Tagesarchiv für den 5. Oktober 2009

Verlängerung der Sprechstunde

5. Oktober 2009

Nun geht es weiter, etwas später als versprochen, aber jetzt  folgt die Verlängerung der dritten Sprechstunde. Eine DIN-A-Seite mit offenen Fragen habe ich noch zum Abschluss der 40. Woche. Los gehts:
„Mama Calypso“ fragte, warum der HSV damals nicht mit Ivica Olic verlängert hat? Ich war leider nicht dabei, als sich Bernd Hoffmann und Dietmar Beiersdorfer darüber unterhielten. Das, was ich (hinter vorgehaltener Hand) hörte, war so: Olic spielte zu Beginn der vergangenen Saison nicht unbedingt gut, wollte aber mit dem HSV verlängern. Beiersdorfer, so war zu hören, wollte, Hoffmann wollte nicht so recht. Und dann wurde Olic besser und besser, bekam Angebote von Juventus Turin, aus England und von den Bayern – und war weg. Weil mehr Geld eben doch mehr zieht.

„Basti 1303“ wollte wissen, ob der HSV-Vorstand bei „Matz ab“ mitliest? Keine Ahnung. Das wird sich auch jetzt zeigen, mit der Antwort zu „Mama Calypso“. Es lesen auf jeden Fall Spieler mit – und der Trainer.
„HSVIngo“ fragte zu Petric: „Will er mehr Geld?“ Wer will das nicht? Ich auch, aber ich bekomme es nicht. Petric hätte (etwas) mehr haben können, aber es war offensichtlich nicht genug. Obwohl ihm der HSV mehr geben wollte, angeblich freiwillig. Das, obwohl der Vertrag gerade einmal (vor einem halben Jahr) verlängert worden war. Da Mladen Petric aber ja selbst sagt, das alles halb so wild sei, warten wir mal ab, wie sich die Sache entwickelt. Er hat Vertrag bis 2012, sollte er im nächsten Jahr weg wollen, wird das sehr, sehr teuer für den kaufenden Klub. Vorteil HSV, würde ich sagen.
Und viel Pech für Petric, er flog, nachdem ihm ein Berliner den Fuß poliert hat (und der nette Herr Schiedsrichter dem am Boden liegenden Herrn Petric beschied, aufzustehen), am Montag nach Basel. Dort folgt nun eine Untersuchung bei Professor Bernhard Segesser, um die Schwere der Verletzung feststellen zu lassen. Allein aber die Tatsache, dass Petric nach Basel flog und das Länderspiel absagen musste, spricht dafür, dass es etwas länger dauern könnte. Wobei ich in erster Linie nur total sauer auf Perl bin, und erst dann die schlimme Situation sehe, in die der HSV nun kommen könnte.
„Stefan“ fragte zu den Ausbaumaßnahmen in der Nordtribüne. Es gibt noch nichts Neues. Es ist alles beantragt, aber ich denke, dass diese Maßnahmen erst mit Beginn der nächsten Saison Auswirkungen haben werden.
„Martin“ wollte wissen, warum die Trainer und Spieler den Medien immer zur Verfügung stehen müssen? Ja, warum? Weil es hier immer so war. Eine ziemlich dünne Erklärung, finde ich selbst. In England reden sie alle in der Woche nicht, und es geht auch. Irgendwann, so denke ich, wird es auch in Deutschland so sein, dass das große Schweigen einsetzen wird, daran wird wohl kein Weg vorbei führen. Wobei ich kurz mal auf das Beispiel Martin Jol kommen muss. Der kam aus England, sprach dort kein Wort – und musste hier nun fast täglich. Und konnte damit sehr gut leben, denn er war ein Mann, der die Medien auch für sich lenken konnte. Er hat es beherrscht, Huub Stevens zum Beispiel nicht. Er war, und ich betreue den HSV schon mit dem Wechsel von Zebec auf Ristic, der erste HSV-Trainer, der mir den Händedruck verweigerte – und nicht nur mir, sondern allen Journalisten. Ich bin selbst gespannt, wie es auf diesem Gebiet weitergeht.
„Volker Schindler“ glaubte, dass Hertha-Spieler bei „Matz ab“ mitlesen könnten – von wegen der mangelnden Qualität. Ich glaube wirklich, dass damit der Blog überschätzt wird. Und ich denke ernsthaft, dass garantiert kein Berliner Profi hier mitlesen wird. Kann mich aber natürlich auch irren.
„strandadonis“ will wissen, ob Jürgen „Joschi“ Groh noch immer als Postbote unterwegs ist. Er ist es. Im vergangenen Jahr telefonierte ich mit ihm, er lebt im Südwesten der Republik, ihm geht es gut, er schafft immer noch bei der Post, hat aber mit Fußball nichts mehr am Hut.
„JtFrom Hamburg“ fragt: Kann David Jarolim schießen? Er hat es auch in Berlin in der 11. Minute gezeigt. Er kann es EIGENTLICH nicht. Und er weiß es. Und wenn es ein Spieler weiß, dann denkt er darüber auch während der 90 Minuten nach. Er grübelt, zweifelt – und schießt schlecht. Oder erst gar nicht. Jarolim hat mir mal zugegeben, dass er schon in der Jugend ein „Schlumpfschütze“ war. So sehr er auch trainierte, so sehr sein Vater mit ihm übte, er bekam es einfach nicht hin. Und ich glaube, er weiß es auch, dass er es in diesem Leben nicht mehr richtig schaffen wird. Allerdings bestimmen ja Ausnahmen die Regel. Das 2:1 in Berlin schoss Jarolim aus immerhin 36 Metern. Es musste in diesem Falle nur weit sein, nicht sonderlich platziert. Trotzdem großes Kompliment, David Jarolim, der auch wieder ein sehr gutes Spiel gemacht hat!
„rautenträger“ erkundigte sich nach Albert Streit. Warum eckt er immer wieder an? Weil er in meinen Augen ein eigenartiger Mensch ist. Er kam mir vor wie „Schmidtchen Schleicher“, Kopf nach unten, nichts sehen, nichts sagen, nichts hören. Das allein macht es nicht schlimm. Schlimm ist es nur deswegen, weil er offenbar von keinem Trainer der Welt etwas annehmen will – und wollte. Streit hatte immer nur ein Tempo, er war offensichtlich auch nicht bereit, einmal einen Schritt schneller zu machen, er war auch nicht bereit, die Ärmel hoch zu krempeln und zu kämpfen. Mein Resümee: Albert Streit lebt in seiner eigenen Welt, er verdient auch ohne zu spielen Millionen – was ist schlecht daran (für ihn)?

„Benno Hafas“ fragte, ob Chemnitz 1990 nicht noch Carl-Marx-Stadt hieß? Ich bin eindeutig in Chemnitz gewesen, nur so hieß die Stadt während meiner kurzen DDR-Zeit.
„de Jong“ erkundigte sich nach der Beliebtheit von Piotr Trochowski im HSV-Team. Offenbar hat er ja bei Euch jeglichen Kredit verspielt, Ihr bezeichnet ihn als Selbstüberschätzer, als abgehobenen Überflieger und, und, und. Das alles kann ich nicht bestätigen. Und ganz sicher wird er auch innerhalb der Mannschaft von den Kollegen nicht so wahrgenommen. Er ordnet sich ein, ist kein Selbstdarsteller. Dass Ihr ihm übel nehmt, weil er in jede Kamera lächelt und in jedes Mikrofon beißt, finde ich unfair. Trochowski hat genau das jahrelang nicht gemacht, erst als er „richtiger „Nationalspieler wurde, stellte er sich – und zwar bei Sieg und bei Niederlage. Das macht nicht jeder. Von den Journalisten wurde „Troche“ ob seiner Professionalität gelobt, von Euch wird er deswegen fast vernichtet – Mann kann es eben nicht allen recht machen.
“Nordisch“ wollte wissen, wie ich zu Spielerberatern stehe? Nicht so gut, gebe ich zu. Wobei das noch leicht untertrieben ist. Weil die meisten von ihnen als Haie unterwegs sind, sie immer dann gnadenlos zubeißen, wenn sie ein kleines Bündel Geldscheine wittern. Es gibt einige Ausnahmen, die ich nicht alle nennen möchte. Mein Favorit ist Jürgen Milewski, eindeutig. Der ehemalige HSV-Spieler ist seriös, ruhig und vertraut seinem Können. Er ist für mich ein Spieler-Berater, die anderen sind eher Spieler-Vermittler, die liebend gerne sehen, wenn ihre Schützlinge jedes Jahr den Arbeitgeber wechseln. Denn das bedeutet viel, viel Kohle in der eigenen Tasche.

„Friedrich Hebbel“ dachte beim 1:0 der Berliner Hertha sofort an mich: Eckstoß, Verlängerung am ersten Pfosten, dann wird eingenetzt. So habe ich es mir in der Tat vorgestellt – vom HSV! Allerdings, wer genau aufgepasst hat in diesem Spiel: Eckstoß von rechts (Dennis Aogo), Kopfballverlängerung am ersten Pfosten durch Joris Mathijsen, danach drohte den Berliner Gefahr (zum Schluss schoss sogar Tunay Torun, glaube ich) – das war schon mal schön anzusehen. Es geht doch. Es kommt auf jeden Fall etwas Hoffnung auf.
„mazda“ unterstellte mir nun, ich möchte mal wieder in den Doppelpass. Wer möchte das nicht? Im Ernst: Glaubt tatsächlich jemand von Euch, ich würde über den Doppelpass herfallen? Ich habe beim DSF schon so viele schöne Sendungen miterlebt, habe viel Spaß gehabt, habe vor allem tolle und nette Menschen kennen gelernt – auch wenn oft und viel über Bayern gesprochen wurde. Um es noch deutlicher zu sagen: Ich habe in meinem Leben bislang 64 Doppelpässe mitgemacht, ich könnte deswegen auch ganz locker auf eine erneute Einladung verzichten – aber ich freue mich schon heute auf jede weitere „Sitzung“ in München. Aber, auch das ganz deutlich: Ich werde sicher niemals darum betteln, Herr „mazda“, das habe ich noch nie getan – das überlasse ich gerne anderen.

Allgemein möchte ich noch festhalten, dass sich niemand genötigt fühlen sollte, „Matz ab“ zu lesen.
„Dylan 1941“ muss ich enttäuschen (war ja wohl  auch nur als Scherz gedacht!!), es wird hier keine Editfunktion geben.

Allgemein möchte ich zu dem Gewinnspiel noch sagen: Was haltet Ihr davon, wenn ich es abwechselnd mache: Eine harte Frage, eine weiche Frage, mal gibt es für Hart ein Trikot, mal für Weich. Nur ein Vorschlag zur Güte.

„Janigol“ fragt, was ich von Joachim Löw halte? Sehr viel. Er ist ein netter Mensch, und er hat Ahnung von seinem Job als Bundestrainer, denn in der Tat hat er während der WM 2006 mehr gemacht, als das bei einem Assistenten von Jürgen Klinsmann vermutet werden könnte. Wenn Löw damals in Berlin zu uns Journalisten sprach, hatte das – natürlich – immer Hand und Fuß. Er verfolgt seine Linie konsequent, man sieht es jetzt mit Torsten Frings, das zeichnet den Bundestrainer aus. Und er gilt als Taktik-Fuchs.
„Nordbert“ wies mich darauf hin, dass Spiegel, Stern, Zeit und Co ja in Hamburg gemacht werden und deswegen ja auch hamburg-lastig sein müssten. Sehe ich nicht ganz so, denn diese Zeitschriften laden ja keine Gäste nach Hamburg ein. Der Doppelpass aber sehr wohl, da sitzen oft genug Münchner Kollegen, allein aus Kostengründen (von wegen der Flüge nach Bayern).

Und zu „HSVboerni“ gesagt: Sollte es mal eine Chance geben, gemeinsam mit Lotto King Karl, dann versuche ich es. Lotto würde das bestimmt mal mitmachen.
So, nun ist es vollbracht, ich bin geschafft – ich wünsche Euch eine erfolgreiche und gute Woche.

15.56 Uhr