Tagesarchiv für den 25. September 2009

Der Koloss birgt Chancen

25. September 2009

Die Schwarzmalerei für das Bayern-Spiel, die ich auch vielen Kommentaren entnommen habe, ließe sich nach den Eindrücken der jüngsten Partien, vor allem der Pleite in Osnabrück, problemlos fortsetzen. Aber ich möchte an dieser Stelle auch mal eine Lanze für den HSV und für seine Spieler brechen. Tabellenführer wird man schließlich nicht durch Zufall. Die Spitzenposition in der Liga ist ein Zeichen erfolgreicher Arbeit, und die Bayern werden entgegen aller großmundigen Ankündigungen aus München eben auch mit einer großen Portion Respekt in die Hansestadt kommen.

Darum möchte ich in diesem Beitrag auch einmal intensiver auf die Chancen des HSV eingehen, die sich aus meiner Sicht gegen die Bayern ergeben könnten. Denn ähnlich wie die gestern aufgezeigten Baustellen im HSV-Team sind meiner Meinung nach auch die Bayern noch nicht in dem Zustand, dass man sie als dominante „Durchstarter“ betrachten sollte oder müsste.

Ein gutes Beispiel für die in dieser Saison oft wechselhaften Bayern und für ihren Balanceakt zwischen offensiver Brillanz und defensiver Anfälligkeit ist Daniel van Buyten. Als die Bayern ihn einst aus Hamburg an die Isar lotsten, waren sie begeistert von diesem belgischen Koloss. Als „Fels in der Brandung“ sollte er die bayrische Überlegenheit noch ausbauen, sollte zur Führungsfigur werden. In Hamburg, das möchte ich nicht verheimlichen, auch wenn es aus dem „Nähkästchen“ kommt, waren die Kollegen und viele Verantwortliche gar nicht so traurig, dass van Buyten die Mannschaft verließ. Nach seiner anfänglichen Teamplayer-Haltung wandelte sich der Belgier nämlich mehr und mehr zum Egoisten. Ein Spieler sagte einmal zu mir: „Achte mal darauf, was Daniel nach Gegentoren sagt.“ Tatsächlich schob er einige Verantwortung für Gegentreffer Nebenleuten zu, manchmal auch nur indirekt. Und bei einem Großteil seiner Weggefährten hat er es sich dann endgültig verscherzt, als er öffentlich seine Versetzung in den Angriff forderte. Frei nach dem Motto: Die anderen sind so schlecht, das kann ich besser…

Nun gut, in München kann sich van Buyten ein derartiges Verhalten natürlich nicht erlauben. Eigentlich stand er, das weiß ich aus mehreren Bayern-Quellen, sogar schon auf dem Abstellgleis. „Bundesligatauglich“ hieß es vor Louis van Gaals Antritt als Trainer, gerade auf internationalem Niveau aber mit zu vielen defensiven Defiziten behaftet. Im sportlichen Klartext: Van Buyten ist als kopfballstarker, körperlich dominanter Verteidiger gut, besticht (und blendet vielleicht auch etwas) durch seine Torerfolge und ist zudem eine imposante Erscheinung, die – und jetzt kommen die Einschränkungen – allerdings nicht über einige Defizite hinwegtäuschen. Van Buytens Stellungsspiel bei schnellen gegnerischen Vorstößen ließ in den vergangenen Monaten einige Schwächen erkennen, und in Sachen Geschwindigkeit und Wendigkeit macht er auch nicht immer den besten Eindruck. Da sollten David Jarolim und Ze Roberto, die van Buytens Spiel bestens kennen, ihren Kollegen wertvolle Tipps geben können.

Eine weitere „Baustelle“ betrifft beim FCB die Mittelfeldzentrale. Tymoshchuk hat da noch längst nicht die Führungsqualitäten offenbart, die man sich von dem Neuzugang erhofft hat. Ich bin besonders gespannt, wie er sich im direkten Aufeinandertreffen mit Jarolim zeigen wird. „Jaro“ ist vielleicht nicht der Schnellste, und seinen Schüssen kann man leider oft „Brötchen nachwerfen“, wie es Hamburgs Amateurtrainer nur zu gerne vom Spielfeldrand reinschreien, aber mit Zé Roberto bildet der Tscheche ein kongeniales Duo, das einen Spielrhythmus auch auf höchstem Niveau bestimmen kann. Den Bayern fehlt im Mittelfeld ein – ich sage es jetzt mal ganz flapsig – „Drecksacktyp“ der Marke van Bommel. Einer, der auch mal physische Zeichen setzt. Einen, der den Unmut der Gegner und Fans gegen sich aufbringt. Einen, der sein Team durch unkonventionelle Maßnahmen auf dem Platz auf- und mitunter sogar wachrüttelt, der das (Möchtegern-)Siegergen offen zur Schau trägt.

Immerhin in einer Sache sind wir uns wohl diesmal alle einig: Wir freuen uns auf Ivica Olic. Die Bayern werden staunen, welche positiven Reaktionen der Kroate hier immer noch hervorruft, obwohl er nun bei einem der ärgsten Widersacher spielt. Und wenn er denn ohne Torerfolg bleibt, wird Olic wohl auch entsprechend positiv verabschiedet werden.

Die Gewinner hätte ich fast vergessen: Philipp Schmidt gewann das Trikot von Volker Schmidt – Zufall, es haben sooo viele Schmidts mitgemacht.

Die zwei Karten bekommt Dennis Borske aus Hamburg.

Die Lösung lautete 0:4. So deutlich verlor der HSV sein erstes Heimspiel in der Bundesliga gegen den FC Bayern.

13:50 Uhr