Monatsarchiv für Oktober 2009

Sprechstunde verschiebt sich

25. Oktober 2009

Die Vorfreude auf das heutige Spiel des HSV auf Schalke hat bei mir offenbar Lampenfieber ausgelöst. Nein, Scherz beiseite, ich liege mit Fieber und starker Erkältung flach. Was für eine grässliche Nacht. Daher bitte ich Euch um Nachsicht, dass die eigentlich obligatorische Sprechstunde verschoben wird. Ich werde noch ein bisschen schlafen und versuchen, meine Kraft für das Duell nachher zu bündeln um dann wieder eine Sofortanalyse vom Spiel bei den Königsblauen zu liefern.

Dass es auf Schalke derartig hoch her geht, habe ich in diesem Ausmaß vorhin beim Durchlesen Eurer Kommentare gelesen. Ich bin mal gespannt, ob sich die heftigen Vorwürfe und eventuell auch folgenschweren Sachverhalte auf die Stimmung in der “Halle” auswirken werden.

Bis später.

10:33 Uhr

Angstgegner mit bester Laune

24. Oktober 2009

Ich traf gestern einen ganz, ganz alt verdienten HSVer und sprach mit ihm über die Lage des HSV. Er hat Bruno Labbadia in höchsten Tönen gelobt, aber nicht nur wegen dessen taktischer Maßnahmen in mehreren Spielen, sondern vor allem wegen seines Mutes und seiner Leidenschaft. Ich kann mich dem nur anschließen. Labbadia strotzt vor Leidenschaft und Tatendrang. Er will in Hamburg etwas bewegen und ist entgegen vieler seiner Vorgänger auch bereit, sich als Trainer, als Mensch und als Alt- und Neu-HSVer dafür voll einzubringen. Ich behaupte sogar: Labbadia verzichtet zum Wohle des HSV häufiger bewusst auf ein Stück Lebensqualität, weil er sich nie vorwerfen möchte, er hätte nicht wirklich zu 100 Prozent alles versucht, um den HSV auf Erfolgspfaden zu halten. Er betrachtet diesen Verein als das, was er auch meiner Meinung nach ist: als Traditionsklub und als Klub mit nach wie vor großem Potenzial (nach oben). Das gilt natürlich primär für den sportlichen Bereich. Den Weg unter die (gefühlten) Top 20 hat der HSV ja schon geschafft – und nun wird jeder kleine Treppenschritt höher in dieser Rangliste der Arsenals, Chelseas, Milans, Turins und Lyons umso schwieriger. Und reizvoller.

Was haltet Ihr eigentlich von Statistiken? Ich finde sie manchmal ganz aufschlussreich und „appetitanregend“. Nehmen wir doch das morgige Spiel in Gelsenkirchen. Dieser altgediente HSVer (den ich auf eigenen Wunsch namentlich nicht nenne) gestern hat über frühere Erfolge und Probleme geredet. Und plötzlich, als es um das anstehende Duell auf Schalke ging, strahlte er, als hätte er vor geistigem Auge gerade noch einmal Marcus Bergs Tor in Glasgow abgespielt.

Seine Begründung für die spontane Freude war jedoch eine andere: „Auf Schalke sehen wir doch immer ganz gut aus, für Königsblau sind wir so etwas wie ein Angstgegner.“ Bei diesem Stichwort wurde ich hellhörig. Angstgegner? Woran wird so ein Titel eigentlich festgemacht? Dafür gibt es wohl keine allgemein gültige Formel. Also bemühte ich mal die Bundesliga-Statistikdatenbank. Auf Schalke gab es für den HSV 22 Pleiten, sieben Remis und zwölf Siege. Das macht nicht unbedingt Mut für morgen; vor allem, wenn man weiß, dass Felix Magath jetzt Trainer der Königsblauen ist, und der ist gegen seinen Lieblingsverein immer besonders motiviert und lässt sich taktische Schachzüge einfallen.

Aber, das erklärte mir ein Praktikant aus der Redaktion, eine Statistik ist immer nur so interessant wie die Interpretation, mit der man ihr begegnet. Damit kann ich leben. Denn da offenbart die Bundesliga-Datenbank Erfreuliches. Von den letzten drei Spielen auf Schalke gewann der HSV zwei und spielte einmal unentschieden. Das klingt doch nach Angstgegner und ruft bei 04 hoffentlich negative Erinnerungen und Sorgen hervor.

Beim Stichwort Ängste fällt mir die Geschichte meines Kollegen Christian Pletz ein, der im vergangenen Jahr bei einem Junggesellenabschied auf Schalke dabei war. Sie waren mit acht Leuten in den Ruhrpott gefahren und hatten wegen einer kurzfristigen Absage ein Ticket zu viel an Bord. Was also tun? Als sie am Spieltag (Sonntag) morgens in Gelsenkirchens megagraue und trostlose Innenstadt fuhren, begegnete ihnen in Hauptbahnhofnähe ein einziger Mensch. Der sah etwas unheimlich aus, so um die 40 Jahre alt, und sprach die Gruppe an: „Ihr kommt doch bestimmt aus Hamburg!?“ Antwort: „Ja.“ Der Typ: „Habt ihr ein Ticket für nachher?“ Antwort: „Ja, wir brauchen keins!“ Er: „Nein, habt ihr eins zu verkaufen?“ Die Gruppe meines Kollegen warf sich skeptische Blicke zu, sagte dann zögernd: „Ja.“ Sie verkauften dem Mann, der ihnen nicht ganz geheuer war, die Karte und schlossen Wetten ab, ob sie ihn beim Spiel neben sich sitzen sehen würden.

In der Arena AufSchalke blieb der Platz des Mannes bis kurz vor dem Anpfiff leer, dann tauchte der Kartenkäufer tatsächlich auf – mit einem uralten HSV-Schal um den Hals. Bis zum Führungstor des HSV blieb der Typ stumm. Mein Kollege und seine Freunde erwarteten, dass es noch Ärger mit dem Mann geben würde. Irgendwie wirkte er eigenartig. Doch als dieses 1:0 für den HSV fiel, mutierte der „stumme Brocken“ im Eiltempo. Er sang voller Inbrunst HSV-Lieder, die er alle kannte. Er tanzte auf seinem Platz, er knuddelte seine Nachbarn und hatte Tränen in den Augen, als der Schiedsrichter den 2:1-Sieg mit dem Abpfiff besiegelte. Anschließend nahm er die Männergruppe in den Arm und bedankte sich „für ein unbeschreibliches Erlebnis“, an das er „schon gar nicht mehr geglaubt“ hatte.

Wie man sich doch in Menschen täuschen kann. Ob das auch für Fußballprofis gilt, wird sich morgen zeigen. Nimmt man die Erkenntnisse des heutigen Abschlusstrainings als Grundlage, dürfte es mindestens eine Umstellung geben. Ze Roberto fehlte. Bruno Labbadia hat aber schon Entwarnung gegeben. Der Brasilianer hat in Glasgow einen Tritt bekommen, darum durfte er heute eine Regenerationseinheit im Profitrakt des Stadions machen. Reine Vorsichtsmaßnahme. Glücklicherweise.

Ein Fragezeichen steht dagegen hinter Jerome Boateng. Beim Training mischte der Neu-Nationalspieler mit, als hätte er nie Knieprobleme gehabt. Boateng glänzte mit Volleyabnahmen, mit beherzten Zweikämpfen und geschickten Dribblings. Am Ende, als Trainer Labbadia das Abschlussspiel (ohne Hinweise auf die Startformation) gerade abpfeifen wollte, humpelte Boateng aber doch vom Rasen und kühlte sein lädiertes Knie. Jetzt wollen die Verantwortlichen und der Verteidiger abwarten, wie das Gelenk über Nacht reagiert. Vielleicht hilft es ihm ja, dass er dank der Zeitumstellung eine Stunde mehr bis zum Anpfiff hat.

Ich wünsche Bruno Labbadia, dass er Boateng bringen kann. Nicht weil ich David Rozehnal (Anmerkung: Danke, Dylan1941, hatte vorher Dennis geschrieben) den Job in der Innenverteidigung nicht zutraue, denn das tue ich, sondern weil ich glaube, dass Boateng gerade gegen Schalke neben Mathijsen besser passen würde. Boateng könnte dank seiner Geschwindigkeit auch die häufigen Eil-Vorstöße von Farfan ins Sturmzentrum leichter unterbinden, das dürfte mehr Stabilität bringen. Mein Gefühl sagt mir, dass Boateng morgen Mittag grünes Licht gibt.

Zum Abschluss noch mal ein Beweis dafür, welch Fingerspitzengefühl Bruno Labbadia in seiner Arbeit walten lässt. Zum Start des Trainings heute setzte der Trainer auf den Aspekt Atmosphäre. Zwei Mannschaften, die in verschiedenen Wettkampfdisziplinen (z.B. Kopfballtore nach einem zugeworfenen Ball aus etwa acht Metern, der Kopfballspieler muss dann sofort umschalten und ist Torwart) Punkte sammelten, schaukelten sich in Wettkampfmanier gegenseitig hoch. Die Teams feuerten sich gegenseitig an, sie johlten, sie fluchten, sie kämpften und ließen den Funken auf die mehr als 300 Zuschauer am Rand überspringen. Da gab es sogar Szenenapplaus, das machte Spaß. Labbadia schaute genüsslich zu. Er erkannte nicht nur ein harmonisches Miteinander, sondern auch einen unbedingten Siegeswillen, der sich in einigen hitzigen Diskussionen mit den Schiedsrichtern (Co-Trainer Sözer, Labbadia) zeigte. Rädelsführer bei der nicht immer unberechtigten Schiri-Schelte waren Joris Mathijsen, Frank Rost und David Jarolim. Wen wundert’s!?

16:25 Uhr

Pitroipas Defizite sind erträglich

23. Oktober 2009

Zunächst einmal möchte ich die Ungereimtheiten in den Einzelkritiken aufklären, die ja viele von Euch thematisiert haben. Warum es derartige Differenzen zwischen der Bewertung meines geschätzten Kollegen Marcus Scholz und meiner eigenen gibt, lässt sich einfach erläutern: Wir haben Szenen anders bewertet und sind bei einigen Situationen anderer Meinung. Er war im Celtic Park in Glasgow, ich habe das Spiel (wie die meisten von Euch) vor dem Fernseher verfolgt. Bevor jetzt der Aufschrei der Entrüstung entsteht: Ich bin bei jedem Heimspiel im Stadion, bestimmt auch bei dem einen oder anderen Auswärtsduell, aber nicht bei jedem. Außerdem solltet Ihr meine persönlichen Bewertungen nicht mit denen des Abendblattes abgleichen. Ich schreibe hier, was ich sehe und meine zu erkennen. Klar, ich gehöre zur Abendblatt-Redaktion und vertrete dieses Haus, aber dieser Blog ist trotzdem ein persönlicher. Und es liegt auch in Eurem Sinne, wenn ich meine Bewertungen nicht nach jedem Spiel erst einmal mit den Kollegen abstimme (was zeitlich gar nicht möglich wäre, weil Marcus Scholz gestern im Megastress mit dem Abpfiff fertig sein musste), denn sonst würde ja auch dieser Blog nur ein Onlinespiegelbild der Zeitungsartikel sein. So, das dazu.

Was die wieder einmal geballte Kritik an Piotr Trochowski betrifft, die ich in den meisten Kommentaren von Euch gelesen habe, muss ich mich für die knapp 15 Minuten nach seiner Einwechslung diesmal anschließen. Das war nichts, was „Troche“ in Glasgow zustande brachte. Als er bei McCourts Chance in der 80. Minute rechts hinten viel zu ungestüm auf den schottischen Spieler zulief, habe ich mir im Geiste gewünscht, dass bloß nicht Ex-Trainer Klaus Toppmöller zugucken möge. „Toppi“ ist damals immer verrückt geworden, wenn sich ein Spieler derartig „abhaken“ ließ wie Trochowski in diesem Fall. Immer und immer wieder hat er seinen Spielern, offensiven und defensiven, gesagt: „Geht mit Tempo drauf, übt Druck auf den Ballführenden aus, aber achtet darauf, dass Ihr Eure Geschwindigkeit reduziert und geschickt attackiert, wenn Euer Gegner Euch mit einem Haken ins Leere laufen lassen will. Das ist das Schlimmste und bringt immer riesige Chancen!“ Trochowskis überhastetes Verhalten war der beste Beweis.

Im Grunde genommen hat Trochowski gestern sogar Glück gehabt. Warum? Weil er Gelb-Rot hätte sehen müssen. Nach seiner Gelben Karte leistete er sich ebenfalls etwas unüberlegt in der Nachspielzeit ein taktisches Foul, ein Trikotzerren, dass der Unparteiische auch pfiff. Die Regel ist da eindeutig und hätte eine weitere Gelbe Karte nach sich gezogen, aber die Höchststrafe für den mit Sicherheit frustrierten, weil zum Reservisten degradierten Trochowski blieb aus. Trotz dieses Auftritts möchte ich mich an den Pauschalverurteilungen für den Nationalspieler nicht beteiligen. Er macht momentan eine schwierige Phase durch. Beim HSV schwankt er zwischen Stammelf und Bank, beim DFB ist er auch Nummer elf bis 13. Aus seinem aktuellen Formloch kann er sich nur selbst befreien, und ich bin nach wie vor überzeugt, dass ihm das auch gelingen wird. Und dann wird der HSV wieder viel Spaß an „Troche“ haben – und Ihr hoffentlich auch.

Der andere viel diskutierte Mann ist unser „Eichhörnchen“ Jonathan Pitroipa. Husch, schon ist er da. Wusch – schon ist er weg. Manchmal ist es wirklich witzig, wenn man die Nummer 21 über den Platz wieseln sieht. „Piet“ würde auch als Comicheld taugen.

Mal im Ernst: Ich glaube, dass einige von Euch und auch von den HSV-Experten meiner Zunft zu hart mit ihm ins Gericht gehen. Das gestrige Spiel war aus meiner Sicht ein Beweis dafür, dass Pitroipa für den HSV einen extrem hohen Stellenwert einnehmen kann. Er ist emsig, er ist kaum ausrechenbar – manchmal glaube ich, seine Beine wissen vor einem Laufweg selbst nicht, in welche Richtung sie sich bewegen -, und er ist aufgrund seiner hohen Geschwindigkeit in der Lage, Chancen wie die von Elia (51., Lattenschuss) herauszuarbeiten. Bruno Labbadia weiß, dass Spieler dieser Güteklassse Raritäten sind. Und auch wenn es Euch, ich gebe zu: mir auch, gelegentlich etwas schwer fällt, bunt gestreute Schüsse wie aus dem Schrotgewehr zu ertragen oder Stolperattacken oder Zweikämpfe mit der Intensität eines Luftzuges zu ertragen, so gehören sie doch leider noch zu Pitroipas Auftritten. Solange die Mischung aber wie in Glasgow ist, wo meines Erachtens positive Züge überwogen, wo deutlich bessere Ansätze als zuletzt erkennbar waren, nehme ich die negativen Randerscheinungen gerne in Kauf. Und das gilt für Bruno Labbadia offenbar auch. An der stetigen Verbesserung seines Mannes aus Burkina Faso ist der Trainer ohnehin dran – im Training.

Bevor dieser Beitrag zu lang wird, möchte ich noch ein paar grundsätzliche Worte zum HSV-Sieg in Glasgow finden. Ich habe hier und da gehört: „Ach, der Sieg war aber auch eine Pflicht – die Schotten sind so schwach!“ Richtig ist, dass dieses Celtic-Team wahrhaftig keine europäische Spitzenmannschaft ist. Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass die Erwartungshaltung an diesen HSV auch schon wieder ins Bodenlose gewachsen ist. Ist denn gar kein Platz mehr für ein Lob im angemessenen Rahmen? In Glasgow zu gewinnen, ist nicht einfach, schon gar nicht mit einer ersatzgeschwächten Mannschaft. Und genauso muss man aus Sicht des HSV auch in die nächsten Wochen schauen. Wie wertvoll beispielsweise der Heimsieg gegen Tel Aviv war, lässt sich auch jetzt erst nach dem 5:1-Erfolg Hapoels gegen Rapid Wien einschätzen. In diesem Sinne hoffe ich, dass die Konzentration jetzt voll und ganz dem Duell auf Schalke gewidmet wird. Mit einem Auftritt wie in Glasgow ist in Gelsenkirchen auch ein Punkt drin – mindestens.

14:00 Uhr

Groß, größer, großartig, HSV!

22. Oktober 2009

Nur der HSV! 1:0-Sieg! Ihr seid doch alle sensationell, denn Ihr habt immer an einen Auswärtssieg geglaubt. Kompliment! Ihr habt alle doch sehr viel Ahnung von diesem Spiel. Und der HSV hat doch eine Klasse-Mannschaft, selbst wenn sie stark ersatzgeschwächt in Glasgow gegen Celtic antreten muss. Das war super, HSV! Und dazu haben sicher auch die vielen, vielen Hamburger Fans beigetragen, denn die haben sich im Celtic Park großartig verkauft, toll für Stimmung gesorgt, was in diesem Stadion, gegen diese Fans in Grün und Weiß, nicht einfach ist. Aber an diesem Super-Abend hat einfach alles gepasst. Groß, größer, großartig, HSV!

Es war schon ein wenig überraschend, was sich Bruno Labbadia auch diesmal hatte einfallen lassen: Piotr Trochowski auf die Bank, dafür kam Marcell Jansen wie Kai aus der Kiste. Das war wieder aus der Abteilung „mutig, mutig“, Herr Trainer. Aber wirkungsvoll. Die Maßnahme leuchtete sogar ein, denn Jansen sollte nicht nur offensiv Akzente setzen, sondern auch defensiv denken und so manche Lücke stopfen – oder zustellen. Da hat Trochowski sicher die eine oder andere Schwäche (zu sehen nach seiner Einwechslung). Grundsätzlich muss festgehalten werden: Jansen hat einen guten Job gemacht, aber die zweimonatige Pause war ihm doch – ganz logisch – hin und wieder anzumerken. Es wäre ihm zu gönnen, wenn er jetzt einmal eine Serie starten könnte, nämlich eine Serie von verletzungsfreien Spielen.

Aber in Sachen Serie gibt es gleich einige Kandidaten beim HSV. Marcus Berg könnte eine gebrauchen, und dazu könnte Glasgow und sein großartiges 1:0 doch durchaus der Anfang gewesen sein. Der Schwede bewegte sich schon vor seinem Treffer viel – und gut, tat viel für die Mannschaft Er wehrte sich in den Zweikämpfen auch besser als zuletzt, und wenn es galt, nachzusetzen, dann ging er bis in die eigene Hälfte zurück. Ein Fleißkärtchen hatte er sich so noch zusätzlich verdient.

Und in Sachen Tore könnte ja jetzt der Knoten geplatzt sein, denn im Zusammenspiel mit Jonathan Pitroipa keimte bei mir schon während der noch torlosen ersten Halbzeit leichte Hoffnung auf bessere, auf stürmischere Zeiten auf. Auch für Sonntag, beim Spiel auf Schalke. Pitroipa, der den Raum erhielt, den er für sein Spiel benötigt, war mutig, ließ sich auch dadurch nicht von seinem Spiel abbringen, dass die Schotten ihm mehrfach und mächtig seine Stöcker abklopften.

Und, habt Ihr es bemerkt? Am Dienstag hatte es noch das Einzeltraining mit „Piet“ und Bruno Labbadia gegeben, und da musste der Wirbelwind vornehmlich mit links schießen. Als hätte es der Coach geahnt, denn wenn Pitroipa im Celtic Park zum Schuss kam, dann meistens mit links. Okay, okay, meistens waren es harmlose Kugeln, die da gen Schotten-Tor rollte, aber der Versuch ist in diesem Fall nicht strafbar – und eventuell könnte ja auch mal einer reinrutschen. Und die Chance in der 51. Minute? Das war doch klasse von Pitroipa gemacht. Er lief Slalom und legte den Ball auf Eljero Elia zurück – Latte. Das war Pech. Und trotzdem eine weitere gute Szene für „Piet“. Bei ihm ist es für mich alles eine Frage des Selbstvertrauens. Und wenn es weitere Vier-Augen-Gespräche zwischen ihm und dem Trainer gibt (wie die zehn Minuten am Montag), dann müsste auch dieses Manko zu beheben sein.
Auch deswegen lautet mein Fazit für diesen „schottischen“ HSV-Angriff nach diesem durchaus viel versprechenden Auftritt: Kein Hamburger (Fan) sollte mutlos in die Zukunft blicken, da geht noch was.

Zumal es ja auch nicht verboten ist, dass aus dem Mittelfeld heraus Treffer markiert werden. Diesen „Tipp“ gab mit kurz vor dem Spiel noch der ehemalige HSV-Profi Borisa Djordevic (Mitglied im Team von 1983): „Ihr fordert immer, dass die Stürmer Tore schießen sollen, war das dürfen alle anderen Spieler auch. Nur muss, damit es diese Chancen gibt, besser dafür gearbeitet werden. Von allen. Mir ist das noch viel zu wenig Flügelspiel.“ Auch das wird noch kommen, davon bin ich überzeugt. Wenn Jansen erst einmal bei 100 Prozent ist – und Elia auch wieder.

Eine Serie würde auch David Rozehnal gut zu Gesicht stehen. Der Tscheche, der für den verletzten Jerome Boateng in die Mannschaft kam, führte sich in diesem Spiel mit einem schlimmen Fehlpass ein, aber danach war er enorm aufmerksam, eng am Mann, gut im Zweikampfverhalten. Das konnte sich sehen lassen.

Wie auch die Vorstellungen der übrigen Mitglieder der Viererkette. Allen voran Joris Mathijsen, der unglaublich gut antizipierte, stark im Tackling und bestens im Stellen der Defensive war. Bis auf eine ganz, ganz kurze Schwächeperiode von zwei, drei Minuten nach dem Wiederanpfiff hatte auch der Jung-Vater Guy Demel alles auf der rechten Seite im Griff, eine solche Vorstellung ist einfach nur souverän zu nennen. Und auch Dennis Aogo stand sehr stabil. Das ist ja durchaus keine Selbstverständlichkeit, denn der Mann ist erst 22 Jahre alt, tut aber so, als wäre er schon Jahre auf dem internationalen Parkett tätig.

Und wie schön auch, dass der eigentlich wenig beschäftigte Frank Rost nicht eingefroren war. Die Parade in der 79. Minute, als er das 1:1 verhinderte (und es trotzdem keinen Eckstoß für Celtic gab), die war schon wichtig – und spricht absolut für seine Extraklasse.

Die überragenden Männer des HSV waren aber im Mittelfeld zu finden: David Jarolim und Ze Roberto. Der Kapitän eroberte von Anfang an unglaublich viele Bälle, war links und rechts zu finden, erinnerte mich in seinem Laufstil ein wenig an seinen Landsmann Emil Zatopek, die Lokomotive. Dieser Jarolim ist sensationell anzusehen, er spielt enorm effektiv, rational und ganz cool und clever.

Wie auch sein „Nachbar“ Ze Roberto. Was dieser 35-Jährige macht, hat Hand und Fuß. Wenn er meint, das Spiel beruhigen zu müssen, dann tritt er auf den Ball. Und wenn er meint, dass es nach vorne gehen muss, dann tut er das mustergültig. Dieser Ze Roberto ist einfach allererste Sahne, auch wenn das sehr salopp klingen mag. Ich musste immer dann, wenn der „große Ze“ am Ball war und das Spiel in die Hand nahm, an den einst so großen FC Bayern denken. Die Münchner könnten einen solchen Mann jetzt dringend benötigen, aber der HSV hat ihn jetzt, für zwei Jahre sogar!

23.oo Uhr

Boateng fällt aus

22. Oktober 2009

Es ist von vielen befürchtet worden, nun steht es fest: Jerome Boateng wird im Europa-League-Spiel heute gegen Celtic Glasgow nicht zum Einsatz kommen können, das teilte soeben HSV-Medien-Chef Jörn Wolf mit. Die Bänderzerrung im linken Knie Boatengs, zugezogen am Dienstag beim Training (ohne Fremdeinwirkung), verursacht weiterhin Schmerzen und lässt ein Spiel nicht zu.

Der HSV ließ nun kurzfristig noch Kai-Fabian Schulz aus der Zweiten nach Schottland einfliegen, der Innenverteidiger wird als Ergänzungsspieler auf der Bank Platz nehmen. Für Boateng rückt der tschechische Nationalspieler David Rozehnal in die Mannschaft.

14.05 Uhr

Kaufhaus-Bummel in Turin

21. Oktober 2009

Die Stunden bis zum Anpfiff in Glasgow sollen nun mit einigen Europapokal-Erinnerungen überbrückt werden. Sicher habt auch Ihr die eine oder andere Anekdote zu berichten, die Ihr im Ausland erlebt habt. Mit mir blickt auch erneut der frühere HSV-Profi Carsten Kober zurück, der hier ja schon über sein größtes Spiel, das gegen den FC Porto und Rabah Madjer, berichtet hat. Das Spiel lief im November 1989, in der folgenden Runde traf der HSV auf Juventus Turin. In Hamburg gab es zunächst eine 0:2-Niederlage, in Turin folgte ein 2:1-Erfolg des HSV – also leider ausgeschieden.

Kober erinnert sich: „Im Stadion war beim Spiel die Hölle los, es war so laut, dass wir uns untereinander kaum verstanden. Wir traten mit dem legendären Sturm Andreas Merkle und Jan Furtok an, hatten dann kurz vor Spielschluss die große Chance zum 3:1, aber der Schuss von Marcus Marin stieg leider in den Turiner Abendhimmel.“ Den Ball suchten die Italiener wahrscheinlich noch tagelang. Übrigens, Kober weiß noch von einem Novum zu berichten: “Obwohl wir ausgeschieden waren, erhielten wir vom HSV die vereinbarte Siegprämie. Weil wir so gut gespielt hatten. Das war nobel und einzigartig vom Klub, das gab es auch nie wieder.”

Doch nicht nur Carsten Kober hatte ein ganz besonderes Erlebnis, auch ich hatte einen ganz besonderen Tag in Turin, den werde ich  niemals vergessen: Am Tag vor dem Spiel bummelte ich durch die Stadt, betrat auch ein großes Kaufhaus (wie hier Karstadt Mönckenbergstraße). Als ich in die Elektro-Abteilung im vierten oder fünften Stock kam, traute ich meinen Augen nicht: Das Schiedsrichter-Gespann um den Franzosen Vautrot stand da vor vielen, vielen Fernsehern. Bei den Unparteiischen ein Offizieller von Juventus Turin. Sicher wollten sich die Herren nur über die Preise in Italien informieren, das kann ja auch nicht schaden. Ich erkannte plötzlich den legendären Unparteiischen Robert Wurtz. Das war der kleine und schnelle Mann, der immer auf Ballhöhe war – eine absolute Ausnahme-Erscheinung unter den Schwarzkitteln. Der kam mir damals stets wie das tapfere Schneiderlein vor. Ich wusste, dass Wurtz der deutschen Sprache mächtig war, deswegen sprach ich ihn ohne zu zögern an: „Was machen Sie denn, hier, Herr Wurtz? Sie haben doch Ihre Karriere schon seit einiger Zeit beendet, oder doch nicht?“

Ich bekam keine Antwort. Ihr glaubt es nicht, aber es ist Tatsache, und ich habe diese Szene schon unzählige Male (meinen Schreiberling-Kollegen) vorgespielt, wirklich vorgespielt: Der kleine Herr Wurtz blickte mich total verwirrt an. Er blickte mir nur eine Sekunde in die Augen, genau so, als käme ich gerade vom Mond – und dann gab er Gas. Aber wie! Blitzschnell lief er zum Ausgang der Elektro-Abteilung, wie ein Wiesel. Und weg war er. Man sah wirklich nur noch die Hacken von ihm – und ab! Zurück blieb der Rest des Gespanns um Vautrot – und der ratlose Schiedsrichter-Betreuer von Juventus. Ich versuchte den Herrn Wurtz noch zu erreichen, „ging“ ihm nach, aber er war spurlos verschwunden. Wahrscheinlich wollte er seiner Frau die Preise der italienischen Fernseher durchrufen.

Erst am Tag darauf sah ich Wurtz dann wieder. Diesmal im Stadion: als Linienrichter bei Vautrot. Wie konnte das angehen? Wurtz war eigentlich schon lange nicht mehr international tätig, und doch tauchte er plötzlich wieder als Linienrichter auf. Das war schon kurios.

Noch kurioser aber der Tag des Artikels über diese Kaufhaus-Erlebnisse. Die Verantwortlichen von Juventus Turin, die ja jeden Tag ganz aufmerksam alle Hamburger Zeitungen lesen (natürlich!!??), warteten wissbegierig darauf, etwas darüber zu lesen. Ich enttäuschte sie nicht, und der italienische Klub protestierte schriftlich. Es wurde mit Klage gedroht, wenn ich etwas in diese Geschichte hinein interpretieren würde, was da nicht hinein gehörte. Aber das hatte ich nicht getan, natürlich nicht. Das hätte doch die deutsch-italienische Freundschaft dann doch etwas schwerer belastet. Und weil ich nur die Wahrheit schrieb, verlief dieser Zwischenfall auch ohne Gericht, ohne Anwälte. Es wuchs dann irgendwann Gras über diese mysteriöse Sache – an die ich aber immer wieder denken muss, wenn es gen Italien geht (und ging).

Carsten Kober hat etwas allerdings etwas andere Erinnerungen an Vautrot: „Wir hätten das 3:1 erzielen können, das zum Weiterkommen gereicht hätte, aber der Schiedsrichter übersah ein klares Handspiel eines Italieners im Strafraum. Das war ganz bitter, aber in Porto waren wir ja nur deswegen weitergekommen, weil der Unparteiische ein Handspiel von John Jensen übersehen hatte.“

Es gleicht sich eben immer wieder aus, oder?
Eher nicht. Ich habe da jedenfalls meine leichten Zweifel.

1992 musste der HSV bei ZSKA Sofia antreten. Ich war in Begleitung unseres HA-Chefs vom Dienst, der als Fan mit nach Bulgarien gereist war. Wir wussten, dass wir kein Geld auf der Straße umtauschen durften, es war verboten, aber was machten wir? Genau. Erst kam ein Mann an einem großen Kaufhaus auf uns zu und ermahnte uns: „Kein Geld privat tauschen.“ Natürlich nicht. Zwei, drei Minuten kam ein weiterer Mann zu uns und bot uns einen sensationellen Kurs für die D-Mark an. Da musste Mann doch zugreifen. Und wir griffen. Voll daneben. Gerade eben hatte der Kerl uns noch den Stapel Geld vorgezählt, als ein anderer Mann vorbei kam – natürlich rein zufällig – und sagte: „Polizei, hey, da kommt Polizei.“ Wir blickten uns um. Und genau das war der Zeitpunkt, in dem das Geldpaket getauscht wurde. Und wir „Blinden“ haben nichts gemerkt. Alles musste blitzschnell gehen. Der Gauner erhielt die D-Mark, wir „Blinden„ nur ein Bündel Papier. Und dann trat Sekunden danach noch ein vierter Mann in Erscheinung. Der warnte uns quasi im Vorübergehen: „Geht nicht zur Polizei, denn sonst seid auch ihr dran. Ihr kommt ins Gefängnis“ Natürlich. Wir gingen nicht. 100 Mark waren weg. Und wir waren fassungslos, wie dumm wir gewesen sind. Fassungslos. Bis heute hält dieser Zustand eigentlich noch an.

Und dazu ein weiteres Erlebnis in Sofia. Da sprach mich auf der Stadion-Toilette ein Mann an. Ob ich Uwe Seeler kennen würde? Natürlich. Dann sollte ich ihn grüßen, denn er war einst, bei einem Länderspiel Deutschland gegen Bulgarien, sein Gegenspieler. Ich erkannte diesen Mann sogar wieder, er war es tatsächlich, der Gegenspieler von Seeler. Und dieser Bulgare war dann auch kein Krimineller. Er war nur arm. Ein ganz armer und etwas heruntergekommener Mann. Er bot mir eine Ikone an. Zu einem Preis, den er mir zuflüsterte. Dabei blickte er sich immer ängstlich um, wir durften nicht erwischt werden. Der ehemalige Nationalspieler brauchte Geld, aber er wusste genau, dass ich diese Ikone eigentlich nicht hätte kaufen dürfen. Ich kaufte aber trotzdem – und hatte diesmal das Glück auf meiner Seite, denn ich wurde mit meinem Schmuggelgut nicht entdeckt. So, das war mein Glück und Pech in Sofia, der HSV war locker weitergekommen. Und Uwe Seeler habe ich dann später auch noch gegrüßt.

Ganz kurz noch einige kleine Abstecher zu anderen Ausflügen. In der Saison 1997/98 ging es auf die Insel Island, Gegner war Leiftur Olafsfjördur. In der Nacht vor dem Spiel saßen wir in einer urigen Kneipe, in der zwei Männer live Musik machten – sie spielten nur Beatles-Songs. Das war schon mal traumhaft. Und dann ging um Mitternacht hinter den Bergen tatsächlich die Sonne auf. Eine unvergessene Nacht, damals in Akureyri.

1999/00 war auch Montpellier eine Europapokal-Station. Wir landeten mit dem HSV-Flieger in einer benachbarten Stadt – und standen plötzlich wie die Weihnachtsmänner da. Kein Taxi mehr am Flughafen. Wir mussten warten, bis eines zurückgegeben wurde, und das dauerte. Inzwischen trainierte der HSV schon. Als wir kurz vor Ende des Trainings im Stadion erschienen, gab es eine heftige Auseinandersetzung mit Manager Bernd Wehmeyer. Ich hatte ihm gesagt: „Der HSV sollte mal beim FC Bayern in die Lehre gehen, da wäre so etwas nicht passiert, da wäre der Weitertransport der Journalisten vorher allerbest organisiert gewesen.“ Da hatte ich was gesagt. Der leise „Herr Fummel“ explodierte förmlich, er ging in die Luft und schrie mich vor versammelter Kollegenschar an: „Bayern! Bayern? Dann geh doch zu deinen Scheiß-Bayern, wir sind hier beim HSV.“ Wusste ich dann auch. Nein, das wusste ich schon vorher. Am Flughafen.

Keine ganz so guten Erinnerungen habe ich an das Champions-League-Spiel bei Panathinaikos Athen (Oktober 2000). Am Tag des Spiels hatte ich plötzlich hohes Fieber bekommen – ich schwächelte, und zwar ganz doll. Unter solchen Umständen hätte ich nie ins Olympiastadion gehen können, doch die Hilfe kam – vom HSV. Wir waren ja auch beim HSV. Mannschaftsarzt Dr. Oliver Dierk erfuhr von meiner Krankheit, kam zu mir aufs Zimmer und legte mir über die Badezimmertür einen Tropf an den Arm. Diese Crash-Kur verfehlte ihre Wirkung nicht, am Abend war ich munter wie ein Fisch.

Und schnell noch einen Blick darauf, was dann nach dem 0:0 passierte: Bild-Kollege Babak Milani sprach einen Polizisten an, der gerade einen Mannschaftswagen bestieg: „Haben Sie noch Platz für fünf Hamburger Journalisten?“ Natürlich. Da saßen wir inmitten der Athener Polizei, wir fuhren mit Blaulicht zurück in die Innenstadt – aber nur im Schneckentempo. Blaulicht auf einem Polizei-Lkw wird in Griechenland grundsätzlich missachtet, oder auf jeden Fall nicht ganz für voll genommen. Wir schlichen im Athener Stau stundenlang über die überfüllten Straßen, aber irgendwie war die griechische Polizei doch ein ganz netter Freund und Helfer, eben nur ein bisschen sehr langsam.

Nun bin ich am Ende. Und mal gespannt, was mein HA-Kollege Marcus Scholz von seinem Europa-League-Ausritt nach Schottland berichten kann. Ich drücke ihm die Daumen, dass er auf jeden Fall über einen HSV-Sieg schreiben darf. Und das hätte ja auch was. Sehr viel sogar. Fast schon die nächste Runde.

23.55 Uhr

Zittern um Boateng

21. Oktober 2009

Alle HSV-Spieler betraten den Rasen des Celtic Parks mit „Buffern“, nur Jerome Boateng nicht, der kam in weißen Turnschuhen. Der angeschlagene HSV-Abwehrspieler drehte einige Runden, brach aber dann nach zehn Minuten das Training ab. Fortsetzung folgt morgen, am Vormittag vor dem Spiel bei Celtic Glasgow. Boateng hat, logischerweise, noch Schmerzen in seinem linken Knie, es wird ganz eng mit seinem Einsatz. So, wie es mein Kollege Marcus Scholz schilderte, sieht es so aus, als müsse Boateng doch eher passen. Es darf, nein, es muss gezittert werden.

So, ein anderes Thema. Der HSV in Sachen Europapokal unterwegs, da gab es ja schon einige legendäre Auftritte. Ich habe mich einmal mit dem „Master of Grätsche“ ausgetaucht, für Carsten Kober war jeder internationale Auftritt ein Highlight. Besonders die Großzügigkeit der Schiedsrichter blieb ihm im Gedächtnis: „Da konnte man schon wesentlich härter zur Sache gehen, als in der Bundesliga, international wird öfter mal ein Auge zugedrückt.“

Das größte Ereignis für Kober aber war in der Saison 1989/90 das Aufeinandertreffen mit dem FC Porto: „Ich spielte gegen den legendären Rabah Madjer. Das war der, der einst den Bayern ein Tor mit der Hacke ins Nest gelegt hatte. Für mich war das mein härtester Gegner, auf den habe ich mich vorher schon tagelang konzentriert.“ Der HSV hatte im November 1:0 in Hamburg gewonnen, im Rückspiel gab es eine 1:2-Niederlage. Kober erinnert sich: „Ich denke, wir haben in diesem Spiel nur einmal auf das Tor geschossen, das war Armin Eck, und der traf.“ Ansonsten spielte nur der FC Porto. „Der Druck, den die machten, war Wahnsinn, es lief ein Angriff mach dem anderen auf unser Tor. Einmal rettete John Jensen per Hand auf der Torlinie, aber der Schiedsrichter sah es nicht.“ Die 1:2-Niederlage wurde wie ein Sieg gefeiert, doch die Spieler hatten zu leiden, wie Carsten Kober weiß: „Wir wurden nach dem Schlusspfiff mit Urinbeuteln beschmissen, das war lecker.“

Und ich hatte auch zu leiden. Im überfüllten Presseraum saß Porto-Trainer Arthur Jorge, der gerade mit seinem Statement beginnen wollte, als Horst Becker (damals Vizepräsident) und Ernst-Otto Rieckhoff den Raum betraten. Ich stand fast neben Jorge, der obergenervt war, als Rieckhoff mich entdeckte. Der Schazumeister schrien plötzlich laut auf: „Jaaaaaa, Dieter, jaaaaa, wir haben es geschafft, jaaa.“ Jorge sackte in sich zusammen, er war kurz davor, in die Luft zu gehen. Dann befahl er den Ordnern: „Der Mann muss raus, sonst rede ich hier nicht.“ Gemeint war nicht Rieckhoff, sondern ich. Ich hatte nichts getan, aber da er Rieckhoff als Offizieller des HSV nicht vor die Tür setzen konnte, musste ich gehe. Erst nach langem Zureden der Kollegen ging ich, sonst wäre die Pressekonferenz geplatzt. Rieckhoff tröstete mich: „Ich erzähle dir alles, was er gesagt hat.“ So geschah es.

So, um schnell vom Hof zu kommen, ist jetzt erst einmal Ende hier. Die Europapokal-Erinnerungen werden aber noch fortgesetzt.

20.28 Uhr

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