Tagesarchiv für den 29. September 2009

Petric so gut wie nie

29. September 2009

Frau M. saß ganz gespannt vor dem Fernseher. Im Dritten lief der „Sportclub live“, Star-Gast Mladen Petric. Der HSV-Stürmer saß nicht nur live im Studio, er wurde auch privat als Film gezeigt, die Kollegen sprachen über ihn – und er selbst gab auch bereitwillig Auskünfte über sich. Am Ende des Blocks stellte Frau M. laut fest: „Ich bin ab jetzt Petric-Fan. Der ist ja ganz locker drauf, ist intelligent, ruhig, lächelt smart, und er scheint auch ein toller Vater und ein ganz netter Mensch zu sein.“ Dabei war Frau M. vorher nur Fan von Peter Maffay. Nun also auch noch Mladen Petric. Warum auch nicht? Der sympathische Torjäger befindet sich offenbar in der Form seines Lebens.
Übrigens: Als Mladen Petric davon erfuhr, dass er mit Frau M. nun einen (weiblichen) Fan mehr auf dieser Erde hat, antwortete er spontan: „Wieso erst jetzt?“ Gute Frage. Wahrscheinlich deswegen, weil Frau M. den großartigen Menschen hinter dem erfolgreichen Torjäger erst durch die Kollegen im Dritten richtig kennengelernt hat.

Für Petric war das Bayern-Spiel mit seinem Sieg-Treffer ganz sicher ein Highlight, beim Dienstag-Training hat er auch die Kehrseite des Profi-Lebens zu fühlen bekommen. Erst prallte er mit Guy Demel zusammen – Schmerzen! Dann bekam er die Stollen von Tolgay Arslan ins Gesicht – große Schmerzen! Und dann wurde er auch noch von Joris Mathijsen recht unsanft zu Boden gegrätscht – Frust, Schmerzen und böse Blicke! Selbst Minuten danach noch.
Ohnehin ging es in diesem Training hoch her. Da war Feuer drin, da flogen die Fetzen. Und es gab Worte und Widerworte (Mathijsen, Trochowski, Boateng). Sowie für ein, zwei Sekunden Handgreiflichkeiten (Berg, Boateng). Das war ein Training wie es Trainer lieben, da war Zug drin, da war Kampf drin, da war auch Klasse drin. Wie schon vor einigen Wochen von mir festgestellt, ich muss es wiederholen: Der HSV trainiert unter Bruno Labbadia auf ganz hohem Niveau. Und ich bin sicher, dass sich das auf Dauer auch auszahlen wird.

Wobei ich von vielen Fans (auch beim Training) darauf hingewiesen werde, nur noch nichts von der Meisterschaft zu schreiben. Ihnen genügt es, dass davon schon der eine oder andere Spieler – viel zu verfrüht – spricht. Wie zum Beispiel Ze Roberto und Mladen Petric. Aber was ist denn auch bislang schon passiert? Der HSV ist Erster – okay. Aber der HSV hat auch enorm viele und vor allen Dingen schwerer verletzte Spieler. Und der FC Bayern zum Beispiel hatte in Hamburg mal eben einen Mario Gomez und einen Miroslav Klose auf der Bank sitzen. Nicht ganz so schlecht, oder? Und der HSV? Ihr könnt Euch wahrscheinlich selbst die Antwort geben, oder? Die Saison ist noch so lang.

Natürlich: Der HSV ist Spitzenreiter, hat sechs Punkte Vorsprung auf den großen FC Bayern – diese Momentaufnahme sollten alle HSV-Fans – am 122. Geburtstag des Vereins (großartig, „hsvboerni“!) – ausgiebig genießen. Am Abend darf selbstredend gefeiert werden, aber dann sollte der Ball auch schon wieder gaaaaanz flach gehalten werden. Voller Demut dem nächsten Spiel entgegenblicken. Und das ist die nicht unwichtige Partie gegen Hapoel Tel Aviv. Wie schon von einigen von Euch bemerkt – ich kann es auch nicht so richtig begreifen, dass der Vorverkauf so schleppend läuft, es steht doch viel auf dem Spiel. Wenn es auch mit und in der Europa League weitergehen soll, dann muss diese Begegnung gewonnen werden – mit Eurer Unterstützung. Jene Unterstützung, die gerade von Bayern-Manager Uli Hoeneß ehrlichen Herzens so gelobt wurde.

Apropos: Lob hat nach dem Dienstag-Training auch Ebi Smolarek verdient. Der polnische Testspieler war diesmal ganz anders, viel besser drauf, bewegte sich viel besser als noch am Vortag, als er die Flügel ein wenig hängen ließ. Nicht ganz so gut waren dagegen diesmal Tomas Rincon und Romeo Castelen (einige Stockfehler) drauf. Bei Marcus Berg hielt die Berg- und Tal-Fahrt an, guten Szenen wechselten sich munter mit schlechteren ab. Gut für den HSV: Guy Demel mischte so mit, als wäre er gegen den FC Bayern nicht wegen einer Fuß-Verletzung ausgewechselt worden. Dagegen fehlte Ze Roberto, am Sonnabend von Bastian Schweinsteiger gefoult, auch den zweiten Tag in Folge. Ein Ausfall des Brasilianers für Donnerstag soll aber dennoch nicht drohen.

Wobei ich in diesen Tagen immer wieder höre, wie gut Ze Roberto dem HSV tut – und umgekehrt. Ich behaupte ja, dass er hier noch besser geworden ist, als zuletzt beim FC Bayern. Obwohl er da schon super drauf war. Ich unterhielt mich nun gerade mit dem Comedian Olli Dittrich („Dittsche“), der nicht nur ein großer Schauspieler ist, sondern auch ein exzellenter Fußballkenner. Er sagte mir: „Ich glaube, dass Ze Roberto jetzt so großartig drauf ist, wie seinerzeit in Leverkusen, als er gemeinsam mit Michael Ballack ein Super-Mittelfeld-Duo bildete und so für den Erfolg der Bayer-Truppe sorgte.“ So ist es.
Und um noch einmal auf „gut drauf“ zurückzukommen: Eingangs dieses Berichts schwärmte ich von den menschlichen Qualitäten des Mladen Petric. Ich darf natürlich nicht vergessen, auch die sportliche Seite zu erwähnen. Erinnert Ihr Euch noch? Zu Beginn der Saison hing der gute Mladen leistungsmäßig ein wenig durch. Der eine oder andere von Euch machte sich Sorgen – schrieb diese auch bei „Matz ab“ nieder. Nach dem Ausfall von Paolo Guerrero aber ist Petric voll da. So, als hätte ihm jemand gesagt: „Mladen, mit dir steht und fällt der HSV, du musst jetzt für zwei rennen, kämpfen, spielen und Tore schießen.“ Und so macht er es nun. Ich glaube fest, dass ein Mladen Petric noch nie so viel gelaufen, gegrätscht und gekämpft hat, wie zurzeit. Und das ist einfach nur vorbildlich.

Petric ist selbstbewusst und in absoluter „Geburtstagsform“ – und Ihr dürft nun alle kräftig feiern. Auf die Raute! Aber, wie gesagt, nur einen Abend, danach ist wieder Bodenhaftung für alle angesagt. Besser ist es nämlich.

18.20 Uhr