Monatsarchiv für September 2009

Die Super-Anstoßzeit

30. September 2009

Selbst wenn die Hertha-Profis bei „Matz ab“ mitlesen würden, hätte ich keine Bange. Durch dieses Mitlesen würden sie auch nicht mehr Qualität in ihr Team bekommen, denn die Qualität fehlt ganz einfach. Und wenn sie jetzt damit beginnen würden, zu kratzen, zu beißen, zu treten, dann wäre da ja immer noch ein Schiedsrichter auf dem Platz. Was mich allerdings bedenklich stimmt ist die Tatsache, dass Trainer Lucien Favre wohl deshalb gehen musste, weil die Chemie zwischen ihm und dem Team nicht mehr stimmte. Mit anderen Worten: Die Spieler hatten keinen Bock mehr auf den unbeliebten Coach. Deshalb stünden – und stehen – sie natürlich jetzt, gegenüber ihrem Präsidium und den Fans, in der Pflicht, ab sofort alles und noch mehr zu geben. Aber das würde ja auch schon in der Europa League am Donnerstag bei Sporting Lissabon beginnen – warten wir also mal ab. Übrigens: In der TV-Zeitschrift „Hör zu“ von diesem Wochenende hat Jerome Boateng das Ergebnis zwischen Hertha und dem HSV auf 0:3 getippt. Hoffentlich lesen die Berliner Profis nicht gerade die „Hör zu“. . .

Wobei ich doch sehr erstaunt bin, dass sowohl die Berliner als auch der HSV ihre EL-Spiele jeweils um 21.05 Uhr anstoßen werden (oder lassen). 21.05 Uhr? Warum nicht 21.07 Uhr? Oder 21.11 Uhr? Oder warum nicht gleich um 23.46 Uhr? Es ist wahrlich ein Jammer, was inzwischen mit den Anstoßzeiten geschehen ist. Ich kann mich noch erinnern, als Gerhard Mayer-Vorfelder DFB-Präsident war (bitte jetzt keine gehässigen Kommentare!). Bei jedem Länderspiel, dass zwischen 20.30 Uhr und 20.45 Uhr Anstoß hatte, versprach er stets vollmundig: „Ich werden mich dafür einsetzen, dass die nächsten Spiele wieder früher beginnen, denn die Jugend will doch auch etwas davon sehen. Es blieb aber beim Vorhaben. Heute ist es unmöglich, die Spiele wieder vorzuverlegen. Es sei denn, das Fernsehen bittet aus Kollisionsgründen mit anderen EL-Spielen darum und überzeugt den jeweiligen Klub mit einer Handvoll Dollar mehr. . .

Aber noch einmal zurück zu 21.05 Uhr? Das Spiel ist also gegen 23 Uhr beendet. Dann wird der Heimweg angetreten. Geht es nach außerhalb, fährt eventuell schon kein öffentliches Verkehrsmittel mehr, wenn man erst kurz nach Mitternacht am Hauptbahnhof eingetrudelt ist. Dann sollte ein solches Spiel vielleicht doch lieber erst (oder schon?) um 3.49 Uhr angepfiffen werden, denn wenn es dann beendet wäre, beginnt gerade ein neuer Tag. Jeder Fan, der mit der Bahn in die Arena gekommen ist, könnte bequem den Morgen-Zug in die Firma besteigen – und den lieben Kollegen, die während des Spiels noch selig geschlafen haben, aus erster Hand erzählen, wie und warum es so gelaufen ist. Und wenn um 3.49 Uhr doch nicht die passende Zeit für den Anstoß sein sollte, weil dann gerade noch dringend ein Werbeblock Millionen einspielen und deshalb gezeigt werden muss, dann eben um 4.03 Uhr. Irgendwas geht immer, ganz sicher.

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich auf „21.05 Uhr“ einen wirklich ganz dicken Hals habe. Kinder und Jugendliche müssen eventuell nicht nur früh ins Bett, sondern können schon gar nicht mehr ins Stadion kommen. Aber wie heißt es so schön in dieser Welt? Schwund ist überall.

Wie komme ich nun von Schwund auf die harten und die weichen Bundesliga-Trainer? Auf den Schleifer und den Kumpel? Weiß ich auch nicht genau, aber jetzt bin ich schon da. Ihr habt das Thema ja leicht vorangetrieben. Zu Ernst Happel muss ich Euch sagen, dass ich mich eher der Meinung von „Eiche Nogly“ anschließe. Ich glaube auch – ist natürlich hypothetisch und nie beweisbar -, dass der „gute Ernst“ heute große, große Schwierigkeiten hätte, eine Mannschaft (wie damals den HSV) zu stolzen Erfolgen und zu vielen Titeln zu führen. Natürlich war er ein großer Fachmann, natürlich hat jeder Spieler beim ihm pariert, aber er hatte auch genügend Ecken und Kanten, die heute in der Medienlandschaft natürlich ihr (nicht immer positives) Echo gefunden hätten.

Happel nannte Stürmer Jürgen Milewski einst „einen Parasiten“. Er stellte Manfred Kaltz frei, weil der private Probleme hatte („Komm’ erst wieder, wenn du die geregelt hast“), und er behandelte Peter Lux eben mal wie Peter Lux und Wolfram Wuttke wie Wolfram Wuttke. So war er, der Happel Ernst. Er sprach ja auch das letzte halbe Jahr in Hamburg nicht mehr mit den Zeitungen – mit keiner! Weil er sich verraten gefühlt hat. Bei einem Hallenturnier in Berlin saß nämlich im HSV-Bus ganz vorn nicht nur Happel, sondern plötzlich auch die „rote Zora“. Jetzt darf man es ja schreiben. Happel merkte, dass das auch die Hamburger Journalisten bemerkt hatten, er stieg aus dem Bus und bat kurz und grantelnd darum, keine Zeile über die Dame zu verbreiten. Daran hielten sich aber nicht alle, und schon war der Bruch zwischen Trainer und Medien da. Weil bei Happel daheim in Norderstedt seine Freundin wartete. Und ganz daheim in Wien brachte seine Ehefrau auch nur wenig Verständnis für die Dame aus Berlin auf.

Also schwieg Ernst Happel nach diesem Vorfall beharrlich: “I geb koan Kommentar!” Könnte er sich das heute noch erlauben? Ich behaupte nein. Auch wenn Ihr (oder einige von Euch) ganz offensichtlich nicht die beste Meinung von uns „Pressefuzzis“ habt. Sie – oder wir – sind in der heutigen Landschaft aber unentbehrlich. Auch wenn Ihr es nicht so richtig wahrhaben wollt.

Aber, und da wären wir wieder bei den unmöglichen Anstoßzeiten: Warum beginnen heute die Spiele um 21.05 Uhr? Genau, weil es die Medien so bestimmen. Und die Vereine bekommen dafür einiges an Geld in die oft leere Kasse. Die Zeichen der Zeit stehen so, da lässt sich auch nichts mehr zurückdrehen, denn die Spieler benötigen vor allem eines: Geld, Geld und nochmals Geld. Und das kommt eben nicht mehr (nur) von den Zuschauern, sondern aus anderen Quellen. Wie zum Beispiel die Medien. Mit ihren oft so ungeliebten Pressefuzzis.

Und noch ein Wort zu User „Lars“. Natürlich zählt auch bei einem 1:0-Sieg über die Bayern die Mannschaft und der Teamgeist, aber was wollt Ihr lesen: Die Mannschaft hat sich zerrissen, sie hat alles gegeben, sie hat gegrätscht, hervorragend gepasst, großartig geflankt, super geschossen, die Mannschaft wirkte 90 Minuten konzentriert, sie hat diszipliniert gespielt, ging geschlossen zu Werke, und zwar von vorne bis hinten, und sie hat ordentlich dagegen gehalten. Spannend, was?

Ich weiß, ich weiß, auch ich kann es  in diesem Punkt ganz sicher niemandem recht machen, aber warum darf ich nicht schreiben, dass Ze Roberto hervorragend war, dass Mladen Petric in der Form seines Lebens ist? Wenn Ihr dann anderer Meinung seid, schreibt Ihr es mir und beweist das Gegenteil. Ist doch ganz einfach.

Mein alter (und erster) Chefredakteur „Kuddl“ Dwinger hat mir einst bei Dienstantritt gesagt: „Denken Sie dran, Herr Matz, in die Zeitung gehören Namen, Namen, Namen.“ Weil der Nachbar diesen Namen kennt, weil die Freunde und auch die Familie diesen Namen lesen – und es dadurch einen Wiedererkennungswert gibt. Darüber wird dann gesprochen. Und, auch das sagte mir der Chef noch, wer will denn wissen, ob der Ball vom Winde verweht wurde, dass gegen die Strömung schwer zu spielen war, dass es eine falsche Wende an der 25-Meter-Marke gegeben hat? Wer?

Aber wer war es? Genau das ist doch die entscheidende Frage, und dann auch wie und warum? Deswegen lobe ich mir hier die Geschichtchen um Ze Roberto und Mladen Petric. Oder zum Beispiel auch die Labbadia-Story. Obwohl der zum Beispiel gegen die Bayern ja gar nicht gespielt und demzufolge nicht gewonnen hat – sondern das ganze Team des HSV.

Ich wünsche Euch einen schönen Europa-League-Abend – und einen erfolgreichen.

22.25 Uhr

Labbadia akribisch

30. September 2009

Bruno Labbadia sah – und zögerte. Er sah noch einmal genau hin, dann marschierte er los. 20 Meter, vielleicht 25 Meter hatte er zurückzulegen, er schritt sie entschlossen ab. Er ging auf dem Trainingsplatz dorthin, wo keiner seiner Spieler stand. Es war niemand dort, wo Labbadia hin wollte. Es stand nur ein Spieler aus rotem Metall auf dem Rasen, der einen Gegenspieler für die HSV-Profis simulieren sollte. Diesen „Mann“ hob Bruno Labbadia nur ganz kurz an, denn versetzte er ihn. Um höchstens fünfzehn Zentimeter. Die aber mussten es dann doch sein. Dann ging er wieder. Die Flucht zum Trainingstor hatte für ihn ganz exakt zu stimmen. Später allerdings „griff“ der Metallkamerad kein einziges Mal in das Spiel ein, egal ob fünf Zentimeter nach links oder nach rechts. Aber der Trainer wollte es eben ganz genau haben, er ging jedenfalls zufrieden von dannen. So ist er.
Diese Szene spielte sich am Montag ab. Am Dienstag folgte Teil zwei: Labbadia flankte seinen Stürmern von rechts die Bälle zu r Mitte, und dort standen auch zwei rote Metall-Abwehrspieler in Treue fest vor Torwart Tom Mickel. Als Co-Trainer Eddy Sözer einen Metallkameraden anpackte und wieder in den Rasen rammte, bat Bruno Labbadia darum, ihn noch zehn Zentimeter weiter nach vorn zu versetzen. Und dann noch einmal fünf Zentimeter oben drauf. Ganz genau eben wollt er es haben, der HSV-Coach. Was er macht, macht er gründlich. Und akribisch. Zufälle scheint es im Trainer-Leben des Bruno L. nicht zu geben, er möchte sie wohl ganz ausschließen. Er prüft genau, er beobachtet genau, er ordnet an und will es ganz genau verfolgt wissen.

Der HSV hatte in der Vergangenheit so manchen Trainer, der wenig bis kaum einmal mit seinen Spielern sprach. Willi Reimann sagte nicht wirklich viel, und auch Felix Magath war kein großer Redner – wie Ernst Happel auch. Oder Branko Zebec. Da Felix und ich gut miteinander konnten (und können), durfte ich ihm so etwas auch gelegentlich sagen – er reagierte auch nicht böse drauf. Er sagte aber stets – und das wurde in geflügeltes Wort zwischen uns: „Matz, du bist ein Amateur, und du bleibst auch ein Amateur. Profis haben zu funktionieren, sonst sollen sie gar nicht erst Profi werden.“

Bruno Labbadia ist da anders. Er redet viel mit seinen Spielern. Und oft. Er trommelt sie auf dem Rasen zusammen, dann hält er seine Rede. Sogar mehrmals während einer Trainingseinheit, wenn es denn sein muss. Und es muss durchaus öfter mal sein.

Zudem führt Labbadia immer mal wieder Einzelgespräche. Vornehmlich nach dem Training. Gibt es in seinen Augen etwas zu sagen, dann spricht er es noch auf dem Rasen an. Das ist stark. Und ganz sicher nicht bei jedem Bundesliga-Trainer Standard. Die meisten denken eher so, wie Felix Magath: „Nicht lange reden, nicht groß erklären, sonst verzettelt man sich.“ Und man könnte auch leicht mal von seinen eigenen Worten überholt werden, das ist die Gefahr dabei.

Gut für Bruno Labbadia zu wissen, dass er einen absolut loyalen Mann an seiner Seite weiß. Auch mit Eddy Sözer unterhält sich Labbadia oft, auch noch auf dem Platz. Jeder Trainingskiebitz kann dabei nur den Eindruck gewinnen, dass zwischen diesen beiden Männern kein Blatt Papier mehr passt. Labbadia und Sözer sind sich absolut einig, funken auf einer Wellenlänge, sind sich auch mal nur durch einen kurzen Blickkontakt einig.
Auch in taktischen Dingen. Wie beim Spiel gegen den FC Bayern. Guy Demel rechts, Jerome Boateng links in der Viererkette, Dennis Aogo ins Mittelfeld, Eljero Elia neben Mladen Petric in die Spitze – das waren durchaus mutige Maßnahmen. Wären sie schief gegangen, dann hätte es eventuell den einen oder anderen Kritiker gegeben, der es (danach natürlich) besser gewusst hätte. Es ging aber nicht schief, wie der 1:0-Erfolg eindrucksvoll bestätigte. Obwohl es bis zur Pause nur 0:0 hieß. Doch auch in der Halbzeit blieb Labbadia seiner mutigen Linie treu. Für den verletzten Abwehrspieler Guy Demel brachte er den seit Wochen glücklosen Stürmer Marcus Berg. Das war nicht nur mutig, das war fast schon Harakiri. Aber auch diese Maßnahme ging voll auf. Viel gewagt, alles gewonnen. So kann es für Bruno Labbadia weitergehen. Und für die HSV-Fans sicher auch.

Ich hatte ja an dieser Stelle gewarnt, laut von der Meisterschaft zu sprechen. Weil es in meinen Augen nichts bringt. Es weckt nur Begehrlichkeiten, die dann, wenn sie nicht erfüllt werden, in Ärger umschlagen könnten. Natürlich spricht beim FC Bayern jeder, selbst der Busfahrer oder auch die Klo-Frau, von der Meisterschaft und von anderen Titeln. Natürlich deswegen, weil das jedes Jahr der Anspruch des FC Bayern ist, sein muss. Aber, die Frage sei mir gestattet: Wie viele Jahre hat der HSV eigentlich keinen Titel mehr gewonnen? Zehn, 20 Jahre? Oder auch schon mehr? Ich will da keine alte Wunde aufreißen, ich glaube aber, es ist schon länger her. Und Ihr wisst es alle, Ihr kennt die schmerzvolle Antwort auf diese Frage. Es ist doch schon dramatisch genug mit dieser fatalen Titeljagd, aber deswegen gleich bei jedem noch so kleinen Aufschwung von der deutschen Meisterschaft zu reden, halte ich für völlig, aber wirklich für völlig falsch. Der HSV muss erst einmal Konstanz in (s)eine Saison bekommen. Wer hat denn nach dem Pokal-Drama von Osnabrück davon gesprochen, dass der HSV jetzt deutscher Fußball-Meister wird? Wer? Kein einer! Und nun auf einmal? Nur weil es einen – zugegeben wichtigen und schönen – Erfolg über den Rekordmeister gegeben hat? Das macht in meinen Augen wenig Sinn.

Und Ihr erinnert doch auch noch eines: In der vergangenen Saison drohten dem HSV gleich drei Titel. Und? Welchen hat es dann tatsächlich gegeben? Null! Aber geredet hatte ganz Hamburg ein Jahr lang davon.
Auch andere Klubs träumen vom Titel, aber auch sie schweigen lieber. Wer mit Worten hoch hinaus will und dann fällt, der erntet schnell mal Hohn und Spott. Einige von Euch werden sich zudem erinnern: Am Sonntag vor dem Saisonstart 2009/10 war ich Gast im DSF-Doppelpass. Neben mir saß Horst Heldt, Manager des VfB Stuttgart. Der sagte mir in einer Werbepause, ich schrieb es bereits einmal: „Wir Schwaben sind ganz froh, dass in Deutschland wieder alle nur vom FC Bayern als Meister sprechen. Alle Experten haben nur die Münchner auf dem Zettel, aber sie werden es, das glaube ich jedenfalls, nicht. Und vielleicht können wir ja dann klammheimlich wieder aus der Tiefe kommen und den Titel gewinnen.“
Er sagte es nicht laut, er sagte es auch nicht öffentlich, er sagte es aber mit einem hoffnungsvollen Unterton. Er wollte aber auf keinen Fall irgendwelche Begehrlichkeiten innerhalb des VfB-Anhangs wecken. Still und heimlich an allen vorbeiziehen, dann Meister werden – das hätte etwas. Stuttgart hat das ja schon einmal ganz grandios geschafft. Und ich sage Euch: Das hätte nicht nur für den VfB etwas, sondern auch für den einen oder anderen Klub – wenn Ihr versteht, was ich meine. In aller Heimlichkeit natürlich nur, das ist doch selbstverständlich, oder?

9.40 Uhr

Petric so gut wie nie

29. September 2009

Frau M. saß ganz gespannt vor dem Fernseher. Im Dritten lief der „Sportclub live“, Star-Gast Mladen Petric. Der HSV-Stürmer saß nicht nur live im Studio, er wurde auch privat als Film gezeigt, die Kollegen sprachen über ihn – und er selbst gab auch bereitwillig Auskünfte über sich. Am Ende des Blocks stellte Frau M. laut fest: „Ich bin ab jetzt Petric-Fan. Der ist ja ganz locker drauf, ist intelligent, ruhig, lächelt smart, und er scheint auch ein toller Vater und ein ganz netter Mensch zu sein.“ Dabei war Frau M. vorher nur Fan von Peter Maffay. Nun also auch noch Mladen Petric. Warum auch nicht? Der sympathische Torjäger befindet sich offenbar in der Form seines Lebens.
Übrigens: Als Mladen Petric davon erfuhr, dass er mit Frau M. nun einen (weiblichen) Fan mehr auf dieser Erde hat, antwortete er spontan: „Wieso erst jetzt?“ Gute Frage. Wahrscheinlich deswegen, weil Frau M. den großartigen Menschen hinter dem erfolgreichen Torjäger erst durch die Kollegen im Dritten richtig kennengelernt hat.

Für Petric war das Bayern-Spiel mit seinem Sieg-Treffer ganz sicher ein Highlight, beim Dienstag-Training hat er auch die Kehrseite des Profi-Lebens zu fühlen bekommen. Erst prallte er mit Guy Demel zusammen – Schmerzen! Dann bekam er die Stollen von Tolgay Arslan ins Gesicht – große Schmerzen! Und dann wurde er auch noch von Joris Mathijsen recht unsanft zu Boden gegrätscht – Frust, Schmerzen und böse Blicke! Selbst Minuten danach noch.
Ohnehin ging es in diesem Training hoch her. Da war Feuer drin, da flogen die Fetzen. Und es gab Worte und Widerworte (Mathijsen, Trochowski, Boateng). Sowie für ein, zwei Sekunden Handgreiflichkeiten (Berg, Boateng). Das war ein Training wie es Trainer lieben, da war Zug drin, da war Kampf drin, da war auch Klasse drin. Wie schon vor einigen Wochen von mir festgestellt, ich muss es wiederholen: Der HSV trainiert unter Bruno Labbadia auf ganz hohem Niveau. Und ich bin sicher, dass sich das auf Dauer auch auszahlen wird.

Wobei ich von vielen Fans (auch beim Training) darauf hingewiesen werde, nur noch nichts von der Meisterschaft zu schreiben. Ihnen genügt es, dass davon schon der eine oder andere Spieler – viel zu verfrüht – spricht. Wie zum Beispiel Ze Roberto und Mladen Petric. Aber was ist denn auch bislang schon passiert? Der HSV ist Erster – okay. Aber der HSV hat auch enorm viele und vor allen Dingen schwerer verletzte Spieler. Und der FC Bayern zum Beispiel hatte in Hamburg mal eben einen Mario Gomez und einen Miroslav Klose auf der Bank sitzen. Nicht ganz so schlecht, oder? Und der HSV? Ihr könnt Euch wahrscheinlich selbst die Antwort geben, oder? Die Saison ist noch so lang.

Natürlich: Der HSV ist Spitzenreiter, hat sechs Punkte Vorsprung auf den großen FC Bayern – diese Momentaufnahme sollten alle HSV-Fans – am 122. Geburtstag des Vereins (großartig, „hsvboerni“!) – ausgiebig genießen. Am Abend darf selbstredend gefeiert werden, aber dann sollte der Ball auch schon wieder gaaaaanz flach gehalten werden. Voller Demut dem nächsten Spiel entgegenblicken. Und das ist die nicht unwichtige Partie gegen Hapoel Tel Aviv. Wie schon von einigen von Euch bemerkt – ich kann es auch nicht so richtig begreifen, dass der Vorverkauf so schleppend läuft, es steht doch viel auf dem Spiel. Wenn es auch mit und in der Europa League weitergehen soll, dann muss diese Begegnung gewonnen werden – mit Eurer Unterstützung. Jene Unterstützung, die gerade von Bayern-Manager Uli Hoeneß ehrlichen Herzens so gelobt wurde.

Apropos: Lob hat nach dem Dienstag-Training auch Ebi Smolarek verdient. Der polnische Testspieler war diesmal ganz anders, viel besser drauf, bewegte sich viel besser als noch am Vortag, als er die Flügel ein wenig hängen ließ. Nicht ganz so gut waren dagegen diesmal Tomas Rincon und Romeo Castelen (einige Stockfehler) drauf. Bei Marcus Berg hielt die Berg- und Tal-Fahrt an, guten Szenen wechselten sich munter mit schlechteren ab. Gut für den HSV: Guy Demel mischte so mit, als wäre er gegen den FC Bayern nicht wegen einer Fuß-Verletzung ausgewechselt worden. Dagegen fehlte Ze Roberto, am Sonnabend von Bastian Schweinsteiger gefoult, auch den zweiten Tag in Folge. Ein Ausfall des Brasilianers für Donnerstag soll aber dennoch nicht drohen.

Wobei ich in diesen Tagen immer wieder höre, wie gut Ze Roberto dem HSV tut – und umgekehrt. Ich behaupte ja, dass er hier noch besser geworden ist, als zuletzt beim FC Bayern. Obwohl er da schon super drauf war. Ich unterhielt mich nun gerade mit dem Comedian Olli Dittrich („Dittsche“), der nicht nur ein großer Schauspieler ist, sondern auch ein exzellenter Fußballkenner. Er sagte mir: „Ich glaube, dass Ze Roberto jetzt so großartig drauf ist, wie seinerzeit in Leverkusen, als er gemeinsam mit Michael Ballack ein Super-Mittelfeld-Duo bildete und so für den Erfolg der Bayer-Truppe sorgte.“ So ist es.
Und um noch einmal auf „gut drauf“ zurückzukommen: Eingangs dieses Berichts schwärmte ich von den menschlichen Qualitäten des Mladen Petric. Ich darf natürlich nicht vergessen, auch die sportliche Seite zu erwähnen. Erinnert Ihr Euch noch? Zu Beginn der Saison hing der gute Mladen leistungsmäßig ein wenig durch. Der eine oder andere von Euch machte sich Sorgen – schrieb diese auch bei „Matz ab“ nieder. Nach dem Ausfall von Paolo Guerrero aber ist Petric voll da. So, als hätte ihm jemand gesagt: „Mladen, mit dir steht und fällt der HSV, du musst jetzt für zwei rennen, kämpfen, spielen und Tore schießen.“ Und so macht er es nun. Ich glaube fest, dass ein Mladen Petric noch nie so viel gelaufen, gegrätscht und gekämpft hat, wie zurzeit. Und das ist einfach nur vorbildlich.

Petric ist selbstbewusst und in absoluter „Geburtstagsform“ – und Ihr dürft nun alle kräftig feiern. Auf die Raute! Aber, wie gesagt, nur einen Abend, danach ist wieder Bodenhaftung für alle angesagt. Besser ist es nämlich.

18.20 Uhr

Hertha fehlt die Qualität

28. September 2009

Wir sehen uns sonntags in der Redaktion ja immer die Zweite Liga an. Mittags. Danach die Erste Liga. Natürlich. Und dann kann es passieren, dass man noch immer bei der Zusammenfassung ist, obwohl das nächste Spiel schon läuft. Naja, fünf Minuten Verspätung verkraftet man, in den ersten fünf Minuten passiert ja meistens nicht so viel. Einer von uns sagte dann aber: „Wir müssen jetzt schnell mal umschalten, Hoffenheim gegen Hertha läuft schon.“ Gesagt, getan. Genau vier Minuten und 43 Sekunden waren gespielt, als wir „auf Sendung“ waren, und da stand es schon 2:0. Alle dachten spontan, was einer laut aussprach: „Das war es dann für Lucien Favre. Und das ist gewiss nicht so gut für den HSV.“ Man musste kein Prophet sein, aber schlecht ist es wohl in jedem Falle, denn nun soll ein neuer Trainer die jetzt enorm abgetakelte Hertha wieder auf die Beine stellen. Zu einem für den HSV höchst ungünstigen Zeitpunkt, denn am Sonntag geht es ins Olympiastadion. Der „alte Notnagel“ der Berliner, Karsten Heine, soll es wieder einmal und vorerst richten, abwarten, ob er dieser leblosen Truppe noch einmal neues Leben einhauchen kann.
Ich habe, das gebe ich zu, meine leichten Zweifel, dass das gelingt, denn dieser Berliner Mannschaft fehlt ganz einfach die Qualität. Und die kann auch kein Heine über Nacht und durch einfaches Handauflegen in diese mittelmäßige Hertha-Elf zaubern. Pantelic und Voronin sind schon herbe Verluste gewesen, gewiss, aber der größte Verlust für die Herthaner war in meinen Augen der Abgang von Josip Simunic. Der frühere HSV-Profi, der in Hamburg nur verletzt war und deshalb kaum gespielt hat, hielt bei der Hertha jahrelang den Laden zusammen. So richtig gedankt wurde es ihm nie, er war nicht der Held, der er eigentlich nach seinen guten Leistungen hätte sein müssen.

Ihr erinnert Euch vielleicht noch an die vergangene Saison: Da setzte Favre nicht nur den Herrn Pantelic hin und wieder auf die Bank, sondern auch Simunic. Damals dachte ich bei mir: „Ganz schön mutig, dieser Schweizer, dass er das riskiert. Oder er hat noch nicht begriffen, wie wertvoll dieser Simunic ist.“ Es ging ja gut. Und vielleicht haben die Berliner auch deshalb nichts gerafft. Simunic, der ja zu dieser Saison beim HSV im Gespräch gewesen ist (einige von Euch standen ihm ablehnend gegenüber, ich hätte mich sehr gefreut), ist in vielen Spielen, die die Hertha mit nur einem Tor Unterschied gewann, der Fels in der Brandung gewesen. Das ist er nun in Hoffenheim, weil der „Herr Professor“ Ralf Rangnick das erkannt hat – und die Hertha macht Nase. Zu dumm zum-zum, kann ich da nur sagen. In Berlin haben sie offenbar immer noch keine Ahnung davon, was ihnen gut tut – und was nicht.

Ohnehin finde ich es höchst befremdlich, dass ein Hauptstadt-Klub schon seit Jahren versucht, auf die Hufe zu kommen, aber sie schaffen es ganz einfach nicht. Dabei hatten sie geglaubt, den Schlüssel zum Erfolg endlich gefunden zu haben, indem sie Manager Dieter Hoeneß schassten – aber Pustekuchen. Wer so ahnungslos – oder auch so klamm – ist, seine drei besten Leute vom Hof zu jagen und dann für keinen adäquaten Ersatz zu sorgen, der muss damit leben, dass er in Abstiegsgefahr gerät. Ich habe das übrigens, klingt wieder einmal neunmalklug, ist aber Tatsache, jedem erzählt, der es hören wollte: Hertha BSC bekommt in dieser Saison allergrößte Schwierigkeiten.

Jetzt bin ich nur gespannt, was da am Sonntag in Berlin abgeht. Denke ich an die vergangene Saison, packt mich immer noch das Grausen: Der HSV erteilte den Berlinern in den ersten 45 Minuten eine Fußball-Lektion, die es in sich hatte,  die Berliner wurden regelrecht an die Wand gespielt – aber am Ende hatte Hertha 2:1 gewonnen. Und niemand, wirklich niemand wusste warum. Selbst die Berliner nicht. Es war einfach nur Wahnsinn, wie ein solches Spiel so auf den Kopf gestellt werden konnte. Kaum zuvor einmal hatte der HSV im Olympiastadion so hoch überlegen aufgetrumpft, und dennoch schlichen die Hamburger mit leeren Händen in die Kabine.
Jetzt sind die Vorzeichen allerdings so, dass der HSV mit dem Selbstbewusstsein eines 1:0-Erfolgs über den FC Bayern anreist, und die Hertha ist dramatisch verunsichert. Da muss doch in Berlin endlich mal etwas gehen für den Rauten-Klub. . .

Und die Euphorie an der Elbe ist groß. Zum Montag-Training waren 100 Fans in den Volkspark gepilgert, trotz des miesen, kalten und regnerischen Wetters. Viele von ihnen machten sich allerdings auch rasch wieder auf den Heimweg, denn sie sahen ein Training wie beim kleinen Klub nebenan: Eine halbe Stunde Aufwärmarbeit, danach dann lange flache, weite und auch hohe Pässe. Das wird wahrscheinlich genau so bei Germania Schnelsen, Viktoria Harburg oder auch beim TuS Dassendorf geübt. Sah langweilig aus, aber von nichts kommt eben nichts. Jede Ballberührung, jede Ballannahme und jeder Schuss sorgt für mehr Sicherheit im Fuß, alles muss ständig wiederholt und geübt werden, damit es automatisiert wird und in Fleisch und Blut übergeht. Nach den Pässen wurden Spielzüge einstudiert, und die Abwehrspieler mussten immer und immer wieder üben, das Spiel vom Abspiel des Torwarts (Tom Mickel) nach vorne zu entwickeln und aufzubauen. Das klappte sicher nicht immer zur Zufriedenheit von Trainer Bruno Labbadia, denn etliche Bälle verendeten sang- und klanglos im Niemandsland. Besonders Jerome Boateng, der sich aus Scham oft die Hände vor das Gesicht hielt, schoss etliche Fahrkarten zuviel.

Bei den Proben der Offensivabteilung, bei der Piotr Trochowski beim Flanken von der linken Seite (mit dem linken Fuß) nicht den glücklichsten Tag erwischt hatte, war auch Testspieler Ebi Smolarek dabei. Ich hatte den Eindruck, der Pole ist nur mit halber Kraft dabei. Ich will ihm da keineswegs zu nahe treten, aber das waren für mich keine 100 Prozent. Aber wieso? Müsste er nicht alles in die Trainingseinheiten legen? Die Frage, die ich mir gestellt habe: Hat Smolarek eventuell gemerkt, dass seine Chancen, beim HSV unterzukommen, auf ein Minimum gesunken sind? Ich würde es zurzeit auf jeden Fall so einschätzen. Obwohl ich auch zugeben muss: Ein Smolarek im Vollbesitz seiner Kräfte, der Biss und den Willen hat, dem Gegner weh zu tun, der wäre durchaus ein Gewinn für den HSV. Aber wie gesagt, er zeigt es den Verantwortliche (im Moment) nicht so, dass er tatsächlich will. Obwohl er im abschließenden Spiel das einzige Tor für sein Team (gegen Frank Rost) köpfte. Ich bin gespannt, wie es mit Ebi Smolarek weitergeht, ich denke eher, dass man den Daumen nach unten halten kann.

Übrigens: Bestens aufgelegt war diesmal Tunay Torun. Dem Nachwuchsstürmer taten seine beiden Tore (zum 2:0-Sieg in Hannover) offensichtlich sehr gut, er wirkte schwungvoll und engagiert.
Apropos Daumen hoch oder Daumen runter? Diese Frage gilt nun auch für Guy Demel. Gegen die Bayern noch vorzeitig wegen des Verdachts auf einen Bänderriss ausgewechselt, nun aber doch wieder im Training. Ein Wunder? Ich fragte den neuen Hamburger Publikumsliebling Guy Demel, der nachmittags humpelnd den Platz verließ, nach seinem Befinden. Er antwortete: „Ich habe Schmerzen.“ Ich: „Warum hast du dann überhaupt trainiert?“ Demel: „Ich will nicht schon wieder verletzt ausfallen, ich will dabei bleiben.“ Und: „Wie geht es jetzt weiter?“ Demel: „Ich werde nun die Nacht abwarten, wie sich der Fuß und die Schmerzen entwickeln. Schmerzt er weiter, geht es am Dienstagmorgen zur Kernspin-Untersuchung, habe ich keine Schmerzen, werde ich trainieren.“ Kurios: Zwei Abendblatt-Praktikanten hatten sich nur Sekunden vor mir nach seinem Zustand erkundigt, da hatte Guy Demel noch geantwortet, dass er wohl ausfallen werde. Das galt aber wahrscheinlich nur für das Europa-League-Spiel am Donnerstag gegen Hapoel Tel Aviv (Anstoß um 21.05 Uhr!). Am Sonntag, so schätze ich die Lage ein, wird Demel wieder dabei sein – und Biss zeigen.

23.05 Uhr

Sprechstunde II

27. September 2009

Hallo, ist da was aufgelaufen! Ob ich damit auf Dauer auskomme, Eure Fragen am Sonntag zu beantworten? Abwarten. Muss ich mich eben etwas kürzer fassen. Obwohl ich dieses Ziel diesmal noch deutlich verfehlen werde. Es geht los:

„Lars“ fragte, warum es Piotr Trochowski nicht gelingt, gute Standards zu schießen? Das kann ich auch nicht beantworten, ich glaube, dass ganz stark die Form eine Rolle spielt. Ist ein Profi auch nur etwas verunsichert, dann kommen ihm schon beim Anlauf erste Zweifel an sich selbst. Ich weiß nur, dass Trochowski das einst sehr gut konnte, selbst in der Nationalmannschaft. Und ich denke auch, dass das bald wieder so sein wird. Ein, zwei gelungene Freistöße, dann ist die alte Sicherheit wieder da. Und: Bruno Labbadia hat natürlich längst erkannt, dass zu viele Freistöße verschenkt werden – er lässt Standards nun immer wieder fleißig proben.

„Peter“ fragte: „Wenn Marcus Berg kein vollwertiger Stürmer ist, warum spielt er dann in der schwedischen Nationalmannschaft? Und warum war er so teuer? Und warum hat man dann keinen richtigen Knipser geholt?“ Drei Fragen, eine Antwort: Berg stieg erst verspätet ins Training ein, weil er bei der U-21-EM gespielt hatte. Da wurde er Torschützenkönig, und das machte ihn so teuer – logisch. Er galt as Knipser, auf ihn setzte Bernd Hoffmann, der zuvor ja mit dem Brasilianer Vagner Love (ZSKA Moskau) verhandelt hatte. Der ist ein Knipser der Weltklasse, wäre aber noch teurer gewesen als Berg.

Ganz aktuell fragte „strandadonis“, ob Thomas Kroth eventuell Sportchef beim HSV wird? Ich habe den ehemaligen HSV-Profi Thomas Kroth spontan angerufen, habe ihn in Asien aus dem Bett geklingelt, habe mich dafür entschuldigt – und ihn nach dem HSV gefragt. Kroth: „Wie, was – ich weiß von nichts. Ich habe nichts vom HSV gehört, weiß auch nichts davon, dass ich dort Sportchef werden soll.“ Gute Nacht, Thomas, alles klar. Ich glaube ihm, absolut, weil ich ihn genau kenne – da ist nichts dran. Bis jetzt jedenfalls. Vielleicht wird der HSV ja auch jetzt erst darauf aufmerksam. PS: Ich heiße Dieter.

Es kam auch die Frage, ob es ein Fehler des HSV war, in der vergangenen Saison so lange auf drei Hochzeiten getanzt zu haben? Kann sein. Ich sprach darüber damals oft genug mit Martin Jol. Der war in der Klemme, denn er fragte zurück: „Was soll denn der HSV laufen lassen? Den Pokal? Den Europapokal? Die Meisterschaft?“ Und genau das war doch das Dilemma. Was sollte der HSV denn nun wohl sausen lassen? Ich habe keine Antwort darauf gefunden. Dennoch wäre es wohl besser gewesen, nur zwei Hochzeiten zu besetzen. Deswegen kann ich all diejenigen, die über die Osnabrück-Pleite nicht so sehr enttäuscht waren, verstehen. Eine Frage ist Bruno Labbadia nun abgenommen worden.

„Anda“ fragte: „Hat der HSV die falschen Spieler ausgeliehen?“ Das werde ich niemals mit einem „ja“ beantworten. Grundsätzlich ist immer alles falsch – wenn danach ein Spieler woanders trifft und Erfolg hat. Ich glaube ernsthaft, dass der HSV (und Labbadia) alles richtig gemacht hat.

„Peppino“ fragte, woran der Österreicher Markus Schopp (heute 35) einst beim HSV gescheitert ist? Dafür habe ich keine plausible Erklärung. Schopp, so hatte ich den Eindruck, ist nie so richtig in die Mannschaft integriert worden. Weil er es selbst nie so richtig mit Herz betrieben hat? Er wurde, wie man so schön sagt, nie „warm“ beim HSV, er war nie mittendrin, sondern wirklich immer nur dabei. Und ich hatte auch den Verdacht, dass er ein Schönling war, der mehr auf seine geordneten blonden Haare geachtet hat, als auf sein Spiel. Dass er etwas konnte, steht außer Frage, er hat es Jahre danach immer auf hohem Niveau (Brescia, Red Bull Salzburg, österreichische Nati) gezeigt und bewiesen. 

„HSVIngo“ fragte, wie ich darauf komme, dass der HSV einen guten zweiten Anzug hat? Hat er nicht? Ich habe das zu Saisonbeginn von allen Seiten (Fans, Kollegen, HSV-Vorstand) gehört. Weil sich der HSV ja mit fünf sehr guten (!) Spielern verstärkt hatte, und nur Ivica Olic abgegeben wurde. Deswegen habe ich gewagt, ein wenig zu träumen, dass es einen guten zweiten Anzug gäbe. Osnabrück hatte mich dann aber recht unsanft geweckt, gebe ich zu.

„Alexander von Reden“ brachte etwas sehr Gutes zur Sprache (Frage): „Warum weiß beim HSV offensichtlich niemand von der Elfmeter-Analyse des Roland Loy?“ Das weiß ich auch nicht, obwohl ich zugebe, dass ich davon schon gehört habe. Es stimmt ja, dass hoch geschossene Elfmeter meistens sitzen, aber ich glaube auch, dass sich damit Profis und ihre Trainer (die auf jeden Fall) auseinander setzen. Nur mangelt es dann an der Ausführung, das ist dann das Bittere daran.

Noch einmal „strandadonis“, er fragte nach Andreas Fischer: „Was macht er heute?“ Der wackere Mittelfeldspieler lebt in Hamburg (oder in Wedel) und geht einem normalen Beruf nach, er ist als Klimaanlagenmeister tätig. Und so ganz nebenbei – auch ein ganz netter Kerl. Ein Mann des Volkes. Ich versuche bei Gelegenheit, einmal ein Interview mit ihm zu führen.

„Josip Skoblar“ fragte mich, ob „der Tiger seine Zähne verloren hat?“ Hat er? Meine sind noch alle drin, und mein Zahnarzt ist mit meinem Gebiss sehr zufrieden – alle noch hübsch beieinander und fest. Aber im Ernst: Ich habe gelernt, nicht gleich beim ersten Wind an einen Orkan zu denken und alles in Frage zu stellen. Der HSV war und ist Tabellenführer der Bundesliga, warum denn alles verdammen? Was soll ich denn machen, wenn der HSV einmal „nur“ auf Platz vier, fünf oder sechs steht? Nein, meine Zähne sind okay, und ich möchte noch einige Zeit ein ganz kleiner Tiger sein.

„Berti“ fragt: „Warum spielt Pitroipa immer?“ Ich weiß es auch nicht, ganz ehrlich. Im Training drängt er sich so auf, wie Tunay Torun oder Tolgay Arslan – eben kaum. Aber er hat eben etwas, was ihn kostbarer erscheinen lässt: Schnelligkeit. Vielleicht, ich gebe die Hoffnung nicht auf, kommt er ja doch noch einmal. . .

„fresholi“ fragte: „Warum wird Rincon stets ignoriert?“ Ja, warum? Weil er taktisch noch Defizite hat, weil er alles über den Haufen wirft, wenn er „Rot“ sieht?  Und weil er vielleicht gelegentlich so zulangt, dass jeder auf der Bank eine Rote Karte befürchten muss? Für mich trainiert er gut und engagiert, ich hätte ihn zuletzt das eine oder andere Mal sehr wohl mit in den Kader genommen, aber Trainer Labbadia hat eben eine andere Meinung – und nur die zählt.

„Alfred E. Neumann“ schlug einmal mit der Faust (?) auf den Tisch: „Watt ist datt den hier? Herr Matz, zeich die mal wo der Papst die Locken hat.“ Weil es unter Euch hin und her ging. Ich finde das grundsätzlich gut, sehr gut sogar, ich werde das auch nicht unterbinden, und es gibt auch keine „Blog-Polizei“, die das tun würde. So lange Ihr Euch nicht unflätig beschimpft, ist „datt alns k.o. – oder auch okay.

„frank“ fragte, was mit Ebi Smolarek passiert, wenn Paolo Guerrero wieder fit ist? Smolarek ist ja noch nicht da. Und das Bayern-Spiel hat ihm auch nicht gerade in die Karten gespielt. Und sollten später doch beide Stürmer unter Vertrag stehen, dann bestimmt die Leistung sowie Angebot und Nachfrage, wer als Überlebender in Hamburg bleibt.

„HSV-Oliver“ fragt, ob van der Vaart im Winter zurückkommen wird? Und warum die Zweite so schlecht steht? Zum Real-Spieler a. D. habe ich natürlich die Meinung, dass er im Winter einen neuen Klub suchen und finden wird. Aber kommt er zum HSV? Ich glaube fest daran, dass er nicht zu bezahlen sein wird. Es sei denn, er wird ausgeliehen – und sein Gehalt wird von Gönnern bezahlt. Die Chance aber, dass er zum HSV zurückkommt, sehe ich bei 40:60. Und die Probleme der Zweiten? Zu jung, zu satt, zu unkritisch mit sich selbst. Wie sagte es kürzlich Dietmar Demuth (Trainer Babelsberg): „Talent allein genügt nicht.“ Man muss an ein Team denken, immer 100 Prozent geben wollen, und man sollte auch körperlich in der Lage sein, dagegen zu halten. Mit einem Ball zu jonglieren, das allein reicht schon lange nicht mehr.

„Frank L.“ warf mir vor, „neunmalklug“ zu sein und fragte, ob ich einmal Fußballspieler oder Trainer gewesen sei? Jo, war ich. Schon als 16-Jähriger habe ich bei BU die erste und gleichzeitig die zweite Knaben (heute D-Jugend) trainiert: beide Teams wurden Meister. Bei Hinschenfelde trainierte ich die A-Jugend: Meister. Beim 1. SC Norderstedt trainierte ich die C-Jugend: Meister und Aufstieg in die Leistungsklasse. Bei Hinschenfelde trainierte ich die Reserve: Meister. Beim WFC trainierte ich die Erste und die Reserve: beide Mannschaften Meister (Bezirksliga). Zuletzt trainierte ich in der Landesliga den TuS Neu-Steilshoop, diesen Klub habe ich „kaputttrainiert“. Weil ich im Winter zwei Spieler vor die Tür setzte, gingen gleich acht Liga-Spieler. Wir standen da an zweiter Stelle, am letzten Spieltag mussten wir dann gewinnen, um so eben die Landesliga zu halten – 1:0-Sieg. Der Verein aber erholte sich von dem Verlust von acht Spielern nie wieder und „starb“. Leider. Würde ich heute anders machen, damals war ich jung und zu heiß.

Als Spieler war ich bei BU (Amateure), dem WFC (Aufstieg in die Verbandsliga) und bei Hinschenfelde. Ich hoffe, das reicht. Auch um nicht als neunmalklug zu gelten. Als Trainer habe ich einst die B-Lizenz gemacht.

„Elfer“ fragte: „Labbadia will keinen neuen Stürmer, wird da über den Kopf des Trainers eine sportliche Entscheidung getroffen?“ Glaube ich nicht, im Moment, so scheint es, ziehen alle an einem Strang. Es wird sich beim HSV viel und oft unterhalten – und abgestimmt. Da passiert wohl nichts, was Labbadia nicht wollte. Und wenn doch, frage ich ihn mal danach – in aller Heimlichkeit natürlich. Und Ihr werdet es dann erfahren, selbstverständlich.

„rautenträger“ bemerkte, ob es ein Wunder sei, das Torun und Arslan im Training nicht immer einen hoch motivierten Eindruck machen? Ein Wunder nicht, aber es ist unklug. Wer es als junger Mann bis an den Rand einer (solchen) Profi-Mannschaft gebracht hat, der sollte immer Gas geben, überall – auch im Training. Ansonsten könnte man schnell mal weg vom Fenster sein. Und: Klasse setzt sich immer durch, davon bin ich überzeugt, also müssen sie sich anbieten. Durch gute Leistungen im Training vor allem.

„Stefan“ fragte. Ob ich „gute Miene zum bösen Spiel beim DSF-Doppelpass“ mache, wenn ich dort sitze? Keineswegs. Ich mag dies Sendung, ich mag die Kollegen dort sehr, ich glaube auch, dass diese Sendung allgemein bei den Fußball-Freunden im Lande gut oder auch bestens ankommt. Ich gebe zu, dass der HSV oft nur eine Randnotiz dabei ist, aber das ist Tradition. Der Doppelpass kommt aus München, der FC Bayern hat in Deutschland die meisten Fans und ist in der Vergangenheit immer der beste Klub (auch international) gewesen – dem trägt man beim DSF Rechnung. Ich gestehe aber nochmals: Der HSV ist dort unterrepräsentiert. Das sagte Martin Jol auch schon in seinem ersten und einzigen HSV-Jahr. Die HSV-Fans mögen sich trösten, denke ich: Bayern hat die meisten Anhänger, der HSV die besten!

„halstenwilli“ fragt, warum „Bernd Hoffmann und Dietmar Beiersdorfer nicht einfach über ihre Schatten springen“ können? Ganz klar: Das wird nichts mehr, die Fronten sind zu verhärtet. Beiersdorfer wird wohl, zu 99 Prozent, zum Jahresende zu Red Bull Salzburg gehen.

Und zuletzt zu „Dylan 1941“. „Was hätte Willi Schulz wohl erzählt, wenn der Ball von Robben beim Stande von 0:0 ins Tor getrudelt wäre?“ Ich behaupte: Dann hätte Mladen Petric eben zwei Tore geschossen. Und Ende. Ein Wort zu Udo Lattek: Der passt super in diese Welt, ist in Ordnung – und war der beste und erfolgreichste Trainer der Welt.

“Volker Schindler” warf mir vor, David Jarolim beim Lob nach dem Bayern-Sieg vergessen zu haben. Hatte ich nicht, ich wollte nur nicht schon wieder als Jarolim-Liebhaber entlarvt werden, man muss hier ja enorm aufpassen, was man sagt und schreibt. Vieles, was positiv gemeint wurde, endet dann doch negativ. Ich gebe aber natürlich zu, dass Jarolim auch ein großartiges Spiel gemacht hat.

Gaaaanz zum Schluss sei mir noch ein Satz nach Österreich gestattet: Was auch immer „Gosinga Mandl“ heißt, wofür es auch immer steht: Vielen Dank für die netten Worte, ich werde mich bemühen, diesen Ansprüchen immer gerecht zu werden – und auch zu bleiben.

23.10 Uhr

Oktoberfest in Hamburg

27. September 2009

Das wahre Oktoberfest fand doch in Hamburg statt, oder? Was war das für eine Stimmung! In der Arena, in den VIP-Räumen, in der Stadt. Als hätte der HSV endlich einen Titel gewonnen. Sensationell. „Dieser 1:0-Sieg tut der ganzen Stadt gut“, sagte HSV-Vorstandsmitglied Katja Kraus. Und HSV-Boss Bernd Hoffmann befand: „Jetzt hört endlich das Jammern um den Ausfall von Paolo Guerrero auf, denn die Mannschaft hat allen bewiesen, dass es auch ohne ihn geht – es muss ja ohne ihn gehen, denn er wird uns ja noch Monate fehlen. Leider.“ Und „World-Cup-Willi“ Schulz saß glückselig in der Delta-Loge, es wurde gerade in Orkan-Lautstärke „Wahnsinn“ von Wolfgang Petry (sorry, war ein Fehler!) gefetzt, als er sagte: „Dieser Sieg war hoch verdient, der HSV hat eine Klasse-Partie abgeliefert – weil diese HSV-Mannschaft auch Klasse hat. Sie braucht sich auf keinen Fall hinter den Bayern zu verstecken.“
Treffer. Genau so ist es. Und endlich wieder einmal, zum ersten Mal in dieser Saison, zu Null! Das ausgerechnet gegen den großen FC Bayern! Das lässt sich prächtig feiern.

Zumal dieser Erfolg vorher wahrscheinlich bei jedem zweiten HSV-Fan als „völlig ausgeschlossen“ galt. Ich gebe zu, ich bin einer von den „Zweiten“. Aber auch diejenigen, die immer optimistisch geblieben sind, haben ihrem Team wahrscheinlich eine solche Leistung auch nicht (unbedingt) zugetraut. Das war ein wahrlich großartiges Spitzenspiel, da war von der ersten bis zur letzten Minute Tempo drin, da gab es keine Abtastphase, da gab es kein langes Hin-und-Her-Geschiebe vor dem eigenen Strafraum, da ging es munter und vor allem ideenreich zur Sache. „Wieso gegen die Bayern, wieso geht das nicht gegen den VfL Osnabrück?“, fragte der frühere HSV-Geschäftsführer (und langjähriger Kapitän der „Zweiten“) Günter Schiefelbein nach dem Sieg und gab sich selbst die Antwort: „Das ist alles eine Sache des Kopfes.“ Genau so ist es.
Willi Schulz hatte während des Spiels noch eine kurze Unterredung mit dem Bundestrainer. Unser ehemaliger Weltklasse-Stopper gab preis: „Ich habe Jogi Löw gesagt, dass es schon immer zwei Türen bei der Nationalmannschaft gab. Eine, die die Spieler rein lässt, und eine, durch die die Spieler wieder raus gehen, wenn sie die Leistung nicht mehr bringen.“ Die erste Tür wurde nun (wenn nicht jetzt, wann dann?) ganz weit für Jerome Boateng geöffnet. Der ehemalige Berliner bot eine Weltklasse-Leistung, die viele zu dieser Frage veranlasste: „Welcher deutsche Abwehrspieler st derzeit stärker?“ Die Antwort ist klar: „Keiner!“ Und, was zudem für Boateng spricht: Er spielte diesmal erneut auf einer anderen Position, diesmal hinten links. Und Arjen Robben weiß nun ziemlich genau, wer Jerome Boateng ist.

Zu Ze Roberto habe ich bereits alles gesagt, von Euch kam der Einwand, dass er nicht nur „einer von den vier, fünf Besten der Liga“ ist, sondern der Beste – da werdet Ihr von mir keinerlei Widerspruch ernten. Allein der Alleingang, den Bastian Schweinsteiger nur noch mit einem Foul stoppen konnte, war das Eintrittsgeld wert. Das ist schon erste Sahne, was der Brasilianer kann und auch abliefert. Und solltet Ihr noch die Gelegenheit haben, das 1:0 von Mladen Petric anzusehen, dann achtet bitte einmal genau darauf, mit welch einer Ruhe Ze Roberto nicht nur in den Strafraum eindringt, sondern ganz gelassen (natürlich in Bruchteilen von Sekunden) nach einem Ball-Abnehmer Ausschau hält. Das ist die Klasse und die Routine von Ze Roberto, ein „jüngerer Hüpfer“ würde spätestens dann hektisch werden, wenn er mit dem Ball am Fuß Richtung Torauslinie läuft. Und Torschütze Mladen Petric? Der hatte kurz nach Saisonbeginn ein kurzes Tief, blüht jetzt aber total auf, spielt super, abgeklärt, sicher und selbstbewusst, ist, so denke ich, zurzeit in Bestform – gerade rechtzeitig (wegen Guerrero).

„Diesmal gibt es wirklich nichts, absolut nichts zu meckern“, gab der sonst so kritische Victoria-Trainer Bert Ehm (auch HSV-Mitglied) nach dem Sieg zu. Und er findet sonst (wir eigentlich gemeinsam) immer etwas, an dem es was zu mäkeln gibt, diesmal war er nur schwer begeistert. Sogar David Rozehnal erhielt ein Ehm-Lob (was ich absolut teile): „Nach einem kapitalen Fehlpass hat er sich kontinuierlich gesteigert, da hat er gezeigt, warum er tschechischer Nationalspieler ist.“
Es gab von allen eine Steigerung. Auch von Marcus Berg. Für den habe ich mich nach dem 1:0 ganz besonders gefreut, denn wie er strahlend inmitten der jubelnden Truppe stand, wie er sich mit dem Torschützen Mladen Petric gefreut hat – das bestärkt mich darin, dass dieser junge Berg erstens voll von dieser Gemeinschaft akzeptiert ist, dass er beim HSV mittendrin und nicht nur dabei ist, und das er noch kommen wird.

Übrigens: Der Reim zu diesem Spiel lautete ja: „Bayern kommt ja jetzt mit Robben, doch den können wir noch toppen, München lernt Elia kennen, denn der robbt nicht, der wird rennen.“ Und, was war? Elia hat einigen Bayern Knoten in die Beine gespielt. Er ist nach einem kurzen Tief wieder da.

Wie wohl auch Dennis Aogo. Im Mittelfeld benötigte er einige Minuten Anlaufzeit, dann aber war er da. Sehr gut sogar. Joachim Löw wird es mit Freude registriert haben, denn er muss ja auch an die Zukunft denken – und nicht unbedingt nur an Südafrika (und die WM).
Stark, auch wenn er eigentlich immer so spielt, die 90 Minuten von Joris Mathijsen. Er stand wieder einmal wie den Bank von Holland, räumte kräftig auf und ab, wurde einmal sogar (im Sitzen) handgreiflich gegen Münchens Müller.
Pech hatte erneut Guy Demel. Ihm trat Franck Ribery unabsichtlich auf den Fuß, so dass Demel verletzt raus musste. Wieder einmal. „Ich habe kein gutes Gefühl“, sagte der HSV-Abwehrspieler später. Soll heißen, dass er wohl erneut eine längere Pause einlegen muss. Am Montag soll eine Kernspinuntersuchung Aufschluss über die Schwere der Verletzung geben, aber auch Trainer Bruno Labbadia hatte unmittelbar nach dem Schlusspfiff schon eine schlechte Vorahnung. Befürchtet wird ein Bänderriss.

Ganz zum Schluss noch ein kurzer Blick zum FC Bayern: Ich unterhielt mich vor und nach dem Spiel zweimal kurz mit Uli Hoeneß. Nach dem 0:1 war der Manager naturgemäß nicht sonderlich gut drauf, aber auf mich wirkte er gefasst. Und, was besonders hervorzuheben ist, er lobte etwas, was nicht jeder „Gegner” lobt: „Die Hamburger haben ein fantastisches Publikum, die Fans haben ihr Team 90 Minuten lang hervorragend unterstützt und nach vorne gepeitscht, das ist schon toll, was hier abgeht.” Zu den drei „Hamburgern” im Team der Münchner auch noch eine kurze Einschätzung: Jörg Butt hat eine überragende Partie gespielt, Daniel van Buyten auch, das sollten alle, auch die, die ihn ständig ausgepfiffen haben, sportlich fair anerkennen. Und Ivica Olic? Er wollte wohl, aber er konnte (und durfte dank der HSV-Abwehr und des guten Frank Rost) nicht.
1:0-Siege, so heißt es im Fußball immer, sind die schönsten Siege – und ein 1:0-Sieg über die Bayern ist ganz sicher wunderschön. In diesem Sinne wünsche ich Euch eine wunderschöne Woche.

15.40 Uhr

Ze Roberto sorgt für den Feiertag

26. September 2009

Zuerst einmal ein Kompliment an den HSV nach den drei Auftritten in Wien, Frankfurt und Osnabrück war das wieder der „alte HSV“, und der war klasse. Ich hätte der Labbadia-Mannschaft einen solchen Auftritt nicht zugetraut, das muss ich gestehen, deswegen Hut ab! Da war Tempo drin, da war Klasse drin, das Hamburger Team spielte richtig gut mit, war auf Augenhöhe mit dem Starensemble aus München – ganz stark. Der Wille war da, die Konzentration, der Biss, das Herz. Und das alles wurde mit diesem traumhaften 1:0-Erfolg belohnt. Endlich wieder ein ganz großer Feiertag für Hamburg:  “Zieht den Bayern die Lederhosen aus!”
„Warum soll ich nicht an einen Erfolg von uns glauben? Was ist denn schon passiert? Wir sind raus aus dem Pokal, aber wir sind immer noch in der Bundesliga-Spitze. Ich will auch nichts von einem 1:1 hören, ich will hier und heute gewinnen“, sagte HSV-Boss Bernd Hoffmann vorher entschlossen.

Ähnlich aufgekratzt, fast schon aggressiv war auch die Stimmung in der Schüssel vor dem Anpfiff. Frank Rost erhielt im Norden großen und aufmunternden Beifall, für „Heimkehrer“ Ivica Olic gab es sogar viel Applaus, und für den nach einem Trainingsunfall am Auge und an der Nase genähten Jörg Butt sowie besonders Daniel van Buyten gab es ein großes hanseatisches Pfeifkonzert. Im Fußball lassen die Hamburger eben nicht mit sich spaßen, und anscheinend können sie auch nach Jahren noch immer nicht verzeihen.

Bruno Labbadia hatte die richtigen Maßnahmen ergriffen. Eljero Elia in der Spitze neben Petric, Jerome Boateng hinten links, David Rozehnal weiter in der Defensivzentrale – das alles funktionierte. Elia wirkte wieder spritzig und sehr gut erholt, Rozehnal etwas stabiler, und Boateng gab vor den Augen den Bundestrainers Joachim Löw erneut eine astreine Bewerbung für die Nationalmannschaft ab. Fast hätte der HSV-Abwehrspieler sogar ein Tor erzielt, doch Jörg Butt hielt den Boateng-Schuss in weltmeisterlicher Manier (30.) – dieser Schuss war eigentlich gar nicht zu halten! Wie nur Sekunden später auch der Flachschuss von Joris Mathijsen, Butt fuhr reflexartig seinen linken Fuß aus – und wieder kein Tor für den HSV.

Was erfreulich war: Der HSV hat nicht nur an den Standards fleißig gearbeitet, er hat sich auch schon verbessert. Weil offenbar mit viel mehr Konzentration an die Freistöße heran gegangen wurde. Da möchte man sagen: „Na bitte, es geht doch!“

Das gilt auch für Ze Roberto. Zum Glück hatte die medizinische Abteilung des HSV den Brasilianer rechtzeitig auf die Beine stellen können, der „große Ze“ dankte es mit einer (erneut) Klasse-Leistung. Unfassbar, mit was für einer Ruhe der Neu-Hamburger den Ball behauptet, obwohl er gleich von mehreren Gegenspieler bedrängt wird. Das können in dieser Bundesliga höchstens vier, fünf andere Spieler, denn dazu muss man perfekt am Ball sein und eine unglaubliche Körperbeherrschung haben – Ze Roberto hat auch mit seinen 35 Jahren (immer noch) alles. Das bewies er nicht zuletzt bei seiner Vorarbeit zum 1:0. Traumhaft, wie „Ze“ dem langen Mario Gomez die Hacken zeigte, mit Auge dann der Pass in die Mitte zu Mladen Petric, der ohne große Mühe vollendete. Dieser Treffer gehört mindestens zu 50 Prozent Ze Roberto – welch ein Glücksgriff des HSV.
Und wobei wir gerade beim reifen Fußballer-Alter (im Hamburger Team) sind: Frank Rost hatte ja auf seiner Homepage viele selbstkritische Worte bezüglich des haltbaren 0:2-Treffers von Osnabrück gefunden (auch hier mein Kompliment für die Ehrlichkeit!), und er stellte sich diesmal wieder mit einer ruhigen, abgeklärten und fehlerlosen Klasse-Partie ganz in den Dienst der Mannschaft.

20.23 Uhr

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