Tagesarchiv für den 11. Oktober 2009

Sprechstunden-Verlängerung

11. Oktober 2009

Die Verlängerung der Sprechstunde nimmt hiermit Formen an. Und irgendwie möchte ich mich jetzt doch kürzer fassen. Auf geht’s.

„Junger Schwede“ fragte, warum Bruno Labbadia nicht die jungen Spieler den Spielaufbau machen lässt, denn Joris Mathijsen spielt ihm zu lange (Fehl-)Pässe. Gelegentlich empfinde ich das ja auch so, weil etliche 80-Meter-Pässe des Niederländers im Niemandsland flogen, aber zuletzt hatte ich den Eindruck, als hätte er sich gebssert. Und: Vielleicht hat es Labbadia ja doch schon mal angesprochen. Ich weiß von Martin Jol, dass er es gerne gesehen hat (und er es teilweise auch forciert hat), dass Mathijsen zentral angespielt werden soll, um so das Spiel zu eröffnen. Und noch eines: Gerade in letzter Zeit hat der HSV-Trainer in Sachen Spieleröffnung viele Dingen üben (und einstudieren) lassen. Abwarten, ob es nun besser wird.

„mazda“ warf mir vor, ich hätte mehr Einfluss auf HSV-Themen im Doppelpass nehmen müssen. Das aber geht gar nicht, denn auch im Doppelpass geht es zu wie im Fernsehen: Da gibt es eine Strategie, da wird nicht einfach nur mal so drauf los geplaudert, da gibt es Abschnitte in Minuten, die genau vorgegeben werden. Das muss allein deshalb schon sein, weil es ja genügend Einspieler gibt, die von Moderator Jörg Wontorra abgerufen werden. Ich als Dieter Matz kann dann auch nicht einfach mit dem einen oder anderen HSV-Thema dazwischenquatschen, wenn gerade über Dortmund oder Leverkusen gesprochen wird. Nein, „Herr mazda“, so einfach ist das alles nicht.

„Denny“ fragte zur nicht gegebenen Gelben Karte für den Hertha-Spieler Arne Friedrich, wie ich zu den Verwarnungen in Sachen Torjubel stehe? Ich finde, dass das absoluter Blödsinn ist. Auch ein ausgelassener Jubel gehört doch zum Fußball dazu. Aber: Die älteren Herren des Fußballs haben diese Regelung eingeführt, folglich muss sie auch beherzigt werden. Schiedsrichter, die das nicht machen, werden aus dem Verkehr gezogen. Deswegen würde es mich nicht wundern, wenn der Unparteiische Günter Perl jetzt erst einmal eine Pause einlegen müsste, denn er sah Arne Friedrich bei seinem 120-Meter-Lauf tatenlos zu.

Aber, ich schweife schnell noch einmal ab: Wer erinnert sich noch an das Pokalspiel in Düsseldorf? Schiedsrichter Babak Rafati hätte den Fortunen-Keeper eigentlich nach einer Notbremse vom Platz stellen müssen, aber er beließ es gnädig bei einer Gelben Karte. Als es dann später ein Elfmeterschießen gab, hätte dieser Torhüter gar nicht mehr auf dem Platz sein dürfen. Was wäre gewesen, wenn der HSV viermal an ihm gescheitert wäre? Dann hätten alle auf Rafati eingedroschen, ganz sicher.

„Oranje“ fragte nach den Chancen, in der Winterpause Rafael van der Vaart zurückzuholen? Über dieses Thema möchte ich eigentlich gar nicht mehr schreiben, es ist schon lang und breit ausgetreten. Nur so viel: Die Chance gibt es natürlich, aber es gibt sicher auch einige Vereine (in Europa), die von ihren Saisonzielen weit entfernt sind – und mehr Geld haben, als der HSV. Und ausleihen? Wie es „HSVIngo“ fragte. Das ginge natürlich, wobei van der Vaart dann natürlich, das setze ich mal voraus, auch auf Teile seines stattlichen Real-Gehalts verzichten müsste (für ein halbes Jahr), denn in solche Sphären ist der HSV bislang noch nicht vorgedrungen.

Allgemein möchte ich zu „Kultsänger“ Lotto King Karl, der ja bei vielen von Euch ein Held ist, anmerken: Lotto ist so oft bei BU-Heimspielen auf dem Rupprecht-Platz anzutreffen, und zwar auf der Haupttribüne auf Höhe Mittellinie. Wird er dann angesprochen, gibt er Autogramme und unterhält sich gelegentlich auch nett mit seinen Fans. LKK ist an der Steilshooper Straße stets ausgesprochen nett und volksnah.

Wobei ich kurz noch auf eine vielfach geäußerte Bitte kommen möchte: Nach “Dittsche” wurde gefragt, und nach einem Video mit ihm. Das gibt es bereits. Wurde nach dem Dortmund-Spiel geführt. Kurz aber heftig. Nein, ganz normal. Mit Olli Dittrich. Der war zuletzt beruflich sehr eingespannt, denn im nächsten Jahr erscheint von und mit ihm ein großer Kino-Film. Am nächsten Sonntag startet dazu die neue “Dittsche”-Staffel, aber ich werde ihn bei passender Gelegenheit einmal fragen, ob er uns noch einmal zur Verfügung stehen wird – als HSV-Fan natürlich. Wobei ich anmerken möchte: Werden die Videos bei “Matz ab” eigentlich wahr genommen? Bislang gab es für mich eher kaum bis gar keine Resonanz darauf, oder täusche ich mich da?

„Benno Hafas“ fragte, ob die Medien über die Schiedsrichter-Analysen (beim DFB in Frankfurt) informiert werden? Natürlich nicht. Wenn das der Fall wäre, dann würde ja am nächsten Wochenende der eine oder andere „Schwarzkittel“ von den Fans in den Stadien auseinander genommen werden. Das bleibt schön hinter verschlossenen Türen. Einst hieß es ja auch im Fußball, und es ist wohl was dran: „Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.“ Nein, nein, die Unparteiischen würden so ja Hohn und Spott sämtlicher Fußball-Anhänger ausgesetzt sein, das Spiel würde zu einem einzigen Spießrutenlaufen verkümmern.

„hsvboerni“ fragte nach dem Abendblatt-Autoren, der den Artikel über Thomas Doll geschrieben hat. War im Vorspann allerdings deutlich zu lesen, doch ich sage es trotzdem gern noch einmal: Das war mein ehemaliger Sportchef Jan Haarmeyer.

„KlausKober“ bemerkte, dass im Dezember 1961 alle sieben Tore des Spiels HSV gegen die Nationalmannschaft (4:3) im Westen – und nicht wie ich schrieb, im Osten – gefallen seien. Ich hätte schwören können, dass alle Treffer im Osten fielen, aber ich sprach mit Klaus Neisner (schoss das Siegtor) und Kapitän Jochen Meinke, beide erklärten unabhängig voneinander: „Das war im Westen.“ Wobei sie auch zugaben, es nicht zu 100 Prozent zu wissen – aber ich gebe mich geschlagen.

„raute-511“ fragt, was aus der Aktion „Anstoß hoch drei“ geworden ist, die einst Bernd Hoffmann einführen wollte? Ich glaube, diese Sache hat sich vorerst erledigt. Die Sponsoren sollten ja irgendwelche „Gegenleistungen“ erhalten, die Frage war nur: welche? Das ist so wie mit Audi und Bayern München: Es wird wohl irgendwann auf nur einen Geldgeber hinauslaufen, und nicht auf viele. Sozusagen „Anstoß hoch eins“.

„Martin“ wollte wissen, wie es um den norddeutschen Nachwuchs bestellt ist – und ob der HSV nicht mehr Geld in die Talentsichtung stecken sollte? Der Nachwuchs ist wohl wie überall in Deutschland: gut. Ich beobachte ja seit geraumer Zeit, dass fast alle Spieler technisch sehr, sehr gut ausgebildet sind (auf hohem Niveau, also ab Leistungsklasse). Da trägt die modifizierte Ausbildung schon deutlich Früchte. Ich bin allerdings der Meinung, da schließe ich mich dem HSV-Boss Bernd Hoffmann an, dass da kein Geld mehr (oder zusätzlich) investiert werden sollte, denn was machen alle Klubs? Wenn Not am Mann ist, wird irgendein mittelmäßiger Spieler aus dem Ausland gekauft, bevor ein Talent zeigen darf, was es kann. Deshalb ist jede Geldausgabe mehr zum Fenster hinaus geschmissen – leider, leider. Es müsste meiner Meinung nach ein grundsätzliches Umdenken bei den Profi-Klubs erfolgen, dann wäre es sicher sinnvoll, mehr Geld in den Nachwuchs zu pumpen. Aber auch nur dann!

„Roter Bäron“ fragt, ob ich den ehemaligen Nationalspieler Marco Bode kenne? Jawoll. Wenn wir uns über den Weg laufen, kennen und grüßen wir uns, sprechen gelegentlich auch miteinander. Ich gebe zu, dass ich ein Bode-Fan bin, denn ich halte ihn für einen exzellenten Fachmann, der unglaublich viel Intelligenz besitzt. Mein Traum war vor Jahren, bevor Bernd Hoffmann kam (!), ja der (und der ehemalige Aufsichtsrats-Chef Udo Bandow weiß davon): Dietmar Beiersdorfer, Oliver Bierhoff und Marco Bode in die Führung des HSV, und schon würde es wie geschmiert laufen. Ließ sich aber nicht verwirklichen. Und ich glaube auch nicht, dass Bode jemals zum HSV kommen würde – nicht einmal, so denke ich, zu einem anderen Klub. Er hat sein Ding mit dem Profi-Fußball gemacht, er spielt ab und zu den Hilfskommentator, und das langt ihm dann auch. Ich glaube wirklich, dass er nicht mehr so viel mit dem Fußball am Hut hat – und haben will.

„Rothosenfan No 1“ beschwerte sich gleich zweimal. Einmal darüber, dass User seinen Kommentar benutzt und verfälscht hätten, dann darüber, dass ich ihm noch nicht geantwortet habe. Also: Antworten gibt es über die Sprechstunde. Und zweitens: Sollte es Ärger deshalb geben, weil einer dem anderen etwas unterstellt, so haben sich bislang alle auf diesem Wege „geeinigt“: Sie haben so lange geschrieben, bis es aus der Welt war. Grundsätzlich muss ich mal sagen, dass es mir spätestens dann keinen Spaß mehr bringt, wenn da mit Anwalt und Gericht gedroht wird. Und wenn es auch nur zwischen den Zeilen geschehen sollte. . .

„Micha Barbarez“ fragte, ob die 4,5 Millionen, die Paolo Guerrero angeblich vom HSV für seinen neuen Vertrag verlangt, stimmen? Meines Wissens stimmt diese Summe nicht. Und ich würde sie im Moment auch als utopisch ansehen wollen, denn Guerrero ist verletzt, kommt erst in Monaten wieder. Wer weiß, in welcher Verfassung. Und dann soll ein anderer Klub vielleicht bereit sein, dem Peruaner fünf Millionen pro Saison zu bieten? Lächerlich. Erst muss doch mal abgewartet werden, wie der Heilungsprozess des gerissenen Kreuzbandes verläuft. Und dazu gehört doch auch, erst einmal abzuwarten, ob dieser Riss (Risse) einmalig ist und bleibt, odr ob sich nach Wochen oder Monate ein erneuter Riss ergibt – was ja schon tausendfach passiert ist. Ich will es doch nicht beschreien, aber wer zahlt denn für so viel Ungewissheit 4,5 Millionen Euro. Der Verein müsste erst noch gegründet werden. Und ein Berater, der eine solche Summe für seinen angeschlagenen Schützling verlangt, müsste per sofort aus dem Verkehr gezogen werden. Deswegen beantworte ich die Frage ganz deutlich: 4,5 Millionen? Niemals!

„Elfer“ prophezeit einem Horst Hrubesch, sollte er hier eines Tages Sportchef werden, dass er von den Hamburger Medien „zerpflückt“ würde. Das glaube ich aber schon deshalb nicht, weil man das mit einem Horst Hrubesch nicht machen könnte. Der wüsste sich zu wehren, der würde eher die Medienvertreter auseinander nehmen, ganz sicher. Ich habe es bei „Matz ab“ schon mal gesagt: In der Meistermannschaft von 1983 gab es sicherlich einige „Intelligenzbolzen“, aber ihr Chef war eindeutig Horst Hrubesch. Sein Wort hatte nicht nur Gewicht, es war auch Gesetz. Wer sich nicht dran hielt, hatte mit den Konsequenzen zu leben. Und das war dann nicht wie Hallenhalma spielen.

„Alex“ fragte danach, wann zuletzt mal zwei Nationalspieler vom HSV gemeinsam im DFB-Team und damit auch auf dem Rasen standen? Gute Frage. Es war der Kollege Kai Schiller, der en entscheidenden Tipp gab. Das Spiel fand am 1. Mai 1991 in Hannover statt, Deutschland gegen Belgien (1:0). Bei diesem Länderspiel standen Dietmar Beiersdorfer und Thomas Doll (beide HSV) gemeinsam für Deutschland auf dem Rasen. Wer hätte es gewusst?

„Denny“ fragte, ob Jerome Boateng jetzt wohl gestärkt von der Nationalmannschaft zurückkommen werde? Ich denke ja, denn er stand in dem Team, dass die WM in Südafrika gepackt hat. Was muss das für eine Freude gewesen sein. Zudem hat ihn der Bundestrainer gelobt und eine Nationalmannschafts-Karriere in Aussicht gestellt – da kann Boateng aber nun mal ganz lässig die Hosenträger spannen. Wenn er dadurch nicht gestärkt wird, was müsste noch passieren? Außerdem: Er ist ja im Moment in einer großartigen Verfassung, er strotzte doch schon vorher vor Selbstbewusstsein.

„dylan 1941“ stellte in Abrede, dass es eine Wertschätzung des Bundestrainers für Piotr Trochowski gewesen sei, ihn kurz vor Schluss noch einmal zu bringen. Ich behaupte trotz allem, dass es eine große, sogar sehr große Wertschätzung gewesen ist. Selbstverständlich. Auch wenn „Frank“ von „hanebüchen“ und „Realsatire“ spricht. Aber mal im Ernst: Welcher Trainer, der mit diesem knappen 1:0 zur WM fährt, wechselt (bei permanenter Überlegenheit des Gegners) noch einen Spieler ein, von dem er nicht restlos überzeugt ist? Kein Mensch der Welt würde so etwas machen.

Und dass vorher Mesut Özil gespielt hat? Ja, weil der Bremer zurzeit einfach in bestechender Form ist. Und auch bei der Nationalmannschaft dürfen eben nur elf auf einmal eingesetzt werden. Zudem muss ich mal sagen: Ich habe heute mit zwei ehemaligen HSV-Profis über die vier russischen Minuten von Trochowski gesprochen. Beide haben mir bestätigt, dass er in diesen vier Minuten plus drei Minuten Nachspielzeit den Ball gehalten und auch gut verteilt hat – ich denke, genau diese Aufgabe hatte er von Joachim Löw erhalten, und genau das kann eben nicht jeder deutsche Nationalspieler so, wie es der Hamburger nun einmal kann. Und Ende. Euch geht es, so habe ich es in den letzten Tagen herausgelesen, vor allem darum, dass Piotr Trochowski an Selbstüberschätzung leidet. Wenn dem tatsächlich so sein sollte, dann sollte er daran eben ein wenig arbeiten. Und sollte er hier bei “Matz ab” mitlesen, wird er es sicher auch bei Gelegenheit tun.

“Lovemachine” sah die Leistung von Michael Ballack im Russland-Spiel besser – als ich. Ich muss dazu sagen, dass ich den Kapitän nicht unbedingt schlecht gesehen habe, aber: Von einem Michael Ballack erwarte ich eben einen Tick mehr. Die Mannschaft hatte besonders nach dem Platzverweis  schwer zu kämpfen, da möchte ich dann mal sehen, dass er wirklich der Turm der Schlacht wird, der große Mann, an den sich alle klammern können, der einzig wahre Leithammel, der nicht nur den Mund aufmacht, sondern durch Taten glänzt – aber das sehe ich nicht.  Andere (Trainer und Experten) übrigens auch nicht (immer).

“Olli-WL” sei dank, ich habe wieder etwas gelernt (Vereinsgründung und Datum des Gründungstages).

“Elfer” nahm die Namen Einsath, Wunder und Bartels in der “dritten Sprechstunde” auf, weil ich diese Männer in die Nähe von VW, Bayer und Audi gestellt hatte. Es ist mir aber durchaus bewusst, ehrlich, dass diese Herren nichts mit der Bundesliga zu tun haben, das muss ich schnell mal bekennen. Ich führte diese Sponsoren auch nur deshalb an, weil es einst im Amateurfußball ja auch schon hieß, dass es dadurch zu einer Wettbewerbsverzerrung käme. War ja auch so, denn: Der Hummelsbütteler SV nahm einst an der Aufstiegsrunde zur Zweiten Bundesliga teil! Und was macht der HuSV heute? Das war damit gemeint. Natürlich ist das eine ganz, ganz andere Ebene, ich wollte nur damit andeuten, dass es nicht nur im großen Fußball solche Sponsoren-Probleme gibt. Ist mir offensichtlich nicht so gut gelungen, sorry.

So, es ist vollbracht, die letzte Frage für heute, und die kommt von „Michael-HSV“: Ob ich mit Bela Rethy befreundet bin? Nein, bin ich nicht. War ich auch nie. Ich schätze ihn aber als kompetenten Kollegen und als ruhigen, netten und intelligenten Menschen. Daran ändert auch die vernichtende Kritik nichts, die Ihr ihm auch nach dem Russland-Spiel mit auf den Feierabend gegeben habt. Einige meiner Abendblatt-Kollegen bestätigen Euch sogar, das will ich gar nicht verhehlen. Für mich ist Bela Rethy trotzdem einer der besten Fußball-Kommentatoren in Deutschland – und einen schlechten Tag, so er ihn dann gehabt hat, kann jeder einmal haben.

Darüber hinaus glaube ich, dass ein geeigneter Kommentator für die Fußball-Fans in diesem Lande erst noch geboren werden muss, denn grundsätzlich macht es (in den Augen aller) hier keiner so gut, dass Mann sagen könnte: Der hier, genau der ist es jetzt. Wird es wohl auch in 100 Jahren nicht geben, denn wo gibt es den Menschen, der es allen recht machen kann?

22.34 Uhr

Dritte Sprechstunde

11. Oktober 2009

Das sind doch großartige Zahlen: Bruno Labbadia ist 100 Tage HSV-Trainer, und Jerome Boateng hat sein erstes Länderspiel von cirka 120, die noch folgen werden, hinter sich gebracht. Nicht volle 90 Minuten auf dem Rasen, aber immerhin von Anfang an dabei. Und dazu hat Piotr Trochowski seinen immerhin schon 26. Einsatz in der DFB-A-Mannschaft gehabt. Wie viele Fragen in der nun folgen „Matz-ab-Sprechstunde“ behandelt werden, weiß ich nicht, bin aber auch, das gebe ich zu, zu bequem, um es nachzurechnen. Da müsste mir schon „Eiche Nogly“ zur Seite stehen, denn der hat ja bewiesen, dass er es kann. Und es so eventuell sogar bis zum HSV-Sportdirektor bringen könnte. Es geht los:

Wobei ich mit einer Entschuldigung beginnen möchte. Wer fragte noch nach Milan Fukal? Und wer nach Miroslaw Okonski? Und dann fragte „Bernd“ schon vor Wochen nach Kevin Keegan. Hatte ich mir alles aufgeschrieben, aber den Zettel (?) leider verdaddelt – ich gelobe Besserung.

Zu Fukal: Ich wusste es nicht, aber wozu gibt es Telefon? Ich rief den ehemaligen Nationaltrainer der Slowakei, Jan Kocian (einst St. Pauli), an. Der war zuletzt Co-Trainer der österreichischen Nationalmannschaft (bei Chef Karel Brückner) und hat naturgemäß viele Spiele in Österreich gesehen. Milan Fukal (34) spielt heute (seit 2008) beim Erstliga-Klub Kapfenberg, er ist dort eine Säule im Team – aber es wird wohl auch seine letzte Station im Profi-Fußball sein. Zu Fukals HSV-Zeiten kann ich sagen: Er war stets ein Mann, der sich uns Medienvertretern gegenüber nett und kooperativ gab. Da war nie ein böses Wort zu vernehmen, er verhielt sich sachlich und fair. Fußballerisch hätte ich mehr von ihm erwartet, er ist beim HSV, so glaube ich, nicht an sein Limit gegangen, er hätte mehr bringen können (und müssen).

Zu Miroslaw Okonski: Der Pole lebt heute wieder in Posen. „Oko“ hat eine ganz, ganz schwierige Phase seines Lebens überstanden, er war ein wenig abgeglitten, das hatte auch (etwas) mit Alkohol zu tun – und eine gravierende Sache mehr (muss ich das sagen? Ich bitte darum, ein nein zu hören). Frau Okonski hatte sich für ein Jahr von ihrem Mann getrennt, ist jetzt aber wieder bei ihm. Als Trainer hat es der ehemalige HSV-Regisseur nur bis in die Dritte Liga (Polen) geschafft, aber die Karriere ist schon länger beendet – es folgt wohl auch keine Fortsetzung mehr.

Zu Kevin Keegan sei bemerkt: Er hatte hier in Hamburg einen sehr, sehr schweren Start. Weil er in eine Mannschaft kam, die unglaublich stark zusammenhielt. Er stieß in diesem HSV-Team nicht sofort auf Gegenliebe, im Gegenteil, Keegan wurde über Monate doch schon krass gemieden – oder besser: geschnitten, heute würde man sagen: gemobbt. Erst als die Kollegen erkannten, dass er ihnen sportlich wohl doch helfen könnte, taute die ganze Situationen – aber erst nach Monaten – auf. Dass es tatsächlich so war, haben mir einst zwei Spieler aus dieser Mannschaft gesteckt.

Kevin Keegan war darüber hinaus schon ein besonderer Mensch. Wenn die Mannschaft (vor einer Fahrt zum Auswärtsspiel) essen sollte, kam es vor, dass er nicht aß. Grund: „Ich esse dann, wenn ich Hunger habe, und nicht dann, wenn ich essen soll.“ Keegan habe ich in Ochsenzoll aus dem Fenster der Sportschule steigen sehen, wenn er sich davor drücken wollte, Autogramme zu schreiben. Keegan war aber trotz allem volksnah und okay. Er wohnte in Nahe, dort lebte auch ein Freund von mir, der ging an trainingsfreien Tagen mit Kevin Keegan in den Wald, um dort zu joggen, da kannte der großartige Fußballer von der Insel null Berührungsangst. Zudem war Keegan ein Liebling der Frauen. Frau M. zum Beispiel war nicht oft im Volksparkstadion, aber beim Keegan-Abschiedsspiel war sie – natürlich – dabei. Und vergoss sogar einige Tränchen.

„Frank“ hatte keine Frage, sondern bemerkte im Zusammenhang mit Paolo Guerreros angeblichen Gehaltsforderungen „Beratergier“ und Basti Reinhardt “reloaded“. Da will ich schnell mal aufklären, weil es mir sehr am Herzen liegt: Reinhardt hat vor einigen Jahren einen schlechteren HSV-Vertrag akzeptiert, weil er vom Klub (dem Sinn nach) gehört hatte: „Wir haben jetzt stärkere Innenverteidiger als dich, wir wollen dich aber halten, deswegen bieten wir dir diesen Vertrag an.“ Und was machte Reinhardt? Er besah sich die Situation, befand auch, dass der HSV stärker Innenverteidiger als ihn selbst hatte, sah sich in der Zukunft auf der Bank oder gar der Tribüne – und akzeptierte den schlechteren Vertrag. Und was war dann? Ihr werdet Euch erinnern können: Wer immer gespielt hat (als Stammspieler), das war Bastian Reinhardt. Als dann sein Vertrag auslief, wollte er – selbstverständlich – seinen „alten“ Vertrag zurück, aber da stellte sich der HSV quer. Dann wurde unendlich lange gepokert, Reinhardt verlor schließlich diese Partie. Mein Fazit: Bastian Reinhardt war (viel) zu selbstkritisch – und ist deswegen bis heute schwer bestraft. Zu schwer, wenn Ihr mich fragt.

„Wolfgang Funk“ fragte mich, ob ich einst diesen Satz im Abendblatt geschrieben hätte: „Ich ging ins Volksparkstadion, um ein Fußballspiel zu sehen, und ich erlebte einen Rausch der Begeisterung!“ Nein, der ist nicht von mir, damals war ich noch nicht beim Abendblatt (das werden am 1. November erst 25 Jahre). Ich weiß aber auch nicht, wer es war. Vorstellbar ist, dass es Manfred Heun war, der Anfang der 90-er-Jahre verstarb.

„lo-king-kai“ bemerkte, dass ich einer Einladung eines Hinschenfelder Veteranentreffens nicht gefolgt wäre. Stimmt so nicht. Ich bin gefragt worden, ob ich, wenn ich eine Einladung erhielte, kommen würde. Ich sagte ja. Aber es kam keine Einladung mehr, ich wusste also gar nicht, wann, wie und wo?

„HSV Jonny“ hatte Angst, für den „Satz aus Matz“ in der Printausgabe des Abendblatts zehn Euro Praxisgebühr zahlen zu müssen – muss er nicht befürchten. Diese Rubrik hat Chefredakteur Claus Strunz eingeführt, Ihr könnt dabei zu Wort (oder ins Blatt) kommen – ich finde diese Idee großartig (und nicht deshalb, weil Herr Strunz mein Chef ist!).

„Peter Bodensee“ fragte nach einem Spiel gegen Young Boys Bern, wollte das Resultat wissen. Ich kann mich nur an die Europapokalspiele (1960, also zu jener Zeit) erinnern. In der Schweiz gewann der HSV sensationell 5:0, im Rückspiel gab es in Hamburg ein 3:3.

„Alfred E. Neumann“ wollte wissen, wieso ich den Artikel beim legendären 4:4 gegen Juventus Turin immer umschreiben musste? Beim Abendblatt gib es ja keine Berichterstattung der Marke: „In der 50. Minute donnerte Petric den Ball an die Latte, in der 73. Minute drosch Pitroipa die Kugel in den Winkel.“ Und so weiter, und so weiter. Es gibt eine etwas andere Berichterstattung: Sollte der HSV verlieren, was ergibt sich daraus? Welche Konsequenzen hätte eine Niederlage? Warum hat der HSV verloren, wer war schlecht, wer hat versagt? Da kann es denn sein, dass zu Beginn, als es 0:2 und auch 1:3 hieß, der eine oder andere Spieler gepatzt hat, später dann aber besser wurde und maßgeblich zum 4:4 beitrug. Das alles muss in einem solchen Bericht berücksichtigt werden, und da es eine festgesetzte Zeilenzahl gibt, muss und darf eben nur das Wesentliche ins Blatt. Und das war an jenem Abend vor allem die Dramatik eines höchst seltenen 4:4.

„Flo“ erkundigte sich danach, wie ich zu den Sponsoren-Auswüchsen in der Bundesliga stehe? Ich sehe die mit gemischten Gefühlen. Erstens glaube ich, dass es in Zukunft immer noch mehr davon geben wird, und zweitens glaube ich, dass auf Tradition künftig immer weniger gegeben wird. Das Beispiel Audi zeigt es doch deutlich. 100 Millionen für den FC Bayern. Hier bei „Matz ab“ wurde gefragt: Und wer gibt dem HSV 100 Millionen? Keiner. Jedenfalls jetzt noch nicht. Aber in zehn, 20 Jahren werden, so glaube ich, nur noch jene Klubs in der Eliteliga beheimatet sein, die solche Sponsoren gefunden haben – und die von Sponsoren für gut befunden wurden, ihren Namen zu tragen. Hoffenheim lässt grüßen. Und Bayer Leverkusen sowie der VfL Wolfsburg auch.

Aber man muss doch auch gar nicht so hoch blicken: Selbst in unteren Klassen gibt es und gab es ja „Groß-Sponsoren“ und Mäzene. Hier in Hamburg waren es einst die Herren Wunder (Bergedorf 85, Börnsen) Plambeck (1. SC Norderstedt), Einsath (Lurup) und zum Beispiel Bartels (Hummelsbüttel). Nur wenige hielten und halten bis heute durch. Aber von dem Wort „Wettbewerbsverzerrung“ war auch in diesen Fällen schon stets und ständig zu hören.

„Sheikh Zayed“ erkundigte sich, ob ich Michael Born, den Sky-Reporter, kenne? Ja, den kenne ich sehr gut. Born begann einst beim Radio in Hamburg, berichtete für den NDR 90.3 über den Amateurfußball. Er ist einer, der kein Blatt vor den Mund nimmt, der immer das ausspricht, was er denkt. Ob er einst selbst Fußball gespielt hat, entzieht sich meinen Kenntnissen, aber er kommt (im Fußball) von ganz unten, hat sich bis oben durchgeboxt, das spricht für ihn. Und Ahnung hat er ganz sicher auch. Wobei ich mich jetzt frage, ob er in Hamburg eher zum FC St. Pauli tendiert, oder doch zum HSV? Ich werde ihn beim nächsten Treffen fragen. Wenn er HSV-Spiele kommentiert, ist er meistens beim Abschlusstraining anzutreffen – weil er sich dann an Ort und Stelle „schlau macht“.

„HSV-Oliver“ fragte, warum der HSV mit dem 29. September 1887 ein falsches Gründungsdatum angibt? Das macht, so denke ich, nicht nur der HSV so, sondern alle fusionierenden Klubs. Es wird immer das erste Datum genannt. Und im Falle des HSV mag es sein, dass der 2. Juni 1919 zwar das genaue Datum wäre, aber was wäre denn damals mit jenen Mitgliedern gewesen, die seit 1887 dabei gewesen sind? Hätte man die dann für diese Jahre kurzerhand ausgeschlossen? Und erst zum 2. Juni 1919 wieder eingegliedert? Ich kenne keine Fusion, wo nicht dass erste Datum der Gründung genannt wurde – oder wird.

„HSV Jonnny“ wollte wissen, wie das damals mit dem Keegan-Transfer und Präsident Dr. Peter Krohn war? Gab es da nicht auch eine Art „Notopfer“? Dazu hörte ich ein ganz klares : „Nein.“ Und zwar von Dr. Krohn persönlich. Er sagte: „Ich habe damals nachgedacht, wie wir diesen Transfer finanzieren könnten? Meine Idee wurde umgesetzt: Der FC Liverpool kam zum von mir erfundenen Hafenpokal. Die Engländer kamen zu Nulltarif, das Volksparkstadion war ausverkauft, das brachte uns Geld.“ Und noch eine Idee hatte Dr. Krohn. Er holte zum von ihm ins Leben gerufenen „Gala-Abend der Stars“ den FC Barcelona in den Volkspark. Dr. Krohn: „Auch dieses Spiel war fast ausverkauft, so dass dadurch die halbe Ablöse für Keegan schon eingespielt worden war. Und darüber hinaus hatte der HSV ja auch – dank meiner Ideen – ein bisschen Geld in der Kasse.“ So war das also mit Keegan.

Allerdings: Die Sache mit dem „Notopfer“ gab es auch. Dr. Krohn erinnert sich: „Wir hatten damals, als ich beim HSV begann, kaum Geld in der Kasse, aber wir brauchten Verstärkungen. Da kam mir die Idee, auf alle Sitzplatz-Eintrittskarten zwei Mark Aufschlag zu nehmen. Motto: Fans kaufen Stars. Von diesem zweckgebundenen Geld wurde seinerzeit Willi Reimann finanziert.“

So, eine einzige Seite habe ich nun (erst) abgearbeitet, es wird also wieder eine Fortsetzung der Sprechstunde folgen.

16.15 Uhr