Tagesarchiv für den 11. Oktober 2009

Sprechstunden-Verlängerung

11. Oktober 2009

Die Verlängerung der Sprechstunde nimmt hiermit Formen an. Und irgendwie möchte ich mich jetzt doch kürzer fassen. Auf geht’s.

„Junger Schwede“ fragte, warum Bruno Labbadia nicht die jungen Spieler den Spielaufbau machen lässt, denn Joris Mathijsen spielt ihm zu lange (Fehl-)Pässe. Gelegentlich empfinde ich das ja auch so, weil etliche 80-Meter-Pässe des Niederländers im Niemandsland flogen, aber zuletzt hatte ich den Eindruck, als hätte er sich gebssert. Und: Vielleicht hat es Labbadia ja doch schon mal angesprochen. Ich weiß von Martin Jol, dass er es gerne gesehen hat (und er es teilweise auch forciert hat), dass Mathijsen zentral angespielt werden soll, um so das Spiel zu eröffnen. Und noch eines: Gerade in letzter Zeit hat der HSV-Trainer in Sachen Spieleröffnung viele Dingen üben (und einstudieren) lassen. Abwarten, ob es nun besser wird.

„mazda“ warf mir vor, ich hätte mehr Einfluss auf HSV-Themen im Doppelpass nehmen müssen. Das aber geht gar nicht, denn auch im Doppelpass geht es zu wie im Fernsehen: Da gibt es eine Strategie, da wird nicht einfach nur mal so drauf los geplaudert, da gibt es Abschnitte in Minuten, die genau vorgegeben werden. Das muss allein deshalb schon sein, weil es ja genügend Einspieler gibt, die von Moderator Jörg Wontorra abgerufen werden. Ich als Dieter Matz kann dann auch nicht einfach mit dem einen oder anderen HSV-Thema dazwischenquatschen, wenn gerade über Dortmund oder Leverkusen gesprochen wird. Nein, „Herr mazda“, so einfach ist das alles nicht.

„Denny“ fragte zur nicht gegebenen Gelben Karte für den Hertha-Spieler Arne Friedrich, wie ich zu den Verwarnungen in Sachen Torjubel stehe? Ich finde, dass das absoluter Blödsinn ist. Auch ein ausgelassener Jubel gehört doch zum Fußball dazu. Aber: Die älteren Herren des Fußballs haben diese Regelung eingeführt, folglich muss sie auch beherzigt werden. Schiedsrichter, die das nicht machen, werden aus dem Verkehr gezogen. Deswegen würde es mich nicht wundern, wenn der Unparteiische Günter Perl jetzt erst einmal eine Pause einlegen müsste, denn er sah Arne Friedrich bei seinem 120-Meter-Lauf tatenlos zu.

Aber, ich schweife schnell noch einmal ab: Wer erinnert sich noch an das Pokalspiel in Düsseldorf? Schiedsrichter Babak Rafati hätte den Fortunen-Keeper eigentlich nach einer Notbremse vom Platz stellen müssen, aber er beließ es gnädig bei einer Gelben Karte. Als es dann später ein Elfmeterschießen gab, hätte dieser Torhüter gar nicht mehr auf dem Platz sein dürfen. Was wäre gewesen, wenn der HSV viermal an ihm gescheitert wäre? Dann hätten alle auf Rafati eingedroschen, ganz sicher.

„Oranje“ fragte nach den Chancen, in der Winterpause Rafael van der Vaart zurückzuholen? Über dieses Thema möchte ich eigentlich gar nicht mehr schreiben, es ist schon lang und breit ausgetreten. Nur so viel: Die Chance gibt es natürlich, aber es gibt sicher auch einige Vereine (in Europa), die von ihren Saisonzielen weit entfernt sind – und mehr Geld haben, als der HSV. Und ausleihen? Wie es „HSVIngo“ fragte. Das ginge natürlich, wobei van der Vaart dann natürlich, das setze ich mal voraus, auch auf Teile seines stattlichen Real-Gehalts verzichten müsste (für ein halbes Jahr), denn in solche Sphären ist der HSV bislang noch nicht vorgedrungen.

Allgemein möchte ich zu „Kultsänger“ Lotto King Karl, der ja bei vielen von Euch ein Held ist, anmerken: Lotto ist so oft bei BU-Heimspielen auf dem Rupprecht-Platz anzutreffen, und zwar auf der Haupttribüne auf Höhe Mittellinie. Wird er dann angesprochen, gibt er Autogramme und unterhält sich gelegentlich auch nett mit seinen Fans. LKK ist an der Steilshooper Straße stets ausgesprochen nett und volksnah.

Wobei ich kurz noch auf eine vielfach geäußerte Bitte kommen möchte: Nach “Dittsche” wurde gefragt, und nach einem Video mit ihm. Das gibt es bereits. Wurde nach dem Dortmund-Spiel geführt. Kurz aber heftig. Nein, ganz normal. Mit Olli Dittrich. Der war zuletzt beruflich sehr eingespannt, denn im nächsten Jahr erscheint von und mit ihm ein großer Kino-Film. Am nächsten Sonntag startet dazu die neue “Dittsche”-Staffel, aber ich werde ihn bei passender Gelegenheit einmal fragen, ob er uns noch einmal zur Verfügung stehen wird – als HSV-Fan natürlich. Wobei ich anmerken möchte: Werden die Videos bei “Matz ab” eigentlich wahr genommen? Bislang gab es für mich eher kaum bis gar keine Resonanz darauf, oder täusche ich mich da?

„Benno Hafas“ fragte, ob die Medien über die Schiedsrichter-Analysen (beim DFB in Frankfurt) informiert werden? Natürlich nicht. Wenn das der Fall wäre, dann würde ja am nächsten Wochenende der eine oder andere „Schwarzkittel“ von den Fans in den Stadien auseinander genommen werden. Das bleibt schön hinter verschlossenen Türen. Einst hieß es ja auch im Fußball, und es ist wohl was dran: „Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.“ Nein, nein, die Unparteiischen würden so ja Hohn und Spott sämtlicher Fußball-Anhänger ausgesetzt sein, das Spiel würde zu einem einzigen Spießrutenlaufen verkümmern.

„hsvboerni“ fragte nach dem Abendblatt-Autoren, der den Artikel über Thomas Doll geschrieben hat. War im Vorspann allerdings deutlich zu lesen, doch ich sage es trotzdem gern noch einmal: Das war mein ehemaliger Sportchef Jan Haarmeyer.

„KlausKober“ bemerkte, dass im Dezember 1961 alle sieben Tore des Spiels HSV gegen die Nationalmannschaft (4:3) im Westen – und nicht wie ich schrieb, im Osten – gefallen seien. Ich hätte schwören können, dass alle Treffer im Osten fielen, aber ich sprach mit Klaus Neisner (schoss das Siegtor) und Kapitän Jochen Meinke, beide erklärten unabhängig voneinander: „Das war im Westen.“ Wobei sie auch zugaben, es nicht zu 100 Prozent zu wissen – aber ich gebe mich geschlagen.

„raute-511“ fragt, was aus der Aktion „Anstoß hoch drei“ geworden ist, die einst Bernd Hoffmann einführen wollte? Ich glaube, diese Sache hat sich vorerst erledigt. Die Sponsoren sollten ja irgendwelche „Gegenleistungen“ erhalten, die Frage war nur: welche? Das ist so wie mit Audi und Bayern München: Es wird wohl irgendwann auf nur einen Geldgeber hinauslaufen, und nicht auf viele. Sozusagen „Anstoß hoch eins“.

„Martin“ wollte wissen, wie es um den norddeutschen Nachwuchs bestellt ist – und ob der HSV nicht mehr Geld in die Talentsichtung stecken sollte? Der Nachwuchs ist wohl wie überall in Deutschland: gut. Ich beobachte ja seit geraumer Zeit, dass fast alle Spieler technisch sehr, sehr gut ausgebildet sind (auf hohem Niveau, also ab Leistungsklasse). Da trägt die modifizierte Ausbildung schon deutlich Früchte. Ich bin allerdings der Meinung, da schließe ich mich dem HSV-Boss Bernd Hoffmann an, dass da kein Geld mehr (oder zusätzlich) investiert werden sollte, denn was machen alle Klubs? Wenn Not am Mann ist, wird irgendein mittelmäßiger Spieler aus dem Ausland gekauft, bevor ein Talent zeigen darf, was es kann. Deshalb ist jede Geldausgabe mehr zum Fenster hinaus geschmissen – leider, leider. Es müsste meiner Meinung nach ein grundsätzliches Umdenken bei den Profi-Klubs erfolgen, dann wäre es sicher sinnvoll, mehr Geld in den Nachwuchs zu pumpen. Aber auch nur dann!

„Roter Bäron“ fragt, ob ich den ehemaligen Nationalspieler Marco Bode kenne? Jawoll. Wenn wir uns über den Weg laufen, kennen und grüßen wir uns, sprechen gelegentlich auch miteinander. Ich gebe zu, dass ich ein Bode-Fan bin, denn ich halte ihn für einen exzellenten Fachmann, der unglaublich viel Intelligenz besitzt. Mein Traum war vor Jahren, bevor Bernd Hoffmann kam (!), ja der (und der ehemalige Aufsichtsrats-Chef Udo Bandow weiß davon): Dietmar Beiersdorfer, Oliver Bierhoff und Marco Bode in die Führung des HSV, und schon würde es wie geschmiert laufen. Ließ sich aber nicht verwirklichen. Und ich glaube auch nicht, dass Bode jemals zum HSV kommen würde – nicht einmal, so denke ich, zu einem anderen Klub. Er hat sein Ding mit dem Profi-Fußball gemacht, er spielt ab und zu den Hilfskommentator, und das langt ihm dann auch. Ich glaube wirklich, dass er nicht mehr so viel mit dem Fußball am Hut hat – und haben will.

„Rothosenfan No 1“ beschwerte sich gleich zweimal. Einmal darüber, dass User seinen Kommentar benutzt und verfälscht hätten, dann darüber, dass ich ihm noch nicht geantwortet habe. Also: Antworten gibt es über die Sprechstunde. Und zweitens: Sollte es Ärger deshalb geben, weil einer dem anderen etwas unterstellt, so haben sich bislang alle auf diesem Wege „geeinigt“: Sie haben so lange geschrieben, bis es aus der Welt war. Grundsätzlich muss ich mal sagen, dass es mir spätestens dann keinen Spaß mehr bringt, wenn da mit Anwalt und Gericht gedroht wird. Und wenn es auch nur zwischen den Zeilen geschehen sollte. . .

„Micha Barbarez“ fragte, ob die 4,5 Millionen, die Paolo Guerrero angeblich vom HSV für seinen neuen Vertrag verlangt, stimmen? Meines Wissens stimmt diese Summe nicht. Und ich würde sie im Moment auch als utopisch ansehen wollen, denn Guerrero ist verletzt, kommt erst in Monaten wieder. Wer weiß, in welcher Verfassung. Und dann soll ein anderer Klub vielleicht bereit sein, dem Peruaner fünf Millionen pro Saison zu bieten? Lächerlich. Erst muss doch mal abgewartet werden, wie der Heilungsprozess des gerissenen Kreuzbandes verläuft. Und dazu gehört doch auch, erst einmal abzuwarten, ob dieser Riss (Risse) einmalig ist und bleibt, odr ob sich nach Wochen oder Monate ein erneuter Riss ergibt – was ja schon tausendfach passiert ist. Ich will es doch nicht beschreien, aber wer zahlt denn für so viel Ungewissheit 4,5 Millionen Euro. Der Verein müsste erst noch gegründet werden. Und ein Berater, der eine solche Summe für seinen angeschlagenen Schützling verlangt, müsste per sofort aus dem Verkehr gezogen werden. Deswegen beantworte ich die Frage ganz deutlich: 4,5 Millionen? Niemals!

„Elfer“ prophezeit einem Horst Hrubesch, sollte er hier eines Tages Sportchef werden, dass er von den Hamburger Medien „zerpflückt“ würde. Das glaube ich aber schon deshalb nicht, weil man das mit einem Horst Hrubesch nicht machen könnte. Der wüsste sich zu wehren, der würde eher die Medienvertreter auseinander nehmen, ganz sicher. Ich habe es bei „Matz ab“ schon mal gesagt: In der Meistermannschaft von 1983 gab es sicherlich einige „Intelligenzbolzen“, aber ihr Chef war eindeutig Horst Hrubesch. Sein Wort hatte nicht nur Gewicht, es war auch Gesetz. Wer sich nicht dran hielt, hatte mit den Konsequenzen zu leben. Und das war dann nicht wie Hallenhalma spielen.

„Alex“ fragte danach, wann zuletzt mal zwei Nationalspieler vom HSV gemeinsam im DFB-Team und damit auch auf dem Rasen standen? Gute Frage. Es war der Kollege Kai Schiller, der en entscheidenden Tipp gab. Das Spiel fand am 1. Mai 1991 in Hannover statt, Deutschland gegen Belgien (1:0). Bei diesem Länderspiel standen Dietmar Beiersdorfer und Thomas Doll (beide HSV) gemeinsam für Deutschland auf dem Rasen. Wer hätte es gewusst?

„Denny“ fragte, ob Jerome Boateng jetzt wohl gestärkt von der Nationalmannschaft zurückkommen werde? Ich denke ja, denn er stand in dem Team, dass die WM in Südafrika gepackt hat. Was muss das für eine Freude gewesen sein. Zudem hat ihn der Bundestrainer gelobt und eine Nationalmannschafts-Karriere in Aussicht gestellt – da kann Boateng aber nun mal ganz lässig die Hosenträger spannen. Wenn er dadurch nicht gestärkt wird, was müsste noch passieren? Außerdem: Er ist ja im Moment in einer großartigen Verfassung, er strotzte doch schon vorher vor Selbstbewusstsein.

„dylan 1941“ stellte in Abrede, dass es eine Wertschätzung des Bundestrainers für Piotr Trochowski gewesen sei, ihn kurz vor Schluss noch einmal zu bringen. Ich behaupte trotz allem, dass es eine große, sogar sehr große Wertschätzung gewesen ist. Selbstverständlich. Auch wenn „Frank“ von „hanebüchen“ und „Realsatire“ spricht. Aber mal im Ernst: Welcher Trainer, der mit diesem knappen 1:0 zur WM fährt, wechselt (bei permanenter Überlegenheit des Gegners) noch einen Spieler ein, von dem er nicht restlos überzeugt ist? Kein Mensch der Welt würde so etwas machen.

Und dass vorher Mesut Özil gespielt hat? Ja, weil der Bremer zurzeit einfach in bestechender Form ist. Und auch bei der Nationalmannschaft dürfen eben nur elf auf einmal eingesetzt werden. Zudem muss ich mal sagen: Ich habe heute mit zwei ehemaligen HSV-Profis über die vier russischen Minuten von Trochowski gesprochen. Beide haben mir bestätigt, dass er in diesen vier Minuten plus drei Minuten Nachspielzeit den Ball gehalten und auch gut verteilt hat – ich denke, genau diese Aufgabe hatte er von Joachim Löw erhalten, und genau das kann eben nicht jeder deutsche Nationalspieler so, wie es der Hamburger nun einmal kann. Und Ende. Euch geht es, so habe ich es in den letzten Tagen herausgelesen, vor allem darum, dass Piotr Trochowski an Selbstüberschätzung leidet. Wenn dem tatsächlich so sein sollte, dann sollte er daran eben ein wenig arbeiten. Und sollte er hier bei “Matz ab” mitlesen, wird er es sicher auch bei Gelegenheit tun.

“Lovemachine” sah die Leistung von Michael Ballack im Russland-Spiel besser – als ich. Ich muss dazu sagen, dass ich den Kapitän nicht unbedingt schlecht gesehen habe, aber: Von einem Michael Ballack erwarte ich eben einen Tick mehr. Die Mannschaft hatte besonders nach dem Platzverweis  schwer zu kämpfen, da möchte ich dann mal sehen, dass er wirklich der Turm der Schlacht wird, der große Mann, an den sich alle klammern können, der einzig wahre Leithammel, der nicht nur den Mund aufmacht, sondern durch Taten glänzt - aber das sehe ich nicht.  Andere (Trainer und Experten) übrigens auch nicht (immer).

“Olli-WL” sei dank, ich habe wieder etwas gelernt (Vereinsgründung und Datum des Gründungstages).

“Elfer” nahm die Namen Einsath, Wunder und Bartels in der “dritten Sprechstunde” auf, weil ich diese Männer in die Nähe von VW, Bayer und Audi gestellt hatte. Es ist mir aber durchaus bewusst, ehrlich, dass diese Herren nichts mit der Bundesliga zu tun haben, das muss ich schnell mal bekennen. Ich führte diese Sponsoren auch nur deshalb an, weil es einst im Amateurfußball ja auch schon hieß, dass es dadurch zu einer Wettbewerbsverzerrung käme. War ja auch so, denn: Der Hummelsbütteler SV nahm einst an der Aufstiegsrunde zur Zweiten Bundesliga teil! Und was macht der HuSV heute? Das war damit gemeint. Natürlich ist das eine ganz, ganz andere Ebene, ich wollte nur damit andeuten, dass es nicht nur im großen Fußball solche Sponsoren-Probleme gibt. Ist mir offensichtlich nicht so gut gelungen, sorry.

So, es ist vollbracht, die letzte Frage für heute, und die kommt von „Michael-HSV“: Ob ich mit Bela Rethy befreundet bin? Nein, bin ich nicht. War ich auch nie. Ich schätze ihn aber als kompetenten Kollegen und als ruhigen, netten und intelligenten Menschen. Daran ändert auch die vernichtende Kritik nichts, die Ihr ihm auch nach dem Russland-Spiel mit auf den Feierabend gegeben habt. Einige meiner Abendblatt-Kollegen bestätigen Euch sogar, das will ich gar nicht verhehlen. Für mich ist Bela Rethy trotzdem einer der besten Fußball-Kommentatoren in Deutschland – und einen schlechten Tag, so er ihn dann gehabt hat, kann jeder einmal haben.

Darüber hinaus glaube ich, dass ein geeigneter Kommentator für die Fußball-Fans in diesem Lande erst noch geboren werden muss, denn grundsätzlich macht es (in den Augen aller) hier keiner so gut, dass Mann sagen könnte: Der hier, genau der ist es jetzt. Wird es wohl auch in 100 Jahren nicht geben, denn wo gibt es den Menschen, der es allen recht machen kann?

22.34 Uhr

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