Tagesarchiv für den 27. September 2009

Sprechstunde II

27. September 2009

Hallo, ist da was aufgelaufen! Ob ich damit auf Dauer auskomme, Eure Fragen am Sonntag zu beantworten? Abwarten. Muss ich mich eben etwas kürzer fassen. Obwohl ich dieses Ziel diesmal noch deutlich verfehlen werde. Es geht los:

„Lars“ fragte, warum es Piotr Trochowski nicht gelingt, gute Standards zu schießen? Das kann ich auch nicht beantworten, ich glaube, dass ganz stark die Form eine Rolle spielt. Ist ein Profi auch nur etwas verunsichert, dann kommen ihm schon beim Anlauf erste Zweifel an sich selbst. Ich weiß nur, dass Trochowski das einst sehr gut konnte, selbst in der Nationalmannschaft. Und ich denke auch, dass das bald wieder so sein wird. Ein, zwei gelungene Freistöße, dann ist die alte Sicherheit wieder da. Und: Bruno Labbadia hat natürlich längst erkannt, dass zu viele Freistöße verschenkt werden – er lässt Standards nun immer wieder fleißig proben.

„Peter“ fragte: „Wenn Marcus Berg kein vollwertiger Stürmer ist, warum spielt er dann in der schwedischen Nationalmannschaft? Und warum war er so teuer? Und warum hat man dann keinen richtigen Knipser geholt?“ Drei Fragen, eine Antwort: Berg stieg erst verspätet ins Training ein, weil er bei der U-21-EM gespielt hatte. Da wurde er Torschützenkönig, und das machte ihn so teuer – logisch. Er galt as Knipser, auf ihn setzte Bernd Hoffmann, der zuvor ja mit dem Brasilianer Vagner Love (ZSKA Moskau) verhandelt hatte. Der ist ein Knipser der Weltklasse, wäre aber noch teurer gewesen als Berg.

Ganz aktuell fragte „strandadonis“, ob Thomas Kroth eventuell Sportchef beim HSV wird? Ich habe den ehemaligen HSV-Profi Thomas Kroth spontan angerufen, habe ihn in Asien aus dem Bett geklingelt, habe mich dafür entschuldigt – und ihn nach dem HSV gefragt. Kroth: „Wie, was – ich weiß von nichts. Ich habe nichts vom HSV gehört, weiß auch nichts davon, dass ich dort Sportchef werden soll.“ Gute Nacht, Thomas, alles klar. Ich glaube ihm, absolut, weil ich ihn genau kenne – da ist nichts dran. Bis jetzt jedenfalls. Vielleicht wird der HSV ja auch jetzt erst darauf aufmerksam. PS: Ich heiße Dieter.

Es kam auch die Frage, ob es ein Fehler des HSV war, in der vergangenen Saison so lange auf drei Hochzeiten getanzt zu haben? Kann sein. Ich sprach darüber damals oft genug mit Martin Jol. Der war in der Klemme, denn er fragte zurück: „Was soll denn der HSV laufen lassen? Den Pokal? Den Europapokal? Die Meisterschaft?“ Und genau das war doch das Dilemma. Was sollte der HSV denn nun wohl sausen lassen? Ich habe keine Antwort darauf gefunden. Dennoch wäre es wohl besser gewesen, nur zwei Hochzeiten zu besetzen. Deswegen kann ich all diejenigen, die über die Osnabrück-Pleite nicht so sehr enttäuscht waren, verstehen. Eine Frage ist Bruno Labbadia nun abgenommen worden.

„Anda“ fragte: „Hat der HSV die falschen Spieler ausgeliehen?“ Das werde ich niemals mit einem „ja“ beantworten. Grundsätzlich ist immer alles falsch – wenn danach ein Spieler woanders trifft und Erfolg hat. Ich glaube ernsthaft, dass der HSV (und Labbadia) alles richtig gemacht hat.

„Peppino“ fragte, woran der Österreicher Markus Schopp (heute 35) einst beim HSV gescheitert ist? Dafür habe ich keine plausible Erklärung. Schopp, so hatte ich den Eindruck, ist nie so richtig in die Mannschaft integriert worden. Weil er es selbst nie so richtig mit Herz betrieben hat? Er wurde, wie man so schön sagt, nie „warm“ beim HSV, er war nie mittendrin, sondern wirklich immer nur dabei. Und ich hatte auch den Verdacht, dass er ein Schönling war, der mehr auf seine geordneten blonden Haare geachtet hat, als auf sein Spiel. Dass er etwas konnte, steht außer Frage, er hat es Jahre danach immer auf hohem Niveau (Brescia, Red Bull Salzburg, österreichische Nati) gezeigt und bewiesen. 

„HSVIngo“ fragte, wie ich darauf komme, dass der HSV einen guten zweiten Anzug hat? Hat er nicht? Ich habe das zu Saisonbeginn von allen Seiten (Fans, Kollegen, HSV-Vorstand) gehört. Weil sich der HSV ja mit fünf sehr guten (!) Spielern verstärkt hatte, und nur Ivica Olic abgegeben wurde. Deswegen habe ich gewagt, ein wenig zu träumen, dass es einen guten zweiten Anzug gäbe. Osnabrück hatte mich dann aber recht unsanft geweckt, gebe ich zu.

„Alexander von Reden“ brachte etwas sehr Gutes zur Sprache (Frage): „Warum weiß beim HSV offensichtlich niemand von der Elfmeter-Analyse des Roland Loy?“ Das weiß ich auch nicht, obwohl ich zugebe, dass ich davon schon gehört habe. Es stimmt ja, dass hoch geschossene Elfmeter meistens sitzen, aber ich glaube auch, dass sich damit Profis und ihre Trainer (die auf jeden Fall) auseinander setzen. Nur mangelt es dann an der Ausführung, das ist dann das Bittere daran.

Noch einmal „strandadonis“, er fragte nach Andreas Fischer: „Was macht er heute?“ Der wackere Mittelfeldspieler lebt in Hamburg (oder in Wedel) und geht einem normalen Beruf nach, er ist als Klimaanlagenmeister tätig. Und so ganz nebenbei – auch ein ganz netter Kerl. Ein Mann des Volkes. Ich versuche bei Gelegenheit, einmal ein Interview mit ihm zu führen.

„Josip Skoblar“ fragte mich, ob „der Tiger seine Zähne verloren hat?“ Hat er? Meine sind noch alle drin, und mein Zahnarzt ist mit meinem Gebiss sehr zufrieden – alle noch hübsch beieinander und fest. Aber im Ernst: Ich habe gelernt, nicht gleich beim ersten Wind an einen Orkan zu denken und alles in Frage zu stellen. Der HSV war und ist Tabellenführer der Bundesliga, warum denn alles verdammen? Was soll ich denn machen, wenn der HSV einmal „nur“ auf Platz vier, fünf oder sechs steht? Nein, meine Zähne sind okay, und ich möchte noch einige Zeit ein ganz kleiner Tiger sein.

„Berti“ fragt: „Warum spielt Pitroipa immer?“ Ich weiß es auch nicht, ganz ehrlich. Im Training drängt er sich so auf, wie Tunay Torun oder Tolgay Arslan – eben kaum. Aber er hat eben etwas, was ihn kostbarer erscheinen lässt: Schnelligkeit. Vielleicht, ich gebe die Hoffnung nicht auf, kommt er ja doch noch einmal. . .

„fresholi“ fragte: „Warum wird Rincon stets ignoriert?“ Ja, warum? Weil er taktisch noch Defizite hat, weil er alles über den Haufen wirft, wenn er „Rot“ sieht?  Und weil er vielleicht gelegentlich so zulangt, dass jeder auf der Bank eine Rote Karte befürchten muss? Für mich trainiert er gut und engagiert, ich hätte ihn zuletzt das eine oder andere Mal sehr wohl mit in den Kader genommen, aber Trainer Labbadia hat eben eine andere Meinung – und nur die zählt.

„Alfred E. Neumann“ schlug einmal mit der Faust (?) auf den Tisch: „Watt ist datt den hier? Herr Matz, zeich die mal wo der Papst die Locken hat.“ Weil es unter Euch hin und her ging. Ich finde das grundsätzlich gut, sehr gut sogar, ich werde das auch nicht unterbinden, und es gibt auch keine „Blog-Polizei“, die das tun würde. So lange Ihr Euch nicht unflätig beschimpft, ist „datt alns k.o. – oder auch okay.

„frank“ fragte, was mit Ebi Smolarek passiert, wenn Paolo Guerrero wieder fit ist? Smolarek ist ja noch nicht da. Und das Bayern-Spiel hat ihm auch nicht gerade in die Karten gespielt. Und sollten später doch beide Stürmer unter Vertrag stehen, dann bestimmt die Leistung sowie Angebot und Nachfrage, wer als Überlebender in Hamburg bleibt.

„HSV-Oliver“ fragt, ob van der Vaart im Winter zurückkommen wird? Und warum die Zweite so schlecht steht? Zum Real-Spieler a. D. habe ich natürlich die Meinung, dass er im Winter einen neuen Klub suchen und finden wird. Aber kommt er zum HSV? Ich glaube fest daran, dass er nicht zu bezahlen sein wird. Es sei denn, er wird ausgeliehen – und sein Gehalt wird von Gönnern bezahlt. Die Chance aber, dass er zum HSV zurückkommt, sehe ich bei 40:60. Und die Probleme der Zweiten? Zu jung, zu satt, zu unkritisch mit sich selbst. Wie sagte es kürzlich Dietmar Demuth (Trainer Babelsberg): „Talent allein genügt nicht.“ Man muss an ein Team denken, immer 100 Prozent geben wollen, und man sollte auch körperlich in der Lage sein, dagegen zu halten. Mit einem Ball zu jonglieren, das allein reicht schon lange nicht mehr.

„Frank L.“ warf mir vor, „neunmalklug“ zu sein und fragte, ob ich einmal Fußballspieler oder Trainer gewesen sei? Jo, war ich. Schon als 16-Jähriger habe ich bei BU die erste und gleichzeitig die zweite Knaben (heute D-Jugend) trainiert: beide Teams wurden Meister. Bei Hinschenfelde trainierte ich die A-Jugend: Meister. Beim 1. SC Norderstedt trainierte ich die C-Jugend: Meister und Aufstieg in die Leistungsklasse. Bei Hinschenfelde trainierte ich die Reserve: Meister. Beim WFC trainierte ich die Erste und die Reserve: beide Mannschaften Meister (Bezirksliga). Zuletzt trainierte ich in der Landesliga den TuS Neu-Steilshoop, diesen Klub habe ich „kaputttrainiert“. Weil ich im Winter zwei Spieler vor die Tür setzte, gingen gleich acht Liga-Spieler. Wir standen da an zweiter Stelle, am letzten Spieltag mussten wir dann gewinnen, um so eben die Landesliga zu halten – 1:0-Sieg. Der Verein aber erholte sich von dem Verlust von acht Spielern nie wieder und „starb“. Leider. Würde ich heute anders machen, damals war ich jung und zu heiß.

Als Spieler war ich bei BU (Amateure), dem WFC (Aufstieg in die Verbandsliga) und bei Hinschenfelde. Ich hoffe, das reicht. Auch um nicht als neunmalklug zu gelten. Als Trainer habe ich einst die B-Lizenz gemacht.

„Elfer“ fragte: „Labbadia will keinen neuen Stürmer, wird da über den Kopf des Trainers eine sportliche Entscheidung getroffen?“ Glaube ich nicht, im Moment, so scheint es, ziehen alle an einem Strang. Es wird sich beim HSV viel und oft unterhalten – und abgestimmt. Da passiert wohl nichts, was Labbadia nicht wollte. Und wenn doch, frage ich ihn mal danach – in aller Heimlichkeit natürlich. Und Ihr werdet es dann erfahren, selbstverständlich.

„rautenträger“ bemerkte, ob es ein Wunder sei, das Torun und Arslan im Training nicht immer einen hoch motivierten Eindruck machen? Ein Wunder nicht, aber es ist unklug. Wer es als junger Mann bis an den Rand einer (solchen) Profi-Mannschaft gebracht hat, der sollte immer Gas geben, überall – auch im Training. Ansonsten könnte man schnell mal weg vom Fenster sein. Und: Klasse setzt sich immer durch, davon bin ich überzeugt, also müssen sie sich anbieten. Durch gute Leistungen im Training vor allem.

„Stefan“ fragte. Ob ich „gute Miene zum bösen Spiel beim DSF-Doppelpass“ mache, wenn ich dort sitze? Keineswegs. Ich mag dies Sendung, ich mag die Kollegen dort sehr, ich glaube auch, dass diese Sendung allgemein bei den Fußball-Freunden im Lande gut oder auch bestens ankommt. Ich gebe zu, dass der HSV oft nur eine Randnotiz dabei ist, aber das ist Tradition. Der Doppelpass kommt aus München, der FC Bayern hat in Deutschland die meisten Fans und ist in der Vergangenheit immer der beste Klub (auch international) gewesen – dem trägt man beim DSF Rechnung. Ich gestehe aber nochmals: Der HSV ist dort unterrepräsentiert. Das sagte Martin Jol auch schon in seinem ersten und einzigen HSV-Jahr. Die HSV-Fans mögen sich trösten, denke ich: Bayern hat die meisten Anhänger, der HSV die besten!

„halstenwilli“ fragt, warum „Bernd Hoffmann und Dietmar Beiersdorfer nicht einfach über ihre Schatten springen“ können? Ganz klar: Das wird nichts mehr, die Fronten sind zu verhärtet. Beiersdorfer wird wohl, zu 99 Prozent, zum Jahresende zu Red Bull Salzburg gehen.

Und zuletzt zu „Dylan 1941“. „Was hätte Willi Schulz wohl erzählt, wenn der Ball von Robben beim Stande von 0:0 ins Tor getrudelt wäre?“ Ich behaupte: Dann hätte Mladen Petric eben zwei Tore geschossen. Und Ende. Ein Wort zu Udo Lattek: Der passt super in diese Welt, ist in Ordnung – und war der beste und erfolgreichste Trainer der Welt.

“Volker Schindler” warf mir vor, David Jarolim beim Lob nach dem Bayern-Sieg vergessen zu haben. Hatte ich nicht, ich wollte nur nicht schon wieder als Jarolim-Liebhaber entlarvt werden, man muss hier ja enorm aufpassen, was man sagt und schreibt. Vieles, was positiv gemeint wurde, endet dann doch negativ. Ich gebe aber natürlich zu, dass Jarolim auch ein großartiges Spiel gemacht hat.

Gaaaanz zum Schluss sei mir noch ein Satz nach Österreich gestattet: Was auch immer „Gosinga Mandl“ heißt, wofür es auch immer steht: Vielen Dank für die netten Worte, ich werde mich bemühen, diesen Ansprüchen immer gerecht zu werden – und auch zu bleiben.

23.10 Uhr

Oktoberfest in Hamburg

27. September 2009

Das wahre Oktoberfest fand doch in Hamburg statt, oder? Was war das für eine Stimmung! In der Arena, in den VIP-Räumen, in der Stadt. Als hätte der HSV endlich einen Titel gewonnen. Sensationell. „Dieser 1:0-Sieg tut der ganzen Stadt gut“, sagte HSV-Vorstandsmitglied Katja Kraus. Und HSV-Boss Bernd Hoffmann befand: „Jetzt hört endlich das Jammern um den Ausfall von Paolo Guerrero auf, denn die Mannschaft hat allen bewiesen, dass es auch ohne ihn geht – es muss ja ohne ihn gehen, denn er wird uns ja noch Monate fehlen. Leider.“ Und „World-Cup-Willi“ Schulz saß glückselig in der Delta-Loge, es wurde gerade in Orkan-Lautstärke „Wahnsinn“ von Wolfgang Petry (sorry, war ein Fehler!) gefetzt, als er sagte: „Dieser Sieg war hoch verdient, der HSV hat eine Klasse-Partie abgeliefert – weil diese HSV-Mannschaft auch Klasse hat. Sie braucht sich auf keinen Fall hinter den Bayern zu verstecken.“
Treffer. Genau so ist es. Und endlich wieder einmal, zum ersten Mal in dieser Saison, zu Null! Das ausgerechnet gegen den großen FC Bayern! Das lässt sich prächtig feiern.

Zumal dieser Erfolg vorher wahrscheinlich bei jedem zweiten HSV-Fan als „völlig ausgeschlossen“ galt. Ich gebe zu, ich bin einer von den „Zweiten“. Aber auch diejenigen, die immer optimistisch geblieben sind, haben ihrem Team wahrscheinlich eine solche Leistung auch nicht (unbedingt) zugetraut. Das war ein wahrlich großartiges Spitzenspiel, da war von der ersten bis zur letzten Minute Tempo drin, da gab es keine Abtastphase, da gab es kein langes Hin-und-Her-Geschiebe vor dem eigenen Strafraum, da ging es munter und vor allem ideenreich zur Sache. „Wieso gegen die Bayern, wieso geht das nicht gegen den VfL Osnabrück?“, fragte der frühere HSV-Geschäftsführer (und langjähriger Kapitän der „Zweiten“) Günter Schiefelbein nach dem Sieg und gab sich selbst die Antwort: „Das ist alles eine Sache des Kopfes.“ Genau so ist es.
Willi Schulz hatte während des Spiels noch eine kurze Unterredung mit dem Bundestrainer. Unser ehemaliger Weltklasse-Stopper gab preis: „Ich habe Jogi Löw gesagt, dass es schon immer zwei Türen bei der Nationalmannschaft gab. Eine, die die Spieler rein lässt, und eine, durch die die Spieler wieder raus gehen, wenn sie die Leistung nicht mehr bringen.“ Die erste Tür wurde nun (wenn nicht jetzt, wann dann?) ganz weit für Jerome Boateng geöffnet. Der ehemalige Berliner bot eine Weltklasse-Leistung, die viele zu dieser Frage veranlasste: „Welcher deutsche Abwehrspieler st derzeit stärker?“ Die Antwort ist klar: „Keiner!“ Und, was zudem für Boateng spricht: Er spielte diesmal erneut auf einer anderen Position, diesmal hinten links. Und Arjen Robben weiß nun ziemlich genau, wer Jerome Boateng ist.

Zu Ze Roberto habe ich bereits alles gesagt, von Euch kam der Einwand, dass er nicht nur „einer von den vier, fünf Besten der Liga“ ist, sondern der Beste – da werdet Ihr von mir keinerlei Widerspruch ernten. Allein der Alleingang, den Bastian Schweinsteiger nur noch mit einem Foul stoppen konnte, war das Eintrittsgeld wert. Das ist schon erste Sahne, was der Brasilianer kann und auch abliefert. Und solltet Ihr noch die Gelegenheit haben, das 1:0 von Mladen Petric anzusehen, dann achtet bitte einmal genau darauf, mit welch einer Ruhe Ze Roberto nicht nur in den Strafraum eindringt, sondern ganz gelassen (natürlich in Bruchteilen von Sekunden) nach einem Ball-Abnehmer Ausschau hält. Das ist die Klasse und die Routine von Ze Roberto, ein „jüngerer Hüpfer“ würde spätestens dann hektisch werden, wenn er mit dem Ball am Fuß Richtung Torauslinie läuft. Und Torschütze Mladen Petric? Der hatte kurz nach Saisonbeginn ein kurzes Tief, blüht jetzt aber total auf, spielt super, abgeklärt, sicher und selbstbewusst, ist, so denke ich, zurzeit in Bestform – gerade rechtzeitig (wegen Guerrero).

„Diesmal gibt es wirklich nichts, absolut nichts zu meckern“, gab der sonst so kritische Victoria-Trainer Bert Ehm (auch HSV-Mitglied) nach dem Sieg zu. Und er findet sonst (wir eigentlich gemeinsam) immer etwas, an dem es was zu mäkeln gibt, diesmal war er nur schwer begeistert. Sogar David Rozehnal erhielt ein Ehm-Lob (was ich absolut teile): „Nach einem kapitalen Fehlpass hat er sich kontinuierlich gesteigert, da hat er gezeigt, warum er tschechischer Nationalspieler ist.“
Es gab von allen eine Steigerung. Auch von Marcus Berg. Für den habe ich mich nach dem 1:0 ganz besonders gefreut, denn wie er strahlend inmitten der jubelnden Truppe stand, wie er sich mit dem Torschützen Mladen Petric gefreut hat – das bestärkt mich darin, dass dieser junge Berg erstens voll von dieser Gemeinschaft akzeptiert ist, dass er beim HSV mittendrin und nicht nur dabei ist, und das er noch kommen wird.

Übrigens: Der Reim zu diesem Spiel lautete ja: „Bayern kommt ja jetzt mit Robben, doch den können wir noch toppen, München lernt Elia kennen, denn der robbt nicht, der wird rennen.“ Und, was war? Elia hat einigen Bayern Knoten in die Beine gespielt. Er ist nach einem kurzen Tief wieder da.

Wie wohl auch Dennis Aogo. Im Mittelfeld benötigte er einige Minuten Anlaufzeit, dann aber war er da. Sehr gut sogar. Joachim Löw wird es mit Freude registriert haben, denn er muss ja auch an die Zukunft denken – und nicht unbedingt nur an Südafrika (und die WM).
Stark, auch wenn er eigentlich immer so spielt, die 90 Minuten von Joris Mathijsen. Er stand wieder einmal wie den Bank von Holland, räumte kräftig auf und ab, wurde einmal sogar (im Sitzen) handgreiflich gegen Münchens Müller.
Pech hatte erneut Guy Demel. Ihm trat Franck Ribery unabsichtlich auf den Fuß, so dass Demel verletzt raus musste. Wieder einmal. „Ich habe kein gutes Gefühl“, sagte der HSV-Abwehrspieler später. Soll heißen, dass er wohl erneut eine längere Pause einlegen muss. Am Montag soll eine Kernspinuntersuchung Aufschluss über die Schwere der Verletzung geben, aber auch Trainer Bruno Labbadia hatte unmittelbar nach dem Schlusspfiff schon eine schlechte Vorahnung. Befürchtet wird ein Bänderriss.

Ganz zum Schluss noch ein kurzer Blick zum FC Bayern: Ich unterhielt mich vor und nach dem Spiel zweimal kurz mit Uli Hoeneß. Nach dem 0:1 war der Manager naturgemäß nicht sonderlich gut drauf, aber auf mich wirkte er gefasst. Und, was besonders hervorzuheben ist, er lobte etwas, was nicht jeder „Gegner” lobt: „Die Hamburger haben ein fantastisches Publikum, die Fans haben ihr Team 90 Minuten lang hervorragend unterstützt und nach vorne gepeitscht, das ist schon toll, was hier abgeht.” Zu den drei „Hamburgern” im Team der Münchner auch noch eine kurze Einschätzung: Jörg Butt hat eine überragende Partie gespielt, Daniel van Buyten auch, das sollten alle, auch die, die ihn ständig ausgepfiffen haben, sportlich fair anerkennen. Und Ivica Olic? Er wollte wohl, aber er konnte (und durfte dank der HSV-Abwehr und des guten Frank Rost) nicht.
1:0-Siege, so heißt es im Fußball immer, sind die schönsten Siege – und ein 1:0-Sieg über die Bayern ist ganz sicher wunderschön. In diesem Sinne wünsche ich Euch eine wunderschöne Woche.

15.40 Uhr