Tagesarchiv für den 20. September 2009

Da war mehr drin

20. September 2009

Das war also die Antwort auf die 0:3-Blamage von Wien – ein 1:1 in Frankfurt. Nicht verloren, aber im Hessenland war mehr drin, so empfand ich diese 90 Minuten jedenfalls. Besonders in der zweiten Halbzeit drängte der überlegene HSV die Eintracht oft zurück, hatte das Labbadia-Team einige gute Tormöglichkeiten und vor allem Freistöße, Freistöße, Freistöße. Es ist nur immer wieder verwunderlich, was daraus gemacht wird – beziehungsweise, was nicht daraus gemacht wird! In dieser Woche, da möchte ich dem Trainer Bruno Labbadia keineswegs  vorgreifen, müssten eigentlich Freistöße aus allen Lagen geübt und geprobt werden. So kann es doch nicht weitergehen. Jeder Profi-Coach weiß doch, dass es im heutigen Fußball so ausgeglichen zugeht, dass oftmals Freistöße den Ausschlag geben für Sieg und Niederlage. Der HSV vergibt seine Möglichkeiten nicht, er verschenkt sie leichtfertig. Grausam.
Aber: Immer hin führte ein Freistoß zum Hamburger 1:0, wer hätte das gedacht? Allerdings hatte ich den Eindruck, dass da der gute Nikolov im Eintracht-Tor ein bisschen Angst vor der Kugel hatte. Jedenfalls hat er den Ball abprallen lassen wie eine Jungfrau, so etwas darf in der Bundesliga eigentlich nicht passieren. Dann aber war die Reaktion von Mladen Petric stark, der per Kopf den Torschützen Ze Roberto bediente. Wieder einmal ein frühes Tor der Blitzstarter, doch danach kam in der Offensive nicht mehr so viel vom HSV.

Wobei mir Petric und sein Sturmkollege Marcus Berg ein wenig Leid taten, denn sie hatten es mit einer sehr massiven Eintracht-Defensive zu tun, erhielten darüber hinaus in der Spitze kaum einmal ein verwertbares Anspiel. Zudem fehlte oftmals das Nachrücken der Mittelfeldkollegen, und es gab von den Flügeln kaum einmal die nötige Unterstützung. Bei Eljero Elia hingen die Flügel ein wenig runter, wobei das ein wenig stark untertrieben ist. Ob des die Härte war, die der Frankfurter Franz – wie immer – an den Tag legte?

Apropos Maik Franz: Ich kann es nicht glauben, dass unsere Bundesliga-Schiedsrichter auf diesen Schauspieler so oft hereinfallen. Und ich hoffe, dass sich der Unparteiische dieses Spiels, Thorsten Kinhöfer (Herne), die 90 Minuten noch einmal ansehen wird – um seine Lehren daraus zu ziehen. Lieber Thorsten, wir kennen uns gut, ich schätze Dich und möchte Deine Leistung nicht kritisieren, sondern nur einen Tipp los werden: Maik Franz läuft mit dem Ball am Fuß von einem Hamburger eng verfolgt, fährt dann sein linkes Bein aus, der HSV-Spieler fädelt ein, Franz fällt – Freistoß für Frankfurt. Das passierte gegen Petric und Elia (erste Halbzeit). Wie gesagt, keine Kritik, nur ein Hinweis auf eine Unsportlichkeit. Für mich ist das, was Franz da tut, die etwas andere Schwalbe.

Zurück zum HSV. Beim Ausgleich ließ sich die in der Vergangenheit so oft gelobte Innenverteidigung düpieren. Und das sah nicht gut aus. Zuerst Joris Mathijsen, dann noch schlimmer der Fehler von Jerome Boateng, der Russ einfach aus den Augen verlor. Darf nicht passieren, passiert aber immer mal wieder. Die Frage ist: Passiert das beim HSV öfter als bei anderen Klubs?

Bruno Labbadia riskierte in der Halbzeitpause die Auswechslung Berg gegen Jonathan Pitroipa. Und fast hätte er damit ein „goldenes Händchen“ bewiesen. Aber auch nur fast. Was für eine Schusstechnik, als Pitroipa die Kugel aus zwölf Metern auf das Eintracht-Tor „drosch“? Das war gar keine Schusstechnik, das war so, als stünde dort ein Wald- und Wiesen-Fußballer auf dem Rasen! Unfassbar. Das war eine von vielen guten Möglichkeiten, die der HSV in der zweiten Halbzeit hatte. Die Hessen kamen nur noch einmal vor das Tor von Frank Rost, in der 90. Minute, nach einem Freistoß. Das war eng, sehr eng sogar. So blieb es beim 1:1 – und der HSV, das ist ein kleiner Trost, bleibt in der Bundesliga weiter ungeschlagen.

Und ein Seitenblick noch auf die Freistöße des HSV: Die flogen in Regelmäßigkeit völlig harmlos gen Frankfurter Tor, die meisten Bälle der Hamburger verendeten trostlos im Niemandsland. Mir tun die Leute wie Joris Mathijsen, Guy Demel und Jerome Boateng Leid, die 60 Meter nach vorne rasen und dann mit ansehen müssen, wie die Kugel über ihre Köpfe hinweg ins Aus segelt. Das ist echt arm! Entweder fallen die HSV-Bälle dem ersten Abwehrspieler des Gegners auf den Kopf, oder sie fliegen über Freund und Feind hinweg ins Aus. Wie aber kann es angehen, dass ein Profi einen liegenden Ball nicht wenigstens ab und an mal gefährlich zur Mitte bringen kann? Für mich ist das schon seit Wochen und Monaten unbegreiflich, aber ich bin bescheiden, ich muss ja auch nicht alles begreifen.