Tagesarchiv für den 16. Oktober 2009

Aus vier macht zwei

16. Oktober 2009

Schluss mit Länderspielnachwehen, Schluss mit Blog-internen Scharmützeln – jetzt beginnt das Warmmachprogramm für das Topspiel gegen Bayer Leverkusen, und dem sollte alle Konzentration gewidmet werden. Dabei muss ich mich allerdings erst einmal korrigieren, denn die gestrige „Inventur“ von Bruno Labbadia nach den Länderspielabstellungen dürfte doch noch etwas mau ausgefallen sein. Nur zwölf Spieler nahmen am Training teil, und die Atmosphäre war eher müde und schlaff als aufgeheizt-hungrig. Ist ja auch verständlich nach all den langen und mittellangen Rückreisen der Profis. Für Labbadia bedeutet das: Heute wird die „echte“ Inventur nachgeholt. Wer sich heute fit und angriffslustig präsentiert, hat große Chancen gegen den Tabellenführer aufzulaufen.

Dabei muss man natürlich festhalten, dass Labbadias Auswahl gar nicht so groß ist. Gesetzt sein dürften Rost, Demel, Boateng, Mathijsen, Trochowski, Jarolim, Zé Roberto, Elia und Berg. Bleiben also zwei Plätze frei, wahlweise links in der Viererkette und links oder rechts im Mittelfeld. Als erste Kandidaten für einen Platz in der Startelf stehen Aogo, Torun, Jansen und Rozehnal bereit – aus vier macht zwei also.

Ich bin schon jetzt gespannt, ob Bruno Labbadia seinen früheren Trainer Jupp Heynckes taktisch überraschen wird. Vieles spricht nicht dafür, weil der HSV in den vergangenen Tagen ja gar keine Möglichkeit hatte ein neues Spielsystem auszuprobieren, Laufwege und ähnliches zu trainieren. Daher glaube ich auch, dass wir morgen wieder ein 4-4-2-System sehen werden – wobei der zweite Stürmer neben Marcus Berg (ich denke da an Elia) wohl ähnlich viele Freiräume haben dürfte wie Paolo Guerrero vor seiner Verletzung. Einen Spieler wie Elia macht das noch unberechenbarer.

Aus meiner Sicht sind zwei Defensivvarianten möglich: Entweder Labbadia vertraut der gegen Bayern München erprobten Abwehrformation mit Boateng links hinten und dem vorgezogenen Aogo, dann würde Rozehnal in die Startelf kommen. Oder der Trainer lässt Aogo links verteidigen und gibt dem genesenen Marcell Jansen im linken Mittelfeld eine Bewährungschance.

Ob Jansen schon so weit ist, wollten ja mehrere von Euch wissen, und meine Antwort wird Euch nicht zufrieden stellen: schwer zu sagen. Jansens Trainingseindrücke in den vergangenen zwei Wochen waren schwankend. Mal wirkte er in seinen Bewegungen noch gehemmt, als fehlten ein paar entscheidende Prozentpunkte, dann verhielt er sich auch in den Trainingsspielen zu passiv und hinterließ den Eindruck, als brauche er vielleicht doch noch zwei Wochen bis zur Rückkehr. Und dann hatte er aber auch mindestens ebenso viele Einheiten, in denen er Tempovorstöße zeigte wie in besten Zeiten, in denen er schussgewaltig Abschlussübungen meisterte und sich engagiert für einen Einsatz empfahl. Labbadia führte mit Jansen in dieser Zeit mehrere Einzelgespräche, um sich auch einen Eindruck über die Selbsteinschätzung seines Nationalspielers außer Dienst zu machen.

Sollte der Trainer in seinen Erinnerungen kramen, wird er Jansen auf jeden Fall bringen. Ihr wisst es bestimmt auch noch: Im Februar dieses Jahres sorgte Jansen quasi im Alleingang dafür, dass der HSV in Leverkusen mit 2:1 gewann. Als damaliger Bayer-Coach sah Labbadia in Düsseldorf einen aufgedrehten Jansen im HSV-Trikot, der sich als Doppeltorschütze auszeichnete. Boateng sah damals übrigens Gelb-Rot.

Eines ist klar, unabhängig von Jansens Nominierung morgen: Für den Links-Allrounder beginnt ab sofort die WM-Vorbereitungsphase. Will Jansen noch auf den Zug (bzw. das Flugzeug) nach Südafrika aufspringen, muss er in den Wochen bis zur Winterpause maximale Eigenwerbung betreiben, und das geht am besten durch starke Leistungen in der Liga und in der Europa League.

Offensiv sind meines Erachtens auch zwei Varianten denkbar: eine (wie beschrieben) mit dem Sturmduo Berg/Elia, eine mit den Spitzen Berg/Torun. In letztem Fall könnte Elia links aus dem offensiven Mittelfeld vorstoßen, rechts im Mittelfeld käme dann Trochowski statt Torun zum Einsatz.

Etwas außen vor, nämlich in der Position des Jokers, dürfte derzeit Jonathan Pitroipa sein. Der auch in diesem Forum so oft gescholtene „Pit“ offenbarte zuletzt beim Training schon wieder derartig große Schussschwächen, dass er für das Duell gegen Leverkusen wohl nicht zu den Anwärtern auf einen Startplatz zählen sollte. Andererseits ist Labbadia auch stets für Überraschungen gut, daher würde ich Pitroipa wenigstens eine Fünf-Prozent-Chance einräumen.

Zu guter letzt noch die Gewinner der Preisfragen:

Zwei Karten erhält Marvin Rohmann.

Das Trochowski-Trikot erhält: Bernd Lange.

Anmerkung: Ab sofort gibt es dank mehrfacher Anregungen aus diesem Blog-Kreis jedes Mal zwei Fragen.

13:50 Uhr