Tagesarchiv für den 2. September 2009

Schön ist das alles nicht …

2. September 2009

Schön ist das alles nicht, aber auch nicht so dramatisch, wie es nun teilweise hingestellt wird. Der HSV hat noch immer keinen Sportchef, doch was ist daran schlecht? Im Moment braucht er den auch gar nicht, denn Transfers sind nicht mehr abzuwickeln, Verkäufe auch nicht. Dafür – und für alle anderen Sachen auch – ist ohnehin Bernd Hoffmann da, und der hat seine Sache in diesem Sommer doch wirklich gut gemacht. Oder gibt es etwas an den Einkäufen zu meckern?

Und wenn das nun mit Herrn Kreuzer nicht geklappt hat, dann ist das Künstlerpech. Aber niemand kommt zu Schaden. Nicht einmal der Herr Kreuzer, der zu seinem Rückzug sagt: „Ich hatte das Gefühl, dass sich der Vorstand unumstößlich auf Grill festgelegt hatte. Da wollte ich nicht mehr mitmachen.“ Das ist doch ganz legitim. Und dass er auf sein Gefühl vertraut, ist doch nur menschlich.

Dass der HSV-Vorstandsvorsitzende ein wenig verärgert über den Kreuzer-Rückzug ist, das ist auch zu verstehen, auch wenn Herr Hoffmann sagt: „Ich kann das nicht verstehen, wir haben mit Kreuzer und Grill die gleichen Gespräche geführt.“ Und dann ergänzt Bernd Hoffmann noch: „Die Gründe, die Kreuzer nennt, sind nur vorgeschoben.“ So zu denken, sich auch so zu äußern, ist natürlich ebenfalls völlig legitim. Alles kein Problem. Für mich jedenfalls.
Ansonsten sprechen alle Kommentare bei „Matz ab“ für sich, ich will da nicht mehr drauf eingehen. Ihr macht das schon. Und der Herr Hoffmann natürlich auch. Und dieser schon oft zitierte Aufsichtsrat erst recht.

Dass es jetzt Monate dauern könnte, wie Herr Horst Becker, der AR-Boss sagt, ist natürlich ein wenig peinlich zu nennen. Mit aller Vorsicht, versteht sich. Aber die Frage sei erlaubt: wieso Monate? Wenn ich mich einmal dazu äußern dürfte: Stallgeruch hat ein Thomas von Heesen. Der trainiert auf Zypern, wäre aber wohl, so wie ich ihn im Sommer verstanden habe, absolut zu haben. Thomas von Heesen war hier Kapitän, er war ein erfolgreicher Spieler, und er war in der Bundesliga schon Trainer.

Warum ich für ihn plädiere? Weil er mir vor einigen Jahren, als Coach von der Durchschnittsmannschaft Arminia Bielefeld, Fußball erklärt hat, wie es vor ihm keiner getan hat. Kein Ernst Happel, kein Felix Magath. Und mit beiden Herren habe ich zu ihren Zeiten des Öfteren über Fußball gesprochen. Ich finde es schade, dass von Heesen kein Thema ist beim HSV, aber vielleicht wird es ja noch eines. Obwohl er natürlich nicht das gute Einvernehmen mit Bernd Hoffmann und Katja Kraus hat, wie es Roman Grill haben soll.

Und ich habe noch einen Namen mit Stallgeruch: Richard Golz. Der arbeitet beim HSV, kennt sich im Profi-Fußball bestens aus, kennt beide Seiten – und ist ein äußerst intelligentes „Kerlchen“. Nun werden wieder einige von Euch in die Luft gehen, an das damalige St.-Pauli-Spiel denken und lauthals fluchen. Denen kann ich sagen: „Gemach, gemach.“ Erstens muss man verzeihen können, besonders, ich betone besonders, im Fußball, zweitens hat ein Gegentor nicht mit einer Aufgabe am Schreibtisch zu tun. Für mich wäre Richard Golz geradezu prädestiniert, einen solchen Posten zu bekleiden, aber ich gebe zu, der HSV wird mir in diesem Punkt ganz sicher nicht folgen können. Schade.

Am Rande bemerkt: Ein Horst Heldt kam als Spieler aus Österreich zum VfB Stuttgart, Felix Magath funktionierte ihn zum Sportdirektor um – und Heldt funktioniert. Unglaublich, aber wahr. Fast schon so gut wie einst Uli Hoeneß. Fast. Und mit Michael Preetz bei Hertha BSC ist es ähnlich gelaufen, aber er wartet noch auf erste Erfolge. Die Schlussfolgerung, die ich habe: Golz wäre sicher einer, der in die Richtung Heldt gehen würde.

Und um zu „Olli-WL“ zurück zu kommen, der mich gefordert hat: Das ist natürlich ein Scherz, aber in der Tat stand ich schon einmal auf der Einkaufsliste des HSV. Nicht als User, sondern als Trainer und Scout. Um schnell einmal aus dem Nähkästchen zu plaudern: Das war zur Ära Gerd-Volker Schock. Der war, bevor er Profi-Trainer wurde, Scout für Norddeutschland und Dänemark. Und als dieser Posten verwaist war, schlug er mich als seinen Nachfolger vor. Ich sollte zudem Co-Trainer von Benno Möhlmann werden, der damals die Amateure trainierte. Das ist in diesem Fall kein Blödsinn, denn diese Möglichkeit wurde tatsächlich im Präsidium um Ernst Naumann, Horst Becker und Ernst-Otto Rieckhoff besprochen, es müsste ein Protokoll darüber geben, außerdem können es Becker und Rieckhoff sicher bestätigen. Das Modell scheiterte aber letztlich, weil Schock Wochen später als Chef-Trainer des HSV aufgab. Danach war auch ich kein Thema mehr. Aber vielleicht klappt es ja jetzt doch noch als Sportchef. Nein, nein , nur ein Scherz.

Wobei ich noch eine ganz erstaunliche Anmerkung zu machen habe. Bei der DPA (Deutsche Presse-Agentur) endete am Mittwoch ein Artikel über die Farce der geplatzten Sportchef-Wahl mit den folgenden Worten: „Nach dem Rückzug von Kreuzer und zuvor Bernd Wehmeyer muss nun ein neuer Bewerber gefunden werden – der womöglich wieder keine richtige Chance erhält.“ Noch Fragen?

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