Tagesarchiv für den 22. Oktober 2009

Groß, größer, großartig, HSV!

22. Oktober 2009

Nur der HSV! 1:0-Sieg! Ihr seid doch alle sensationell, denn Ihr habt immer an einen Auswärtssieg geglaubt. Kompliment! Ihr habt alle doch sehr viel Ahnung von diesem Spiel. Und der HSV hat doch eine Klasse-Mannschaft, selbst wenn sie stark ersatzgeschwächt in Glasgow gegen Celtic antreten muss. Das war super, HSV! Und dazu haben sicher auch die vielen, vielen Hamburger Fans beigetragen, denn die haben sich im Celtic Park großartig verkauft, toll für Stimmung gesorgt, was in diesem Stadion, gegen diese Fans in Grün und Weiß, nicht einfach ist. Aber an diesem Super-Abend hat einfach alles gepasst. Groß, größer, großartig, HSV!

Es war schon ein wenig überraschend, was sich Bruno Labbadia auch diesmal hatte einfallen lassen: Piotr Trochowski auf die Bank, dafür kam Marcell Jansen wie Kai aus der Kiste. Das war wieder aus der Abteilung „mutig, mutig“, Herr Trainer. Aber wirkungsvoll. Die Maßnahme leuchtete sogar ein, denn Jansen sollte nicht nur offensiv Akzente setzen, sondern auch defensiv denken und so manche Lücke stopfen – oder zustellen. Da hat Trochowski sicher die eine oder andere Schwäche (zu sehen nach seiner Einwechslung). Grundsätzlich muss festgehalten werden: Jansen hat einen guten Job gemacht, aber die zweimonatige Pause war ihm doch – ganz logisch – hin und wieder anzumerken. Es wäre ihm zu gönnen, wenn er jetzt einmal eine Serie starten könnte, nämlich eine Serie von verletzungsfreien Spielen.

Aber in Sachen Serie gibt es gleich einige Kandidaten beim HSV. Marcus Berg könnte eine gebrauchen, und dazu könnte Glasgow und sein großartiges 1:0 doch durchaus der Anfang gewesen sein. Der Schwede bewegte sich schon vor seinem Treffer viel – und gut, tat viel für die Mannschaft Er wehrte sich in den Zweikämpfen auch besser als zuletzt, und wenn es galt, nachzusetzen, dann ging er bis in die eigene Hälfte zurück. Ein Fleißkärtchen hatte er sich so noch zusätzlich verdient.

Und in Sachen Tore könnte ja jetzt der Knoten geplatzt sein, denn im Zusammenspiel mit Jonathan Pitroipa keimte bei mir schon während der noch torlosen ersten Halbzeit leichte Hoffnung auf bessere, auf stürmischere Zeiten auf. Auch für Sonntag, beim Spiel auf Schalke. Pitroipa, der den Raum erhielt, den er für sein Spiel benötigt, war mutig, ließ sich auch dadurch nicht von seinem Spiel abbringen, dass die Schotten ihm mehrfach und mächtig seine Stöcker abklopften.

Und, habt Ihr es bemerkt? Am Dienstag hatte es noch das Einzeltraining mit „Piet“ und Bruno Labbadia gegeben, und da musste der Wirbelwind vornehmlich mit links schießen. Als hätte es der Coach geahnt, denn wenn Pitroipa im Celtic Park zum Schuss kam, dann meistens mit links. Okay, okay, meistens waren es harmlose Kugeln, die da gen Schotten-Tor rollte, aber der Versuch ist in diesem Fall nicht strafbar – und eventuell könnte ja auch mal einer reinrutschen. Und die Chance in der 51. Minute? Das war doch klasse von Pitroipa gemacht. Er lief Slalom und legte den Ball auf Eljero Elia zurück – Latte. Das war Pech. Und trotzdem eine weitere gute Szene für „Piet“. Bei ihm ist es für mich alles eine Frage des Selbstvertrauens. Und wenn es weitere Vier-Augen-Gespräche zwischen ihm und dem Trainer gibt (wie die zehn Minuten am Montag), dann müsste auch dieses Manko zu beheben sein.
Auch deswegen lautet mein Fazit für diesen „schottischen“ HSV-Angriff nach diesem durchaus viel versprechenden Auftritt: Kein Hamburger (Fan) sollte mutlos in die Zukunft blicken, da geht noch was.

Zumal es ja auch nicht verboten ist, dass aus dem Mittelfeld heraus Treffer markiert werden. Diesen „Tipp“ gab mit kurz vor dem Spiel noch der ehemalige HSV-Profi Borisa Djordevic (Mitglied im Team von 1983): „Ihr fordert immer, dass die Stürmer Tore schießen sollen, war das dürfen alle anderen Spieler auch. Nur muss, damit es diese Chancen gibt, besser dafür gearbeitet werden. Von allen. Mir ist das noch viel zu wenig Flügelspiel.“ Auch das wird noch kommen, davon bin ich überzeugt. Wenn Jansen erst einmal bei 100 Prozent ist – und Elia auch wieder.

Eine Serie würde auch David Rozehnal gut zu Gesicht stehen. Der Tscheche, der für den verletzten Jerome Boateng in die Mannschaft kam, führte sich in diesem Spiel mit einem schlimmen Fehlpass ein, aber danach war er enorm aufmerksam, eng am Mann, gut im Zweikampfverhalten. Das konnte sich sehen lassen.

Wie auch die Vorstellungen der übrigen Mitglieder der Viererkette. Allen voran Joris Mathijsen, der unglaublich gut antizipierte, stark im Tackling und bestens im Stellen der Defensive war. Bis auf eine ganz, ganz kurze Schwächeperiode von zwei, drei Minuten nach dem Wiederanpfiff hatte auch der Jung-Vater Guy Demel alles auf der rechten Seite im Griff, eine solche Vorstellung ist einfach nur souverän zu nennen. Und auch Dennis Aogo stand sehr stabil. Das ist ja durchaus keine Selbstverständlichkeit, denn der Mann ist erst 22 Jahre alt, tut aber so, als wäre er schon Jahre auf dem internationalen Parkett tätig.

Und wie schön auch, dass der eigentlich wenig beschäftigte Frank Rost nicht eingefroren war. Die Parade in der 79. Minute, als er das 1:1 verhinderte (und es trotzdem keinen Eckstoß für Celtic gab), die war schon wichtig – und spricht absolut für seine Extraklasse.

Die überragenden Männer des HSV waren aber im Mittelfeld zu finden: David Jarolim und Ze Roberto. Der Kapitän eroberte von Anfang an unglaublich viele Bälle, war links und rechts zu finden, erinnerte mich in seinem Laufstil ein wenig an seinen Landsmann Emil Zatopek, die Lokomotive. Dieser Jarolim ist sensationell anzusehen, er spielt enorm effektiv, rational und ganz cool und clever.

Wie auch sein „Nachbar“ Ze Roberto. Was dieser 35-Jährige macht, hat Hand und Fuß. Wenn er meint, das Spiel beruhigen zu müssen, dann tritt er auf den Ball. Und wenn er meint, dass es nach vorne gehen muss, dann tut er das mustergültig. Dieser Ze Roberto ist einfach allererste Sahne, auch wenn das sehr salopp klingen mag. Ich musste immer dann, wenn der „große Ze“ am Ball war und das Spiel in die Hand nahm, an den einst so großen FC Bayern denken. Die Münchner könnten einen solchen Mann jetzt dringend benötigen, aber der HSV hat ihn jetzt, für zwei Jahre sogar!

23.oo Uhr

Nächste Einträge »