Monatsarchiv für September 2009

Der Koloss birgt Chancen

25. September 2009

Die Schwarzmalerei für das Bayern-Spiel, die ich auch vielen Kommentaren entnommen habe, ließe sich nach den Eindrücken der jüngsten Partien, vor allem der Pleite in Osnabrück, problemlos fortsetzen. Aber ich möchte an dieser Stelle auch mal eine Lanze für den HSV und für seine Spieler brechen. Tabellenführer wird man schließlich nicht durch Zufall. Die Spitzenposition in der Liga ist ein Zeichen erfolgreicher Arbeit, und die Bayern werden entgegen aller großmundigen Ankündigungen aus München eben auch mit einer großen Portion Respekt in die Hansestadt kommen.

Darum möchte ich in diesem Beitrag auch einmal intensiver auf die Chancen des HSV eingehen, die sich aus meiner Sicht gegen die Bayern ergeben könnten. Denn ähnlich wie die gestern aufgezeigten Baustellen im HSV-Team sind meiner Meinung nach auch die Bayern noch nicht in dem Zustand, dass man sie als dominante „Durchstarter“ betrachten sollte oder müsste.

Ein gutes Beispiel für die in dieser Saison oft wechselhaften Bayern und für ihren Balanceakt zwischen offensiver Brillanz und defensiver Anfälligkeit ist Daniel van Buyten. Als die Bayern ihn einst aus Hamburg an die Isar lotsten, waren sie begeistert von diesem belgischen Koloss. Als „Fels in der Brandung“ sollte er die bayrische Überlegenheit noch ausbauen, sollte zur Führungsfigur werden. In Hamburg, das möchte ich nicht verheimlichen, auch wenn es aus dem „Nähkästchen“ kommt, waren die Kollegen und viele Verantwortliche gar nicht so traurig, dass van Buyten die Mannschaft verließ. Nach seiner anfänglichen Teamplayer-Haltung wandelte sich der Belgier nämlich mehr und mehr zum Egoisten. Ein Spieler sagte einmal zu mir: „Achte mal darauf, was Daniel nach Gegentoren sagt.“ Tatsächlich schob er einige Verantwortung für Gegentreffer Nebenleuten zu, manchmal auch nur indirekt. Und bei einem Großteil seiner Weggefährten hat er es sich dann endgültig verscherzt, als er öffentlich seine Versetzung in den Angriff forderte. Frei nach dem Motto: Die anderen sind so schlecht, das kann ich besser…

Nun gut, in München kann sich van Buyten ein derartiges Verhalten natürlich nicht erlauben. Eigentlich stand er, das weiß ich aus mehreren Bayern-Quellen, sogar schon auf dem Abstellgleis. „Bundesligatauglich“ hieß es vor Louis van Gaals Antritt als Trainer, gerade auf internationalem Niveau aber mit zu vielen defensiven Defiziten behaftet. Im sportlichen Klartext: Van Buyten ist als kopfballstarker, körperlich dominanter Verteidiger gut, besticht (und blendet vielleicht auch etwas) durch seine Torerfolge und ist zudem eine imposante Erscheinung, die – und jetzt kommen die Einschränkungen – allerdings nicht über einige Defizite hinwegtäuschen. Van Buytens Stellungsspiel bei schnellen gegnerischen Vorstößen ließ in den vergangenen Monaten einige Schwächen erkennen, und in Sachen Geschwindigkeit und Wendigkeit macht er auch nicht immer den besten Eindruck. Da sollten David Jarolim und Ze Roberto, die van Buytens Spiel bestens kennen, ihren Kollegen wertvolle Tipps geben können.

Eine weitere „Baustelle“ betrifft beim FCB die Mittelfeldzentrale. Tymoshchuk hat da noch längst nicht die Führungsqualitäten offenbart, die man sich von dem Neuzugang erhofft hat. Ich bin besonders gespannt, wie er sich im direkten Aufeinandertreffen mit Jarolim zeigen wird. „Jaro“ ist vielleicht nicht der Schnellste, und seinen Schüssen kann man leider oft „Brötchen nachwerfen“, wie es Hamburgs Amateurtrainer nur zu gerne vom Spielfeldrand reinschreien, aber mit Zé Roberto bildet der Tscheche ein kongeniales Duo, das einen Spielrhythmus auch auf höchstem Niveau bestimmen kann. Den Bayern fehlt im Mittelfeld ein – ich sage es jetzt mal ganz flapsig – „Drecksacktyp“ der Marke van Bommel. Einer, der auch mal physische Zeichen setzt. Einen, der den Unmut der Gegner und Fans gegen sich aufbringt. Einen, der sein Team durch unkonventionelle Maßnahmen auf dem Platz auf- und mitunter sogar wachrüttelt, der das (Möchtegern-)Siegergen offen zur Schau trägt.

Immerhin in einer Sache sind wir uns wohl diesmal alle einig: Wir freuen uns auf Ivica Olic. Die Bayern werden staunen, welche positiven Reaktionen der Kroate hier immer noch hervorruft, obwohl er nun bei einem der ärgsten Widersacher spielt. Und wenn er denn ohne Torerfolg bleibt, wird Olic wohl auch entsprechend positiv verabschiedet werden.

Die Gewinner hätte ich fast vergessen: Philipp Schmidt gewann das Trikot von Volker Schmidt – Zufall, es haben sooo viele Schmidts mitgemacht.

Die zwei Karten bekommt Dennis Borske aus Hamburg.

Die Lösung lautete 0:4. So deutlich verlor der HSV sein erstes Heimspiel in der Bundesliga gegen den FC Bayern.

13:50 Uhr

Labbadias Baustellen

24. September 2009

Pleite abhaken, Mund abwischen, nach vorne gucken. Ich wollte mich nach der Blamage von Osnabrück eigentlich an dieses Fußballermotto halten. Ist aber gar nicht so einfach. Vor allem dann nicht, wenn alle Fußballinteressierten fast überall über dieses Pokalaus reden. Und damit meine ich nicht nur die HSV-Fans. Meine Kollegen, die in Bremen waren, haben von Hupkonzerten auf der Autobahn erzählt, die sich während des Elfmeterschießens des HSV (und den Radio-Liveübertragungen) abspielten. Schadenfreude, Hohn und Spott werden Bruno Labbadias Team wohl noch einige Tage begleiten.

Es sei denn, ja, es sei denn dem offensichtlich angeschlagenen Team gelingt in der Bundesliga der nächste Brustlöser. Allerdings, das muss ich an dieser Stelle zugeben, sind die Vorzeichen für den Nord-Süd-Gipfel alles andere als optimal.

In Bruno Labbadia arbeitet es. Das war beim Training nach dem Aus in Osnabrück nicht zu übersehen. Natürlich beobachtete der Trainer seine acht Reservisten, die auf dem gepflegten Rasen Torschussübungen machten, aufmerksam. Auch beim anschließenden Vier-gegen-Vier-Spiel in fünfmal vier Minuten. Aber im Gegensatz zu sonstigen Einheiten schritt Labbadia gar nicht ein, er wirkte mitunter gedankenverloren und – wie viele seiner Profis – lädiert.

Bruno Labbadia ist eben auch nur ein Mensch. Und ich kann seine Grübelhaltung sehr wohl nachempfinden. Er befindet sich nämlich in einer personellen Zwickmühle. Die beginnt bereits hinten. Nicht ganz hinten, denn Frank Rost dürfte trotz des Treffers zum 0:2 in Osnabrück unantastbar bleiben, aber davor. Was soll der Coach machen, um gegen die lauernden und Zähne fletschenden Bayern ein maximales Maß an Stabilität in der Verteidigungsreihe zu garantieren? Variante 1: Er lässt alles so wie im Stadion an der Bremer Brücke. Dann droht Ungemach im Zentrum, und links könnte der momentan im tiefsten Leistungs- und Formloch befindliche Dennis Aogo von Arjen Robben zum Zuschauer mit Schwindel-Gefahr degradiert werden. Variante 2: Labbadia tauscht Rozehnal gegen Boateng (war der mit Abstand Beste und Aggressivste im Training) aus, stärkt damit das Zentrum, bleibt aber hinten links weiter anfällig. Variante 3 (die von mir favorisierte): Boateng ersetzt Demel auf rechts, Rozehnal bleibt im Zentrum neben Mathijsen (und alle drücken die Daumen, dass es gegen internationale Spitzenspieler besser klappt als gegen Drittligaprofis), und links übernimmt Demel den Aogo-Part, um Robben körperlich zu bremsen. Vielleicht braucht Aogo, den ich nach wie vor für einen Spieler mit großer Perspektive halte, einfach mal eine echte Pause.

In diesem Zusammenhang kann ich auch die Frage nach dem Zustand und der Rückkehr von Marcell Jansen beantworten. Er trainierte heute erstmals wieder voll mit und wirkte noch etwas kraftlos. „Noch ist er keine Alternative, er hat noch großen Rückstand“, sagte Labbadia. Das klingt eher nach ein paar Wochen, bis er wieder in den Kader stoßen könnte.

Die nächste Baustelle ist das Mittelfeld. Sollte Ze Roberto wegen seiner Wadenprobleme ausfallen, wäre das für Labbadia so etwas wie ein sportlicher Super-GAU. Denn das Duo Jarolim/Ze Roberto ist derzeit unersetzbar. Ich glaube nicht, dass das Trainerteam ernsthaft über eine Variante ohne den Brasilianer nachdenkt. Nach den ausgebliebenen „Bewerbungen“ im Osnabrück-Spiel dürften Trochowski (rechts) und Elia (links) zur Startelf zählen.

Bleibt noch die letzte Baustelle, und das ist eine echte Großbaustelle: der Angriff. Mladen Petric ist gesetzt – und ich habe alleine heute mindestens zehn Leute getroffen, die ihn in ihr Nachtgebet einschließen, damit er sich nicht auch noch verletzt -, der Posten neben ihm ist vakant. Variante 1: Berg läuft erneut neben dem Kroaten auf. Variante 2: Labbadia, der sich in das Seelenleben des Stürmers Berg gut hineinversetzen kann, gönnt dem Schweden eine Auszeit und überrascht die Bayern. Auch wenn jetzt viele von euch die Hände überm Kopf zusammenschlagen werden und mich für übergeschnappt halten mögen: Ich würde Pitroipa als zweite Spitze aufbieten. Nicht, weil „Pit“ sich zuletzt überragend in Szene gesetzt hätte, und seine Schussgewalt erinnert mich immer noch stark an über die Straße hüpfende Eichhörnchen, aber er ist schnell, wendig, provoziert mit seinen Lauf- und Dribbelwegen Freistöße – und so etwas wird der HSV gegen den Rekordmeister brauchen.

Labbadias größtes Problem ist, dass er seine Formation – egal welche – überhaupt nicht richtig einüben kann. Nur die Einheit am Freitag ist noch übrig, um Harmonien zu erproben und das Team auf die (aus meiner Sicht noch immer nicht ganz gefestigten) Bayern einzustimmen.

Zum Thema Smolarek muss ich mich dem Trainer anschließen. „Was hätten wir denn bislang sehen sollen?“, entgegnete er einem meiner Kollegen, der einen Zwischenstand nach zwei Einheiten des Polen hören wollte. Die erste Einheit war eine Spielvorbereitung, die zweite ein Reservistentraining. Es wird also noch ein paar Tage dauern, bis eine Entscheidung für oder gegen eine Verpflichtung des Angreifers getroffen wird. Im besagten Vier-gegen-Vier-Spiel beim Training zeichnete sich Smolarek übrigens hauptsächlich als Vorbereiter und Wegbereiter aus. Clevere Laufwege, gezielte Doppelpässe zeigte er, ging dafür seltener ins Sturmzentrum und hatte auch wenige Abschlüsse – einer landete immerhin am Pfosten. Die Alternativen Arslan und Torun betrieben aber auch keine größere Eigenwerbung.

17:02 Uhr

Die Blamage

23. September 2009

Ein Außenseiter kann im Pokal nur eine Sensation schaffen, wenn er kämpft. Wenn er beißt, wenn er kratzt, wenn er heftig attackiert, wenn er grätscht, wenn er giftig ist, wenn er seine Marschroute 90 Minuten konzentriert verfolgt – wenn er mit Herz und Hingabe alles gibt. Das weiß jeder. Das weiß ganz sicher auch jeder beim HSV, ob nun Spieler, Trainer, Vorstand, Busfahrer, Zeugwart oder Parkplatzwächter. Und dennoch passieren solche Spiele immer wieder. Weil diejenigen, die es eigentlich ja wissen müssten, es augenblicklich dann doch nicht parat haben. Der große Profi unterschätzt den kleinen Profi, und dann gibt es solche Spiele. Bitter nur für den Hamburger Fußball, dass der HSV offenbar so gerne daran beteiligt ist. Und tragisch an diesem Pokal-Aus war, dass nicht einmal das Geschenk eines Osnabrückers namens Schmidt, der Sekunden vor dem regulären Schlusspfiff den Ball in die Hand nahm, genutzt werden konnte. Das Elfmeterschießen besiegelte das Debakel, das Erinnerungen an Eppingen, Geislingen und die Stuttgarter Kickers hochkommen ließ. Traurig, aber wahr.

Um zwei Dinge von vornherein einmal zu klären. Die HSV-Fans haben in den 120 Minuten von Osnabrück alles gegeben, waren auch nach dem 0:1- und 0:2-Rückstand voller Tatendrang. Und: Dass Trainer Bruno Labbadia in diesem Pokalspiel eine ganz kleine Rotation gewagt hat, war absolut okay, denn schließlich geht es am Sonnabend gegen die Bayern. Und dafür der HSV ja, wie oft genug von allen Seiten bestätigt, einen ausgezeichneten „zweiten Anzug“ in dieser Saison. Genau deswegen auch hätte ein Profi vom Tabellenführer einem Spieler vom Tabellenfünften der Dritten Liga ganz einfach mal überlegen sein müssen, auf jeden Fall aber dürfen.

Dabei begann der HSV in diesem Spiel durchaus so viel versprechend, als wolle er an der einstmals so gefürchteten Bremer Brücke gleich zeigen, wer der Herr im Hause ist. Und wenn Marcus Berg nach ein paar Sekunden den Ball besser getroffen hätte, dann hätte es auch standesgemäß 1:0 für den großen Favoriten gestanden. Hätte, wenn und aber. Was nach guten zehn Minuten folgte, war ein besseres Spiel der Osnabrücker. Und wenn Frank Rost nicht so gut gehalten hätte, dann wäre schon zur Pause alles erledigt gewesen – zu Gunsten des VfL.

Der HSV gab ein Spiel aus der Hand, das er (nur) etwa zehn Minuten gut im Griff gehabt hatte. Was von Minute zehn bis zur 92. Minute folgte, das war erbärmlich. Und das muss auch so schonungslos genannt werden. Eine solche Vorstellung darf nicht schöngeredet werden, denn sie hat ja Ursachen. Und die müssen dringend behoben werden.

Welcher HSV-Spieler hat in Osnabrück wirklich mit Herz und Leidenschaft gespielt und vor allem gekämpft? Ich habe über 90 Minuten kaum einen gesehen. Okay, Mladen Petric wollte, Frank Rost auch, dazu hatten Guy Demel und Ze Roberto auch die eine oder andere gute Szene. Aber der Rest? Obwohl ich schnell noch einmal auf Rost zurückkommen möchte, denn ich weiß, dass jeder zweite von Euch ihm das zweite VfL-Tor ankreiden wird. Ich behaupte aber, dass mit diesem frühen Schuss kaum ein Torwart gerechnet hätte. Viel mehr müsste eine andere Frage geklärt werden: Wieso spazierten die Osnabrücker in dieser Szene (und so oft zuvor und so oft auch danach!) beinahe mühelos durch die HSV-Defensive? Da gab es  noch nicht einmal den Hauch von Begleitservice, den ein ordentlich geschultes Defensivpersonal sonst an den Tag legt, das war einfach nur ober-amateurhaft.

Bis auf die Anfangsphase, als wenigstens Ze Roberto noch die eine oder andere Idee hatte, spulte der HSV brav, bieder und einfallslos sein Pensum herunter. Zudem teilweise überheblich, oft auch pomadig. Getreu dem Motto: „Das wird schon noch!“ Die Verantwortung wurde nur allzu gern dem Nebenmann in die Stiefel geschoben.

Wenn dazu dann noch einige – oder sogar sehr viele – Spieler ausfallen, dann gibt es eben ein solches Desaster: David Rozehnal hat ganz sicher schon wesentlich bessere Tage erlebt. Er muss sie ganz einfach erlebt haben, sonst hätte er es nicht auf an die 60 Länderspiele für Tschechien gebracht. Warum er die allerdings hat, ist mir bislang restlos verborgen geblieben. Dennis Aogo durchläuft ein sattes Formtief, Robert Tesche ist noch nicht so weit, Romeo Castelen und Jonathan Pitroipa ebenso. Und Marcus Berg? Oh, oh, oh. Das war ja erneut gar nichts. Null. Und ob da noch mehr kommen wird? Allmählich erhalten meine einstmals kleinen Zweifel immer mehr Nahrung. Von Spielminute zu Spielminute.

Keine Mannschaft aber,  kein Tabellenführer der Bundesliga und auch dieser HSV nicht, kann gegen so viele (Fast-)Ausfälle anspielen.
Zum Schluss noch zwei kleine Hoffnungsschimmer: Der HSV kann sich glücklich schätzen, eine so nervenstarken Elfmeterschützen wie Piotr Trochowski in seinen Reihen zu haben. Und: Der eingewechselte Tolgay Arslan (sehr mutig, Bruno Labbadia!) hat erstmalig sein Talent bewiesen, hätte sogar einen Elfmeter bekommen müssen – da kommt Freude auf, das machte dann doch noch ein ganz klein wenig Spaß. obwohl diese Nacht jedem HSV-Fan ganz sicher gründlich verdorben war.

Für das Spitzenspiel am Sonnabend allerdings war diese Vorstellung – natürlich bis auf die Kräfte raubende Verlängerung – eine ordentliche Einstimmung, eine Art Weckruf. Nun weiß der HSV, dass er immer 100 Prozent geben muss. Und er ist nun absoluter Außenseiter gegen den FC Bayern. Außenseiter? Genau! Wie der VfL Osnabrück gegen den HSV. Und was machen Außenseiter? Die zerreißen sich. Mit Herz und Hingabe. Darauf muss Bruno Labbadia bauen. Und hoffen.

23.25 Uhr

Unvergessen: Hoyzer und der Pokal

23. September 2009

Es ist Rotations-Zeit. Der HSV wird zum Pokalspiel beim VfL Osnabrück nicht mit seiner besten Mannschaft antreten, denn im Hintergrund lauern ja bekanntlich am Sonnabend schon die Bayern. Piotr Trochowski wird geschont, Eljero Elia und Jerome Boateng auch, wahrscheinlich werden sich Ze Roberto und Robert Tesche nach einer Halbzeit ablösen – je nach Spielstand. Darüber hinaus fehlt natürlich auch der gesperrte David Jarolim.

Der Kapitän ist für mich deswegen noch ganz kurz ein Thema, weil er zuletzt, nach den Spielen in Wien und Frankfurt, aus Euren Reihen doch arg kritisiert wurde. Ich habe mir bei manchem Kommentar gedacht: „Sieh an, sieh an, das sind doch nun alle HSV-Fans, und die fallen nun so über ihren Kapitän her, als würde er für Bayern München oder Werder Bremen spielen?! Was mich dazu überraschte: Es gab kaum einmal so richtige „Gegenwehr“ von Jarolim-Anhängern. Und wenn, dann blieb das sehr mau und kam über gute Ansätze nicht hinaus. Aber gut, das ist dann wohl so. Wobei ich es wirklich schade finde, dass David Jarolim bei „Matz ab“ unkritisiert als derjenige hingestellt wurde, der die „Schwalbe“, die ich nach dem Frankfurt-Spiel dem Eintracht-Fighter Maik Franz unterstellt habe, erfunden hat.

Ich kann dazu nur eines sagen: Es gab kürzlich an dieser Stelle einen User, der ganz genau meine Meinung vertritt: David Jarolim geht dahin, wo es weh tut, er sucht immer wieder den Zweikampf und nimmt es dabei in Kauf gefoult zu werden. Natürlich spekuliert er auch hin und wieder drauf getreten zu werden. Er lässt sich treten – was ist daran verwerflich? Und: Wer von Euch möchte sich denn schon – zum Wohle der Mannschaft – permanent in die Knochen treten lassen? Die wenigstens, so denke ich.

Gefreut habe ich mich, dass ein User aus Euren Reihen viel Lob erhalten hat: „Tom“. Auch ich habe mir natürlich seine Kommentare durchgelesen, das mache ich immer – Kompliment, „Herr Kollege“, das alles hat Hand und Fuß. Könnte mich aber demnächst arbeitslos machen, daran sollte der „Tom“ doch hin und wieder mal denken. . .

Denken ist dazu das Stichwort: Denke ich an den DFB-Pokal, fallen mir natürlich Spiele wie Eppingen und Geislingen ein. Allerdings werden diese Partien bei mir noch an Heftigkeit getoppt – von Paderborn. Dieses leidige Pokalspiel, das damals von Robert Hoyzer geleitet wurde, habe ich immer noch im Kopf. Ich werde es auch nie vergessen. Und werde es auch niemals verzeihen, das gebe ich ganz ehrlich zu.

Das Spiel begann für uns Hamburger Journalisten schon weit vor dem Anpfiff in höchst unangenehmer Form, denn der SC Paderborn hatte es geschafft, uns keine Presseplätze zu reservieren. Der Klub hatte alle Karten verkauft, logisch, denn den HSV wollten auch schon damals alle sehen. Erst als ich als „Dienstältester“ mit dem DFB drohte, wurden uns auf der Tribüne Sitzplätze geräumt. Wir saßen also ohne Pult und eng wie Hühner auf der Stange mitten unter den Fans auf der Haupttribüne. Und als dann der Herr Hoyzer damit begann dieses Spiel nach Herzenslust zu verpfeifen, war ich im Nu ganz oben auf der Palme. Und das tat ich auch bei fast jedem Pfiff recht drastisch und lautstark kund. Vor mir saßen zwei Herren, die mir alsbald einen „Karnickelgenickschlag“ androhten, wenn ich nicht endlich „meinen Rand“ halten würde. Es hat tatsächlich nicht viel gefehlt, dann hätte es eine Schlägerei gegeben, es herrschten jedenfalls fast 90 Minuten äußerst gespannte Verhältnisse auf der Tribüne.

Diese Vorfälle – und auch die skandalöse Schiedsrichter-Leistung – habe ich am Tag darauf sehr wohl beim DFB (schriftlich) gemeldet. Seitens der Schiedsrichter-Abteilung hieß es damals in der Antwort: „Robert Hoyzer ist eines unserer größten Talente, der steht kurz vor dem Sprung nach ganz, ganz oben – er muss in Paderborn nur einen schlechten Tag gehabt haben.“ Später erlebe ich diesen Herrn Hoyzer dann auch live bei den Spielen Eintracht Braunschweig – FC St. Pauli und FC St. Pauli – VfL Osnabrück. Da hatte er auch jeweils einen grottenschlechten Tag. Warum, das klärte sich dann aber erst später auf. Für mich bis heute unfassbar, dass sich ein solcher „Hirni“, der vor einer Welt-Karriere stand, für eine Handvoll Dollar sein ganzes Leben kaputt gemacht hat.

In der Hoffnung, dass es so etwas nie wieder geben wird, und wenn ja, dass der HSV eine solche Affäre dann bereits hinter sich hätte (jetzt dürften ruhig einmal die anderen), und dass es heute in Osnabrück eine einwandfreie Leistung des Unparteiischen gibt, wünsche ich allen einen netten Pokalabend.

“Wie heißt du?”

22. September 2009

Als er allein vom Trainingsplatz kam, stürzten sich einige jugendlichen Autogrammjäger auf ihn. Die Frage allerdings, die die jungen Herren dem „HSV-Profi“ stellten, war mehr als unpassend: „Wie heißt du?“ Wahrheitsgemäß antwortete der neue Testspieler des HSV: „Ich bin Ebi Smolarek.“ Und dann durfte er tatsächlich auch noch unterschreiben. Immerhin könnte der 28-jährige Stürmer schon demnächst für den HSV auf Torejagd gehen. So er sich denn in die Herzen der Klub-Verantwortlichen und der Trainer schießt und dribbelt. „Smolarek ist flink, schnell und torgefährlich“, lobt HSV-Co-Trainer Eddy Sözer die Testperson. Bis mindestens Mitte nächster Woche soll Smolarek noch in Hamburg vorspielen, erst dann soll eine Entscheidung darüber fallen, ob er tatsächlich als Soforthilfe verpflichtet wird.

Am Tag eins im Volkspark aber war absolut nicht erkennbar, wohin der Hase laufen wird. Ebi Smolarek hat sich in den letzten Wochen allein fit gehalten, hat viele Waldläufe absolviert. Ob er das mit Erfolg tat, war beim besten Willen nicht zu erspähen, denn die meiste Zeit stand Smolarek wie ein Fremdkörper auf dem Trainings-Rasen herum (siehe auch das Video bei „Matz ab“). Gefordert wurde er überhaupt nicht, ein Spiel, in dem er sein Können hätte unter Beweis stellen können, fand auch nicht statt, und irgendwie konnten die Trainingskiebitze den Eindruck gewinnen, als hätte sich Smolarek an diesem Nachmittag eine leichte Unterkühlung zugezogen.

Zum Schluss der zweistündigen Übungseinheit, die immerhin über 200 Zuschauer verfolgten (!), durfte Ebi Smolarek wenigstens noch etwas von seiner Klasse zeigen, die er anscheinend immer noch hat. Bruno Labbadia warf ihm Bälle zu (oder spielte sie ihm in die Füße), und dann durfte der polnische Nationalstürmer nach Herzenslust draufhalten. Und das tat er in den meisten Fällen überzeugend – rechts wie links. Dass er dann als erster Spieler den Platz verließ und allein in Richtung Kabine marschierte, war wohl auch nicht untypisch für den schlaksigen Profi, denn schon in Dortmund, als BVB-Stürmer, hatte er den Ruf weg, ein (gelegentlicher) Einzelgänger zu sein.

Fazit: Der erste Smolarek-Tag in Hamburg konnte keinerlei Aufschlüsse darüber geben, ob aus diesem eventuellen Not-Einkauf etwas werden könne. Am Dienstag fuhr der Testspieler nach dem Training zurück nach Rotterdam, um einige Dinge zu klären und einige Sachen nach Hamburg zu holen, am Mittwoch wird er dann an die Elbe zurückkehren, um am Donnerstag wieder mit seiner (zukünftigen?) Mannschaft zu trainieren.

Mein erster Eindruck? Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, bereits heute ein kleines Urteil über den Polen abzugeben, aber das ist schlichtweg nicht möglich  er stand die meiste Zeit fast tatenlost herum. Immer wieder wurde ich gefragt, warum ein Ebi Smolarek derzeit ohne Vertrag und Verein ist, aber auch diese Frage kann ich nicht beantworten. Co-Trainer Sözer sagte dazu: „Das werden wir mit Ebi unter sechs Augen besprechen.“

Auf jeden Fall steht fest: Smolarek will wieder (unbedingt) in die Bundesliga zurück, und er will zu einem Spitzenklub. Dazu gibt er alles, auch wenn er das im ersten Training nicht zeigen (und geben) durfte. Immerhin aber ist sich ein aktueller polnischer Nationalspieler nicht zu schade, sich einem mehrtägigen Probetraining zu unterziehen. Das spricht für seinen Charakter und seinen Willen, noch einmal angreifen zu wollen.

Für mich, wenn ich da einmal auf „ältere Tage“ zurückgreifen darf, war Ebi Smolarek immer eine „äußerst unangenehmer Gegenspieler“ für den HSV. Saß ich oben auf der Tribüne, habe ich ihn im Geiste als „Filzlaus“ tituliert. Und das ist keineswegs böse gemeint. Vielmehr ist es angelehnt an den Film-Klassiker mit Lino Ventura, der als Killer einen Staatspräsidenten erschießen soll, aber immer dann, wenn er schussbereit war, fiel ihm die „Filzlaus“, die Selbstmord begehen wollte, vor die Flinte. Jeder Selbstmordversuch der „Filzlaus“ scheiterte kläglich, der Mann schaffte es lediglich immer wieder, Ventura zu nerven und zu stören. Stören ist dabei das Stichwort: Vielleicht erinnert sich der eine oder andere HSV-Fan an Spiele gegen Dortmund (mit Ebi Smolarek). Ich sehe sie noch vor mir: Beim HSV hinten die eisenharten Khalid Boulahrouz und Daniel van Buyten, und mittendrin stets der “dritte Mann”: Smolarek. Wurde er getreten, trat er zurück. Wurde er gehalten, hielt er auch. Wurde gepöbelt, pöbelte er mit. Wurden sich abseits des Balles „körperliche Nettigkeiten“ wie Rempeln, Stoßen oder Kneifen ausgetauscht – er mischte immer munter mit. Motto: Keine Angst vor großen Tieren. Smolarek ließ sich nie abschütteln; lag er am Boden, stand er sofort wieder auf und ging unerschrocken mächtig zur Sache. Und hinzu kam natürlich auch seine große Torgefährlichkeit, sein schlitzohriges Talent, immer dort zu sein, wo es gefährlich werden könnte.

Genau das hatte ihn zuletzt wohl  nach England und nach Spanien gebracht. Warum es da aber nicht funktionierte, entzieht sich meinen Kenntnissen. Vielleicht deshalb, weil diese Ligen doch zu stark (auf jeden Fall stärker als die Bundesliga) sind. Und genau das ist der Punkt, warum ich glaube, dass Ebi Smolarek demnächst ein HSV-Profi ist. Er wird in der Bundesliga wieder sein Ding machen, weil hier die Abwehrspieler nicht ganz so eng und körperbetont decken, vielleicht auch nicht ganz so brutal hart sind wie in England und im Süden Europas.

Smolarek zur Probe

21. September 2009

Jetzt also doch. Ebi Smolarek kommt zum HSV. Erst einmal auf Probe, aber ich glaube nun fest daran, dass er doch noch verpflichtet wird. Die Zeichen stehen für mich eindeutig auf Notkauf. Auch wenn Trainer Bruno Labbadia gestern noch befand: „Wenn ein Spieler so lange nicht gespielt hat, dann benötigt er erfahrungsgemäß eine wochenlange Phase, um den Rückstand aufzuholen.“ Ob Smolarek das schaffen wird? Ob er sich zur Soforthilfe für den HSV entwickeln kann, das wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Wie ich schon in der „ersten Sprechstunde“ schrieb, bin ich davon überzeugt, dass es Smolarek in der Bundesliga noch einmal packen wird, und zwar sehr schnell. Ich habe  in den vergangenen Tagen mit einem Dortmunder Kollegen telefoniert, der mir nur das beste Zeugnis für den ehemaligen BVB-Stürmer ausgestellt hat. Der „Ebi“ ist immer noch ein Publikumsliebling in Westfalen, am liebsten hätten sie ihn in Dortmund sogar zurück, doch dazu fehlt das nötige Geld. Und es gibt da noch die eine Tatsache, dass die Borussia mit ihren Angreifern (angeblich) sehr zufrieden sein soll.
In Sachen Sturm-Verstärkung läuteten dann für mich am Montag nach dem Vormittagstraining die Glocken noch ein wenig lauter, als ich Marcus Berg hörte. Der Schwede sagte bemerkenswerte Sätze. Einer davon lautete: „Ich fühle mich frisch, aber ich bin nicht in Form.“ Und ein anderer lautete: „Es gibt beim HSV mit Mladen Petric und mir zwei gestandene Stürmer, und mit Tunay Torun und Tolgay Arslan zwei jüngere. Ich würde dem HSV in der derzeitigen Situation raten, noch einen erfahrenen Mann für den Angriff zu verpflichten.“ Nach Petric sagte es nun sogar Berg. Wobei ich den Eindruck habe, dass seine Formschwäche vor allem am mangelnden Selbstvertrauen (und an den hohen Erwartungen der Hamburger) liegt – aber er redet sich leider ein wenig zu klein, ein wenig zu schlecht, der junge Schwede. Allerdings weiß ich nicht, ob das wirklich nur ein schlechtes Zeichen ist? Vielleicht ist der talentierte Stürmer ja nur viel selbstkritischer als so mancher Mitspieler, der noch so schlecht spielen kann, aber von schlechter Form nichts wissen will? Früher gab es einen netten Slogan in Deutschland: „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“. Wenn Marcus Berg weiß, dass er zurzeit nicht in Bestform ist, dann wird er sicher alles dafür tun, diesen Zustand ändern zu wollen.
Bei der Gelegenheit kann ich schnell noch den Wunsch von „Letche“ erfüllen, der sich nach meinen Trainingseindrücken von Torun und Arslan erkundigte. Die Beobachtungen sind die, und da kann ich meinen Abendblatt-Kollegen Christian Pletz durchaus mit einbeziehen, dass die beiden jungen Leute im Moment ein wenig „durchhängen“. Ich habe nicht den Eindruck, als seien sie im Moment in jener Form, in der der Trainer ihnen einen (Kurz-)Einsatz in der Bundesliga zutrauen würde und könnte. Eher ist das Gegenteil der Fall, Torun und Arslan bieten sich zurzeit keineswegs für höhere Aufgaben an, weil sie nicht die Leistungen bringen, die sie eigentlich bringen könnten. Es fehlt ihnen im Moment ein wenig an Biss, Konzentration, Durchsetzungsvermögen – und sicher fehlt auch ein großer Schuss Selbstbewusstsein.
Dazu passt allerdings, dass am Montag auch Jonathan Pitroipa in Sachen Leistung ein wenig abfiel, obwohl doch nur neun Feldspieler (plus Wolfgang Hesl) trainierten. Vielleicht aber fiel es genau deswegen so deutlich auf, dass Pitroipa schwächelte, dass er auf mich sogar ein wenig lustlos wirkte. Eine Vorstellung, wie es sie eigentlich in den vergangenen Wochen noch nie von ihm gegeben hat. Eventuell lag es daran, dass er ein wenig darüber „maulte“, dass er ja auch in Frankfurt eingewechselt wurde, dennoch mit jenen Spielern auf den Rasen gebeten wurde, die nicht zum Einsatz gekommen waren (außer Robert Tesche und Romeo Castelen) – während sich die Stammspieler pflegen lassen konnten. Das aber wirklich nur eventuell, ich kann es lediglich vermuten und will ihm da keineswegs etwas unterstellen.
Am Rande des Trainingsplatzes war übrigens auch Marcell Jansen aktiv, gemeinsam mit Reha-Trainer Markus Günther. Jansen lief schon wieder sehr flott, aber auf einen baldigen Einsatz des Nationalspielers darf sich dennoch noch niemand freuen, denn Bruno Labbadia dämpfte alle zu frühen Erwartungen: „Das dauert noch eine ganze Weile.“ Weil der Trainingsrückstand zu groß ist. Und zudem muss Jansen ja auch erst noch beweisen, dass er gesundheitlich auch mal eine gewisse Konstanz an den Tag legen kann.
Zum Schluss noch einige kleine Randbemerkungen:
Auch wenn es der „Peter“ nicht so gerne liest („Jetzt ist gut mit Golz, Dörfel und Konsorten“), ich hoffe dennoch, dass es sehr wohl noch den einen oder anderen HSV-Fan interessiert: Thomas Doll, einst ja Publikumsliebling in Hamburg, eilt in der Türkei mit seiner No-name-Mannschaft von Genclerbirligi von Sieg zu Sieg. Nun verriet mir Doll, dass ihn sein Präsident sogar schon vorzeitig zu einer Vertragsverlängerung um zwei Jahre bewegen wollte. Das ist deswegen so spektakulär, weil Genclerbirligi in den vergangenen 24 Monaten sage und schreibe zwölf Trainer (!) „verbraucht“ hat.
Dann hat der nette Radio-Kollege und Kult-Reporter Manni Breuckmann ein neues Buch geschrieben, es geht um „die 50 legendärsten Szenen des deutschen Fußballs“. Zwei von den 50 beschäftigen sich auch mit dem HSV: Einmal die schlimme Torhaken-Geschichte, die das Ende der großartigen Karriere von Ditmar Jakobs bedeutete, dann findet auch noch das „Traumtor“ von Felix Magath im Europapokal-Finale 1983 gegen Juventus Turin noch Erwähnung.
Ein anderer Punkt: Bei einigen von Euch stieß ja wohl übel auf, dass sich Ivica Olic nun bei den Bayern als „Star“ fühlt. Seht es ihm bitte nach, er hat es sicher nicht als Provokation gemeint. Olic ist ein unheimlich netter und bescheidener Mensch, der stets auf dem Teppich geblieben ist, er würde niemals so großspurig auftreten, wie man es nun vermuten könnte. Er hat es sicher ganz anders gemeint. Und ich weiß auch, dass er sich in Hamburg stets unheimlich wohl gefühlt hat, dass er stets gerne an diese Zeit zurückdenken wird. Ivica Olic ist ein ganz lieber Kerl, ein Profi zum Anfassen, und ganz sicher will er dem HSV und den HSV-Fans nichts Schlechtes. Und: Sollte er am Sonnabend doch ein Tor gegen den HSV schießen, so ist das nur seine Aufgabe, für die er nun vom FC Bayern bezahlt wird. Denkt bitte noch einmal zurück: Olic gab im Januar seinen Wechsel nach München bekannt. Danach hieß es in Hamburg: „Jetzt wird er sich schonen, jetzt wird er nur noch an München denken, jetzt kannst du Olic für den Rest der Saison vergessen.“ Und? Was war tatsächlich? Er hat alles, wirklich alles für den HSV gegeben – bis zuletzt. So vorbildlich nämlich ist die Einstellung zu seinem Fußball-Profi-Job. Also, nochmals meine große Bitte an Euch: Verdammt ihn nicht, Ihr würdet einen Falschen treffen.
Und zuletzt möchte ich noch auf das „Matz-ab“-Gewinnspiel hinweisen, bei dem es neben dem Volker-Schmidt-Trikot immerhin auch zwei Karten für das Bayern-Spiel (sollen ja Raritäten sein!)  am Sonnabend abzustauben gibt. Sicher ein kleiner Anreiz, dieser Liga-Knüller – und auch ein bisschen Hoffnung, eventuell doch noch dabei zu sein.

Auftakt der “Sprechstunde”

21. September 2009

Als „Matz ab“ am 7. August startete, gab es von unserer Seite auch das Versprechen, dass Fragen beantwortet werden. Das gab es zwar hin und wieder einmal, aber nicht durchlaufend. Deswegen möchte ich nun damit beginnen, auf Eure Fragen einzugehen. Ich werde eine Woche lang Fragen sammeln, sie dann am Wochenende beantworten. Unter dem Motto: Sprechstunde. Denn es hat sich einiges an Fragen und Dingen angehäuft, die auf Klärung warten.

„Kallimero“ fragte, wie ich zu Jonathan Pitroipa stehe? Da muss ich ein wenig ausholen. Als er vor einem Jahr aus Freiburg kam, war ich begeistert. Zumal mir ein Kollege aus dem Breisgau, den ich von der Nationalmannschaft her kenne, gesagt hat: „An Pitroipa werdet ihr in Hamburg viel Freude haben, der ist super. Aber was ihr mit Dennis Aogo wollt, ist mir schleierhaft.“ Ja, und dann kam es ganz anders. Pitroipa hatte zwar einen großartigen Start, doch nach Wochen kam da nicht mehr viel. Ich erinnere mich aber genau, dass Trainer Martin Jol damals schwärmte: „Dietmar Beiersdorfer hat mir viel von Pitroipa erzählt, hat ihn gelobt und gepriesen – und ich habe gedacht: Na, Didi, ablassen, so gut kann der Pitroipa doch gar nicht sein. Und dann war er doch genau so, wie Didi ihn mir beschrieben hat.“

Wie gesagt, einige Wochen. Dann ging es steil bergab. Und irgendwann im Herbst habe ich sogar in einer Einzelkritik über Pitroipa geschrieben: „Das muss sein Abschiedsspiel gewesen sein, schlechter geht es nicht mehr.“

Aber Jol hat ihn nie ganz fallen lassen. Und das macht auch Bruno Labbadia nicht – siehe die Einwechslung in Frankfurt. Und ich muss ganz ehrlich sagen: Pitroipa hat für frischen Wind in der Reihen der Hamburger gesorgt. Und wenn er nicht nur schnell wäre und dribbeln könnte, sondern auch noch schießen, dann hätte er seine durchaus ansprechende Leistung vielleicht mit dem Siegtreffer gekrönt. Alles in allem aber gesehen habe ich mir von Jonathan Pitroipa wesentlich mehr erwartet, viel mehr sogar. Ich hatte gedacht, er kommt hier in Hamburg ganz groß raus, aber den Zahn habe ich mir inzwischen schon selbst gezogen.

„WPNikolaus“ fragte mich, ob Bruno Labbadia in Wien nicht falsch ausgewechselt hätte? Meine Antwort: Kann sein, kann nicht sein. Das ist, wie Uwe Seeler sagen würde, ganz allein Sache des Trainers. Objektiv betrachtet muss ich aber zugeben, dass ich mir in dem einen oder anderen Spiel vorher doch schneller einen Wechsel gewünscht hätte.

„inxx69“ fragte, ob Frank Rost eventuell Kontaktlinsen trägt? Nein, das macht er nicht. Ich habe mit der Managerin von Frank Rost, Sabiene Hemkes, gesprochen, die mir (und damit auch Euch) versicherte: „Frank sieht hervorragend, er braucht weder Kontaktlinsen noch eine Brille. Er hat seine Augen auch testen lassen. Wenn er gelegentlich mit den Augen blinzelt, dann muss es wohl an der Sonne liegen, aber garantiert an nichts anderem.“

„Alexander von Reden“ fragte, ob der HSV in Wien nicht hätte vorsichtiger beginnen müssen, abwartender starten müssen? Erstens empfinde ich diese Frage als sehr kompetent, zweitens ist sie klasse. In der Tat, diese Frage muss man sich stellen, wenn man als Auswärtsmannschaft in die Konter des Gastgebers rennt. Sollte ich Bruno Labbadia in dieser Woche sprechen, werde ich ihm diese Frage stellen. Und auch fragen, ob er es wieder so angehen würde, dieses Auswärtsspiel bei Rapid.

„HK Hans“ fragte wörtlich: „Ist Ihr Blog eine Abendblatt-Veranstaltung, die sich an den für das Abendblatt wohl geltenden journalistisch-ethischen Kriterien orientiert? Oder haben Sie im Blog Freispiel?“ Auch eine sehr, sehr schöne Frage. Natürlich ist das alles eine Abendblatt-Veranstaltung, und natürlich gelten für mich die üblichen Kriterien, die auch für meine Kollegen Satz sind. Dennoch muss ich zugeben, dass es hier im Internet ja ein wenig lockerer zugeht. Ich sage ja auch „Euch“ und „Ihr“, was ich im Abendblatt ja nie getan habe, und ich schreibe auch in der Ich-Form, was auch höchst selten einmal vorgekommen ist. Sollte sich jemand daran stören, würde ich es eventuell überdenken, aber nachdem ich eine gewisse Hemmschwelle überwunden hatte, klappt das doch eigentlich ganz gut – oder?

Eine Frage aus früheren Tagen erinnere ich noch: Pfeifen die Schiedsrichter seit der Hoyzer-Affäre verstärkt gegen den HSV? Das glaube ich nun wirklich nicht, auch wenn Ihr (und, das gebe ich zu, auch gelegentlich ich) mitunter den Eindruck haben könntet. Aber: Jeder Schiedsrichter denkt doch in erster Linie daran, ein Spiel gut über die Bühne zu bringen, denn er will doch weiter Erste Liga pfeifen und somit zu einem ganz elitären Kreis gehören. Und: Wenn er wirklich gegen den HSV pfeifen würde, dann müsste es ja eine Anweisung von oben geben – und das kann doch nun wirklich niemand von Euch glauben. Nein, nein, wenn es mal einen ungerechten Pfiff gegen den HSV geben sollte (und den gibt es immer mal), dann ist das purer Zufall.

„Cappi“ sagte (auch wörtlich), dass er „froh ist, dass ich beim HSV nicht allzu viel zu melden habe“. Ich frage mich dazu, ob ich schon mal etwas beim HSV zu melden hatte? Nicht dass ich wüsste. Und wenn er den Sohn von Bernd Hoffmann so gut kennt, dann muss ich zugeben, dass ich ihn nicht (so gut) kenne. Und dass Bernd Hoffmann keine Bundesliga-Spiele bestritten hat, habe ich weder bestritten noch geschrieben. Übrigens: Jürgen Hunke hat auch kein einziges Bundesliga-Spiel bestritten. Warum aber etwas, was ich nie geschrieben habe, der „größte Dünnpfiff“ sein soll, erklärt sich mir nicht so wirklich. Auf die Frage aber, ob sich mir beim Lesen des Kommentars von „Cappi“ die Nackenhaare hochgestellt haben, antworte ich wahrheitsgemäß: „Ja!“

„Volker Schindler“ widersprach mir, dass man Oliver Kahn nicht mit Richard Golz auf eine Stufe stellen könne. Ich frage mich aber, warum nicht? Beide ehemaligen Keeper sind intelligente Kerle, die aber nicht mehr halten müssen. Sie müssten als Sportchef nur noch mit den Köpfen arbeiten, und da frage ich mich in der Tat, wer auf diesem Gebiet denn tatsächlich der Bessere wäre? Ich halte da eisern an Richard Golz fest, gebe aber zu, dass Kahn der bessere Torwart war.

„Master of Banane“ fragte, wie oft ich denn noch wiederholen wolle, dass ich nichts gegen Bernd Hoffmann hätte? Dazu muss ich sagen: Ich möchte es eigentlich ja gar nicht mehr erwähnen, aber: Wenn auch nur ein kleines Komma gegen Bernd Hoffmann gehen könnte, reagieren einige User sofort total aufgebracht. Mir wurde ja schon vorgeschlagen, nur über fußballerische Dinge zu schreiben, aber kann es das wirklich sein? In jeder Zeitung gibt es doch hin und wieder mal Geschichten oder Geschichtchen über Funktionäre.

Übrigens: Zu Funktionären hatte ich schon immer ein leicht gestörtes Verhältnis, das gebe ich auch zu. Liegt an meiner Zeit als Trainer. Der WFC (Wandsbeker Fußball-Club) war in die Bezirksliga abgestiegen, als ich die Mannschaft übernahm. Bei Amtsbeginn wurde mir versprochen (!) – nicht schriftlich –, dass es bei Aufstieg oder Meisterschaft eine Prämie für mich geben würde. Wir wurden mit nur einer Niederlage Meister und stiegen in die Landesliga auf, ich aber wechselte den Verein (innerhalb der Landesliga). Bei meinem Abschied drückte mir der WFC-Präsident meine Meisterprämie in die Hand. Als ich den Umschlag später aufmachte, fand ich 50 Mark. Doch so viel. Das sollte immerhin die Würdigung meiner einjährigen Arbeit sein, so viel war es dem Klub (den ich immer noch mag!) offenbar wert. Seit dieser Zeit machte ich um Klub-Führungen einen etwas größeren Bogen.

„Elfer“ fragte nach Zlatan Bajramovic, der nun für Frankfurt spielt, einst aber beim FC St. Pauli war. Warum ihn der HSV nicht geholt hat? Keine Ahnung. Ich hatte damals dem Sportchef Holger Hieronymus gesagt, dass ich Bajramovic zum HSV holen würde, wenn es möglich wäre, aber für den HSV war Bajramovic „zu langsam“. Später sah ich in Sarajevo mal ein Länderspiel Bosnien-Herzegowina gegen Deutschland, in dem war Bajramovic der beste Mann auf dem Platz, er spielte einen Jens Jeremies (FC Bayern) total an die Wand. Und wenn wir bei diesem Thema sind: Mit Ivan Klasnic ging es ebenso. Auch er war dem HSV einst zu langsam.

„Tom“ kritisierte mich, dass ich nicht objektiv wäre und ich auf „David Jarolim, Dietmar Beiersdorfer und Frank Rost nichts kommen lassen würde“. Wenn das so ist, hat das aber nichts damit zu tun, dass ich ein Abkommen mit diesen Spielern geschlossen hätte. Das ist nun einmal meine Überzeugung, und warum soll ich gegen meine Überzeugung argumentieren?. Und falls der Herr „Tom“ mal in die Nähe von Frank Rost kommen sollte, dann möge er ihn doch bitte einmal fragen, wie sein Verhältnis zu Dieter Matz sei. Die Antwort dürfte überraschen.

„manglitz“ fragte, wieso ich die „Schmach von Wien“ geschrieben hätte. Kann man natürlich machen. Kollegen von mir haben von einem „Debakel“ geschrieben – das geht eben auch. Ist, so denke ich, Geschmackssache, aber man kann sich selbstverständlich auch an einer solchen Zeile stören – wenn man will.

So, und nun zum Schluss noch kurz zu „lo-king-kai“. Ob Ebi Smolarek dem HSV helfen könnte? Ich plädiere ja dafür, den Stürmer nicht zu verpflichten, aber ich denke trotzdem, dass er dem HSV helfen könnte – und würde. Weil ich denke, dass die Bundesliga ja schon seit Jahren ein Auffangbecken für im Ausland gescheiterte ehemalige Bundesliga-Spieler ist. Smolarek würde hier auf Anhieb wieder zurechtkommen.

So, und damit ist die erste „Matz-ab-Sprechstunde“ beendet, ich wünsche allen einen wunderschönen Wochenbeginn.

Da war mehr drin

20. September 2009

Das war also die Antwort auf die 0:3-Blamage von Wien – ein 1:1 in Frankfurt. Nicht verloren, aber im Hessenland war mehr drin, so empfand ich diese 90 Minuten jedenfalls. Besonders in der zweiten Halbzeit drängte der überlegene HSV die Eintracht oft zurück, hatte das Labbadia-Team einige gute Tormöglichkeiten und vor allem Freistöße, Freistöße, Freistöße. Es ist nur immer wieder verwunderlich, was daraus gemacht wird – beziehungsweise, was nicht daraus gemacht wird! In dieser Woche, da möchte ich dem Trainer Bruno Labbadia keineswegs  vorgreifen, müssten eigentlich Freistöße aus allen Lagen geübt und geprobt werden. So kann es doch nicht weitergehen. Jeder Profi-Coach weiß doch, dass es im heutigen Fußball so ausgeglichen zugeht, dass oftmals Freistöße den Ausschlag geben für Sieg und Niederlage. Der HSV vergibt seine Möglichkeiten nicht, er verschenkt sie leichtfertig. Grausam.
Aber: Immer hin führte ein Freistoß zum Hamburger 1:0, wer hätte das gedacht? Allerdings hatte ich den Eindruck, dass da der gute Nikolov im Eintracht-Tor ein bisschen Angst vor der Kugel hatte. Jedenfalls hat er den Ball abprallen lassen wie eine Jungfrau, so etwas darf in der Bundesliga eigentlich nicht passieren. Dann aber war die Reaktion von Mladen Petric stark, der per Kopf den Torschützen Ze Roberto bediente. Wieder einmal ein frühes Tor der Blitzstarter, doch danach kam in der Offensive nicht mehr so viel vom HSV.

Wobei mir Petric und sein Sturmkollege Marcus Berg ein wenig Leid taten, denn sie hatten es mit einer sehr massiven Eintracht-Defensive zu tun, erhielten darüber hinaus in der Spitze kaum einmal ein verwertbares Anspiel. Zudem fehlte oftmals das Nachrücken der Mittelfeldkollegen, und es gab von den Flügeln kaum einmal die nötige Unterstützung. Bei Eljero Elia hingen die Flügel ein wenig runter, wobei das ein wenig stark untertrieben ist. Ob des die Härte war, die der Frankfurter Franz – wie immer – an den Tag legte?

Apropos Maik Franz: Ich kann es nicht glauben, dass unsere Bundesliga-Schiedsrichter auf diesen Schauspieler so oft hereinfallen. Und ich hoffe, dass sich der Unparteiische dieses Spiels, Thorsten Kinhöfer (Herne), die 90 Minuten noch einmal ansehen wird – um seine Lehren daraus zu ziehen. Lieber Thorsten, wir kennen uns gut, ich schätze Dich und möchte Deine Leistung nicht kritisieren, sondern nur einen Tipp los werden: Maik Franz läuft mit dem Ball am Fuß von einem Hamburger eng verfolgt, fährt dann sein linkes Bein aus, der HSV-Spieler fädelt ein, Franz fällt – Freistoß für Frankfurt. Das passierte gegen Petric und Elia (erste Halbzeit). Wie gesagt, keine Kritik, nur ein Hinweis auf eine Unsportlichkeit. Für mich ist das, was Franz da tut, die etwas andere Schwalbe.

Zurück zum HSV. Beim Ausgleich ließ sich die in der Vergangenheit so oft gelobte Innenverteidigung düpieren. Und das sah nicht gut aus. Zuerst Joris Mathijsen, dann noch schlimmer der Fehler von Jerome Boateng, der Russ einfach aus den Augen verlor. Darf nicht passieren, passiert aber immer mal wieder. Die Frage ist: Passiert das beim HSV öfter als bei anderen Klubs?

Bruno Labbadia riskierte in der Halbzeitpause die Auswechslung Berg gegen Jonathan Pitroipa. Und fast hätte er damit ein „goldenes Händchen“ bewiesen. Aber auch nur fast. Was für eine Schusstechnik, als Pitroipa die Kugel aus zwölf Metern auf das Eintracht-Tor „drosch“? Das war gar keine Schusstechnik, das war so, als stünde dort ein Wald- und Wiesen-Fußballer auf dem Rasen! Unfassbar. Das war eine von vielen guten Möglichkeiten, die der HSV in der zweiten Halbzeit hatte. Die Hessen kamen nur noch einmal vor das Tor von Frank Rost, in der 90. Minute, nach einem Freistoß. Das war eng, sehr eng sogar. So blieb es beim 1:1 – und der HSV, das ist ein kleiner Trost, bleibt in der Bundesliga weiter ungeschlagen.

Und ein Seitenblick noch auf die Freistöße des HSV: Die flogen in Regelmäßigkeit völlig harmlos gen Frankfurter Tor, die meisten Bälle der Hamburger verendeten trostlos im Niemandsland. Mir tun die Leute wie Joris Mathijsen, Guy Demel und Jerome Boateng Leid, die 60 Meter nach vorne rasen und dann mit ansehen müssen, wie die Kugel über ihre Köpfe hinweg ins Aus segelt. Das ist echt arm! Entweder fallen die HSV-Bälle dem ersten Abwehrspieler des Gegners auf den Kopf, oder sie fliegen über Freund und Feind hinweg ins Aus. Wie aber kann es angehen, dass ein Profi einen liegenden Ball nicht wenigstens ab und an mal gefährlich zur Mitte bringen kann? Für mich ist das schon seit Wochen und Monaten unbegreiflich, aber ich bin bescheiden, ich muss ja auch nicht alles begreifen.

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