Tagesarchiv für den 3. September 2009

Warum nicht Beiersdorfer?

3. September 2009

„Genug in der Gerüchteküche gerührt, jetzt mal konkret.“ Das fordert „Elfer“. Dabei klingen mir immer noch die Worte von Aufsichtsrats-Boss Horst Becker in den Ohren: „Die Suche kann noch Monate dauern.“ Wie soll ich, der kleine Matz, da jetzt den neuen Sportchef aus dem Hut zaubern, wenn es nicht einmal die großen Aufsichtsräte können? Ich habe mit Richard Golz und Thomas von Heesen zwei Vorschläge gemacht, hinter denen ich total stehe, aus Euren Reihen kamen etliche Namen, von denen ich Nico Hoogma am besten fand. Aber dann?

Ich erinnere mich, dass Ihr in den zurückliegenden Tagen, bis zur Schließung der Transferliste, immer und immer wieder den Namen Rafael van der Vaart gepredigt habt, wenn es um neue Spieler ging. Warum kommen die HSV-Fans jetzt nicht einmal auf die Idee, für Dietmar Beiersdorfer auf die Barrikaden zu gehen? Immer und immer wieder. Es kann doch in meinen Augen nicht sein, dass das, was sieben Jahre so gut funktioniert hat (das Duo Hoffmann/Didi), einfach ignoriert wird. Und zwar von allen.

Denn: Wenn es einen starken HSV-Aufsichtsrat gibt (geben würde), dann würde dieser Rat dem Herrn Bernd Hoffmann schon sagen, wie er sich mit dem Herrn Beiersdorfer auseinander zu setzen hat. Auseinander zu setzen hat! Und wenn es nicht klappen sollte, gibt es eben Konsequenzen der Art, dass ein Vertrag nicht mehr verlängert wird. Das würde sich Herr Hoffmann in diesen schweren Zeiten, in denen auch Bosse nicht unbedingt an jeder Ecke einen neuen Millionen-Job bekommen, dreimal überlegen. Also, warum nicht Dietmar Beiersdorfer? Dann brauchten die Herren Räte auch keine Monate, um die Suche erfolgreich abzuschließen.

Roman Grill wird jetzt, so die augenblicklichen Erkenntnisse, ja wohl auch aus dem erlauchten Kreis der Sportchef-Kandidaten ausscheiden. Das ließ Horst Becker durchblicken. Also werden nun ja auch wieder zwei Kandidaten gesucht, die sich dann zur Wahl stellen müssten. Zur Wahl hatte sich übrigens auch Becker am Dienstag gestellt, der seine Räte bat, sich einmal mit der Vertrauensfrage zu befassen. Resultat: Horst Becker wurde als AR-Boss einstimmig in seinem Amt bestätigt. Hut ab! Und auch der Personalausschuss stellte die Vertrauensfrage, doch auch die vier Herren (Horst Becker, Ernst-Otto Rieckhoff, Bernd Enge und Alexander Otto) wurden einstimmig in ihrem Amt bestätigt. Dann kann die Suche ja jetzt mit frischem Schwung von vorn beginnen.

Schön wäre es, ganz nebenbei bemerkt, wenn der HSV bei dieser Gelegenheit auch wieder einen Chef für den Fußball-Nachwuchs bekäme. Die Stelle ist, seit dem Jens Todt gegangen ist, verwaist. Auch das wäre mit Sicherheit ein Pöstchen für Richard Golz. Wobei mir just durch den Kopf schießt, dass es eigentlich sehr, sehr schade ist, dass der HSV-Vorstand offenbar nicht so viel von alten HSV-Größen hält. Warum? Keine Ahnung? Angst vor alten Seilschaften? Früher war das mal anders, da wurden HSVer gesucht und auch gebunden, aber früher hatten wir ja auch einen Kaiser. . .

Bei der Gelegenheit: Ich bin gespannt, ob es überhaupt einen Nachfolger für Todt geben wird. Wo diese „Abteilung“ doch von Bernd Hoffmann als „Geldvernichtungsmaschine“ tituliert wurde. Und eine solche Einrichtung sollte sich eigentlich jeder erfolgsorientierte Bundesliga-Klub nicht leisten (wollen). Wobei Hoffmann ja auch eigentlich total richtig liegt: Wozu junge Talente fördern, wenn ohnehin keine in der Bundesliga zum Einsatz kommen (dürfen)? Und das Argument, dass viele HSV-Talente ja an andere, vorzugsweise Zweitliga-Klubs (zu guten Konditionen) verkauft worden sind, zieht ja wohl auch nicht so doll: Warum erst Geld ausgeben, um es später dann nur eventuell wieder zu bekommen?

Dann doch lieber mal einen Erfolglos-Profi wie Albert Streit ausleihen, den kann man dann, wenn man dann doch noch schlau geworden ist, dass der nichts, aber auch absolut nichts bringt (oder bringen will), einfach wieder an den ausleihenden Verein zurückschicken. Und fertig ist die Laube. Warum ich das erzähle? Wie lange sind die Bundesliga-Klubs auf Streit reingefallen, bis endlich einmal einer aufwacht?

Felix Magath hat es jetzt vollbracht, natürlich Felix Magath! Wer sonst? Der hat Albert Streit jetzt vor die Tür gesetzt. Tut Schalke natürlich weh, denn Streits Vertrag läuft noch bis 2012 (ganz schön doof, Schalke 04!), und Streit kassiert pro Jahr 2,2 Millionen – als Tourist. Damit könnte er sich täglich zwei warme Mahlzeiten erlauben, und dazu noch etwas Geld auf die hohe Kante legen – falls einmal wirklich schlechtere Tage für ihn kommen sollten. Zum Glück aber, großes Aufatmen, hatte der HSV ja den Streit schon einmal, dieses Kapitel ist abgehakt. Einige andere Kapitel dagegen noch nicht so ganz. Siehe die leidige Sportchef-Suche. Auf geht’s, Buam!