Tagesarchiv für den 4. Oktober 2009

Drei Tore mit Köpfchen

4. Oktober 2009

Na bitte, es geht doch! Nach zwölf Jahren endlich mal bei der alten Dame ein Kaffeekränzchen gewonnen, drei Punkte nach Hamburg entführt. Und es gab eine besondere Revanche: Im Februar 2007 saß Huub Stevens nach nur einem halben Tag als HSV-Trainer in Berlin auf der Bank – und verlor unglücklich 1:2. Diesmal ging es umgekehrt: Friedhelm Funkel saß auch nach nur einem Tag neu auf der Hertha-Bank – und verlor ebenfalls. Schade nur für den HSV, dass es nicht mehr für die Tabellenführung reichte. Aber das ist nur eine eher unwichtige Momentaufnahme, in 13 Tagen kommt es ja im Volkspark zum direkten Duell mit dem neuen Spitzenreiter Leverkusen – Bruno Labbadias Ex-Truppe. Pikant, pikant. Dann wird es rundgehen.

Wie diesmal auch schon in Berlin. Die Hertha ging früh in Führung, da sah es schon mal ganz danach aus, als würde der HSV dort – wie zuletzt immer – vom Platz gehen: als Verlierer. Ätzend! Aber alles wurde gut – jedenfalls vom Resultat her. Und da will man ja auch gar nicht groß meckern, denn: Die Berliner hatten vorher wahrscheinlich alle einen Liter Kälberblut getrunken, denn es gab mächtig auf die Socken. Kaum ein Zweikampf, in dem nicht am Ende noch eine Stiefelspitze noch einen Knöchel suchte, oder ein Ellenbogen eine Rippe. Zuerst pfiff der Schiedsrichter Perl auch tüchtig alles ab, aber später ließ er nach. Offensichtlich hatte er es Leid, jeden Zweikampf zugunsten der Hamburger abzupfeifen. Aber in Ordnung, das sage ich ganz klar, ist das ganz sicher nicht!

Und zudem muss ich einmal ganz deutlich sagen: Unparteiische, die ein Foul nicht erkennen (wollen), dann zum am Boden liegenden Spieler laufen und ihn mit einer lässigen Handbewegung auffordern, ganz schnell aufzustehen, die sind mir absolut zuwider. Ätzend! Diese Herren, die teilweise wie eine Primadonna über den Rasen tänzeln, diese Herren erdreisten sich, gestandenen Männern zu sagen, dass sie sich nicht wie Mädchen am Boden herumwälzen sollen, das ist schon mehr als bitter. Und „Dittsche“ würde sagen: „Das perlt überhaupt nicht, Herr Perl!“

Ist doch klar: Hertha mit ihrem neuen Trainer Funkel – die fliegen die Funken. Was soll ein Schlusslicht denn auch anderes machen, als sich gegen einen spielerisch starken HSV körperlich zu wehren? Wie die Kesselflicker gingen die Berliner zu Werke. Unfassbar für mich, dass ein „Giftnickel“ wie Ebert, der bei fast jedem Zweikampf förmlich um eine Gelbe Karte gebettelt hat, erst in der 75. Minute den Karton sah – und da hätte es nach einem Foul an Dennis Aogo auch gleich Rot sein müssen. Aber Herr Perl drückte ein Auge zu. Ich fühlte mich dabei an die Nachkriegszeit erinnert: Damals gab es auf jedem deutschen Brief eine blaue Zusatzmarke: Notopfer Berlin.

Zum Fußball: Der HSV hatte im Olympiastadion kaum Torchancen, aber er nutzte drei allerhöchstens „halbe“ zu drei Toren.
Das ist zu loben. Dass es kaum Möglichkeiten gab, ist zu tadeln. Natürlich, nach dem schnellen 3:1-Vorsprung wurde das Ergebnis verwaltet, und es wurde – auch wenn es niemand beim HSV zugeben würde – streng darauf geachtet, gesund vom Platz zu kommen. Mladen Petric hat es diesmal nicht geschafft, auch in diesem Fall schwieg die Pfeife des Schiedsrichters.
Dass es letztlich zu einem lockeren Auswärtssieg langte, war der aufmerksamen Abwehr zu verdanken, in der besonders Jerome Boateng eine großartige Leistung ablieferte. Er war in der Innenverteidigung schon in Länderspiel-Form, wenn er am Sonnabend in Moskau nicht aufläuft, dann muss die deutsche Nationalmannschaft schon richtig gute Überflieger als Alternative haben.

Bruno Labbadia bewies in Berlin abermals Mut. Für den gesundheitlich noch immer angeschlagenen Piotr Trochowski brachte er erneut Tunay Torun. Der spielte auch munter mit, gab sich gegen die harte Hertha aber doch ein wenig zurückhaltend. Zudem schienen seine Mittel doch ein wenig begrenzt.

Marcus Berg war an den beiden Toren, die der Berliner Ersatztorwart Burchert per Kopf „vorbereitete“, entscheidend beteiligt, denn Berg war es, der hinter den Steilpässen her lief. Ansonsten hielt sich auch der junge Schwede mal wieder merklich zurück, Mitte der zweiten Halbzeit schien er sogar leicht zu resignieren, weil ihm die körperliche Überlegenheit und Robustheit der Berliner Abwehr ganz offensichtlich auf die Nerven gingen. Ähnlich erging es Eljero Elia, dem die Härte der Berliner wohl auch ein wenig zusetzte.
Eine Augenweide für mich wieder Ze Roberto. Er bestimmte den Rhythmus seiner Mannschaft, er machte es mal schnell, dann trat er auch gelegentlich auf den Ball und beruhigte das Geschehen. Und super zu sehen, wie er den Ball auch gegen mehrere Gegenspieler behauptet. Der HSV-Brasilianer hatte, wenn er den Ball an seinem linken Fuß führt, immer zwei Alternativen, um die Kugel in den eigenen Reihen zu halten. Exzellent macht er das, gerade so, wie es in einem Lehrbuch steht. Und: Für mich machte Ze Roberto genau jenen Unterschied aus, den ein Sieger auswärts benötigt.

Zum Schluss noch eine Bemerkung in Richtung Jonathan Pitroipa. Er kam in der 78. Minute für Berg und er wirbelte gleich tüchtig und ohne Angst mit. Auch wenn es nur zwölf Minuten waren, „Piet“ gab ein kurzes und dennoch eindrucksvolles „Lebenszeichen“ von sich – sehenswert. Kurz, aber heftig.

Das gilt noch mehr für Mickael Tavares. Er kam in der Schlussminute für Elia, konnte natürlich nichts mehr bewirken – aber er war endlich (für ihn) einmal wieder dabei. Es ist das Geschick eines Trainers, die Ersatzleute bei Laune zu halten – Bruno Labbadia schafft es im Moment meisterlich.

20.22 Uhr

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