Monatsarchiv für August 2009

Hey, das geht ab!

27. August 2009

Allerhand los bei „Matz ab“. Eigentlich wollte ich erst nach dem Guingamp-Spiel schreiben, aber ich fühle mich aufgerufen durch Eure Fragen. Oder auch durch die Kritik. Beginne möchte ich mit „Dylan 1941“. Das Ding mit den Ratenzahlungen halte ich persönlich ja für lebensgefährlich. Was ist, wenn man einen Vorgriff tätigt, und nichts ist hinterher so eingetroffen, wie geplant oder erhofft? Denkt bitte mal an Schalke 04. Die hatten doch das Geld für die Champions League schon im Sommer 2008 fest eingeplant. Und was wurde daraus? Nur so viel, dass der gute Felix Magath nun zusehen muss, wie er sich eine neue Mannschaft zusammenklaubt. Keine Stars, viele junge Leute – siehe den Moritz, der eigentlich für Schalkes Zweite eingekauft worden war.

HSV-Chef Bernd Hoffmann hat in den vergangenen Jahren immer nur so viel ausgegeben, wie auch in der Kasse war. Ob das auch in diesem Jahr der Fall ist, kann man aber durchaus bezweifeln. Alle, wirklich alle (Zeitungen) in Hamburg hatten dem HSV am Ende der Saison 2008/09 vorgerechnet, dass nur noch 16 Millionen Euro für neue Spieler zur Verfügung stünden. Da hat keiner vom anderen abgeschrieben, sondern alle haben kühl gerechnet. Und dann hat der HSV mal so eben 24 Millionen Euro investiert. Ist Hoffmann als erstmalig ein (höheres) Risiko gegangen? Man kann es nur vermuten, er selbst würde es natürlich nie verraten. Er würde bei dieser Frage schmunzeln – und mehr nicht.

Natürlich sitzen im Aufsichtsrat einige finanziell potente Herren, die auch mal so eben einige Millionen Euro locker machen könnten – aber sie werden es nicht tun. Sie werden einen Teufel tun. Sonst hätten sie es doch schon lange getan. Der letzte (gute) Mann war in dieser Beziehung Jürgen Hunke. Als der HSV 1990/91 finanziell so klamm war, dass er in der Winterpause keine Gehälter mehr hätte zahlen können, hat Hunke mi einigen Talern für den Klub gebürgt. Nur deshalb erhielten die Profis ihr Geld.

Einer der Vorgänger von Hunke, nämlich Ernst Naumann, hatte auch eine bestens gefüllte Brieftasche, er half hier und dort einmal mit Geld für den HSV aus, war sehr spendabel, er kaufte auch einen Spieler namens Detlev Dammeier von Hannover 96. Solche HSV-Funktionäre aber gehören der Vergangenheit an – und das ist auch gut so. Sonst würde sich der Klub schnell Abhängigkeiten schaffen.
Und zu den möglichen Gewinnen, die der HSV erzielt hat: Wer von uns kennt denn schon das Vertragswerk, wenn ein Spieler gekauft oder abgegeben wird? Da steht keine Summe X, die zu bezahlen wäre. Da geht es um Ratenzahlungen, um Prämien (falls Meister, falls internationaler Startplatz), da geht es um einen eventuellen Weiterverkauf. Wie im Falle von Nigel de Jong. Der wurde an Manchester City verkauft, aber auch Ajax Amsterdam, sein Arbeitgeber vor dem HSV, hielt noch einmal die Hände auf. Undurchschaubar ist das alles, deswegen kann doch hier – bei Matz ab – niemand sagen (oder verlangen), wie die genauen Zahlen auszusehen haben. Da blickt nur noch der HSV-Vorstand, der andere Klub und der Spielerberater durch – und mehr nicht. Und noch einmal zu „Dylan 1941“ zurück: Ganz nebenbei hat der HSV ja auch noch die eine oder andere Millionen in Sachen Arena zu berappen, das darf bei allen Gewinn- und Verlustrechnungen und Spieler-Ein- und -Verkäufen nicht vergessen werden.
Dann fragt mich „Elfer“, wer beim HSV meine Informanten sind? Gute Frage, nächste Frage. Herr Meier und Herr Schmidt. Ich möchte den Journalisten sehen, der seine Informanten nennt, der sollte sich dann doch besser einen anderen Job suchen. Und der Gedanke, dass sich Bernd Hoffmann und Dietmar Beiersdorfer noch einmal an einen Tisch setzen werden, um die Friedenspfeife zu rauchen, ist auch abwegig, total sogar. Da geht nichts mehr (in Sachen Zusammenarbeit). Und deswegen kommt jetzt ja auch der Herr Grill.

Zum neuen Sportchef wurde ich auch einige Male gefragt („Firefox 1887), von „HK Hans“ sogar ein wenig heftiger. Vielleicht habe ich mich da auch ein wenig zu kompliziert ausgedrückt, das gebe ich gerne zu. „Vorsichtig gesagt soll Grill ein guter Freund von Bernd Hoffmann sein.“ Das hatte ich geschrieben. Ich meinte aber nicht, dass da etwas Linkes läuft – laufen könnte oder sollte. Ich meinte lediglich das Wort „Freund“. Das ist nämlich meiner Meinung nach mit Vorsicht zu genießen und vor allem zu gebrauchen! Wie viele echte Freunde hat denn ein Mensch? Das war damit gemeint. Ich kann mit dem einen oder anderen Menschen gut, sogar bestens bekannt sein, aber er ist deswegen noch immer nicht mein Freund. Das, nur das war damit gemeint.

Ich kenne die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Bernd Hofmann und Roman Grill nicht, es war nur in Hamburg und in München zu vernehmen, dass sich beide Herren sehr gut kennen, mögen, vertragen, schätzen. Aber sind sie deswegen auch gute oder sogar beste Freunde? Das wollte ich zum Ausdruck bringen.

Und auf keinen Fall wollte ich da etwas gegen Roman Grill schüren, wie „HK Hans“ mir unterstellt. Ich kenne Herrn Grill nicht, kann mir also kein Urteil über ihn erlauben – ich habe aber an dieser Stelle schon gesagt, dass ich mir sehr gut vorstellen könnte, dass er ein guter Sportchef für den HSV wird. Ich drücke ihm jedenfalls die Daumen – Freund von Hoffmann nun hin oder her. Und falls es auch andere User so verstanden haben (außer „HK Hans“), dass ich Stimmung gegen Grill gemacht habe, so kann ich immer nur wieder betonen, dass das auf keinen Fall von mir beabsichtigt worden war. Alle Unklarheiten nun beseitigt? Vielleicht noch zu er Mutmaßung, dass Grill eine Marionette von Hoffmann werden könnte. Könnt Ihr Euch das wirklich vorstellen? Der Mann, Roman Grill, hat Millionen verdient, der kennt den Fußball in- und auswendig, der muss als Spielerberater mit allen Wassern gewaschen sein – ein solcher Mann lässt sich doch von Bernd Hoffmann nicht wie eine Marionette behandeln. Nein, nein, da gibt es Kompetenzen, die werden klar abgesprochen (sein), und zudem sollen sich beide Herren – wie nun bereits mehrfach erwähnt – ja so gut verstehen, dass da keiner gegen den anderen arbeiten würde.
Ein Randaspekt, der mir in Sachen Grill auch noch zugetragen wurde, war der: Piotr Trochowski, Grills Klient als Spielerberater, könnte das Ohr in der Mannschaft für den Sportchef werden. Wirklich? Was sollte denn da passieren? Wenn es tatsächlich den einen oder anderen Spieler geben würde, der etwas Kritisches über Roman Grill sagen wollte, der nimmt sich eben so lange zurück, bis kein Ohr mehr zuhören kann. Da wird meiner Meinung nach mehr hinein interpretiert, als nötig.

Sorry

27. August 2009

Das ist ein dicker Klops von mir! Es muss wohl am Alter liegen. Jan Christensen hat mich voll erwischt, und er, nicht ich, hat die Wahrheit geschrieben. Asche auf mein Haupt. Also, ich widerrufe: Natürlich war es nicht Rolf Danneberg, der Thomas von Heesen trainiert hat, oh mein Gott, wie konnte ich das schreiben (?), es war selbstverständlich der Zehnkämpfer Rainer Sonnenburg – sorry. Erst an die User, dann auch an Rainer Sonnenburg, denn seine Verdienste habe ich so total unterschlagen. Als er als von Heesens Privattrainer „entlarvt“ worden war, trainierte er den HSV in Sachen Fitness. Und daran erinnere ich mich jetzt wieder ganz genau: Nach seinem Training gab es sehr, sehr oft Applaus der Profis, die von der Art und Weise, wie trainiert wurde, begeistert waren.

Ja, nun stehe ich da und bin platt. Ich reklamiere für mich eigentlich immer, nur die Wahrheit und nichts als die Wahrheit zu schreiben, und dann das. Leichtathletik ist dann wohl doch nicht so mein Thema.
Zu Jan Christensen und seinem Schwenk zu van der Vaart gesagt: Es ist nun einmal nicht jedem Profi gegeben, Selbstkritik zu üben, oder auch eine gesunde Selbsteinschätzung an den Tag zu legen. Jan hatte bemerkt, dass Rafael van der Vaart eigentlich gewusst haben müsste, dass er künftig nur noch in der „C-Elf“ von Real Madrid spielen würde. Das stimmt eigentlich grundsätzlich, aber: Um einmal eine Lanze für van der Vaart zu brechen: Wer als „junger Dachs“ schon Kapitän der niederländischen Nationalmannschaft ist, wer in Hamburg fast schon so wie Uwe Seeler gefeiert wird, der träumt doch irgendwie davon, eines Tages bei Real Madrid, dem FC Barcelona oder Manchester United spielen zu können. Gibt es dann ein solches Angebot, dann wähnt man sich am Ziel seiner sportlichen Wünsche.

Wenn es dazu dann auch noch die eine oder andere Million an Dollars mehr gibt, dann greift Mann eben zu. Wer würde das nicht machen? Und hat man diesen Schritt dann gemacht, dann will man sich (und der ganzen Welt) eben nicht so gerne eingestehen, dass man es nicht gepackt hat, dass man versagt (?) hat. Das macht die Sache so schwierig. In diesem Fall auch für van der Vaart. Kurios ist nur: In unserer HA-Sportredaktion waren vor einem Jahr fast alle Fußballer davon überzeugt, dass es van der Vaart bei Real nicht packen würde. Schon vor einem Jahr gab es dort einen Wesley Sneijder, der zwar im Sommer 2008 etwas schwerer verletzt (im Emirates-Spiel gegen den HSV) war, aber dann doch noch als eine etwas bessere Nummer als vdV galt. Nun sind beide gescheitert, so spielt das Leben als Fußballer. Aber: Die Millionen sind trotz allem noch auf dem Konto, und das ist ja auch ein ganz, ganz kleiner Trost.

Dann fragte „HSV-Oliver“, warum Roman Grill zu HSV kommen will? Der Mann hat beim FC Bayern gearbeitet, er war zwar kein Pressesprecher, aber er hat in der Presseabteilung von Chef Markus Hörwick mitgemacht. Immerhin genießt Grill aber beim FC Bayern einen sehr guten Ruf, und er soll, vorsichtig gesagt, ein guter Freund von Bernd Hoffmann sein. Wobei das Wort „Freund“ ja immer relativ ist. Der HSV-Boss wird seinem „Freund“ die Sache wahrscheinlich schon sehr schmackhaft gemacht haben. Und wenn beide Herren nun Hand in Hand arbeiten, der HSV aufblüht, eventuell sogar die Bayern als Nummer eins verdängt – dann haben Hoffmann und Grill alles richtig gemacht. Der ehemalige Bayern-Spieler sucht vielleicht auch die (neue und etwas andere) Herausforderung, vielleicht möchte er ja auch in Zukunft seine Millionen etwas schwerer verdienen. . ?

Über einen Gewissenskonflikt, weil er (noch) der Berater von Piotr Trochowski ist, mache ich mir übrigens weit weniger Gedanken, als Ihr. Was soll passieren? Trochowski bleibt beim HSV, oder er geht irgendwann, das ist doch alles. Und wenn er geht, vielleicht kommt dann ja tatsächlich der „kleine Engel“ zurück. Alles hat zwei Seiten, da bin ich total entspannt. Viel wichtiger ist doch, was das Gespann Hoffmann/Grill dann tatsächlich bewirken kann. Ich bin gespannt.

Apropos Trochowski: HSV-Fan Peter rief mich an und trug mir eine ausgefallene Theorie an. Nach der hat der gute Trochowski in der vergangenen Saison sein bislang bestes Jahr beim HSV gehabt, weil Rafael van der Vaart nicht mehr beim HSV war – und der gute „Troche“ endlich befreit von diesem Schatten aufspielen konnte. Und nun gibt es wieder einen wie van der Vaart beim HSV, von dem alle schwärmen: Ze Roberto. Trochowski ist, so die Peter-Theorie, nun wieder gehemmter, möchte neben Ze Roberto aufspielen wie zu besten Zeiten – und verkrampft. Für mich ist das aber alles ein wenig zu kompliziert, ich glaube weiter an die fußballerischen Künste von Piotr Trochowski. Er hat ja eigentlich auch ganz gut in die Saison hinein gefunden, nur in Wolfsburg war er schwach. So schwach, dass ich mich zum ersten Mal gefragt habe, das gebe ich zu, was da falsch laufen könnte. Aber vielleicht war das ja auch nur ein Ausrutscher, den wir alle mal haben. Siehe Danneberg und Sonnenburg.

Zum Schluss noch kurz zu „hsvboerni“: Ich lese auch die Mails des Gewinnspiels, wüsste auch, was ich bei der Ziehung der Gewinner zu machen habe (die werden am Freitag veröffentlicht), aber Ihr wisst ja: Die Sieger werden von einer Glücksfee gezogen, die mit geschlossenen Augen an den Computer heran geführt wird. Also ist NULL Bestechung möglich.

Ernüchterung

26. August 2009

Lieber Jacek Dembinski, was ist da unverständlich dran? Gestern war vom HSV nichts zu erfahren, heute ja. So spielt das Journalisten-Leben. Gestern wollten einige HSV-Leute nichts sagen, heute habe ich gleich zwei Leute gesprochen, und beide haben sie bestätigt, dass Rafael van der Vaart kein Thema ist. Und wenn man hört, dass Wesley Sneijder nun für 15 Millionen Euro von Real Madrid zu Inter Mailand wechselt, dann ist auch leicht nachvollziehbar, warum. Zu verschenken haben die „Königlichen“ eben auch nichts. Die wollten Sneijder zwar loswerden, genau wie van der Vaart, aber sie wollen eben auch einige Dollars kassieren. Und davon hat der HSV zurzeit nicht mehr ganz so viele. Aus verständlichen Gründen, denn es wurde doch schon viel, viel mehr eingekauft, als vorher erwartet und von vielen Seiten prognostiziert worden war. Und irgendwann ist eben auch in Hamburg das Ende der Fahnenstange erreicht.

Die Wahrheit zu van der Vaart, ob ja oder nein, ist die: Vor acht Wochen wollte ihn der HSV haben, doch da wollte der ehemalige HSV-Kapitän nicht. Seine Antwort lautete damals kurz und knapp: „Ich will und werde mich bei Real durchbeißen.“ Das hat nun nicht so richtig geklappt, ganz das Gegenteil ist der Fall, doch nun will eben der HSV nicht mehr. Oder er kann nicht mehr – und das eventuell nicht nur aus finanziellen Gründen. Über die sportlichen Gründe habe ich aber genug geschrieben – und Ihr alle natürlich auch (es gibt aber KEINE Abmahnungen!).

Es geht nun also nicht mehr um neue (oder auch nur einen neuen) HSV-Spieler, die noch bis zum 31. August nach Hamburg kommen könnten, sondern nur noch um einen neuen Sportdirektor. In diesem Punkt soll plötzlich wieder Klub-Manager Bernd Wehmeyer eine Rolle spielen. Was mir, ehrlich gesagt, ein kleines Rätsel ist. Wer auch immer ihn wieder ins Spiel gebracht hat, ich weiß es nicht. Eigentlich war der frühere Linksverteidiger aus der 83er-Meistermannschaft ja schon lange aus dem Kreis der Anwärter ausgeschieden, aber irgendeiner meldet sich dann doch wieder (ein wenig unqualifiziert) zu Wort, und schon ist die Diskussion wieder voll entbrannt. Ähnlich wie im Falle van der Vaart, könnte man meinen.

Für mich, das sind meine Informationen, geht es aber jetzt nur noch um Roman Grill. Wird er es, oder wird er es nicht? Nur das ist hier noch die Frage. Und wer mich fragt, der erhält die Antwort: „Er wird es, das steht für mich ganz eindeutig fest.“ Am Dienstag stimmen dann die Herren Aufsichtsräte ab, und dabei kann es durchaus sein, dass es noch den einen oder anderen „Störrischen“ in diesem Zwölfer-Gremium gibt, der den Aufstand proben will und sich weiter an dem Namen Wehmeyer klammert, aber nach kurzen und eventuell auch heftigen Diskussionen wird dann doch nur über Grill abgestimmt – und dann ist es Grill. So einfach ist das.

Nun noch ein kleiner Schwenk zu meiner Nachwuchs- und Privattrainer-Geschichte: Ganz klar, früher, zu Oliver Bierhoffs Zeiten, gab es einen Chef-Trainer und eventuell einen Co-Trainer. Natürlich gibt es heute einen ungleich größeren Trainerstab. Und genau das habe ich auch gemeint: Wenn es schon nicht der Chef-Coach übernehmen will, so gibt es andere in seinem Stab, die sich um den Nachwuchs verdient machen könnten. Ich meine sogar, müssten! Wobei ich jetzt gar nicht über den Trainerstab von Bruno Labbadia wettern will, denn der hat seine Arbeit ja erst kürzlich aufgenommen.

Für mich existiert dieses Thema schon viele, viele Jahre, denn auch die Trainer verdienen gutes Geld, haben an manchen Tagen aber nur einige (wenige) Stunden Arbeit. Und letztlich müsste jedem Trainer daran gelegen sein, aus dem vorhandenen Spielermaterial (jetzt werde ich wieder beschimpft, ich weiß aber, was für ein hässliches Wort das ist) etwas zu machen, zu zaubern, auf die Beine zu stellen. Dafür sind sie doch alle einst Fußballlehrer geworden, oder?

Ich möchte an dieser Stelle noch kurz einmal aus dem Nähkästchen plaudern. Es gab beim HSV mal einen Trainer, der unmittelbar vor Trainingsbeginn in die Kabine gehechelt kam, und dann beim Umziehen in die Runde seiner bereits wartenden Assistenten fragte: „Was ist heute eigentlich für ein Tag?“ Die Antwort wussten alle: „Dienstag.“ Darauf der Chef-Coach, immer noch beim Umziehen, zu einem Co-Trainer: „Dienstag? Dann bist du doch dran, Erwin, das Programm mit der Mannschaft zu machen. . .“ So geht es natürlich auch, aber von diesen Zeiten ist der HSV (und die Bundesliga) wahrscheinlich nun schon Lichtjahre entfernt. Hoffentlich. PS: Die Geschichte stimmt, der Name Erwin stimmt natürlich nicht, denn ich möchte jetzt, Jahre später, auch niemandem zu nahe treten.

In diesem Sinne, ich wünsche Euch ein schönes Spiel gegen die Franzosen aus Guingamp, und dazu eine hungrige und engagierte HSV-Mannschaft – ganz egal, wer dabei auch immer zum Einsatz kommen wird.

Der „kleine Engel“ kommt nicht

26. August 2009

„Was ist denn nun mit van der Vaart?“ Fragt „Lars“. Die Antwort, die ihn weniger befriedigen dürfte lautet eindeutig: „Nichts!“ Der „kleine Engel“ wird definitiv in diesem Sommer nicht zum HSV zurückkehren. Auch wenn es da irgendwelche Aktivitäten innerhalb des Vorstandes geben sollte, das sind keine Rückhol-Aktivitäten für van der Vaart. Es wird auch, wenn nicht in letzter Sekunde noch ein Wunder geschieht, keinen anderen neuen Spieler mehr für Bruno Labbadia geben, alle Verpflichtungen, die getätigt werden mussten, sind auch getätigt. Und Ende. Ich weiß sehr wohl, dass nun einige von Euch bitter enttäuscht sein werden, aber das ist nun einmal die Realität. Mal ehrlich: Wo sollte denn van der Vaart bei diesem HSV spielen? An Ze Roberto käme er nicht vorbei, und ansonsten im Angriff? Das geht schon mal gar nicht, weil Paolo Guerrero, Mladen Petric und Marcus Berg viel torgefährlicher sind, wahrscheinlich auch schneller und robuster. Und wenn nicht einmal der große und so arg gebeutelte FC Bayern etwas von van der Vaart wissen will, was sollte denn der HSV. . ?

Die einzigen Aktivitäten, die es beim HSV noch auf dem Transfermarkt geben könnte, sind Ausleihgeschäfte. Eric Maxim Choupo-Moting und Änis Ben-Hatira sind da noch in der Verlosung. Letzterer wird von mir immer noch ganzhoch eingeschätzt, obwohl ich mir da zuletzt so manches „blaue Auge“ und einige hämische Kommentar gefallen lassen musste. Ben-Hatira erinnert mich immer noch an den jungen Thomas von Heesen, ich weiß aber auch, dass der gute Änis nicht den unbedingten Biss hat, es hier in Hamburg all denen zu zeigen, die ihn nicht unbedingt auf der Rechnung haben. Das ist in meinen Augen aber schade, jammerschade sogar.

Wobei wir bei Talenten wären. Tolgay Arslan wurde zuletzt aus Euren Reihen gefordert, was ich nachvollziehen kann (hatte ich ja geschrieben). Grundsätzlich muss ich zu diesem Thema mal etwas anmerken: Der Name von Heesen steht für eine höchst ungewöhnliche Aktion. Als es mit dem gelockten Mittelfeldspieler nicht so recht voran gehen wollte, als er sogar am Scheideweg stand (Profi oder doch kein Profi?), gab er plötzlich Vollgas – und spielte sich in die Stammelf und in die Nähe der Nationalmannschaft.

Alle Welt fragte sich: Woher kommt diese plötzliche Leistungsexplosion? Bis von Heesen selbst einmal das Geheimnis lüftete. Er hatte am Vormittag Training beim HSV, und am Nachmittag trainierte er dann in der Jahnkampfbahn im Stadtpark. Unter der Führung von Diskus-Olympiasieger Rolf Danneberg. Den hatte sich Thomas von Heesen als „Privattrainer“ engagiert, aus freien Stücken. Er hatte erkannt, dass er mehr tun muss, um nicht zu scheitern – und es hat sich für ihn ausgezahlt. Auch für Danneberg, denn als es publik geworden war, dass er den Privattrainer gab, wurde der Leichtathlet vom HSV als Trainer verpflichtet (später dann auch vom Nachbarn St. Pauli).

Was ich damit sagen will: Ein junger Spieler kann es ruhig auch selbst mal in die Hand nehmen, wenn er die große Karriere starten will. Was auch ein zweites Beispiel belegt: Patrick Owomoyela (einst Stellingen 88) nahm sich als Spieler des damaligen Lüneburger SK gleich zwei Privattrainer zugleich. Einmal K-P Nemeth (jetzt St. Paulis Torwarttrainer), dazu den Schwimmtrainer Dirk Lange (heute Bundestrainer). Die formten „Owo“ so, dass er noch Nationalspieler wurde.

Ihr werdet Euch zudem erinnern, dass es auch mal einen Nationalspieler namens Christian Rahn beim HSV gab. Der brachte es immerhin auf fünf Länderspiele. Und der heutige Zweitliga-Profi von Greuther Fürth hätte sicher viele Einsätze mehr schaffen können, wenn er sich damals hätte überzeugen lassen. Ich habe oft und lange versucht, ihn davon zu überzeugen, dass er sich einen Privattrainer nehmen sollte. Weil Rahn zwar nach vorne unglaubliches Talent besaß, aber nach hinten auch unheimlich große Defizite. Das hätte ein Coach, der sich nur darum hätte kümmern sollen, sicher beheben können – und Rahn wäre heute noch in der Ersten Liga. Davon bin ich restlos überzeugt, aber er tat es nicht.

Ich gebe aber natürlich auch zu, dass das Beheben von Defiziten in erster Linie auch Sache der Trainer wäre. Doch die haben in der Vergangenheit in Hamburg entweder nichts erkannt, oder sie hatten keine Zeit (natürlich nur eine Ausrede!). Schlimm ist für mich beides.

Wobei ich spontan auch an Oliver Bierhoff denken muss. Der HSV-Spieler, bei dem ich mich wohl am gründlichsten geirrt habe. Als er damals den HSV verließ, habe ich gedacht: „Den siehst du nie wieder.“ Und dann wurde er in Italien Torjäger und Meister mit dem AC Mailand. Wir haben heute noch ein großartiges Verhältnis, er hat mir einst gestanden, dass er auf zwei deutsche Trainer nicht besonders gut zu sprechen ist: Rolf Schafstall und Willi Reimann. Bierhoff: „Beide haben mich nicht gefördert, sie haben mich überhaupt nicht verbessern wollen, ich sollte nur funktionieren. Und da ich es in ihren Augen nicht konnte, war ich eben nur Ersatz und schnell weg vom Fenster.“

Erst in Italien wurde er ein Riese. Weil sich dort ein Trainer die Zeit nahm, sich mit ihm nachmittags, wenn alle anderen Spieler frei hatten, zu beschäftigen. Immer und immer wieder wurde Bierhoff geschult, sein Kopfballspiel, seine Ballfertigkeit, seine Schnelligkeit. Und dann machte er diese große Karriere. Ein Denkanstoß für jedes Talent, sein Schicksal auch mal selbst in die Hand zu nehmen (und nicht auf andere warten, die doch nichts tun), ein Denkanstoß aber auch für Vereine, viel mehr an Ausbildung in seine Spieler zu investieren, als dieses Training für ein gesamtes Team. Manchmal könnte es sich tatsächlich lohnen – und die Trainer werden ja ohnehin für einen ganzen Tag bezahlt. Oder ist Einzeltraining einfach nicht drin?

Überwältigend

26. August 2009

Vorweg noch einmal in eigener Sache. Ich bin überwältigt, Ihr seid ja sensationell, das ist einfach nur klasse. Wie Ihr hier mitmacht, das macht mich fassungslos, das hätte ich nie im Leben erwartet. „Danke“ wollte ich ja eigentlich nicht mehr sagen, weil ich Euch damit nicht langweilen möchte, ist aber in meinen Augen noch einmal unumgänglich und auch ganz ehrlich gemeint: Eure Beiträge sind über mich hereingebrochen wie das herrlichste Schönwettergebiet.

Allerdings möchte ich Euch doch bitten – ganz besonders „Kavennsmann“ -, dass ich noch einen etwas längeren Zeitraum bei „Matz ab“ mitmachen und schreiben darf. Ich möchte, wo ich doch gerade erst damit angefangen habe, noch nicht aufhören, und ich möchte mich sehr wohl noch etwas anstrengen müssen. Möchte nicht nur Euch fordern, sondern auch mich. Ich hoffe auf Euer Einverständnis.

„Dembinski“ lobt den guten Umgangston bei „Matz ab“, das kann ich nur unterstreichen. Und ich hoffe, dass es auch so bleiben wird. Es wird auch keine Zensur geben, sollte es kritische Töne – auch gegen mich – geben, Kritik wird erscheinen, ganz klar. Allerdings sollten wir alle darauf achten, dass kein Mensch persönlich diffamiert wird, dass niemand menschenunwürdig „heruntergeputzt“ und attackiert wird. Das ist meine große Bitte an Euch, dass wir diesen Umgangston, den wir bislang miteinander gepflegt haben, auch beibehalten.

Großartig finde ich ferner, dass sich viele von Euch zum so schwer verunglückten St.-Pauli-Fan Mini geäußert haben. Das hätte ich niemals für möglich gehalten, obwohl das absolut in meinem Sinne ist. „Jakob Klobutzki“ hat sogar angeregt, am Sonntag, beim Spiel gegen Köln, ein Banner zu zeigen, auf dem die HSV-Fans dem St.-Pauli-Mini beste Genesungswünsche aussprechen. Sollte sich jemand mit der Anfertigung eines solchen Banners beschäftigen, so bin ich bereit, diese Aktion mit 50 Euro (für Farbe etc) zu unterstützen – bitte melden.

Und noch eines finde ich einfach hervorragend: Wie sehr Ihr Euch alle Gedanken um diesen, um Euren HSV macht. Dass dabei sogar an die ganz jungen Talente gedacht wird – alle Achtung. “HSV-Oliver“ hält so viel von Tolgay Arslan und hätte es so gerne, wenn dieser junge Mann schon bald einmal eine Chance bei den Profis erhielte. Die Antwort darauf aber ist fast schon bei „Matz ab“ gegeben.

Welcher junge Mann soll einem „alten Hasen“ den Platz in dieser „Hammermannschaft“ wegnehmen? Und sei das Talent sowie die Veranlagung noch so groß, ich sehe das zurzeit nicht. So leid es mir für jeden jungen Spieler tut. Arslan ist sicher sehr talentiert, aber ich kann ihm nur das raten, was ich schon Änis Ben-Hatira und Tunay Torun geraten habe: Geduldig bleiben, im Training immer Biss zeigen, lernen, lernen, lernen wollen, niemals aufgeben und sich niemals hängen lassen, und wenn es noch so hart sei.

Dann kann es eines Tages etwas werden. Und wenn dann doch nicht? Dann wartet die Zweite Liga. Siehe Sidney Sam, der nun beim 1. FC Kaiserslautern kickt. Ist zwar nicht das Allergrößte, aber gewiss auch nicht ganz schlecht. Und: Die Zeiten, in denen ein Uwe Seeler mit 17 Jahren in der Nationalmannschaft debütierte, die gehören doch irgendwie schon seit Jahren der Vergangenheit hat.

Von kleinen Ausnahmen mal abgesehen (z. B. Lukas Podolski, Bastian Schweinsteiger). Weil nicht nur das Talent ausschlaggebend ist, sondern auch die körperliche Fitness. Es gehört heute eine ungeheure Schnelligkeit dazu, gepaart mit einer gewissen Robustheit und Schlitzohrigkeit. Auch da gibt es ein Beispiel: Ihr habt es sicher schon beobachtet, davon bin ich restlos überzeugt, wie der junge Eljero Elia kickt. Der geht nicht nur ab wie eine Rakete, der lässt sich auch nicht die Butter vom Brot nehmen. Bevor ein Verteidiger die Stabilität seiner Hölzer überprüft, macht es Elia selbst. Der teilt aus, obwohl er wie der liebe junge von nebenan aussieht. „Eli“, wie ihn die Kollegen rufen, lässt sich nichts gefallen – anders kann man im heutigen Profi-Fußball auch nicht überleben, geschweige denn nach oben kommen. Das sei Tolgay Arslan noch schnell in sein künftiges Fußball-Profi-Stammbuch geschrieben.

Schon 135 Zeilen, wo will ich noch hin? Umgehend zum heutigen Fußballgeschehen im Volkspark: Am Donnerstag, im Europa-League-Spiel gegen Guingamp, wird nur eine ersatzgeschwächte HSV-Mannschaft auflaufen (ich spreche extra nicht vom B-Team), da müssen alle ganz tapfer sein. Ich werde das
unterstützen, denn die EL-Gruppenphase ist nach dem 5:1 im Hinspiel bereits erreicht, und am Sonntag wartet mit dem Heimspiel gegen Köln eine ganz unangenehme Aufgabe. Ihr erinnert Euch doch noch an den letzten Kick gegen Ende der vergangenen Saison, oder? Deswegen ist es doch nur verständlich, wenn Bruno Labbadia nun seine Cracks schont, damit sie den Kölner mit vollster Kraft voraus begegnen können.

Leid tut mir ein wenig das ZDF, das live aus dem Volkspark übertragen wird, Leid tun mir in dem Falle auch die Zuschauer. Aber es ist ja auch nicht gesagt, dass es erneut ein Trauerspiel wie gegen Randers geben wird, denn jeder HSV-Profi muss doch versuchen, sich mit einer guten Leistung für die Stammelf zu empfehlen.
Das geschieht, so habe ich das Gefühl, auch schon im Training. Da lässt sich kaum einer hängen. Und die Stimmung am Dienstag war großartig. Eine Stunde und 20 Minuten wurde ohne (!) Ball trainiert, es gab Kraft- und Konditionstraining mit vielen Läufen, und erst danach ein Spielchen. Da ging es dann aber sehr, sehr munter zur Sache, jeder wollte sich zeigen. Jerome Boateng schoss dass „Tor des Monats“ und kassierte viel Beifall von den 300 Fans, Collin Benjamin trat Jonathan Pitroipa klassisch um, und den Hoch-und-weit-Preis des Tages erhielt diesmal Marcus Berg, der die Kugel wuchtig in Richtung Güterbahnhof Wandsbek beförderte.

Erstaunlich war das Ende des Trainings: Nach einer Stunde und 50 Minuten schien Schluss zu sein, einige Spieler packten ihre Sachen und gingen (Autogramm schreiben). Es blieben aber noch 15 Profis, die Frage, die ich nicht klären konnte, war die: freiwillig? Es gab Flanken und Torschüsse, es ging zu wie beim Straßenfußball. Herrlich anzusehen. Und da bin ich kurz noch bei einem anderen Thema: Straßenfußball. Gibt es den heute noch? Kaum! Aber die Profi-Klubs hätten beste Voraussetzungen, ihn wieder einzuführen. Sie haben die Plätze, sie haben Trainer, sie haben Spieler, vor allem junge, hungrige Männer.

Die müssten eigentlich darauf bedacht sein, zu lernen, lernen, lernen. Jede Ballberührung würde sie stärker machen – aber es macht seit Jahrzehnten kaum einer mehr als vom Verein gefordert. Kein Klub, keine Trainer, kaum Spieler denken daran, dass man eigentlich viel erreichen könnte, wenn etwas mehr gemacht werden würde, als alle anderen. Schade eigentlich, denn Zeit und die anderen Voraussetzungen wären gegeben. Vielleicht kommt ja irgendwann mal einer drauf. In diesem Sinne wünsche ich Euch einen großartigen Mittwoch.

Vander

25. August 2009

In Deutschland gibt es enorm viele Bundestrainer. Millionen soll es davon geben, wenn es um den Fußball geht. Aber es gibt wohl nicht nur enorm viele kleine Jogi Löws, sondern auch etliche Fußball-Journalisten. Wenn ich so „Matz ab“ betrachte, alle Achtung. Da kommen schon einige prima Tipps, da gibt es sehr gute Analysen, da wird sich Gedanken gemacht, über die nicht unbedingt jeder Fan ins Grübeln kommt.

So zum Beispiel heute, die Sache mit der Fitness. Das ist in der Tat ein Punkt, der bei Bruno Labbadia eine riesige Rolle spielt. Er will eine absolut fitte Mannschaft, und dafür lässt er mitunter auch etwas länger trainieren. Länger, als das bisher in Hamburg, aber nicht nur dort, der Fall war. Und nun bringt der „Kollege“ namens HSV-Oliver bei „Matz ab“ die Fitness ins Spiel: Lag es schon daran, dass der HSV in Wolfsburg, als es 2:2 stand und der VfL drängte, dank der besseren Kraft noch einmal dagegen halten konnte? Ein wirklich kompetenter Randaspekt, „Herr Kollege“, Hut ab!

In der Tat ging es in dem Vier-Augen-Gespräch, zu dem mich Bruno Labbadia nach dem Spiel in Wolfsburg bat, um das große Thema Fitness. Es war vertraulich, deswegen werde ich hier keine Details preisgeben, nur soviel: Der neue HSV-Coach ist auch in diesem Punkt, oder vielleicht sogar besonders in diesem Punkt, sehr genau und denkt vielleicht weiter, als so mancher seiner 17 anderen Bundesliga-Kollegen.

Wobei Bruno Labbadia zwar im Geiste mit Felix Magath verwandt ist, aber eben nur dort. Während der gute „Quälix“ in seinem Programm auch einige Passagen drin hat, in denen ohne Ball (aber mit Medizinball) trainiert wird, legt Labbadia großen Wert darauf, fast ausschließlich mit der Kunstlederkugel trainieren zu lassen. Das ist der Unterschied zwischen Labbadia und Magath, den können Trainingskiebitze im Volkspark bereits jetzt fast täglich beobachten.

Ob allerdings schon jetzt die Fitness-Handschrift von Labbadia erkennbar ist und bereits Früchte trägt, wage ich doch zu bezweifeln. So schnell geht das eigentlich nicht, der schöne Bruno wäre ein Wunderheiler.

Auch ein anderes Thema dürfte absolut keine Rolle spielen. Im Forum wird behauptet, dass die jüngsten Erfolge daran liegen, dass emotionale Bremsen wie Dietmar Beiersdorfer, Huub Stevens oder auch Martin Jol nicht mehr beim HSV sind. Das ist starker Tobak. Und in dieser Schonungslosigkeit auch ganz gewiss nicht zu halten. Was hat zum Beispiel Beiersdorfer mit dem neuen Schwung auf dem Rasen zu tun – beziehungsweise mit dem alten Schwung?

Beim HSV gibt es Elia und zum Beispiel Ze Roberto, die dafür sorgen, dass das Spiel des HSV nun in ganz anderen Bahnen verläuft. Daran kann der Herr Beiersdorfer gewiss nichts ändern, egal welches Temperament er auch immer hat. Das ist absoluter Quatsch, im Ernst. Er hatte aber immerhin noch seine Finger mit im Spiel, als es darum ging, genau diese beiden Spieler mit dem HSV in Verbindung zu bringen.

Einen Satz noch zu „Mario“. Natürlich sind Träume erlaubt, aber das mit dem letzten Spiel bei „Werner Brehm“ (nettes Wortspiel) ist natürlich eine schwere Hypothek. Und wie alle aus leidvoller Erfahrung wissen, kann da aus einem Traum schnell ein ganz, ganz böser Albtraum werden. Muss nicht, könnte aber. Zum Glück jedoch ist das noch sehr lange hin.

Und wer weiß, was bis dahin noch passiert? Gestern rief mich unser Kultsänger Lotto, der Herr Karl König, an und fragte aufgeregt: „Was ist da dran, dass Rafael van der Vaart doch noch innerhalb dieser Transferperiode zum HSV zurück kommt?“ Gute Frage, Lotto. Beim HSV ist nichts zu erfahren. Wobei ich einen solchen Transfer auch nicht für ausgeschlossen halte. Ein Gerücht nährt den Wechsel sogar, es besagt, dass eine Gruppe von finanziell potenten Hamburger Herren einspringen will, um das Gehalt von van der Vaart zu übernehmen.

Und da Real Madrid den Niederländer loswerden will, wäre er sicher etwas billiger als unter normalen Umständen zu haben. Und da Vereins-Chef Bernd Hoffmann in diesen Tagen alles dafür gibt, in Sachen Transfers nicht zu kleckern, sondern zu klotzen, ist nichts unmöglich. Noch ist fast eine Woche Zeit, um diesen Wechsel über die Bühne zu bringen.

Wenn es denn nicht doch noch die Bayern versuchen? Denen steht das Wasser erkennbar bis zum Hals, die müssen dringend etwas tun. Und da Ribery nicht so richtig in die Gänge kommt, eventuell nicht kommen will (?), wäre van der Vaart vielleicht an der Isar herzlich willkommen. Abwarten. Mehr bleibt nicht.

Ein Spiel für die Geschichte?

24. August 2009

Traumhaft, riesig, sensationell, stark, unglaublich, hervorragend, gigantisch. Die Fans taumeln nach dem Über-Kick von Wolfsburg von einem Superlativ zum nächsten. Es war ja aber auch herrlich. So schön kann Fußball sein. Und dann noch vom HSV gespielt!? Das ist eigentlich unglaublich, denn vor 14 Tagen hatte die Labbadia-Mannschaft noch Fußball zum Abgewöhnen geboten. Mich haben viele Mails und noch mehr Anrufe erreicht, dieses Spiel, dieser 4:2-Sieg über den Meister wird in die Geschichte eingehen, keine Frage. „Wir hätten zehn Tore schießen könne, sechs Tore schießen müssen – zum Glück haben vier gereicht“, sagte HSV-Boss Bernd Hoffmann nach dem Spiel mit etwas blasser Miene. Diese 90 Minuten hatten Nerven gekostet, und zwar allen Beteiligten.

Und Lob gab es vom Gegner. VfL-Trainer Armin Veh sah sich die Statistik des Spiels an, staunte und sagte: „27 Schüsse auf unser Tor, das ist eine unfassbare Zahl. Und wenn man dazu bedenkt, dass unser Torwart der beste Mann auf dem Platz war. . . Die Meisterschaft führt in diesem Jahr nur über den HSV.“

Das klingt alles höchst erfreulich. Ist es natürlich auch. Für mich gab es nach dem Spiel noch einige Aha-Erlebnisse bei „Matz ab“. Wie zum Beispiel Romeo Castelen bei Euch gefeiert wurde, finde ich super, fair und menschlich. Der kleine Flügelflitzer, der das Herz auf dem rechten Fleck hat, hatte eine unglaubliche Leidensstrecke hinter sich – und dann dieses Comeback! Für mich unfassbar. Und ich hätte es auch nicht für möglich gehalten, dass Bruno Labbadia ihn schon einsetzen würde. Im Training nämlich hatte Castelen kaum einmal eine Szene, die den Trainer zu einem solchen Kurz-Einsatz hätten ermutigen können. Labbadia tat es trotzdem, „Z“ hatte kurz darauf Tränen in den Augen – und Castelen war wieder auferstanden. Auch solche Geschichten schreibt eben nur der Fußball (drei Euro ins nächste Phrasenschwein).

Dass Castelen der Mann war, den Eljero Elia in die Arme sprintete, lag daran, dass sich beide HSV-Profis morgens vor dem Spiel schon Gedanken über das Spiel gegen den VfL machten. Romeo hatte seinem Landsmann Eljero prophezeit: „Es wird Zeit für dein erstes Tor, ich glaube, du wirst es heute schießen.“ Und diesem Propheten sprintete Elia dann mit Inbrunst und voller Dankbarkeit in die Arme.
Gefreut habe ich mich über „HSV-Oliver“, der mit einer Art Doktor-Arbeit dieses Spiel akribisch genau festgehalten hat. Was für eine Fleißleistung. Großartig! Kompliment! Ich werde mir jede Zeile aufbewahren – skizzieren sie doch eines der größten Spiele der HSV-Bundesliga-Geschichte.

„Schuld“ daran war auch ein Mann, der bis vor kurzem noch bei den Bayern unter Vertrag stand: Ze Roberto. Trat in Wolfsburg vor der Pause noch David Jarolim vielfach als Regisseur (!) in Erscheinung (siehe 1:0), so löste ihn nach dem Wechsel der Brasilianer in dieser Rolle ab. Ze Roberto ist absolut brillant und ein großer Gewinn für diesen HSV, denn wenn die Mitspieler irgendwann einmal nicht mehr weiter wissen, geben sie ihm den Ball – und es wird etwas Gutes draus. Ob sich Uli Hoeneß schon einige Male geärgert hat?

Übrigens: Wenn einige von Euch nun sagen, dieser Sieg von Wolfsburg war so schön wie das 4:4 gegen Juventus in der Champions League (13. September 2000), dann muss ich allen entgegnen, was der frühere HSV-Kapitän Ditmar Jakobs vor einigen Tagen sagte, als er durch das Abendblatt-Buch „Nur der HSV“ blätterte und zu diesem Spiel kam: „Ich verstehe nicht, dass dieses Spiel noch heute so glorifiziert wird. Die Italiener waren damals doch erst eine Woche im Training, das waren doch ungleiche Voraussetzungen.“ Sehe ich ganz genau so – obwohl das Spiel von seiner Dramatik her natürlich ein echtes Highlight war und bleibt.

Apropos sehen: Wenn nun gefragt wurde, ob Bruno mitliest (gemeint ist Labbadia), dann muss ich mit einem eindeutigen „Jawoll“ antworten. Er liest mit. Und weil er das tut, nahm er mich nach (!) dem Spiel in Wolfsburg dezent beiseite und erläuterte mir eine Passage in einem meiner Kommentare mal aus seiner Sicht. Das war keine Kritik, aber es war sehr aufschlussreich. Und noch eines zu „Matz ab“. Es stört mich überhaupt nicht, das Gegenteil ist der Fall, wenn Ihr Meinung und Gegenmeinung äußert, das macht die Sache nur lebendiger. Ich glaube, da kommt bei allen Freude auf. Fast so viel wie dieser 4:2-Sieg es bewirkt hat.

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