Tagesarchiv für den 17. September 2009

Die Schmach von Wien

17. September 2009

Solche Abende gibt es. Ich werde jetzt garantiert nicht über diesen HSV herfallen. So etwas ist normal: Du hast eine Erfolgsserie, du hast ein Spiel gegen einen vermeintlichen Außenseiter, dieser Außenseiter schiebt dir vorher in unzähligen Interviews die Favoritenrolle zu, du bist selbst Tabellenführer der deutschen Bundesliga – was soll da passieren? Und dann spielst du in der Abwehr eben nicht ganz so aggressiv, wie es in einem Europa-League-Spiel natürlich nötig gewesen wäre. Es scheint so, als könne der HSV einfach nichts gegen Grün-Weiß ausrichten.

Die Wiener haben es dem HSV im Ernst-Happel-Stadion vorgemacht, wie man Zweikämpfe annimmt, wie man sie eisenhart bestreitet, wie man auch dem Gegner den Schneid abkaufen kann. Dieses Video sollten sich die HSV-Profis einmal ansehen, dann wissen sie, auf welchem Gebiet sie versagt haben. Aber wie gesagt, so etwas ist auch den ganz großen Mannschaften schon passiert. Die Hauptsache ist nur, dass sich der HSV bis zum Sonntags-Spiel in Frankfurt von dieser Schmach wieder erholt.

Was positiv an dieser Partie aus Hamburger Sicht war, ist schnell aufgezählt. Der Druck in der zweiten Halbzeit, als oftmals „ganz Wien“ in der eigenen Hälfte stand und sich gegen die hanseatischen Angriffe stemmte. Mehr war aber auch schon nicht am Hamburger Auftritt zu loben, denn: Den ersten Eckball für Hamburg gab es in der 68. Minute, die erste Parade des Wiener Torwarts Payer in der 69. Minute, und so richtig Torgefahr bestand vor dem Rapid-Tor so gut wie nie.

Was mich dabei nachdenklich macht, so richtig nachdenklich macht, ist die Tatsache, dass Marcus Berg wieder, wie schon gegen Stuttgart, nicht so richtig stattfand. Der Schwede hatte zwar die beiden besten Chancen der ersten Halbzeit, und das beim Stande von 0:0, aber er vergab sie kläglich. Und: Auffällig war beim HSV-Angriffsspiel zudem, dass ein steiles Spiel in die Sturmmitte gleichzusetzen ist mit einem verschenkten Ball. Weil diesen ohnehin niemand erlaufen kann. Der einzige Sprinter fiel diesmal auch fast aus, Eljero Elia fand diesmal nie richtig zu seinem Spiel.

Was ich auch noch anmerken muss: Kürzlich habe ich die verschenkten Freistöße moniert, das könnte ich diesmal wiederholen lasse ich aber besser mal. Und: Ich habe vor einigen Tagen für Dennis Aogo als A-Nationalspieler plädiert, das nehme ich noch ein wenig zurück, eine solche Berufung käme doch einige Monate zu früh. Auffällig auch, dass David Rozehnal wieder – oder immer noch – den einen oder anderen Klops in seinem Spiel hatte. Siehe das 3:0, als der Tscheche eine unfreiwillige Pirouette ohne Kufen drehte, die eigentlich nicht zu einem Fußball-Programm gehört. Rozehnal hätte erst gar nicht in diesen Zweikampf gegen Drazan gehen dürfen, einen solchen Stürmer stellt man, indem man den Rückwärtsgang einschaltet und erst dann eingreift, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet. Ein Routinier müsste so etwas eigentlich wissen. Dass Guy Demel Sekunden zuvor auch einen richtig schweren Fehler beging, als er unter einem Abstoß Payers hindurch sprang, rundet die Minus-Leistung im Hamburger Abwehrverbund nur noch ab. Es gibt eben solche Tage. Mund abwischen und weg.