Tagesarchiv für den 21. September 2009

Smolarek zur Probe

21. September 2009

Jetzt also doch. Ebi Smolarek kommt zum HSV. Erst einmal auf Probe, aber ich glaube nun fest daran, dass er doch noch verpflichtet wird. Die Zeichen stehen für mich eindeutig auf Notkauf. Auch wenn Trainer Bruno Labbadia gestern noch befand: „Wenn ein Spieler so lange nicht gespielt hat, dann benötigt er erfahrungsgemäß eine wochenlange Phase, um den Rückstand aufzuholen.“ Ob Smolarek das schaffen wird? Ob er sich zur Soforthilfe für den HSV entwickeln kann, das wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Wie ich schon in der „ersten Sprechstunde“ schrieb, bin ich davon überzeugt, dass es Smolarek in der Bundesliga noch einmal packen wird, und zwar sehr schnell. Ich habe  in den vergangenen Tagen mit einem Dortmunder Kollegen telefoniert, der mir nur das beste Zeugnis für den ehemaligen BVB-Stürmer ausgestellt hat. Der „Ebi“ ist immer noch ein Publikumsliebling in Westfalen, am liebsten hätten sie ihn in Dortmund sogar zurück, doch dazu fehlt das nötige Geld. Und es gibt da noch die eine Tatsache, dass die Borussia mit ihren Angreifern (angeblich) sehr zufrieden sein soll.
In Sachen Sturm-Verstärkung läuteten dann für mich am Montag nach dem Vormittagstraining die Glocken noch ein wenig lauter, als ich Marcus Berg hörte. Der Schwede sagte bemerkenswerte Sätze. Einer davon lautete: „Ich fühle mich frisch, aber ich bin nicht in Form.“ Und ein anderer lautete: „Es gibt beim HSV mit Mladen Petric und mir zwei gestandene Stürmer, und mit Tunay Torun und Tolgay Arslan zwei jüngere. Ich würde dem HSV in der derzeitigen Situation raten, noch einen erfahrenen Mann für den Angriff zu verpflichten.“ Nach Petric sagte es nun sogar Berg. Wobei ich den Eindruck habe, dass seine Formschwäche vor allem am mangelnden Selbstvertrauen (und an den hohen Erwartungen der Hamburger) liegt – aber er redet sich leider ein wenig zu klein, ein wenig zu schlecht, der junge Schwede. Allerdings weiß ich nicht, ob das wirklich nur ein schlechtes Zeichen ist? Vielleicht ist der talentierte Stürmer ja nur viel selbstkritischer als so mancher Mitspieler, der noch so schlecht spielen kann, aber von schlechter Form nichts wissen will? Früher gab es einen netten Slogan in Deutschland: „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“. Wenn Marcus Berg weiß, dass er zurzeit nicht in Bestform ist, dann wird er sicher alles dafür tun, diesen Zustand ändern zu wollen.
Bei der Gelegenheit kann ich schnell noch den Wunsch von „Letche“ erfüllen, der sich nach meinen Trainingseindrücken von Torun und Arslan erkundigte. Die Beobachtungen sind die, und da kann ich meinen Abendblatt-Kollegen Christian Pletz durchaus mit einbeziehen, dass die beiden jungen Leute im Moment ein wenig „durchhängen“. Ich habe nicht den Eindruck, als seien sie im Moment in jener Form, in der der Trainer ihnen einen (Kurz-)Einsatz in der Bundesliga zutrauen würde und könnte. Eher ist das Gegenteil der Fall, Torun und Arslan bieten sich zurzeit keineswegs für höhere Aufgaben an, weil sie nicht die Leistungen bringen, die sie eigentlich bringen könnten. Es fehlt ihnen im Moment ein wenig an Biss, Konzentration, Durchsetzungsvermögen – und sicher fehlt auch ein großer Schuss Selbstbewusstsein.
Dazu passt allerdings, dass am Montag auch Jonathan Pitroipa in Sachen Leistung ein wenig abfiel, obwohl doch nur neun Feldspieler (plus Wolfgang Hesl) trainierten. Vielleicht aber fiel es genau deswegen so deutlich auf, dass Pitroipa schwächelte, dass er auf mich sogar ein wenig lustlos wirkte. Eine Vorstellung, wie es sie eigentlich in den vergangenen Wochen noch nie von ihm gegeben hat. Eventuell lag es daran, dass er ein wenig darüber „maulte“, dass er ja auch in Frankfurt eingewechselt wurde, dennoch mit jenen Spielern auf den Rasen gebeten wurde, die nicht zum Einsatz gekommen waren (außer Robert Tesche und Romeo Castelen) – während sich die Stammspieler pflegen lassen konnten. Das aber wirklich nur eventuell, ich kann es lediglich vermuten und will ihm da keineswegs etwas unterstellen.
Am Rande des Trainingsplatzes war übrigens auch Marcell Jansen aktiv, gemeinsam mit Reha-Trainer Markus Günther. Jansen lief schon wieder sehr flott, aber auf einen baldigen Einsatz des Nationalspielers darf sich dennoch noch niemand freuen, denn Bruno Labbadia dämpfte alle zu frühen Erwartungen: „Das dauert noch eine ganze Weile.“ Weil der Trainingsrückstand zu groß ist. Und zudem muss Jansen ja auch erst noch beweisen, dass er gesundheitlich auch mal eine gewisse Konstanz an den Tag legen kann.
Zum Schluss noch einige kleine Randbemerkungen:
Auch wenn es der „Peter“ nicht so gerne liest („Jetzt ist gut mit Golz, Dörfel und Konsorten“), ich hoffe dennoch, dass es sehr wohl noch den einen oder anderen HSV-Fan interessiert: Thomas Doll, einst ja Publikumsliebling in Hamburg, eilt in der Türkei mit seiner No-name-Mannschaft von Genclerbirligi von Sieg zu Sieg. Nun verriet mir Doll, dass ihn sein Präsident sogar schon vorzeitig zu einer Vertragsverlängerung um zwei Jahre bewegen wollte. Das ist deswegen so spektakulär, weil Genclerbirligi in den vergangenen 24 Monaten sage und schreibe zwölf Trainer (!) „verbraucht“ hat.
Dann hat der nette Radio-Kollege und Kult-Reporter Manni Breuckmann ein neues Buch geschrieben, es geht um „die 50 legendärsten Szenen des deutschen Fußballs“. Zwei von den 50 beschäftigen sich auch mit dem HSV: Einmal die schlimme Torhaken-Geschichte, die das Ende der großartigen Karriere von Ditmar Jakobs bedeutete, dann findet auch noch das „Traumtor“ von Felix Magath im Europapokal-Finale 1983 gegen Juventus Turin noch Erwähnung.
Ein anderer Punkt: Bei einigen von Euch stieß ja wohl übel auf, dass sich Ivica Olic nun bei den Bayern als „Star“ fühlt. Seht es ihm bitte nach, er hat es sicher nicht als Provokation gemeint. Olic ist ein unheimlich netter und bescheidener Mensch, der stets auf dem Teppich geblieben ist, er würde niemals so großspurig auftreten, wie man es nun vermuten könnte. Er hat es sicher ganz anders gemeint. Und ich weiß auch, dass er sich in Hamburg stets unheimlich wohl gefühlt hat, dass er stets gerne an diese Zeit zurückdenken wird. Ivica Olic ist ein ganz lieber Kerl, ein Profi zum Anfassen, und ganz sicher will er dem HSV und den HSV-Fans nichts Schlechtes. Und: Sollte er am Sonnabend doch ein Tor gegen den HSV schießen, so ist das nur seine Aufgabe, für die er nun vom FC Bayern bezahlt wird. Denkt bitte noch einmal zurück: Olic gab im Januar seinen Wechsel nach München bekannt. Danach hieß es in Hamburg: „Jetzt wird er sich schonen, jetzt wird er nur noch an München denken, jetzt kannst du Olic für den Rest der Saison vergessen.“ Und? Was war tatsächlich? Er hat alles, wirklich alles für den HSV gegeben – bis zuletzt. So vorbildlich nämlich ist die Einstellung zu seinem Fußball-Profi-Job. Also, nochmals meine große Bitte an Euch: Verdammt ihn nicht, Ihr würdet einen Falschen treffen.
Und zuletzt möchte ich noch auf das „Matz-ab“-Gewinnspiel hinweisen, bei dem es neben dem Volker-Schmidt-Trikot immerhin auch zwei Karten für das Bayern-Spiel (sollen ja Raritäten sein!)  am Sonnabend abzustauben gibt. Sicher ein kleiner Anreiz, dieser Liga-Knüller – und auch ein bisschen Hoffnung, eventuell doch noch dabei zu sein.

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