Tagesarchiv für den 5. September 2009

Aufgabenbereich des Sportchefs

5. September 2009

Ich muss zugeben, dass ich positiv überrascht bin, wie sachlich und detailliert “unsere” Sportchef-Diskussion verläuft, obwohl es ja wirklich ein ziemlich emotionales und durch die vergangenen Wochen aufgeheiztes Thema ist. Und wenn man die Für und Wider bezüglich potenzieller Kandidaten abwägt und bedenkt, kann ich mir vorstellen, was mitunter im Personalausschuss des Aufsichtsrates und auch beim Rest der Kontrolleure los war und derzeit auch los ist.

Nachdem ich ja schon einige mögliche Kandidaten genannt hatte und auch ein paar weitere interessante Alternativen von Euch gelesen habe, möchte ich die Personenbewertungen jetzt erst einmal außer Acht lassen. Ich bin mir sicher, dass in den nächsten Tagen und Wochen noch genug “Säue durchs Dorf getrieben” werden, wie man es nennt, wenn immer wieder neue Kandidaten durch die Tagespresse huschen.

Olli-WL hat Recht, wenn er sagt, dass vor dem gewünschten Profil des Sportchefs erst einmal der Aufgabenbereich beschrieben werden müsste. Ich habe mich noch einmal umgehört, denn natürlich haben auch Bernd Hoffmann und Co. bei ihrer Stellenbeschreibung für den gesuchten Mann Schritt eins vor Schritt zwei gemacht und die Aufgabenfelder des Sportchefs (ob nun auf Vorstandsebene oder darunter – das soll immer noch nicht endgültig klar sein) abgesteckt. Acht Schwerpunktfelder waren Dietmar Beiersdorfer zugeordnet, die auch sein Nachfolger zu beackern und koordinieren haben dürfte. Dabei muss ich betonen, dass einzelne Neuausrichtungen (z. B. Nachwuchs, Scouting) ebenfalls noch nicht abschließend geklärt sind:

1. Spielertransfers
2. Scouting
3. Nachwuchsleistungszentrum
4. Medizinischer Bereich
5. Equipment
6. Teammanagement
7. Leistungsdiagnostik
8. Kontakt zu Verbänden

Primär, so besagt es meines Wissens jedenfalls ein Entwurf des Vorstandes, der dem Aufsichtsrat nach Beiersdorfers Abschied zuging, fallen dem Sportchef drei Wirkungswege zu:

1. dem Wirkungsweg auf Vorstandsebene (oder falls darunter angesiedelt in Richtung Vorstandsebene), bei dem Entscheidungen abgestimmt und beschlossen werden müssen;

2. dem Wirkungsweg in Richtung Trainer/Betreuerteam, das geführt und eingestimmt werden soll, mit dem diverse Dinge abgestimmt werden müssen und/oder auch Differenzen ausgeräumt werden müssen;

3. dem Wirkungsweg in Richtung Mannschaft, die ständig weiter entwickelt wird, mit Talenten des Nachwuchsleistungszentrums ergänzt und bestmöglich organisiert sein soll.

Ich denke, eine grundsätzliche Philosophieentscheidung muss der HSV ganz schnell herbeiführen. Die zu beantwortende Frage lautet: Wer gibt die sportlichen Ziele und die Philosophie des nächsten Jahrzehnts vor?

Als Beiersdorfer seinerzeit einstieg, rühmten sich die Verantwortlichen auch aus dem Aufsichtsrat damit, dass sich der HSV endlich einmal langfristig unabhängig von Trainern und ihren Personalvorstellungen machen könne (weil das richtig ins Geld geht!). Jetzt ist “Didi” aber weg, und wer gibt nun die Marschroute vor? Bernd Hoffmann selbst? Bruno Labbadia? Oder alle zusammen?