leute? Wo soll das dann stattfinden? Ich wäre auch für die Raute, aber was ist, wenn die zu klein ist? Und braucht man dann eventuell einen Ordnungsdienst, denn Bier lockert den einen oder anderen doch ein wenig mehr – und auch die Zungen. Es ist nicht einfach so, einen Ort und eine Zeit zu finden, das muss schon sorgfältiger geplant werden. Ohne dass ich nun ein Pedant bin, ich würde sogar sagen, genau das Gegenteil ist der Fall. Aber grundsätzlich: Lasst mir (und uns) noch ein bisschen Zeit. Und dann ist die Frage: Vor Weihnachten, oder danach?

So, kurz noch zu meinen Flusigkeiten, dass ich Ze Roberto vergessen hatte – und Fred Rutten „eingedeutscht“ habe. Ze Roberto hatte ich in Gedanken schon abgehakt, das war ein Fehler. Rutten habe ich deswegen in voller Absicht erwähnt, weil er hier im Zusammenhang mit Bruno Labbadia auch schon erwähnt worden war. Motto: Fast hätten wir hier Fred Rutten gehabt. . . Und wer genau hingesehen hat, der wird auch erkannt haben, dass ich mit Peter Neururer ja auch einen Kandidaten erwähnte, der eher in die Kategorie Rutten passen würde.

Seid nicht so streng mit den Flusigkeiten, die letzten Artikel (nach dem Bochum-Spiel) hatten alle so um die 330 Zeilen (ja, ich gebe zu, das macht Spaß – weil ich gefragt worden bin), und ein Artikel in der Montags-Ausgabe des Hamburger Abendblattes über den HSV hat ungefähr 120 bis 130 Zeilen. Bei mir dürfte sich zwar auch kein Fehler einschleichen, tut es aber ab und zu mal – dafür bitte ich um Entschuldigung.

So, es geht nun fast schon zum Training. Zwei Sachen noch. Wer gerne einmal eine Zeile des HSV-Vierzeilers sprechen möchte und drei Kollegen oder Kolleginnen hat, der möge sich melden.

Apropos Reim: Wer genau hinschaut auf die bislang veröffentlichen Reime, der wird einen ehemaligen HSV-Spieler dabei entdecken. Der erste „Matz-abber“, der den Namen hier erwähnt, erhält ein Geschenk von mir. Versprochen.

Versprochen war ja auch die Sprechstunde, und die soll auch wieder eingeführt werden, ganz sicher. Aber Ihr werdet ja bemerkt haben, dass die Einträge im Moment „alle Ketten sprengen“. Wenn ich, durch meinen Urlaub aus dem „Sprechstunden-Tritt“ gekommen, nun alle Fragen der letzten Wochen nachlesen müsste, wäre ich damit hoffnungslos überfordert. Ich hoffe, wir können uns darauf einigen: Die Fragen dieser Woche werde ich am Wochenende bearbeiten, und wer sich dann bei diesen Antworten nicht entdeckt, der möge seine Frage bitte erneut stellen. Alles klar? Ich hoffe. In diesem Sinne, bis bald.

Nein, einen habe ich noch. „Eiche Nogly“ weiß, dass ich sensibel bin. Deswegen noch die Frage beantwortet, ob ich, wenn ich hier „Peacock“ erwähnen einen Freiflug erhalte – oder so ähnlich. Ja, ich gebe es zu, wenn ich „Peacock“ erwähne, dann erhalte ich einen Freiflug nach Blankenese – aber nur hin. Zurück geht es mit der S-Bahn. Auch mit Freikarte, selbstverständlich. Und wenn ich hier an dieser Stelle „Harry“ erwähne, der auch öfter mal zum Training kommt, denn erhalte ich kostenlos Fliesen nach Hause geliefert, ab und an auch mal Brötchen und Feinbrot. Nein, im Ernst, ich finde nichts dabei, wenn ich den einen oder anderen aus Eurem Kreise erwähne, mit dem ich plaudere. Und da sich „Peacock“ ja eigentlich aus diesem Kreise verabschieden wollte, wollte ich ihn so „überreden“, doch noch zu bleiben. Und? Hat geklappt.

Bis nachher.

9.38 Uhr

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