Tagesarchiv für den 31. August 2009

Wo endet das noch?

31. August 2009

Ze Roberto und kein Ende. Oder, was ich mich frage: wo endet das noch? Ich halte es da im Prinzip wie „HSV-Oliver“, ich bin ganz sicher kein Feind von Bernd Hoffmann, denn der hat viel Gutes für den Klub getan. Ich wehre mich allerdings dagegen, wenn mir, wie bei „HSV-Oliver“ geschehen, unterstellt wird, dass ich etwas Falsches geschrieben habe. Deshalb möchte ich einmal aufklärend in die Runde schicken: Am Sonnabend meldete der NDR 90,3 im Sport, dass Ze Roberto laut eines Berichtes im Spiegel doch vier Millionen Euro Ablöse gekostet hat. Dazu wurde Aufsichtsrat-Chef Horst Becker vom Sender befragt, und Becker antwortete dem Sinne nach: Das war mir so nicht bekannt. Horst Becker wurde dann von 90,3 dazu noch einmal am Sonntag befragt und sagte sinngemäß: „Das Gesamtpaket Ze Roberto wurde bei dessen Verpflichtung nicht überschritten. Die Summe, die vom Aufsichtsrat genehmigt wurde, ist eingehalten worden.“ In der Bild (Montag-Ausgabe) sagte Horst Becker zudem, dass aufgrund der Ablösesumme Ze Roberto im Gehalt gedrückt werden konnte.

So weit, so schön. Zum besseren Verständnis für alle User: Beim HSV muss jede Summe über 500.000 Euro ausgegeben wird, vom Aufsichtsrat genehmigt werden. Und nun zurück zu Ze Roberto: Was bitte ist denn da für ein Konstrukt aufgebaut worden? Welche Rolle spielt der Klub in Uruguay? Und welche Rolle hat der Spielerberater Juan Figer inne? Wo gehen die vier Millionen hin? Tatsächlich an Nacional Montevideo? Und wenn ja, warum überhaupt? Und wenn das Geld (auch nur zu Teilen) an Figer gehen sollte – warum? Gibt er davon etwas weiter? Und wenn ja, an wen? Und noch eine ganz wichtige, ja entscheidende Frage: Ist es total ausgeschlossen, dass dem HSV durch diese nebulösen Transferaktionen steuerliche Nachteile entstehen?

Um noch mal auf „HSV-Oliver“ zurück zu kommen: Ich glaube in diesem Profi-Sport nicht mehr an den Weihnachtsmann Das Geschäft ist knallhart, und es geht um Millionen. Um Millionenden sogar, wenn ich das einmal so überspitzt schreiben darf.

Fakt ist: Ze Roberto hat nie für Nacional Montevideo gespielt. Ob er es jemals vorhatte? Auch da habe ich meine Zweifel. Und: Figer hält an diesem Klub die Mehrheitsanteile. Nachtigall, ick hör dir trapsen. Mehr möchte ich nicht mehr dazu sagen. Es mögen andere Leute, nämlich die, die dafür zuständig sind, sich daran versuchen, mehr Licht ins Dunkel bringen.

Nur das möchte ich auch noch einmal betonen: Seit Bernd Hoffmann – natürlich im Zusammenspiel mit Sportchef Dietmar Beiersdorfer – im Februar 2002 den HSV übernommen hatte, ging es mit dem Klub sportlich bergauf. Auch fast alle Neuzugänge, die geholt wurden, hatten klangvolle Namen, es wurde in Dimensionen eingekauft, von denen der HSV zuvor nur hatte träumen können. Hoffmanns Verdienst. Deswegen möchte ich auch betonen, dass ich den Klub-Boss nicht von der Spitze des HSV weg haben möchte. Dass er dennoch nicht unumstritten ist, liegt wohl auch daran, dass er es gelegentlich schafft, sich spielend über gewisse „Spielregeln“, die es innerhalb des HSV gibt (die Satzung), hinweg zu setzen. Da waren in der Vergangenheit eventuell Dietmar Beiersdorfer und das Vorstandsmitglied Christian Reichert (sein Nachfolger Oliver Scheel ist noch jung im Amt) noch ein gewisser Widerpart für Hoffmann, der Aufsichtsrat war es nicht immer (oder viel zu selten?). Und, diese Frage muss erlaubt sein, wie ist es in Zukunft mit dem neuen Sportchef? Mal abwarten.

Festzuhalten ist aber trotzdem: Wenn alle Medien, das Fernsehen, die Zeitungen und die Radiostationen, davon berichten, dass Ze Roberto im Sommer 2009 ablösefrei zum HSV gekommen sei, dann ist es natürlich das gute Recht des HSV, zu schweigen und auch über die Dusseligkeit aller zu schmunzeln. Wenn aber nicht nur, wie eingangs erwähnt, der Aufsichtsrat nichts davon weiß, und sogar die Uefa, wie im „NDR Sportclub live“ berichtete, auf ihrer Homepage schrieb, dass Ze Roberto ablösefrei zum HSV gekommen sei, dann läuft da vielleicht doch etwas ein ganz klein wenig falsch. Oder sehe ich das etwa zu eng?

Wobei ich noch eine Anmerkung machen möchte: Dem HSV steht noch eine weitere kleine Unannehmlichkeit ins Haus. Im Juni 2009 nämlich wollte Bernd Hoffmann den Stürmer von ZSKA Moskau, Vagner Love, verpflichten. Es gab mehrere Treffen mit einer Sportagentur, der HSV war bereit, bis zu 17 Millionen Euro für den Angreifer auf den Tisch zu legen. Die ganze Geschichte zog sich über einige Tage hin, letztlich sollte der Transfer wohl zwölf Millionen Euro kosten, doch der Deal platzte. Bis dahin ist noch alles völlig normal.

Aber: Die Firma H. und Partner GmbH und Co. KG reklamiert nun für sich, gewisse (Vor-)Arbeit geleistet zu haben, und wenn gearbeitet wird, gibt es auch gewisse Forderungen, die beglichen werden müssen. Weil es da aber gewisse Zahlungs-Schwierigkeiten gibt, ist bislang auch keine Zahlung erfolgt. Die Firma H. und Partner schaltete deswegen am 13. Juli 2009 einen Anwalt ein. Es soll um 1,5 Millionen Euro gehen. Die Firma einen von Bernd Hoffmann und Katja Kraus unterschriebenen Vertrag haben (per Fax), der dem Spielerberater 1,5 Millionen Euro zugesteht. Umstritten soll dabei nur sein, dass Bernd Hoffmann diesen Vertrag zwar unterschrieben habe, dabei aber der Firma H. und Partner gesagt hatte, dass er für diese Summe noch das Okay des Aufsichtsrates einholen müsse – und wolle.

Um zum Ende zu kommen: Bernd Hoffmann trat quasi in letzter Sekunden von dem Vertrag und von dem Vorhaben, Vagner Love zu verpflichten, zurück, weil der HSV zeitgleich Eljero Elia unter Vertrag genommen hatte; Vagner Love durfte (musste) in Moskau bleiben – und erst einmal Ende. Der Aufsichtsrat wusste von diesem geplanten Transfer nichts, musste ja auch gar nicht erst bemüht werden, denn der Vertrag mit Vagner Love kam ja auch nicht zustande.

Die Firma H. und Partner aber, die von einem schwebenden Verfahren spricht und deshalb schweigen möchte, hat jedoch noch den von Hoffmann und Kraus unterschriebenen Vertrag in der Schublade – und wartet nun auf Entschädigung. Die muss, wenn die Einigung beider Parteien ausbleibt, zur Not das Gericht festlegen. Bernd Hoffmann sagt dazu: „Wenn es zum Vertragsabschluss mit Vagner Love gekommen wäre, dann hätte die Agentur einen Anspruch auf die übliche Zahlung einer Provision gehabt, aber es kam nicht zum Vertragsabschluss.“ Fortsetzung folgt.