Tagesarchiv für den 30. Oktober 2009

Elias Turbo läuft auf Hochtouren

30. Oktober 2009

Einige wenige von Euch scheinen mich missverstanden zu haben, was Joris Mathijsens eindeutige Fortschritte in Sachen Aufbauspiel betrifft. Natürlich liegt die deutlich erkennbare Verbesserung nicht an ihm allein, sondern an der gesamten Mannschaft. Wenn sich keine Anspielstationen bieten, wird Mathijsen auch in Zukunft lange Bälle über die Außenbahn spielen – aber in den meisten Fällen und auch dank der Trainingsschwerpunkte in diesem Bereich zeigen sich ja mindestens zwei, manchmal sogar drei bis fünf Spieler zur Fortsetzung des Spielaufbaus. Der Anmerkung, Mathijsen tauche fast nie in der gegnerischen Hälfte auf, kann ich nur hinzufügen: glücklicherweise. Denn jede Ordnung und jedes Spielsystem benötigt Akteure für bestimmte Bereiche. Und ich glaube, dass Mathijsen seine Vorzüge (Timing, Stellungsspiel, Zweikämpfe) sehr gut selbst einschätzen kann und sich daher auch auf sein Spiel konzentriert und reduziert. Das ist für einen Trainer zehnmal besser als Spieler, die sich und ihre eigenen Fähigkeiten maßlos überschätzen und plötzlich Dinge tun, mit denen sie auf sich aufmerksam machen wollen. Stellt Euch mal vor, David Jarolim würde in Ballbesitz plötzlich Eins-gegen-eins-Laufduelle gegen die schnellsten Verteidiger der Liga wagen und sich von seiner grandiosen Stärke, der Ballsicherung und fast fehlerfreien Weiterleitung, verabschieden. Bruno Labbadia würde die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Ihr auch. Und ich erst…

Eigentlich wollte ich aber heute ein ganz anderes Thema angehen. Ich wollte mal wieder über Eljero Elia schreiben. Nicht weil meine Kollegen Kai Schiller und Marcus Scholz gestern mit ihm ein Interview geführt haben, sondern weil mir mehrere Trainingskiebitze in den vergangenen Tagen bestätigt haben, dass der „Roadrunner“ (kennt Ihr diese Comic-Vögel aus „Mein Name ist Hase“?) nach einem kleinen Minitief wieder auf der Überholspur ist. Sein Tempo und sein Spielwitz sind wahrlich eine Augenweide. Und wenn ich ganz ehrlich bin, treiben mir seine megastarken Auftritte auch immer gleich ein paar Sorgenfalten auf die Stirn.

Das ist eben das bittere Los eines Vereins wie dem HSV. Ich male mal folgendes Szenario auf. Bleiben Elias Leistungen in etwa so konstant wie im bisherigen Saisonverlauf und hängt der Senkrechtstarter im kommenden Sommer auch noch eine einigermaßen gute WM an, dann stehen im Juli die reichen englischen Topvereine Schlange. Und dann wird es der HSV verdammt schwer haben, „Eli“ (so rufen ihn ja die Teamkollegen) an der Elbe zu halten.

Keine Sorgen, ich will den Teufel nicht an die Wand malen. Eigentlich bin ich nur auf Elia gekommen, weil ich auch glaube, dass er gegen Mönchengladbach einer der entscheidenden Spieler werden wird. Wenn sein Turbo von Beginn an zündet, wird die in dieser Saison meist anfällige Hintermannschaft der Borussen vor zahlreiche Probleme (hoffentlich unlösbare) gestellt werden. Für mich zählt Elia jedenfalls schon jetzt zu den größten fußballerischen und spektakulären Bereicherungen der Bundesliga. Und das bleibt, da machen wir uns nichts vor, eben auch leider den reicheren Vereinen in Europa nicht verborgen.

Umso wichtiger wäre es, dass der HSV am Saisonende unter den Top drei landet. Die Champions League, so bitter ist nun mal die Realität, heiligt derzeit fast alle Mittel. Das heißt: Wer in der Königsklasse mitmischt, kann kurzfristig mit den Großen Europas finanziell mithalten und natürlich auch gefragten Spielern eine interessante Perspektive bieten.

Beim Stichwort „mitmischen“ möchte ich mich an dieser Stelle auch einmal bei Euch bedanken. Dieser Blog ist für mich mittlerweile so etwas wie ein Treffpunkt für echte Fußball-Liebhaber. Heutzutage, da vielerorts mehr über das Drumherum eines Spiels geredet wird als über das Geschehen auf dem Rasen, findet man immer seltener Leute, die das Spiel an sich lieben und sachlich-fundiert über Themen diskutieren. Wenn ich mir die Kommentare und Ideen, die Kritiken und Analysereaktionen in den einzelnen Beiträgen durchlese, finde ich mehr fachkundige und leidenschaftliche Antworten, als ich es je erwartet hätte. Macht weiter so. Ich melde mich morgen nach Spielende wieder.

Einen kleinen Nachtrag noch: David Jarolim gebührt für das morgige Spiel natürlich ein ganz besonderer Empfang. Der Kapitän absolviert sein 250. Bundesligaspiel, das ist wirklich beachtlich. Und ich weiß sogar ein gutes Geschenk für seine Jubiläumspartie, das er sich selbst schenken könnte – wie wäre es mit dem 18. Bundesligator?!

Zum Abschluss noch die Sieger unseres Gewinnspiels: Das Trikot von Änis Ben Hatira bekommt Sven Schütt. Die zwei Eintrittkarten hat sich Marco Gerdes gesichert. Die richtigen Antworten auf die beiden Fragen lauteten: 1. Günter Netzer wollte die Stadionzeitung verlegen. 2. Bernd Dörfel schoss das erste Tor.

12:44 Uhr