Tagesarchiv für den 6. September 2009

Ab zum Nachwuchs

6. September 2009

Was macht der HSV-Fan, wenn die „Erste“ nicht spielt? Er geht zu Amateuren. Denkste! Beim Regionalliga-Spiel HSV II gegen Plauen verdrückten sich gerade mal 207 Zuschauer auf der Anlage an der Ochsenzoller Straße. Das ist enttäuschend. Zumal die jungen Leute ein bisschen mehr Unterstützung gut, sehr gut gebrauchen könnten. Obwohl: Fußballerisch ist das eher dürftig, was von den Talenten geboten wird. Es sieht zwar meistens sehr gefällig aus, aber es kommt nichts dabei rum. Und am Rande grämt sich Trainer Rodolfo Cardoso, wenn das Rück- und Quer-Geschiebe seiner Truppe wieder einmal beim HSV-Torwart endet. Irgendetwas stimmt da nicht.

Aber das wird ja vielleicht jetzt auch wieder besser, denn: Für Jens Todt, der zuletzt Nachwuchs-Chef des HSV war, ist offenbar Ersatz gefunden worden: Stephan Hildebrandt. Das ist der Vorgänger von Todt und macht es zunächst einmal kommissarisch, es soll aber auf eine feste Lösung hinaus laufen – oder bereits wieder gelaufen sein.

Pikant: Hildebrandt ist einst von Dietmar Beiersdorfer von seinen Aufgaben entbunden worden, weil der damalige Sportchef den ehemaligen Nationalspieler Todt für die bessere Lösung gehalten hatte. Als Hildebrandt so frei war, war auch Bernd Hoffmann so frei: Der HSV-Boss „übernahm“ den von seinem „Vize“ Beiersdorfer freigestellten Nachwuchs-Chef, Hoffmann nahm sich Hildebrandt als Assistenten, als Referenten, als quasi zweite „rechte Hand“ (neben Katja Kraus) – natürlich zum Verdruss von Beiersdorfer. Der wollte ob dieses überraschenden Wechsels die Fronten damals klar abgesteckt wissen, und ihm wurde auch versichert, dass sich Hildebrandt fortan aus dem HSV-Nachwuchs-Bereich heraus halten würde. Tat er denn auch – fast jedenfalls. Eines Tages wurde Beiersdorfer allerdings gefragt, ob er denn schon die Berichte von Stephan Hildebrandt gelesen hätte? Hatte er natürlich nicht. Seine Frage war nur: „Welche denn?“ Hildebrandt war im Auftrag des HSV und seines Chefs nach Brasilien geflogen, um sich über dortige Talente ein Bild zu verschaffen.

Und genau diese Reise kommt dem alten und neuen HSV-Nachwuchs-Chef jetzt ganz gut gelegen, denn nun ist das ja wieder sein Job. Merke: Es ist in jedem Fall besser, immer ganz eng am Ball zu bleiben.

Ganz eng am Ball ist übrigens auch immer Eljero Elia. Der wurde beim 3:0-Sieg der Niederländer über Japan eingewechselt, und nun schwärmen die Fußball-Fans und die Medien der Käse-Nation vom großen kleinen HSV-Star. So kann es auch kommen. Ob das aber mal ein Eigengewächs aus Hamburg schaffen wird? Ich habe da meine ganz, ganz großen Zweifel. Wisst Ihr eigentlich, wer der letzte HSV-Profi war, der von den eigenen Amateuren kam und es auf Dauer und so richtig ganz nach oben geschafft hat? Mal abgesehen von Eric-Maxim Choupo-Moting, Tunay Torun und Co, die es eben auf Dauer nicht geschafft haben (noch nicht). Sagt Euch der Name Hasan Salihamidzic noch etwas? Und Collin Benjamin, der Profi, der am längsten von all seinen Kollegen im HSV ist? Aber egal, wer auch immer der letzte Spieler war, es ist eindeutig zu wenig, was da nach oben kommt. Stephan Hildebrandt könnte das nun ändern.

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