28. August 2009
In Hamburg sind die Ferien vorbei. Das merkt man nicht nur auf den nun wieder überfüllten Straßen, sondern auch beim HSV-Training, wo die Zuschaueranzahl nun erstmals wieder unter die 100-Personen-Marke rutscht.
Trainer Bruno Labbadia lässt sich davon aber nicht irritieren. Er hat den gelungenen Saisonstart mit Wohlwollen registriert und möchte ihn nun zu einem „sehr guten“ ausbauen. Dabei wies er bei der Pressekonferenz vor dem Köln-Spiel meines Erachtens zu Recht darauf hin, dass die Kölner trotz ihrer bisher mageren Bundesligaausbeute von einem Pünktchen keinesfalls ungefährlich oder gar „Fallobst“ sind. „Mit Petit, Maniche, Mondragon, Podolski und Co. verfügen die Kölner über eine Mannschaft mit international erfahrenen Profis“, sagt Labbadia. Er hält die Kölner vor allem für konterstark – und wird seine Männer entsprechend vorbereiten.
Dass die HSV-Spieler um ihren Jubilar Joris Mathijsen (feiert gegen Köln seinen 1000. Bundesligaeinsatz für den HSV, meinetwegen können noch mindestens 200 folgen) extrem gewillt sind, den Positivtrend nach dem grandiosen 4:2-Sieg in Wolfsburg fortzusetzen, war vor, während und nach der Einheit am Freitagmorgen deutlich erkennbar. Kaum ein Spieler sprach noch von der Qualifikation für die Europa League – was natürlich auch daran lag, dass die eingesetzten Profis beim Auslaufen waren und nicht mit dem A-Team auf dem Trainingsrasen standen -, dafür ackerten die Männer beherzt für das Duell gegen „Kölle“.
Zwei Stammspieler zeichneten sich dabei vor allem durch Wutausbrüche aus: Dennis Aogo, der beim Vier-gegen-Zwei-Spiel gemeinsam mit Eljero Elia ein Abonnement für die Mitte hatte und zwischenzeitlich zu mancher „Monstergrätsche“ mit Frustinhalten ansetzte, und Kapitän David Jarolim, dessen Vier-Mann-Team bei einer Spielform-Übung derartig von den Kontrahenten dominiert wurde, dass der Tscheche ein lautstarkes Fluchgewitter folgen ließ. Einige Zaungäste, vor allem Mütter mit ihren Kindern, waren vom rauen Umgangston der angehimmelten HSV-Spieler ziemlich überrascht. Doch da sorgten die Zöglinge für Beruhigung: „Mensch, Mama, das hier ist Fußball…“
Die „Abteilung Attacke“, wie Martin Jol einst die drängenden Talente im Kader seines Klubs nannte, steckt derzeit wie schon mehrfach erwähnt in einer tiefen Depression. Maxim Choupo-Moting mochte mehreren Fragestellern am Rande der Übungseinheit nur mit einem demonstrativen Schulterzucken antworten, warum er gegen Guingamp nicht hatte spielen dürfen. Tolgay Arslan musste das Training angeschlagen abbrechen. Und Änis Ben-Hatira sagte nach der Dusche, er warte minütlich auf einen Anruf von Klubboss Bernd Hoffmann, um seine Freigabe zu erhalten. Dabei, und das ist neu, geht es offenbar nicht mehr um ein Leihgeschäft, sondern um einen kompletten Verkauf. Ben-Hatira: „Leihgeschäfte bringen mich jetzt auch nicht mehr weiter, ich möchte einen kompletten Neuanfang starten.“
Hoffmann wird es bestimmt nicht leicht fallen, zwei der vier Nachwuchskräfte so kurz vor Transferschluss zu verabschieden – zumal Trainer Labbadia die hungrigen Eigengewächse fördern und fordern will, um so auch den Druck für die gestandenen Profis ständig aufrecht zu erhalten. Trotzdem, meine ich, geht die Entwicklung der besagten Spieler nur noch über Spielpraxis auf Profiniveau weiter. Und da stehen die Chancen in Hamburg aufgrund der hohen Qualität des Kaders natürlich nicht allzu gut.
Zwei Dinge noch schnell vorm Start des Bundesligawochenendes: Erstens betrachte ich die Gruppe C des HSV in der Europa League als echte sportliche Herausforderung, zumal Celtic, Rapid Wien und Hapoel Tel Aviv allesamt große Ambitionen haben und keine „Selbstgänger“ sind. Andererseits peilt Bernd Hoffmann ab 2010 den Angriff auf Europas Fußballspitze an – und wer sich auf dem europäischen Fußballthron dauerhaft einen festen Platz sichern will, der muss auch Gegner dieser Kategorien in die Schranken weisen.
Zweitens kursieren seit Donnerstagabend Gerüchte über Dietmar Beiersdorfer, der Sportchef bei Red Bull Salzburg werden soll. „Was? Das ist doch ein Schritt aufs Abstellgleis!“, hörte ich manchen Kollegen und Fan raunen. Doch hinter der Sache könnte noch mehr stecken. Sobald ich mehr weiß, werde ich Euch informieren.
Die Gewinner unseres Gewinnspiels stehen fest: Julia Brügmann hat das Trikot gewonnen, Matthias Suttmann die zwei Eintrittskarten. Ich gratuliere herzlich.
Und noch eine letzte Anmerkung: Die Genesungswünsche für den verunglückten St.-Pauli-Fan nehmen immer mehr Formen an. Schaut selbst rein: http://www.upload.ixxis.de/download.php?file=e760e20c07caa036cb6ed62915afd251
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