Tagesarchiv für den 26. September 2009

Ze Roberto sorgt für den Feiertag

26. September 2009

Zuerst einmal ein Kompliment an den HSV nach den drei Auftritten in Wien, Frankfurt und Osnabrück war das wieder der „alte HSV“, und der war klasse. Ich hätte der Labbadia-Mannschaft einen solchen Auftritt nicht zugetraut, das muss ich gestehen, deswegen Hut ab! Da war Tempo drin, da war Klasse drin, das Hamburger Team spielte richtig gut mit, war auf Augenhöhe mit dem Starensemble aus München – ganz stark. Der Wille war da, die Konzentration, der Biss, das Herz. Und das alles wurde mit diesem traumhaften 1:0-Erfolg belohnt. Endlich wieder ein ganz großer Feiertag für Hamburg:  “Zieht den Bayern die Lederhosen aus!”
„Warum soll ich nicht an einen Erfolg von uns glauben? Was ist denn schon passiert? Wir sind raus aus dem Pokal, aber wir sind immer noch in der Bundesliga-Spitze. Ich will auch nichts von einem 1:1 hören, ich will hier und heute gewinnen“, sagte HSV-Boss Bernd Hoffmann vorher entschlossen.

Ähnlich aufgekratzt, fast schon aggressiv war auch die Stimmung in der Schüssel vor dem Anpfiff. Frank Rost erhielt im Norden großen und aufmunternden Beifall, für „Heimkehrer“ Ivica Olic gab es sogar viel Applaus, und für den nach einem Trainingsunfall am Auge und an der Nase genähten Jörg Butt sowie besonders Daniel van Buyten gab es ein großes hanseatisches Pfeifkonzert. Im Fußball lassen die Hamburger eben nicht mit sich spaßen, und anscheinend können sie auch nach Jahren noch immer nicht verzeihen.

Bruno Labbadia hatte die richtigen Maßnahmen ergriffen. Eljero Elia in der Spitze neben Petric, Jerome Boateng hinten links, David Rozehnal weiter in der Defensivzentrale – das alles funktionierte. Elia wirkte wieder spritzig und sehr gut erholt, Rozehnal etwas stabiler, und Boateng gab vor den Augen den Bundestrainers Joachim Löw erneut eine astreine Bewerbung für die Nationalmannschaft ab. Fast hätte der HSV-Abwehrspieler sogar ein Tor erzielt, doch Jörg Butt hielt den Boateng-Schuss in weltmeisterlicher Manier (30.) – dieser Schuss war eigentlich gar nicht zu halten! Wie nur Sekunden später auch der Flachschuss von Joris Mathijsen, Butt fuhr reflexartig seinen linken Fuß aus – und wieder kein Tor für den HSV.

Was erfreulich war: Der HSV hat nicht nur an den Standards fleißig gearbeitet, er hat sich auch schon verbessert. Weil offenbar mit viel mehr Konzentration an die Freistöße heran gegangen wurde. Da möchte man sagen: „Na bitte, es geht doch!“

Das gilt auch für Ze Roberto. Zum Glück hatte die medizinische Abteilung des HSV den Brasilianer rechtzeitig auf die Beine stellen können, der „große Ze“ dankte es mit einer (erneut) Klasse-Leistung. Unfassbar, mit was für einer Ruhe der Neu-Hamburger den Ball behauptet, obwohl er gleich von mehreren Gegenspieler bedrängt wird. Das können in dieser Bundesliga höchstens vier, fünf andere Spieler, denn dazu muss man perfekt am Ball sein und eine unglaubliche Körperbeherrschung haben – Ze Roberto hat auch mit seinen 35 Jahren (immer noch) alles. Das bewies er nicht zuletzt bei seiner Vorarbeit zum 1:0. Traumhaft, wie „Ze“ dem langen Mario Gomez die Hacken zeigte, mit Auge dann der Pass in die Mitte zu Mladen Petric, der ohne große Mühe vollendete. Dieser Treffer gehört mindestens zu 50 Prozent Ze Roberto – welch ein Glücksgriff des HSV.
Und wobei wir gerade beim reifen Fußballer-Alter (im Hamburger Team) sind: Frank Rost hatte ja auf seiner Homepage viele selbstkritische Worte bezüglich des haltbaren 0:2-Treffers von Osnabrück gefunden (auch hier mein Kompliment für die Ehrlichkeit!), und er stellte sich diesmal wieder mit einer ruhigen, abgeklärten und fehlerlosen Klasse-Partie ganz in den Dienst der Mannschaft.

20.23 Uhr

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