Tagesarchiv für den 19. Oktober 2009

Sprechstunden-Verlängerung

19. Oktober 2009

Die Dummen sterben nicht aus. Ich meine die Herren, die in manchen Vereinen das Sagen haben. Ihr kennt das bestimmt auch aus den Amateur-Klubs bei Eich um die Ecke. Die stellen Trainer ein, die es schon bei anderen Vereinen nicht geschafft haben, aber diese Dummen hoffen immer noch darauf, dass sie das Ei erfunden haben. Ich komme da nicht mehr mit. So ein Fall ist jetzt der KFC Uerdingen. Der, inzwischen in die sechste Liga abgerutscht (warum wohl?), will doch tatsächlich den lieben, netten und so braven Herrn Ailton verpflichten. Warum nehmen die nicht mich? Ich wäre genauso effektiv, aber ich bräuchte nicht eine Extra-Bratwurst. Na ja, der Trainer könnte mich nach sämtlichen Einheiten ruhig nach Hause fahren, und der Kapitän mir die Mannschaftskasse übergeben, aber das wäre es dann auch schon. Nein, nein, die ticken nicht richtig, die Herren im Westen, es ist unfassbar, was in manchen Präsidium für eine fußballerische Armut herrscht. Vielleicht sollten die als Trainer gleich auch noch Rolf Schafstall verpflichten. So, genug gelästert, nun zur Verlängerung der vierten Sprechzeit.

„Mario“ war gleich mit zwei Fragen dabei. Ob ich einen HSV-Spieler, der erst acht Bundesliga-Spiele gemacht hat, in die Nationalmannschaft empfehlen würde? Ja, ganz eindeutig ja. Wenn ich sehe, dass einer das Talent hat, dann würde ich ihn da sofort reinschmeißen. Erinnert Ihr Euch an Uwe Seeler? Der war ein 17-jähriger Knabe, als Sepp Herberger, der große Sepp Herberger ihn holte. Okay, Seeler ist eine Ausnahme, die Zeiten haben sich geändert, aber trotzdem bleibe ich dabei – immer rein mit ihm. Auch wenn er Thomas Müller heißt. So lange er dem deutschen Fußball hilft, und das muss ja noch abgewartet werden, immer rein mit ihm. Und dann die Frage, ob Felix Magath eigentlich nach seinem Krach mit Schiedsrichter Dr. Helmut Fleischer „gelöhnt“ hat? Hat er. Aber immerhin etwas weniger, als die erst vom Sportgericht aufgerufene Summe. So lange hat der Felix Berufung eingelegt, bis er es etwas billiger bekam – aber gelöhnt hat er dann doch noch.

Für die Hesebeck Home Company schrieb Herr Langbehn und bot zwei Bochum-Karten für Caspar Memering an. Wir werden das weitergeben. Vielen Dank!

„emkei“ fragt, warum Bernardo Romeo gehen musste? Weil Thomas Doll eine etwas anders spielende HSV-Mannschaft auf die Beine stellen wollte. Ihm schwebte ein schnelles (Konter-)Spiel vor, und dafür war Romeo nicht geeignet. Der Argentinier stand doch meistens wie festgewurzelt am Fünfmeterraum und wollte bedient werden, den Ball überv die Linie zu drücken. Okay, das hat er auch gut gemacht, aber was war, wenn der HSV kaum an den Fünfmeterraum kam? Dann hing Romeo in der Luft. Der 32-jährige stürmt übrigens noch immer in der Heimat, und zwar für jenen Klub, von dem aus er einst nach Hamburg gekommen war: Club Atletico San Lorenzo de Almagro.

„Frank“ fragte, warum Reiner Calmund bei Bayer Leverkusen gehen musste? Es lag wohl nicht an einer gewissen Geldverschleuderung, sondern eher daran, dass mit Wolfgang Holzhäuser ein Mann (vom DFB) als Geschäftsführer kam, der eine etwas andere Vorstellung davon hatte, wie ein solcher Verein zu führen sei. Aus der Ferne würde ich sagen: Holzhäuser war der Beamte, Calmund der Künstler. Das passte einfach nicht, die Herren haben erst gegeneinander gearbeitet, dann knallte es richtig, es gab Hass. Und „Callis“ Ende.

„lo-king-kai“ fragte, ob Uwe Seler nicht bei der Geburtstagsfeier von Gert „Charly“ (wurde kürzlich 70) gewesen sei? Nein, er war nicht. Ich war auf der Barkasse, die mit den Gästen durch den Hafen schipperte (großartig arrangiert und organisiert, Herr Scheel!), wir warteten extra noch fünf Minuten mit dem Ablegen, weil es hieß, dass Uwe Seeler noch kommen würde – aber er kam nicht. Was „lo-king-kai“ schon vermutete, das stimmt sicher (ein bisschen): Beide Ausnahme-Stürmer sind sich noch immer nicht so richtig grün. Aber: Es war auch kein anderer Kollege aus der Meistermannschaft von 1960 mit an Bord, das sollte dem „Charly“ zu denken geben. Er machte dafür Oliver Scheel (mit-)verantwortlich, weil der es eventuell nicht geschafft hatte, die Einladungen rechtzeitig zu verschicken. Das aber muss ich an dieser Stelle eindeutig widerlegen, die Einladungen sind alle draußen gewesen, aber die angeschriebenen Herren hatten einfach keine Lust. Dafür verbürge ich mich, weil ich es nämlich von vier HSV-Meisterspielern persönlich gehört habe.

„Eifelkick“ fragte, ob der Finne Jonatan Johansson, der das 1:0-Siegtor gegen Deutschland schoss, nicht einer für den HSV sei? Sehr gute Frage! Da war ein Fachmann am Werk. Johansson ist inzwschen 34 Jahre alt – und ohne Verein. Zuletzt stürmte er (bis vor kurzem) für Hibernian FC in Schottland. Davor war er, unter anderem, bei Charlton Athletic, Malmö FF, Norwich City und den Glasgow Rangers. Johansson hat seinen Preis, aber könnte der dem HSV sofort helfen? Bruno Labbadia kennt den Finnen natürlich, der HSV-Coach bezog ihn auch mit in seine Überlegungen mit ein – aber offenbar landete Johansson genau neben Ebi Smolarek. Auch wohl deshalb, weil Bruno Labbadia sehr wohl viel von Tolgay Arslan und Tunay Torun hält und ihnen vertraut. Sauber, kann ich nur sagen, Kompliment.

„Lars“ schimpfte auf die 80-Euro-Karte für Deutschland gegen Finnland und war total verärgert über diesen Kick: „Das war eine Sauerei.“ So ist es, und da kann ich auch die Herren vom DFB nicht verstehen, die diese Vorstellung noch verharmlost haben. Ich schließe mich da voll und ganz den Worten unseres Users „Ulrich Lutkus“ an, der genau den treffenden Kommentar bei „Matz ab“ abgegeben hat. Bravo! In diesem Zusammenhang fragte „Lizarazu“, ob ich wirklich mit einem tollen Länderspiel gerechnet hatte? Ja und nein, gebe ich zu. Ja, weil ja alles schon gelaufen war, und dann fast immer ein solches Spiel dabei heraus kommt. Nein, weil ich noch immer die Worte von Joachim Löw bei der abschließenden Pressekonferenz im Ohr habe. Auf die Frage, ob die Zuschauer Spaß haben werden bei diesem Spiel, antwortete Löw: „Es geht hier nicht nur um Spaß, sondern auch um Ernst, denn es ist ein WM-Qualifikationsspiel, wir wollen die Qualifikation mit einem guten Spiel abschließen.“ Der Bundestrainer wollte, weil ich ihm diese Worte abnehme, aber die Spieler wollten eben nicht so sehr, das ist sein Dilemma.

Und noch einmal zum „Länderspiel“. „Martin“ war erstaunt, wie schnell ich den Bericht zu diesem Grottenkick fertig hatte. Natürlich geht das nur mit Laptop, auf dem Platz im Stadion geschrieben – und weg.

„Buy Emirates“ zweifelte den „filigranen Frank Pagelsdorf“ an, ich kann es nur wiederholen: Der Mann konnte richtig gut kicken, war ein Super-Techniker – und nicht immer so dick, wie er als HSV-Trainer herumlief. Und zu seinem „Abschuss“, den er sich gegen einen Kollegen der Mopo erlaubte: Es war nicht Buttje Rosenfeld, wie von „MarkusMagic“ vermutet.

Mich hat übrigens in all den Jahren weder ein Trainer noch ein sonstiger Funktionär „abgeschossen“ oder gefoult. Sie liebten mich alle. . . Nein, im Ernst („Kavennsmann“), es bestand bei den Herren kein Bedarf, mich derart vorzunehmen. Wobei es durchaus die eine oder andere Meinungsverschiedenheit (natürlich, das geht gar nicht anders!) zwischen uns gab. Aber das wurde verbal ausgeräumt. Es gibt aber in der Tat noch den einen oder anderen Fall mehr. Ich erinnere mich an ein St.-Pauli-Trainingslager auf Amrum. Da gab es etliche Strandkicks, und die waren stets hart umkämpft. Einmal trat Dietmar Demuth den Kollegen von der Welt (nicht Matthias Linnenbrügger) mit einer unglaublichen Blutgrätsche zusammen. Das war so hart, dass der Kollege in den folgenden Tagen (bis zur Abreise) nur noch hochlegen konnte. Ich hatte, übertrieben gesagt, die Angst, dass das Bein unterhalb des Knies abfallen könnte.
Mich hat es übrigens auch einmal bei einem 0:0-Spiel gegen die Mopo erwischt. Damals spielte Jörn Wolf (heute Medien-Chef des HSV) noch für die Konkurrenz, und ich beim HA Libero. Zwei, drei Minuten vor Schluss, als ich dem guten „Lobo“ (der in meinen Augen eine Fußball-Karriere leichtfertig verschenkt hat. Zuviel auf Piste?) wieder einmal den Ball vom Fuß spitzelte, zog er durch. Hei, das waren Schmerzen. Und am nächsten Tag ging es per Flieger nach München, wo die Nationalmannschaft in einigen Tagen ein WM-Qualifikationsspiel gegen die Türkei zu bestreiten hatte.

Hatte ich im Flieger Schmerzen, man oh man. So, als würde mein Bein platzen. Nach der Landung sah ich die Bescherung: Bein schwarz. Restlos schwarz, hinten, vorne, überall. Mit der Taxe ging es ins Olympiastadion, dann direkt zu Professor Kindermann. Dessen Reaktion: „Sofort in die Kabine.“ Dort machten sich DFB-Ärzte und Masseure sofort über das Bein-schwarz her. Plötzlich stand Dietmar Hamann neben mir, der das Training hatte abbrechen müssen. Sein Kommentar: „Wie hast du das denn gemacht?“ Ich erwähnte den Namen Wolf nicht, ich erzählte nur, wie es passiert war.“ Hamann: „Ich habe das in England auch schon zweimal gehabt, das waren mörderische Schmerzen beim Flug.“

Was gut an der Sache war: Bundestrainer Erich Ribbeck erlaubte mir in den folgenden Tagen, täglich ins Mannschaftsquartier zu kommen. Dort „fädelte“ ich mich zur Behandlung ein. Vor mir lag Hamann zur Pflege, nach mir warteten Christian Ziege und Lothar Matthäus. Das hatte ja auch etwas. Danke nochmals, Jörn! Die Kollegen damals haben mich jedenfalls darum beneidet, dass ich stets das „Heiligtum“ betreten durfte, während sie erst gar nicht in die Nähe des Hotels durften. Ich kannte aber vom HSV her Erich Ribbeck, obwohl wir uns zum Schluss nicht mehr grün waren. Das aber war bei der Nationalmannschaft dann mit einem kurzen Gespräch schnell ausgeräumt.

So, ganz kurz noch einmal zurück zur Sprechstunde. „Dylan1941“ fragte, wie es bei der NDR-Talkshow war? Gut. Aber ich muss dazu sagen, dass ich nicht das Bedürfnis hatte, meinen „Pfirsich“ (wie es Thomas Doll immer auszudrücken pflegte) in das Fernsehen zu halten. Vielmehr kam ich meiner Pflicht als Ehemann von Frau M. nach, die der größte Fan von Peter Maffay ist. Und so trabte ich eben mit nach Lokstedt. Gerne aber, das gebe ich zu, weil ich auch ein (kleiner) Maffay-Fan bin.

So, letzte Frage vor Grenze: „Nils“ will wissen, ob ich immer beim HSV-Training bin? Ich versuche es, und daraus wird dann eine Zahl so um die 90 Prozent. Aber es gehört zu meinen Aufgaben, vom HSV-Training zu twittern, und dem komme ich dann nach.

Fertig für diese Woche  – mit der Sprechstunde.

21.30 Uhr

OSRK ohne Erbarmen

19. Oktober 2009

Es gibt für das „Fußvolk“ ab sofort kein Bier mehr in der Nordbank-Arena. Und auch die anderen Getränke werden verboten. Damit das dieses widerliche „Wildpinkeln“ endlich ein Ende findet. Nein, nein, bevor sich jemand aufregt, es gibt natürlich kein (!) Getränke-Verbot beim HSV, es darf weiter ordentlich und nach allen Regeln der Kunst getrunken werden. Nur beim Pinkeln gibt es weiterhin gewisse Engpässe und damit auch eine kleine Einschränkung: Rein darf das Bier, raus aber nur auf der Toilette. Und selbst wenn vor dem einen WC, das es weit und breit gibt, eine Menschenschlange von 80 Metern und mehr steht, es darf nur in der Toilette uriniert werden.
Wo kommen wir dann sonst wohl hin?

Wer sich nicht daran hält, wem der Druck überkommt und sich dann am Zaun erleichtert, der wird gnadenlos von Ordnern gepackt und vor die Tür gesetzt. Nicht vor die WC-Tür, sondern vor die Arena-Tür. Und zu und Ende. Stadionverbot. Für das eine Spiel. Zu beobachten bei jedem Heimspiel des HSV. Ein Betroffener, ich nenne ihn mal Klaus L. aus Buxtehude (den richtigen Namen kenne ich natürlich), erging es so: „Ich sah die Schlange, ich musste so dringend, es gab nur zwei Möglichkeiten: In die Hose pinkeln, oder an den Zaun stellen.“ Er stellte sich an den Zaun. Dann hatte er das herrliche Gefühl der Erleichterung. Das hielt auch dann noch an, als ihn zwei Ordner schon gepackt und ihn angehoben hatten, um ihn nach draußen zu tragen.

„Ich wurde getragen, aber ich pinkelte weiter. Mein Schniedel hing natürlich aus der Hose, als ich so in der Luft hing, aber das störte die zwei Ordner nicht. Auch meine verbalen Proteste wurden schlichtweg ignoriert. Es gab kein Entrinnen, abgesehen von der Notdurft, die ich in jenem Moment hatte. Vor dem Stadion wurde ich dann kurzerhand abgesetzt, dort wurde mir auch – eher etwas unfreundlich – beschieden, dass für mich dieses Spiel nun gelaufen sei.“

Der Buxtehuder weiter: „Zur Halbzeit war dann schon Spielschluss für mich, und das empfand ich als grausam. Nur weil der HSV zu wenige Toiletten hat, musste ich nun Nase machen.“ Klaus L. musste seinen auf der Tribüne sitzenden und wartenden Buxtehude-Kollegen anrufen (mit dem er per Auto gekommen war!), um ihm mitzuteilen, dass er nun per Bahn zurück in die Heimat müsste. Das bittere und ungewöhnliche und demütigende Besuchs-Ende eines HSV-Bundesligaspiels.
So wie Klaus L. erging es auch einst einem Prominenten: Walter Frosch. Der suchte lange, fand dann den Zaun – und los. Dann packten die Ordner zu – und ab dafür. Allerdings schritten einige HSV-Fans ein, protestierten leidenschaftlich, weil es doch „der Froschi“ war, und dann wurde ein kurzer Stopp eingelegt. Es kam fast zu einer Schlägerei, dann herrschte Gnade vor Recht – Frosch durfte schließlich doch bleiben.

Nicht ganz so gut hatten es nun aber einige Anhänger beim Leverkusen-Spiel. Ein „OSRK“ (Ordner-Sonder-Roll-Kommando) griff ohne Erbarmen zu. Alles was „wild pinkelte“, wurde humorlos abtransportiert.

Übrigens: Klaus L. war auch bei Hertha BSC gegen den HSV. Auch dort wurde getrunken. Auch dort wurde gepinkelt. Aber im Häuschen. Natürlich. Erstens gibt es im Olympiastadion etliche dieser Bedürfnis-Anstalten mehr, und zweitens hat Hertha BSC zu einem Spiel auch vor dem Stadion etliche mobile WC-Anlagen gechartert. Kostet natürlich Geld. Und Geld ist kostbar in diesen Tagen und Wochen. Es wird ja in Hamburg in erster Linie nach Verstärkungen im Sturm gesorgt. Da ist es denn schon besser und kostengünstiger, die „Wildpinkler“ vor die Tür zu setzen.

Und, um das auch noch zu bekräftigen: „Wildpinkeln“ ist natürlich nicht in Ordnung. Dennoch frage ich mich: Was soll ein Fan machen, der dieses dringende Bedürfnis verspürt?

Jetzt noch ein letzter Satz zu diesem Thema: Dem HSV ist schon lange bekannt, dass es in der Arena zu wenige Klos – und zu viele „Wildpinkler“ gibt. Prost, Loide!

PS: Die versprochene Verlängerung der Sprechstunde folgt am Abend, jetzt geht es für mich erst einmal zum Training.
Und, den einen habe ich dann doch noch: Hier seht Ihr das erste Foto eines kleinen (unorganisierten) Matz-ab-Treffens. Jacek Dembinski (von rechts), lo-king-kai und HSV-boerni trafen sich mit mir vor dem Leverkusen-Spiel. Eiche Nogly war leider kurzfristig verhindert.

14.32 Uhr