Tagesarchiv für den 17. Oktober 2009

Das Geduldsspiel

17. Oktober 2009

Das war der Gipfel. Erster gegen Zweiter, Das Bundesliga-Spitzenspiel zwischen dem HSV und Bayer Leverkusen um 18.30 Uhr. Ein schönes 0:0. 90 Minuten abtasten und beäugen. Und Schattenboxen, Es war das irgendwie ja doch erwartete Geduldsspiel, denn beide Mannschaften warteten auf den einen entscheidenden Fehler – der nicht passierte. Der mit dem zweiten Sturm angetretene HSV hatte sogar Möglichkeiten zu einem 1:0, doch letztlich ging das Unentschieden in Ordnung. Denken wir an die beiden Chancen der Bayer-Elf, die Frank Rost in der Schlussphase großartig vereitelte. So bleiben beide Mannschaften ungeschlagen, und damit kann der personell so arg gebeutelte HSV sicher auch gut leben.

Die Fans waren klasse, sie gaben von Beginn an alles. Und Bruno Labbadia bewies einmal wieder enorm viel Mut, indem er Tolgay Arslan von Beginn an aufbot. Pech für den Nachwuchsspieler, dass er sich in der 38. Minute wohl schwerer am rechten Knie verletzte, das sah nicht gut aus. Wenn er der HSV so weiter macht, dann fehlen ihm demnächst sogar die Angriffs-Alternativen von der Bank. Arslan hatte bis zu seinem Ausscheiden zwar keine Bäume ausgerissen, aber er hatte es auch – gemeinsam mit Marcus Berg – sehr, sehr schwer, denn es kamen kaum einmal verwertbare Bälle in den Sturm. Labbadia blieb aber bei seinem Mut, denn für Arslan kam Tunay Torun. Der wiederum gab sich von Beginn an couragiert, er hatte Biss, er wollte, und er bewegte einiges – wenn auch nicht sehr Entscheidendes. Aber immerhin, er fiel nicht ab.

Das taten über weite Strecken eher andere Kollegen. Von Piotr Trochowski war nichts zu sehen, von Eljero Elia auch nicht. Erst in der Schlussphase zeigte der Niederländer einige Kostproben seines zweifellos vorhandenen Könnens, aber insgesamt enttäuschte auch er.

Marcus Berg war immer bemüht, etwas zu reißen, mitunter hatte ich den Eindruck, er könnte es auch – aber dann kamen immer wieder einige unerklärliche technische Fehler bei der Annahme oder beim Abspiel, die ihm alles zunichte machten.

Unangenehm für den HSV: Bayer griff früh an, wollte den Spielaufbau schon am HSV-Strafraum unterbinden. Dabei gab es sogar die kuriose Szene, dass Derdiyok den Hamburger Keeper Frank Rost „deckte“, als Joris Mathijsen den Ball am Fuß hatte und einen Rückpass in Erwägung gezogen hatte. So etwas habe ich im Volkspark schon seit Jahren, vielleicht sogar Jahrzehnten nicht mehr beobachtet. Aber Leverkusen konnte sich dieses Forechecking erlauben, denn sie standen hinten enorm sicher – weil bestens gestaffelt. Zudem verschob die Heynckes-Elf erstklassig, deshalb konnten die Offensivkräfte den HSV schon früh stören und attackieren. Bayer hat eine Klasse-Mannschaft, die nicht zu Unrecht dort oben steht.

Was mich am HSV nervte: Gab es Freistöße um die Mittellinie herum, wurde der Ball in den meisten Fälle zurück gespielt. Der Ball landete dann nicht selten sogar bei Frank Rost. Leverkusen dagegen schlug solche Freistöße stets gefährlich in den HSV-Strafraum, so dass es dadurch einige Male lichterloh brannte (durch die kopfballstarken Hyypiä, Friedrich, Rolfes). Traut sich der HSV in dieser Beziehung nichts zu?

Übrigens: Ich hatte im Vorfeld dieser Partie ja gefordert, dass der beste deutsche Schiedsrichter in Hamburg pfeifen müsste. Das ist nach der Fifa im Moment Wolfgang Stark (Landshut), aber hier pfiff dennoch der beste Mann: Florian Meyer aus Burgdorf war diesem Spiel ein großartiger Leiter, ich halte ihn für die wahre deutsche Nummer eins unter den Unparteiischen.

Dass er in der ersten Halbzeit ein wenig zuviel Geduld mit Bayer-Hitzkopf Vidal bewies, sei Meyer verziehen. Und bei der Gelegenheit: Habt Ihr mal gesehen, wie schnell der Herr Kießling fällt? Sage da noch einmal einer etwas gegen David Jarolim . . .

Die Garanten beim HSV für dieses Zu-null-Spiel waren Frank Rost, der in der Kälte immer heiß blieb, dann Joris Mathijsen, der sich enorm „reinpanzerte“, Jerome Boateng, der sich erneut in prächtiger Länderspiel-Verfassung präsentierte, dazu Ze Roberto als überragender Ballkünstler (hat er die Kugel, haben alle anderen – auch der Gegner – Sendepause). Und ich nenne auch erneut David Jarolim, der sich wieder einmal für sein Team aufopferte. Es mag nicht immer spektakulär aussehen, aber wie er kämpft, rackert, grätscht, läuft, rettet und einfädelt (Angriffe nach vorne), das ist sehenswert. Und: Auf einen solchen Spieler kann der HSV nicht nur nicht verzichten, es sollten alle froh und dankbar sein, dass ein solcher Spieler für den HSV kickt.

20.53 Uhr

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