Tagesarchiv für den 12. Oktober 2009

Heimspiel für Trochowski

12. Oktober 2009

Das war so zwischen dem Bundestrainer und mir abgesprochen. Nein, ein Scherz. Fest steht aber: Piotr Trochowski wird am Mittwoch, im bedeutungslos gewordenen WM-Qualifikationsspiel gegen Finnland, in der deutschen Anfangsformation stehen. „Troche“ hat also sein Heimspiel, und er hat sich verdient. Das sagt auch Joachim Löw, der an dem Hamburger Dribbelkünstler die perfekte Ballführung und –Sicherheit schätzt. Trochowski, der vor seinem 27. Länderspiel steht, verteidigt die Kugel auf engstem Raum und gegen mehrere Gegenspieler, das macht den HSV-Mittelfeldspieler so wertvoll – auch für die Nationalmannschaft.
Schade nur, dass Jerome Boateng nicht gleich nachsetzen kann. Er mit seinem HSV-Kollegen in Hamburg gemeinsam auf dem Rasen, das wäre doch ein echtes Highlight für alle hanseatischen Fußball-Fans gewesen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Immerhin, und das ist ja auch positiv für den HSV: Jerome Boateng nimmt bereits am Dienstag wieder am HSV-Training teil. Und Joris Mathijsen und Eljero Elia, die mit den Niederlanden mal eben um die halbe Welt nach Australien jetten mussten (für ein freundschaftliches 0:0), schweben morgen auch schon wieder in der Hansestadt ein.

Drei Leverkusen-Profis, die am Mittwoch wohl ebenfalls den Rasen der Nordbank-Arena betreten werden, könnten nach dem Spiel eigentlich gleich in Hamburg bleiben, denn am Sonnabend gibt es bereits ein Wiedersehen. Rene Adler, Simon Rolfes und der Finne Sami Hyypiä, der zu Saisonbeginn vom FC Liverpool zur Bayer-Truppe stieß, werden dann versuchen, im Bundesliga-Spitzenspiel gegen den HSV die Tabellenführung zu behaupten. Ein heißes Duell, und Trochowski kann sich schon jetzt mal Gedanken machen, wie er dem zurzeit besten deutschen Torwart beikommen will. So wie einst gegen Bayerns Weltklasse-Keeper Oliver Kahn, im September 2005 – dieser herrliche Schuss in den hinteren Torwinkel?

Bruno Labbadia kennt die Bayer-Mannschaft natürlich aus dem Eff-eff, und er freut sich auf das 90-minütige Wiedersehen mit seinen ehemaligen Schützlingen, die ihm zum Schluss nicht mehr so richtig gefolgt sein sollen: „Dass dieses Spiel unter solchen Umständen stattfindet, wenn der Erste auf den Zweiten trifft, ist besonders schön und äußerst reizvoll.“ Mal ganz davon abgesehen, das nur ein Team unter gravierenden personellen Ausfällen zu leiden hat, aber das wollen die Fans, der zwölfte Mann vom Volkspark, ja am Sonnabend vergessen machen und damit auch wettmachen.

In der vergangenen Saison hat Fußball-Hamburg schon erlebt, wie attraktiv Leverkusen Fußball zelebrieren kann. 2:0 führte die damalige Labbadia-Truppe schon, dann flog Manuel Friedrich vom Platz und der HSV gewann noch 3:2. Martin Jol schwärmte danach aber vom Verlierer: „Der spielt den schönsten Ball in der Bundesliga, unheimlich schnell nach vorne.“

Ich bin gespannt, wer dieses Spiel im Volkspark zu pfeifen hat. Meistens werden solche Spitzenspiele dann ja auch von der deutschen Nummer eins gelenkt, und das wäre in diesem Falle Wolfgang Stark aus Landshut. Abwarten. Auf jeden Fall gab es an diesem Montag ja ein Gipfeltreffen zwischen der Liga und den Unparteiischen. Und dabei erhoben sich, so wie es aussieht, die „Schwarzkittel“ als Sieger vom (grünen) Rasen. Es herrschte bei diesem dritten gemeinsamen „Runden Tisch“ fast schon Schmuse-Atmosphäre. „Es war harmonisch wie selten, alle Beteiligten hatten den Eindruck, dass wir in dieser Saison bislang sehr gute Schiedsrichterleistungen gesehen haben“, sprach Schalkes Trainer Felix Magath für fast alle seine Kollegen. Auch für Bruno Labbadia?

2008 war der „Runde Tisch“ eingeführt worden, um die damals hitzige Atmosphäre zu beruhigen. „Aber die Punkte, die uns damals beschäftigt haben, sind schon lange vom Tisch“, sagt DFB-Vizepräsident Dr. Rainer Koch. Für die Klubs waren neben Magath auch Christian Nerlinger (FC Bayern) und Rudi Völler (Bayer Leverkusen) am Start, für den Fußball-Bund saßen Schiedsrichter-Lehrwart Eugen Strigel, der Schiedsrichter-Ausschuss-Vorsitzende Volker Roth sowie der langjährige Fifa-Schiedsrichter Herbert Fandel mit am Tisch, und die Deutsche Fußball Liga war durch Geschäftsführer (und ehemaligen HSV-Profi und Sportchef) Holger Hieronymus vertreten.

Und während Magath bislang „sehr gute Schiedsrichter-Leistungen“ gesehen oder erkannt haben will, legt sich in Hamburg nur zögerlich die Empörung über die Leistung des Unparteiischen Günter Perl, der zuletzt Hertha gegen den HSV geleitet hatte. In diesem Zusammenhang freut es mich besonders, dass der Sportchef der Hamburger Bild, Jürgen Schnitgerhans, heute noch einmal in seinem Kommentar auf die eindrucksvolle Minusleistung des Mannes aus Pullach hingewiesen hat. Warum ich das sage? Ihr selbst habt die Schiedsrichter-Benotung des Kickers hier publik gemacht (eine schöne 3), und ansonsten hielten sich alle Medien mehr oder weniger stark in Sachen Schiedsrichter-Schelte zurück. Ich wurde seit dem Berlin-Spiel ob meiner harschen Kritik gefragt, warum ich so hart zum 23. Mann gewesen sei? Denn eigentlich bin ich ja als Freund aller Schiedsrichter verschrien und bekannt. Diesmal aber platzte mir der Kragen, diesmal musste es einfach mal raus, weil es für mich offensichtlich war, dass dieser Unparteiische irgendwann, so ab der 20. Minute, das Erkennen von Berliner Fouls eingestellt hatte – auch wenn es nicht jeder (Kollege) daheim oder im Olympiastadion so gesehen hat.

Und da sind wir uns ja, so glaube ich, wohl alle einig: Ein solches Spitzenspiel hat auch einen Spitzen-Schiedsrichter verdient, ansonsten können die 90 Minuten schnell mal einen höchst unangenehmen Verlauf nehmen. Bei diesem Punkt denken die Leverkusener ja vielleicht auch wieder an die vergangene Spielzeit. Als Manuel Friedrich den Platz verlassen musste. Das war für sie der Knackpunkt des Spiels.

16.55 Uhr