Monatsarchiv für August 2009

Sorry

27. August 2009

Das ist ein dicker Klops von mir! Es muss wohl am Alter liegen. Jan Christensen hat mich voll erwischt, und er, nicht ich, hat die Wahrheit geschrieben. Asche auf mein Haupt. Also, ich widerrufe: Natürlich war es nicht Rolf Danneberg, der Thomas von Heesen trainiert hat, oh mein Gott, wie konnte ich das schreiben (?), es war selbstverständlich der Zehnkämpfer Rainer Sonnenburg – sorry. Erst an die User, dann auch an Rainer Sonnenburg, denn seine Verdienste habe ich so total unterschlagen. Als er als von Heesens Privattrainer „entlarvt“ worden war, trainierte er den HSV in Sachen Fitness. Und daran erinnere ich mich jetzt wieder ganz genau: Nach seinem Training gab es sehr, sehr oft Applaus der Profis, die von der Art und Weise, wie trainiert wurde, begeistert waren.

Ja, nun stehe ich da und bin platt. Ich reklamiere für mich eigentlich immer, nur die Wahrheit und nichts als die Wahrheit zu schreiben, und dann das. Leichtathletik ist dann wohl doch nicht so mein Thema.
Zu Jan Christensen und seinem Schwenk zu van der Vaart gesagt: Es ist nun einmal nicht jedem Profi gegeben, Selbstkritik zu üben, oder auch eine gesunde Selbsteinschätzung an den Tag zu legen. Jan hatte bemerkt, dass Rafael van der Vaart eigentlich gewusst haben müsste, dass er künftig nur noch in der „C-Elf“ von Real Madrid spielen würde. Das stimmt eigentlich grundsätzlich, aber: Um einmal eine Lanze für van der Vaart zu brechen: Wer als „junger Dachs“ schon Kapitän der niederländischen Nationalmannschaft ist, wer in Hamburg fast schon so wie Uwe Seeler gefeiert wird, der träumt doch irgendwie davon, eines Tages bei Real Madrid, dem FC Barcelona oder Manchester United spielen zu können. Gibt es dann ein solches Angebot, dann wähnt man sich am Ziel seiner sportlichen Wünsche.

Wenn es dazu dann auch noch die eine oder andere Million an Dollars mehr gibt, dann greift Mann eben zu. Wer würde das nicht machen? Und hat man diesen Schritt dann gemacht, dann will man sich (und der ganzen Welt) eben nicht so gerne eingestehen, dass man es nicht gepackt hat, dass man versagt (?) hat. Das macht die Sache so schwierig. In diesem Fall auch für van der Vaart. Kurios ist nur: In unserer HA-Sportredaktion waren vor einem Jahr fast alle Fußballer davon überzeugt, dass es van der Vaart bei Real nicht packen würde. Schon vor einem Jahr gab es dort einen Wesley Sneijder, der zwar im Sommer 2008 etwas schwerer verletzt (im Emirates-Spiel gegen den HSV) war, aber dann doch noch als eine etwas bessere Nummer als vdV galt. Nun sind beide gescheitert, so spielt das Leben als Fußballer. Aber: Die Millionen sind trotz allem noch auf dem Konto, und das ist ja auch ein ganz, ganz kleiner Trost.

Dann fragte „HSV-Oliver“, warum Roman Grill zu HSV kommen will? Der Mann hat beim FC Bayern gearbeitet, er war zwar kein Pressesprecher, aber er hat in der Presseabteilung von Chef Markus Hörwick mitgemacht. Immerhin genießt Grill aber beim FC Bayern einen sehr guten Ruf, und er soll, vorsichtig gesagt, ein guter Freund von Bernd Hoffmann sein. Wobei das Wort „Freund“ ja immer relativ ist. Der HSV-Boss wird seinem „Freund“ die Sache wahrscheinlich schon sehr schmackhaft gemacht haben. Und wenn beide Herren nun Hand in Hand arbeiten, der HSV aufblüht, eventuell sogar die Bayern als Nummer eins verdängt – dann haben Hoffmann und Grill alles richtig gemacht. Der ehemalige Bayern-Spieler sucht vielleicht auch die (neue und etwas andere) Herausforderung, vielleicht möchte er ja auch in Zukunft seine Millionen etwas schwerer verdienen. . ?

Über einen Gewissenskonflikt, weil er (noch) der Berater von Piotr Trochowski ist, mache ich mir übrigens weit weniger Gedanken, als Ihr. Was soll passieren? Trochowski bleibt beim HSV, oder er geht irgendwann, das ist doch alles. Und wenn er geht, vielleicht kommt dann ja tatsächlich der „kleine Engel“ zurück. Alles hat zwei Seiten, da bin ich total entspannt. Viel wichtiger ist doch, was das Gespann Hoffmann/Grill dann tatsächlich bewirken kann. Ich bin gespannt.

Apropos Trochowski: HSV-Fan Peter rief mich an und trug mir eine ausgefallene Theorie an. Nach der hat der gute Trochowski in der vergangenen Saison sein bislang bestes Jahr beim HSV gehabt, weil Rafael van der Vaart nicht mehr beim HSV war – und der gute „Troche“ endlich befreit von diesem Schatten aufspielen konnte. Und nun gibt es wieder einen wie van der Vaart beim HSV, von dem alle schwärmen: Ze Roberto. Trochowski ist, so die Peter-Theorie, nun wieder gehemmter, möchte neben Ze Roberto aufspielen wie zu besten Zeiten – und verkrampft. Für mich ist das aber alles ein wenig zu kompliziert, ich glaube weiter an die fußballerischen Künste von Piotr Trochowski. Er hat ja eigentlich auch ganz gut in die Saison hinein gefunden, nur in Wolfsburg war er schwach. So schwach, dass ich mich zum ersten Mal gefragt habe, das gebe ich zu, was da falsch laufen könnte. Aber vielleicht war das ja auch nur ein Ausrutscher, den wir alle mal haben. Siehe Danneberg und Sonnenburg.

Zum Schluss noch kurz zu „hsvboerni“: Ich lese auch die Mails des Gewinnspiels, wüsste auch, was ich bei der Ziehung der Gewinner zu machen habe (die werden am Freitag veröffentlicht), aber Ihr wisst ja: Die Sieger werden von einer Glücksfee gezogen, die mit geschlossenen Augen an den Computer heran geführt wird. Also ist NULL Bestechung möglich.

Ernüchterung

26. August 2009

Lieber Jacek Dembinski, was ist da unverständlich dran? Gestern war vom HSV nichts zu erfahren, heute ja. So spielt das Journalisten-Leben. Gestern wollten einige HSV-Leute nichts sagen, heute habe ich gleich zwei Leute gesprochen, und beide haben sie bestätigt, dass Rafael van der Vaart kein Thema ist. Und wenn man hört, dass Wesley Sneijder nun für 15 Millionen Euro von Real Madrid zu Inter Mailand wechselt, dann ist auch leicht nachvollziehbar, warum. Zu verschenken haben die „Königlichen“ eben auch nichts. Die wollten Sneijder zwar loswerden, genau wie van der Vaart, aber sie wollen eben auch einige Dollars kassieren. Und davon hat der HSV zurzeit nicht mehr ganz so viele. Aus verständlichen Gründen, denn es wurde doch schon viel, viel mehr eingekauft, als vorher erwartet und von vielen Seiten prognostiziert worden war. Und irgendwann ist eben auch in Hamburg das Ende der Fahnenstange erreicht.

Die Wahrheit zu van der Vaart, ob ja oder nein, ist die: Vor acht Wochen wollte ihn der HSV haben, doch da wollte der ehemalige HSV-Kapitän nicht. Seine Antwort lautete damals kurz und knapp: „Ich will und werde mich bei Real durchbeißen.“ Das hat nun nicht so richtig geklappt, ganz das Gegenteil ist der Fall, doch nun will eben der HSV nicht mehr. Oder er kann nicht mehr – und das eventuell nicht nur aus finanziellen Gründen. Über die sportlichen Gründe habe ich aber genug geschrieben – und Ihr alle natürlich auch (es gibt aber KEINE Abmahnungen!).

Es geht nun also nicht mehr um neue (oder auch nur einen neuen) HSV-Spieler, die noch bis zum 31. August nach Hamburg kommen könnten, sondern nur noch um einen neuen Sportdirektor. In diesem Punkt soll plötzlich wieder Klub-Manager Bernd Wehmeyer eine Rolle spielen. Was mir, ehrlich gesagt, ein kleines Rätsel ist. Wer auch immer ihn wieder ins Spiel gebracht hat, ich weiß es nicht. Eigentlich war der frühere Linksverteidiger aus der 83er-Meistermannschaft ja schon lange aus dem Kreis der Anwärter ausgeschieden, aber irgendeiner meldet sich dann doch wieder (ein wenig unqualifiziert) zu Wort, und schon ist die Diskussion wieder voll entbrannt. Ähnlich wie im Falle van der Vaart, könnte man meinen.

Für mich, das sind meine Informationen, geht es aber jetzt nur noch um Roman Grill. Wird er es, oder wird er es nicht? Nur das ist hier noch die Frage. Und wer mich fragt, der erhält die Antwort: „Er wird es, das steht für mich ganz eindeutig fest.“ Am Dienstag stimmen dann die Herren Aufsichtsräte ab, und dabei kann es durchaus sein, dass es noch den einen oder anderen „Störrischen“ in diesem Zwölfer-Gremium gibt, der den Aufstand proben will und sich weiter an dem Namen Wehmeyer klammert, aber nach kurzen und eventuell auch heftigen Diskussionen wird dann doch nur über Grill abgestimmt – und dann ist es Grill. So einfach ist das.

Nun noch ein kleiner Schwenk zu meiner Nachwuchs- und Privattrainer-Geschichte: Ganz klar, früher, zu Oliver Bierhoffs Zeiten, gab es einen Chef-Trainer und eventuell einen Co-Trainer. Natürlich gibt es heute einen ungleich größeren Trainerstab. Und genau das habe ich auch gemeint: Wenn es schon nicht der Chef-Coach übernehmen will, so gibt es andere in seinem Stab, die sich um den Nachwuchs verdient machen könnten. Ich meine sogar, müssten! Wobei ich jetzt gar nicht über den Trainerstab von Bruno Labbadia wettern will, denn der hat seine Arbeit ja erst kürzlich aufgenommen.

Für mich existiert dieses Thema schon viele, viele Jahre, denn auch die Trainer verdienen gutes Geld, haben an manchen Tagen aber nur einige (wenige) Stunden Arbeit. Und letztlich müsste jedem Trainer daran gelegen sein, aus dem vorhandenen Spielermaterial (jetzt werde ich wieder beschimpft, ich weiß aber, was für ein hässliches Wort das ist) etwas zu machen, zu zaubern, auf die Beine zu stellen. Dafür sind sie doch alle einst Fußballlehrer geworden, oder?

Ich möchte an dieser Stelle noch kurz einmal aus dem Nähkästchen plaudern. Es gab beim HSV mal einen Trainer, der unmittelbar vor Trainingsbeginn in die Kabine gehechelt kam, und dann beim Umziehen in die Runde seiner bereits wartenden Assistenten fragte: „Was ist heute eigentlich für ein Tag?“ Die Antwort wussten alle: „Dienstag.“ Darauf der Chef-Coach, immer noch beim Umziehen, zu einem Co-Trainer: „Dienstag? Dann bist du doch dran, Erwin, das Programm mit der Mannschaft zu machen. . .“ So geht es natürlich auch, aber von diesen Zeiten ist der HSV (und die Bundesliga) wahrscheinlich nun schon Lichtjahre entfernt. Hoffentlich. PS: Die Geschichte stimmt, der Name Erwin stimmt natürlich nicht, denn ich möchte jetzt, Jahre später, auch niemandem zu nahe treten.

In diesem Sinne, ich wünsche Euch ein schönes Spiel gegen die Franzosen aus Guingamp, und dazu eine hungrige und engagierte HSV-Mannschaft – ganz egal, wer dabei auch immer zum Einsatz kommen wird.

Der „kleine Engel“ kommt nicht

26. August 2009

„Was ist denn nun mit van der Vaart?“ Fragt „Lars“. Die Antwort, die ihn weniger befriedigen dürfte lautet eindeutig: „Nichts!“ Der „kleine Engel“ wird definitiv in diesem Sommer nicht zum HSV zurückkehren. Auch wenn es da irgendwelche Aktivitäten innerhalb des Vorstandes geben sollte, das sind keine Rückhol-Aktivitäten für van der Vaart. Es wird auch, wenn nicht in letzter Sekunde noch ein Wunder geschieht, keinen anderen neuen Spieler mehr für Bruno Labbadia geben, alle Verpflichtungen, die getätigt werden mussten, sind auch getätigt. Und Ende. Ich weiß sehr wohl, dass nun einige von Euch bitter enttäuscht sein werden, aber das ist nun einmal die Realität. Mal ehrlich: Wo sollte denn van der Vaart bei diesem HSV spielen? An Ze Roberto käme er nicht vorbei, und ansonsten im Angriff? Das geht schon mal gar nicht, weil Paolo Guerrero, Mladen Petric und Marcus Berg viel torgefährlicher sind, wahrscheinlich auch schneller und robuster. Und wenn nicht einmal der große und so arg gebeutelte FC Bayern etwas von van der Vaart wissen will, was sollte denn der HSV. . ?

Die einzigen Aktivitäten, die es beim HSV noch auf dem Transfermarkt geben könnte, sind Ausleihgeschäfte. Eric Maxim Choupo-Moting und Änis Ben-Hatira sind da noch in der Verlosung. Letzterer wird von mir immer noch ganzhoch eingeschätzt, obwohl ich mir da zuletzt so manches „blaue Auge“ und einige hämische Kommentar gefallen lassen musste. Ben-Hatira erinnert mich immer noch an den jungen Thomas von Heesen, ich weiß aber auch, dass der gute Änis nicht den unbedingten Biss hat, es hier in Hamburg all denen zu zeigen, die ihn nicht unbedingt auf der Rechnung haben. Das ist in meinen Augen aber schade, jammerschade sogar.

Wobei wir bei Talenten wären. Tolgay Arslan wurde zuletzt aus Euren Reihen gefordert, was ich nachvollziehen kann (hatte ich ja geschrieben). Grundsätzlich muss ich zu diesem Thema mal etwas anmerken: Der Name von Heesen steht für eine höchst ungewöhnliche Aktion. Als es mit dem gelockten Mittelfeldspieler nicht so recht voran gehen wollte, als er sogar am Scheideweg stand (Profi oder doch kein Profi?), gab er plötzlich Vollgas – und spielte sich in die Stammelf und in die Nähe der Nationalmannschaft.

Alle Welt fragte sich: Woher kommt diese plötzliche Leistungsexplosion? Bis von Heesen selbst einmal das Geheimnis lüftete. Er hatte am Vormittag Training beim HSV, und am Nachmittag trainierte er dann in der Jahnkampfbahn im Stadtpark. Unter der Führung von Diskus-Olympiasieger Rolf Danneberg. Den hatte sich Thomas von Heesen als „Privattrainer“ engagiert, aus freien Stücken. Er hatte erkannt, dass er mehr tun muss, um nicht zu scheitern – und es hat sich für ihn ausgezahlt. Auch für Danneberg, denn als es publik geworden war, dass er den Privattrainer gab, wurde der Leichtathlet vom HSV als Trainer verpflichtet (später dann auch vom Nachbarn St. Pauli).

Was ich damit sagen will: Ein junger Spieler kann es ruhig auch selbst mal in die Hand nehmen, wenn er die große Karriere starten will. Was auch ein zweites Beispiel belegt: Patrick Owomoyela (einst Stellingen 88) nahm sich als Spieler des damaligen Lüneburger SK gleich zwei Privattrainer zugleich. Einmal K-P Nemeth (jetzt St. Paulis Torwarttrainer), dazu den Schwimmtrainer Dirk Lange (heute Bundestrainer). Die formten „Owo“ so, dass er noch Nationalspieler wurde.

Ihr werdet Euch zudem erinnern, dass es auch mal einen Nationalspieler namens Christian Rahn beim HSV gab. Der brachte es immerhin auf fünf Länderspiele. Und der heutige Zweitliga-Profi von Greuther Fürth hätte sicher viele Einsätze mehr schaffen können, wenn er sich damals hätte überzeugen lassen. Ich habe oft und lange versucht, ihn davon zu überzeugen, dass er sich einen Privattrainer nehmen sollte. Weil Rahn zwar nach vorne unglaubliches Talent besaß, aber nach hinten auch unheimlich große Defizite. Das hätte ein Coach, der sich nur darum hätte kümmern sollen, sicher beheben können – und Rahn wäre heute noch in der Ersten Liga. Davon bin ich restlos überzeugt, aber er tat es nicht.

Ich gebe aber natürlich auch zu, dass das Beheben von Defiziten in erster Linie auch Sache der Trainer wäre. Doch die haben in der Vergangenheit in Hamburg entweder nichts erkannt, oder sie hatten keine Zeit (natürlich nur eine Ausrede!). Schlimm ist für mich beides.

Wobei ich spontan auch an Oliver Bierhoff denken muss. Der HSV-Spieler, bei dem ich mich wohl am gründlichsten geirrt habe. Als er damals den HSV verließ, habe ich gedacht: „Den siehst du nie wieder.“ Und dann wurde er in Italien Torjäger und Meister mit dem AC Mailand. Wir haben heute noch ein großartiges Verhältnis, er hat mir einst gestanden, dass er auf zwei deutsche Trainer nicht besonders gut zu sprechen ist: Rolf Schafstall und Willi Reimann. Bierhoff: „Beide haben mich nicht gefördert, sie haben mich überhaupt nicht verbessern wollen, ich sollte nur funktionieren. Und da ich es in ihren Augen nicht konnte, war ich eben nur Ersatz und schnell weg vom Fenster.“

Erst in Italien wurde er ein Riese. Weil sich dort ein Trainer die Zeit nahm, sich mit ihm nachmittags, wenn alle anderen Spieler frei hatten, zu beschäftigen. Immer und immer wieder wurde Bierhoff geschult, sein Kopfballspiel, seine Ballfertigkeit, seine Schnelligkeit. Und dann machte er diese große Karriere. Ein Denkanstoß für jedes Talent, sein Schicksal auch mal selbst in die Hand zu nehmen (und nicht auf andere warten, die doch nichts tun), ein Denkanstoß aber auch für Vereine, viel mehr an Ausbildung in seine Spieler zu investieren, als dieses Training für ein gesamtes Team. Manchmal könnte es sich tatsächlich lohnen – und die Trainer werden ja ohnehin für einen ganzen Tag bezahlt. Oder ist Einzeltraining einfach nicht drin?

Überwältigend

26. August 2009

Vorweg noch einmal in eigener Sache. Ich bin überwältigt, Ihr seid ja sensationell, das ist einfach nur klasse. Wie Ihr hier mitmacht, das macht mich fassungslos, das hätte ich nie im Leben erwartet. „Danke“ wollte ich ja eigentlich nicht mehr sagen, weil ich Euch damit nicht langweilen möchte, ist aber in meinen Augen noch einmal unumgänglich und auch ganz ehrlich gemeint: Eure Beiträge sind über mich hereingebrochen wie das herrlichste Schönwettergebiet.

Allerdings möchte ich Euch doch bitten – ganz besonders „Kavennsmann“ -, dass ich noch einen etwas längeren Zeitraum bei „Matz ab“ mitmachen und schreiben darf. Ich möchte, wo ich doch gerade erst damit angefangen habe, noch nicht aufhören, und ich möchte mich sehr wohl noch etwas anstrengen müssen. Möchte nicht nur Euch fordern, sondern auch mich. Ich hoffe auf Euer Einverständnis.

„Dembinski“ lobt den guten Umgangston bei „Matz ab“, das kann ich nur unterstreichen. Und ich hoffe, dass es auch so bleiben wird. Es wird auch keine Zensur geben, sollte es kritische Töne – auch gegen mich – geben, Kritik wird erscheinen, ganz klar. Allerdings sollten wir alle darauf achten, dass kein Mensch persönlich diffamiert wird, dass niemand menschenunwürdig „heruntergeputzt“ und attackiert wird. Das ist meine große Bitte an Euch, dass wir diesen Umgangston, den wir bislang miteinander gepflegt haben, auch beibehalten.

Großartig finde ich ferner, dass sich viele von Euch zum so schwer verunglückten St.-Pauli-Fan Mini geäußert haben. Das hätte ich niemals für möglich gehalten, obwohl das absolut in meinem Sinne ist. „Jakob Klobutzki“ hat sogar angeregt, am Sonntag, beim Spiel gegen Köln, ein Banner zu zeigen, auf dem die HSV-Fans dem St.-Pauli-Mini beste Genesungswünsche aussprechen. Sollte sich jemand mit der Anfertigung eines solchen Banners beschäftigen, so bin ich bereit, diese Aktion mit 50 Euro (für Farbe etc) zu unterstützen – bitte melden.

Und noch eines finde ich einfach hervorragend: Wie sehr Ihr Euch alle Gedanken um diesen, um Euren HSV macht. Dass dabei sogar an die ganz jungen Talente gedacht wird – alle Achtung. “HSV-Oliver“ hält so viel von Tolgay Arslan und hätte es so gerne, wenn dieser junge Mann schon bald einmal eine Chance bei den Profis erhielte. Die Antwort darauf aber ist fast schon bei „Matz ab“ gegeben.

Welcher junge Mann soll einem „alten Hasen“ den Platz in dieser „Hammermannschaft“ wegnehmen? Und sei das Talent sowie die Veranlagung noch so groß, ich sehe das zurzeit nicht. So leid es mir für jeden jungen Spieler tut. Arslan ist sicher sehr talentiert, aber ich kann ihm nur das raten, was ich schon Änis Ben-Hatira und Tunay Torun geraten habe: Geduldig bleiben, im Training immer Biss zeigen, lernen, lernen, lernen wollen, niemals aufgeben und sich niemals hängen lassen, und wenn es noch so hart sei.

Dann kann es eines Tages etwas werden. Und wenn dann doch nicht? Dann wartet die Zweite Liga. Siehe Sidney Sam, der nun beim 1. FC Kaiserslautern kickt. Ist zwar nicht das Allergrößte, aber gewiss auch nicht ganz schlecht. Und: Die Zeiten, in denen ein Uwe Seeler mit 17 Jahren in der Nationalmannschaft debütierte, die gehören doch irgendwie schon seit Jahren der Vergangenheit hat.

Von kleinen Ausnahmen mal abgesehen (z. B. Lukas Podolski, Bastian Schweinsteiger). Weil nicht nur das Talent ausschlaggebend ist, sondern auch die körperliche Fitness. Es gehört heute eine ungeheure Schnelligkeit dazu, gepaart mit einer gewissen Robustheit und Schlitzohrigkeit. Auch da gibt es ein Beispiel: Ihr habt es sicher schon beobachtet, davon bin ich restlos überzeugt, wie der junge Eljero Elia kickt. Der geht nicht nur ab wie eine Rakete, der lässt sich auch nicht die Butter vom Brot nehmen. Bevor ein Verteidiger die Stabilität seiner Hölzer überprüft, macht es Elia selbst. Der teilt aus, obwohl er wie der liebe junge von nebenan aussieht. „Eli“, wie ihn die Kollegen rufen, lässt sich nichts gefallen – anders kann man im heutigen Profi-Fußball auch nicht überleben, geschweige denn nach oben kommen. Das sei Tolgay Arslan noch schnell in sein künftiges Fußball-Profi-Stammbuch geschrieben.

Schon 135 Zeilen, wo will ich noch hin? Umgehend zum heutigen Fußballgeschehen im Volkspark: Am Donnerstag, im Europa-League-Spiel gegen Guingamp, wird nur eine ersatzgeschwächte HSV-Mannschaft auflaufen (ich spreche extra nicht vom B-Team), da müssen alle ganz tapfer sein. Ich werde das
unterstützen, denn die EL-Gruppenphase ist nach dem 5:1 im Hinspiel bereits erreicht, und am Sonntag wartet mit dem Heimspiel gegen Köln eine ganz unangenehme Aufgabe. Ihr erinnert Euch doch noch an den letzten Kick gegen Ende der vergangenen Saison, oder? Deswegen ist es doch nur verständlich, wenn Bruno Labbadia nun seine Cracks schont, damit sie den Kölner mit vollster Kraft voraus begegnen können.

Leid tut mir ein wenig das ZDF, das live aus dem Volkspark übertragen wird, Leid tun mir in dem Falle auch die Zuschauer. Aber es ist ja auch nicht gesagt, dass es erneut ein Trauerspiel wie gegen Randers geben wird, denn jeder HSV-Profi muss doch versuchen, sich mit einer guten Leistung für die Stammelf zu empfehlen.
Das geschieht, so habe ich das Gefühl, auch schon im Training. Da lässt sich kaum einer hängen. Und die Stimmung am Dienstag war großartig. Eine Stunde und 20 Minuten wurde ohne (!) Ball trainiert, es gab Kraft- und Konditionstraining mit vielen Läufen, und erst danach ein Spielchen. Da ging es dann aber sehr, sehr munter zur Sache, jeder wollte sich zeigen. Jerome Boateng schoss dass „Tor des Monats“ und kassierte viel Beifall von den 300 Fans, Collin Benjamin trat Jonathan Pitroipa klassisch um, und den Hoch-und-weit-Preis des Tages erhielt diesmal Marcus Berg, der die Kugel wuchtig in Richtung Güterbahnhof Wandsbek beförderte.

Erstaunlich war das Ende des Trainings: Nach einer Stunde und 50 Minuten schien Schluss zu sein, einige Spieler packten ihre Sachen und gingen (Autogramm schreiben). Es blieben aber noch 15 Profis, die Frage, die ich nicht klären konnte, war die: freiwillig? Es gab Flanken und Torschüsse, es ging zu wie beim Straßenfußball. Herrlich anzusehen. Und da bin ich kurz noch bei einem anderen Thema: Straßenfußball. Gibt es den heute noch? Kaum! Aber die Profi-Klubs hätten beste Voraussetzungen, ihn wieder einzuführen. Sie haben die Plätze, sie haben Trainer, sie haben Spieler, vor allem junge, hungrige Männer.

Die müssten eigentlich darauf bedacht sein, zu lernen, lernen, lernen. Jede Ballberührung würde sie stärker machen – aber es macht seit Jahrzehnten kaum einer mehr als vom Verein gefordert. Kein Klub, keine Trainer, kaum Spieler denken daran, dass man eigentlich viel erreichen könnte, wenn etwas mehr gemacht werden würde, als alle anderen. Schade eigentlich, denn Zeit und die anderen Voraussetzungen wären gegeben. Vielleicht kommt ja irgendwann mal einer drauf. In diesem Sinne wünsche ich Euch einen großartigen Mittwoch.

Vander

25. August 2009

In Deutschland gibt es enorm viele Bundestrainer. Millionen soll es davon geben, wenn es um den Fußball geht. Aber es gibt wohl nicht nur enorm viele kleine Jogi Löws, sondern auch etliche Fußball-Journalisten. Wenn ich so „Matz ab“ betrachte, alle Achtung. Da kommen schon einige prima Tipps, da gibt es sehr gute Analysen, da wird sich Gedanken gemacht, über die nicht unbedingt jeder Fan ins Grübeln kommt.

So zum Beispiel heute, die Sache mit der Fitness. Das ist in der Tat ein Punkt, der bei Bruno Labbadia eine riesige Rolle spielt. Er will eine absolut fitte Mannschaft, und dafür lässt er mitunter auch etwas länger trainieren. Länger, als das bisher in Hamburg, aber nicht nur dort, der Fall war. Und nun bringt der „Kollege“ namens HSV-Oliver bei „Matz ab“ die Fitness ins Spiel: Lag es schon daran, dass der HSV in Wolfsburg, als es 2:2 stand und der VfL drängte, dank der besseren Kraft noch einmal dagegen halten konnte? Ein wirklich kompetenter Randaspekt, „Herr Kollege“, Hut ab!

In der Tat ging es in dem Vier-Augen-Gespräch, zu dem mich Bruno Labbadia nach dem Spiel in Wolfsburg bat, um das große Thema Fitness. Es war vertraulich, deswegen werde ich hier keine Details preisgeben, nur soviel: Der neue HSV-Coach ist auch in diesem Punkt, oder vielleicht sogar besonders in diesem Punkt, sehr genau und denkt vielleicht weiter, als so mancher seiner 17 anderen Bundesliga-Kollegen.

Wobei Bruno Labbadia zwar im Geiste mit Felix Magath verwandt ist, aber eben nur dort. Während der gute „Quälix“ in seinem Programm auch einige Passagen drin hat, in denen ohne Ball (aber mit Medizinball) trainiert wird, legt Labbadia großen Wert darauf, fast ausschließlich mit der Kunstlederkugel trainieren zu lassen. Das ist der Unterschied zwischen Labbadia und Magath, den können Trainingskiebitze im Volkspark bereits jetzt fast täglich beobachten.

Ob allerdings schon jetzt die Fitness-Handschrift von Labbadia erkennbar ist und bereits Früchte trägt, wage ich doch zu bezweifeln. So schnell geht das eigentlich nicht, der schöne Bruno wäre ein Wunderheiler.

Auch ein anderes Thema dürfte absolut keine Rolle spielen. Im Forum wird behauptet, dass die jüngsten Erfolge daran liegen, dass emotionale Bremsen wie Dietmar Beiersdorfer, Huub Stevens oder auch Martin Jol nicht mehr beim HSV sind. Das ist starker Tobak. Und in dieser Schonungslosigkeit auch ganz gewiss nicht zu halten. Was hat zum Beispiel Beiersdorfer mit dem neuen Schwung auf dem Rasen zu tun – beziehungsweise mit dem alten Schwung?

Beim HSV gibt es Elia und zum Beispiel Ze Roberto, die dafür sorgen, dass das Spiel des HSV nun in ganz anderen Bahnen verläuft. Daran kann der Herr Beiersdorfer gewiss nichts ändern, egal welches Temperament er auch immer hat. Das ist absoluter Quatsch, im Ernst. Er hatte aber immerhin noch seine Finger mit im Spiel, als es darum ging, genau diese beiden Spieler mit dem HSV in Verbindung zu bringen.

Einen Satz noch zu „Mario“. Natürlich sind Träume erlaubt, aber das mit dem letzten Spiel bei „Werner Brehm“ (nettes Wortspiel) ist natürlich eine schwere Hypothek. Und wie alle aus leidvoller Erfahrung wissen, kann da aus einem Traum schnell ein ganz, ganz böser Albtraum werden. Muss nicht, könnte aber. Zum Glück jedoch ist das noch sehr lange hin.

Und wer weiß, was bis dahin noch passiert? Gestern rief mich unser Kultsänger Lotto, der Herr Karl König, an und fragte aufgeregt: „Was ist da dran, dass Rafael van der Vaart doch noch innerhalb dieser Transferperiode zum HSV zurück kommt?“ Gute Frage, Lotto. Beim HSV ist nichts zu erfahren. Wobei ich einen solchen Transfer auch nicht für ausgeschlossen halte. Ein Gerücht nährt den Wechsel sogar, es besagt, dass eine Gruppe von finanziell potenten Hamburger Herren einspringen will, um das Gehalt von van der Vaart zu übernehmen.

Und da Real Madrid den Niederländer loswerden will, wäre er sicher etwas billiger als unter normalen Umständen zu haben. Und da Vereins-Chef Bernd Hoffmann in diesen Tagen alles dafür gibt, in Sachen Transfers nicht zu kleckern, sondern zu klotzen, ist nichts unmöglich. Noch ist fast eine Woche Zeit, um diesen Wechsel über die Bühne zu bringen.

Wenn es denn nicht doch noch die Bayern versuchen? Denen steht das Wasser erkennbar bis zum Hals, die müssen dringend etwas tun. Und da Ribery nicht so richtig in die Gänge kommt, eventuell nicht kommen will (?), wäre van der Vaart vielleicht an der Isar herzlich willkommen. Abwarten. Mehr bleibt nicht.

Ein Spiel für die Geschichte?

24. August 2009

Traumhaft, riesig, sensationell, stark, unglaublich, hervorragend, gigantisch. Die Fans taumeln nach dem Über-Kick von Wolfsburg von einem Superlativ zum nächsten. Es war ja aber auch herrlich. So schön kann Fußball sein. Und dann noch vom HSV gespielt!? Das ist eigentlich unglaublich, denn vor 14 Tagen hatte die Labbadia-Mannschaft noch Fußball zum Abgewöhnen geboten. Mich haben viele Mails und noch mehr Anrufe erreicht, dieses Spiel, dieser 4:2-Sieg über den Meister wird in die Geschichte eingehen, keine Frage. „Wir hätten zehn Tore schießen könne, sechs Tore schießen müssen – zum Glück haben vier gereicht“, sagte HSV-Boss Bernd Hoffmann nach dem Spiel mit etwas blasser Miene. Diese 90 Minuten hatten Nerven gekostet, und zwar allen Beteiligten.

Und Lob gab es vom Gegner. VfL-Trainer Armin Veh sah sich die Statistik des Spiels an, staunte und sagte: „27 Schüsse auf unser Tor, das ist eine unfassbare Zahl. Und wenn man dazu bedenkt, dass unser Torwart der beste Mann auf dem Platz war. . . Die Meisterschaft führt in diesem Jahr nur über den HSV.“

Das klingt alles höchst erfreulich. Ist es natürlich auch. Für mich gab es nach dem Spiel noch einige Aha-Erlebnisse bei „Matz ab“. Wie zum Beispiel Romeo Castelen bei Euch gefeiert wurde, finde ich super, fair und menschlich. Der kleine Flügelflitzer, der das Herz auf dem rechten Fleck hat, hatte eine unglaubliche Leidensstrecke hinter sich – und dann dieses Comeback! Für mich unfassbar. Und ich hätte es auch nicht für möglich gehalten, dass Bruno Labbadia ihn schon einsetzen würde. Im Training nämlich hatte Castelen kaum einmal eine Szene, die den Trainer zu einem solchen Kurz-Einsatz hätten ermutigen können. Labbadia tat es trotzdem, „Z“ hatte kurz darauf Tränen in den Augen – und Castelen war wieder auferstanden. Auch solche Geschichten schreibt eben nur der Fußball (drei Euro ins nächste Phrasenschwein).

Dass Castelen der Mann war, den Eljero Elia in die Arme sprintete, lag daran, dass sich beide HSV-Profis morgens vor dem Spiel schon Gedanken über das Spiel gegen den VfL machten. Romeo hatte seinem Landsmann Eljero prophezeit: „Es wird Zeit für dein erstes Tor, ich glaube, du wirst es heute schießen.“ Und diesem Propheten sprintete Elia dann mit Inbrunst und voller Dankbarkeit in die Arme.
Gefreut habe ich mich über „HSV-Oliver“, der mit einer Art Doktor-Arbeit dieses Spiel akribisch genau festgehalten hat. Was für eine Fleißleistung. Großartig! Kompliment! Ich werde mir jede Zeile aufbewahren – skizzieren sie doch eines der größten Spiele der HSV-Bundesliga-Geschichte.

„Schuld“ daran war auch ein Mann, der bis vor kurzem noch bei den Bayern unter Vertrag stand: Ze Roberto. Trat in Wolfsburg vor der Pause noch David Jarolim vielfach als Regisseur (!) in Erscheinung (siehe 1:0), so löste ihn nach dem Wechsel der Brasilianer in dieser Rolle ab. Ze Roberto ist absolut brillant und ein großer Gewinn für diesen HSV, denn wenn die Mitspieler irgendwann einmal nicht mehr weiter wissen, geben sie ihm den Ball – und es wird etwas Gutes draus. Ob sich Uli Hoeneß schon einige Male geärgert hat?

Übrigens: Wenn einige von Euch nun sagen, dieser Sieg von Wolfsburg war so schön wie das 4:4 gegen Juventus in der Champions League (13. September 2000), dann muss ich allen entgegnen, was der frühere HSV-Kapitän Ditmar Jakobs vor einigen Tagen sagte, als er durch das Abendblatt-Buch „Nur der HSV“ blätterte und zu diesem Spiel kam: „Ich verstehe nicht, dass dieses Spiel noch heute so glorifiziert wird. Die Italiener waren damals doch erst eine Woche im Training, das waren doch ungleiche Voraussetzungen.“ Sehe ich ganz genau so – obwohl das Spiel von seiner Dramatik her natürlich ein echtes Highlight war und bleibt.

Apropos sehen: Wenn nun gefragt wurde, ob Bruno mitliest (gemeint ist Labbadia), dann muss ich mit einem eindeutigen „Jawoll“ antworten. Er liest mit. Und weil er das tut, nahm er mich nach (!) dem Spiel in Wolfsburg dezent beiseite und erläuterte mir eine Passage in einem meiner Kommentare mal aus seiner Sicht. Das war keine Kritik, aber es war sehr aufschlussreich. Und noch eines zu „Matz ab“. Es stört mich überhaupt nicht, das Gegenteil ist der Fall, wenn Ihr Meinung und Gegenmeinung äußert, das macht die Sache nur lebendiger. Ich glaube, da kommt bei allen Freude auf. Fast so viel wie dieser 4:2-Sieg es bewirkt hat.

Bärenstark

23. August 2009

Da haben sie ihre Visitenkarte auch beim Meister in Wolfsburg abgegeben, die Hamburger Frühstarter. Dritte Minute, siebte Minute, 1:0, 2:0, das konnte sich sehen lassen. Eines muss man Bruno Labbadia ja lassen, er weckt seine Jungs immer schon vor dem Anpfiff auf. Und beim VfL rieben sich zur Pause alle die Augen: Dieser neue HSV ist ja bärenstark! 4:2 in Wolfsburg, dass ist schon super.

Wobei die erste HSV-Herrlichkeit zunächst nur eine Halbzeit dauerte, aber es gab sie. Sogar mit einer so riesigen Überlegenheit, die niemand vorausahnen hätte können. Oder nur träumen. Wobei die Sache eigentlich schon nach 45 Minuten hätte erledigt sein müssen, aber Paolo Guerrero knüpfte nahtlos jene „Form“ an, die er und viele seiner Kollegen beim Abschlusstraining am Sonnabend offenbart hatten. Da schossen er und die anderen unheimliche viele Fahrkarten beim Torschusstraining. Was Guerrero in Wolfsburg dreimal kläglich vergab, das musste sich einfach rächen, und es rächte sich prompt. Schimpfe da nie wieder einer über einen kleinen Amateur auf einem Grandplatz, der solche „Tausendprozentigen“ auslässt, das können nämlich auch Profis – wie nun gesehen – bestens.

Die für viele spannende Frage, ob David Rozehnal oder Collin Benjamin spielen würde, hütete Labbadia bis zuletzt. Dass er den Tschechen bringen würde, lag irgendwie auf der Hand, denn auch für den HSV-Coach gab es nur die eine Frage: Wenn nicht jetzt, wann dann? Und alles ging so auf, wie es sich Labbadia vorgestellt hatte: Rozehnal spielte im Zentrum sauber, beeindruckte durch sein gutes Kopfballspiel, und Boateng zeigte, dass er es überall kann, natürlich auch rechts.

Für mich stellt sich dadurch auch eine Frage: Wie lange kann, wie lange will Bundestrainer Joachim Löw auf ein solches Juwel noch verzichten? Gibt es im Moment einen besseren deutschen Abwehrspieler? Ich sage ganz klar nein. Boateng, der vor der Gelb-Roten Karte stand (da muss er aufpassen!), ist ein Kraftpaket, der nur so vor Kraft strotzt, er hat ein überragendes Stellungsspiel und außerdem ein gutes Auge.

Und vorne beim HSV? Da gibt es einen wie Eljero Elia. Unglaublich. Der spielte seinem Gegenspieler Sascha Riether Knoten in die Beine. Morgen muss einer nach Wolfsburg, der die Knoten wieder auflöst. Dabei sieht Elia so harmlos aus, wenn er sich ohne Ball bewegt. Er geht ein wenig wie einst „Ente“ Lippens. Aber wenn er abgeht wie Schmitz’ Katze, dann ist er wie ein ICE zwischen den Strafräumen unterwegs. So einen wie ihn hatte der HSV noch nie, obwohl: Jonathan Pitroipa und auch Romeo Castelen waren auch einst als „Raketen“ eingekauft worden, konnten ihrem Ruf aber kaum einmal gerecht werden. Kommt da noch was?

Das werden sicher auch viele HSV-Fans in Richtung Piotr Trochowski gefragt haben. Bis er dann ausgewechselt worden ist. Es kam nicht viel. Es kam diesmal sogar fast nichts, aber so ist er eben, der Dribbelkünstler – wenn der Fürst Laune hat. . . Diesmal hatte er keine, das Spiel lief von Beginn an restlos vorbei an ihm, er fand nie seinen Rhythmus. Wobei er zweimal, auch das muss erwähnt werden, ganz frei am VfL-Strafraum stand, aber von den Kollegen mit Ball einfach übersehen wurde. Hätte man ihn da bedient, hätte er sich vielleicht über ein Tor doch noch ins Spiel gekämpft.

Großartig aber auf jeden Fall, wie sich der gesamte HSV wieder ins Spiel zurück kämpfte. In der Phase, als das 2:2 gefallen war, wackelte Hamburg ganz bedenklich, aber kippte nicht um. Im Gegenteil, es wurden die Zähne gezeigt, die Wölfe wurden zurückgebissen. Und zwar kräftig. Armin Veh, der Wolfsburger Trai-ner, hatte ja vor dem Spiel gesagt, dass der HSV ein Meisterschaftsfavorit sei – der Mann hat eben Ahnung vom Fußball.

Sonntagsspiele

22. August 2009

Sonntagsspiele sind irgendwie immer ein wenig ätzend. Als Fan des betroffenen Vereins, der noch einen Tag warten muss, dauert das alles viel zu lange, bevor es um alles geht. So ist es normalerweise. Wenn aber der FC Bayern am Tag zuvor ausrutscht, dann ist das schon ein ganz besonderer Sonnabend. 34 Spieltage in der vergangenen Saison waren die Münchner nie auf Platz eins, obwohl es oft vollmundig angekündigt worden war. Und auch in dieser Saison sind die Bayern noch nicht an der Spitze erschienen. Nach der 1:2-Pleite bei Mainz 05 wird es sogar noch eine geraume Zeit dauern, bevor die großen Bayern mal wieder ihre Visitenkarte auf Rang eins abgeben können – wer hätte das gedacht?

Dazu fällt mir ein, dass ich ja kürzlich im Doppelpass neben dem Stuttgarter Manager Horst Heldt saß. Während einer Werbepause sagte der ehemalige Regisseur zu mir: „In München, vielleicht sogar in ganz Deutschland, reden sie alle nur von den starken Bayern, die ohnehin wieder Meister werden. Ich sehe das ganz anders, aber ich werde mich hüten, das öffentlich zu sagen. Sollen die doch alle an die Bayern glauben, und dann wird ein anderer Klub den Titel holen – am liebsten wäre mir natürlich der VfB. Für mich jedenfalls wird Bayern München nicht Meister.“ Recht hat er bislang, der Hellseher Heldt aus Stuttgart.

Wobei diese Fragen in Richtung Münchner erlaubt sein müssen: Kann sich ein Klub, der die Champions League gewinnen will, einen Torwart wie Michael Rensing erlauben? Und kann ein Verein, der den deutschen Fußball dominieren will, einen so großen Schwachpunkt wie Daniel van Buyten leisten, der bei beiden Toren der Mainzer wie eine Schaufensterpuppe agierte? Kann sich der FC Bayern erlauben, einen Kämpfer wie Ivica Olic auf die Bank zu setzen, um dagegen einen wieder einmal nur durch seine Pomadigkeit auffallenden Miroslav Klose zu bringen? Und sollte nicht doch besser Uli Hoeneß mit auf der Bank sitzen, denn wenn er dort Präsenz zeigt, laufen die Herren Profis doch irgendwie ein wenig flotter? Fragen, die in den nächsten Tagen für viel Zündstoff an der Isar sorgen werden.

Übrigens: Bei Mainz 05 stand ein ehemaliger Hamburger zwischen den Pfosten, der überragend hielt und der Torwart des Wochenendes werden dürfte: Heinz Müller, ehemals St. Pauli. Und noch ein ehemaliger Hamburger stand auf einem anderen Platz im Blickpunkt: Hannover 96 siegt mit dem ehemaligen St.-Pauli-Trainer Andreas Bergmann in Nürnberg. Auch hier eine Frage: Hat da eine Mannschaft (die von der Leine) wie von einer Last befreit aufgespielt?

Dazu dann der Auftritt von Leverkusen! Alle Achtung, dieses 5:0 in Freiburg ist großartig und verdient Anerkennung. Zur Erinnerung: Dort hatte der HSV vor 14 Tagen ein 1:1 erreicht. Das Bayer-Team von Altmeister Jupp Heynckes wird zu beachten sein, keine Frage.

Der HSV wird wohl am Sonntag in Wolfsburg mit Frank Rost zwischen den Pfosten antreten können. Allerdings gibt es da noch ein kleines Fragezeichen, denn genau um 14.10 Uhr am Sonnabend wehrte der Keeper einen Flachschuss mit dem rechten Fuß ab und brach danach neben dem Tor vor Schmerzen zusammen. Wieder das Fersenbein? Nein, diesmal soll es das Knie sein, der harte Schuss hatte wohl das Innenband ein wenig lädiert. Rost ist hart im Nehmen, er wird wohl spielen können, doch abzuwarten bleibt trotz allem, wie sich eine solche Verletzung über Nacht entwickelt.

Unklar ist ebenfalls, wer für den verletzten Guy Demel in die Mannschaft kommen wird. Aufschluss hätte ein Trainingsspielchen am Sonnabend geben können, aber es gab keines. Bruno Labbadia verzichtete darauf, so dass die Frage, ob Jerome Boateng oder David Rozehnal in der Innenverteidigung stehen werden, oder doch Collin Benjamin zum Einsatz kommen wird, offen blieb. Apropos Benjamin: An ihn ging der Hoch- und Weit-Preis des Sonnabends. Beim Torschusstraining drosch der Abwehrspieler den Ball über den Fangzaun in die Botanik des Volksparks, nach der Kugel wird wahrscheinlich noch am Sonntag gesucht werden müssen – von den Kollegen gab es begeisterten (aber leicht hämischen) Beifall.

Gute Stimmung also beim HSV, trotz der kleinen, aber gewiss nicht unproblematischen Unannehmlichkeit, in Paris für eine kurze Nacht aus dem Flieger klettern zu müssen. Soll aber alles ganz harmlos gewesen sein, denn am Charter-Jet war eigentlich alles ganz heil – bis auf ein kleines Lämpchen, das dem Kapitän einen Fehler signalisierte. Dann ist es eben trotz allem besser, auf Nummer sicher zu gehen. Auch wenn eine solche Zwischenlandung nicht unbedingt gut für die Nerven aller Beteiligten ist. Bleibt abzuwarten, wie es mit dem HSV und der Fluggesellschaft jetzt weitergeht. Vielleicht hat der neue Sportchef in naher Zukunft ja eine andere Idee.

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