Tagesarchiv für den 28. August 2009

Jubilar Mathijsen

28. August 2009

Abwehrchef Joris Mathijsen feiert gegen den 1. FC Köln am Sonntag ein ganz besonderes Jubiläum: sein 100. (!) Bundesligaspiel. Jaja, ich weiß, ich hatte nach dem Training heute aus Versehen eine Null zu viel in die Tasten gehackt – und den Niederländer damit prompt zum Bundesligarekordspieler befördert.

Eines kann ich bei dieser Korrektur aber gleich noch machen, nämlich ein paar Worte zum Jubilar verlieren. Als Mathijsen einst zum HSV kam, wurde im Kollegenkreis und auch unter Experten viel diskutiert. Mathijsen war relativ unbekannt und wirkte in seinen ersten Spielen nicht überragend schnell, herausragend kopfballstark oder brillant im Aufbauspiel. Ein überschätzter Mann (wie vielleicht Daniel van Buyten)?

Meine Antwort ist eindeutig: nein. Mathijsen ist die Sorte Defensivspieler, die Trainer gerne mögen. Er ist nämlich außergewöhnlich zuverlässig. So wenige herausragende Qualitäten er vielleicht auch haben mag, so wenige augenscheinliche Schwächen hat er auch. Mathijsen bringt genau die Komponenten in ein Spiel ein, die man bei der Zusammenstellung einer erfolgreichen Mannschaft benötigt: gutes Stellungsspiel, ordnendes Eingreifen, starkes Zweikampfverhalten, Cleverness, Reife. Er kennt seine Stärken, bringt sie ein; und er reflektiert sich gut, kennt also auch seine Schwächen und versucht eigentlich nie, “Zauberpässe” zu spielen oder Szenen in der eigenen Gefahrenzone mit überhöhtem Risiko zu lösen.

Mathijsen wird im Team sehr geschätzt, weil er eben diese Stabilität für die gesamte Hintermannschaft mitbringt. Er ist meist ruhig und ausgeglichen, im entscheidenden Moment aber auch mal impulsiv und aufbrausend (auch gegenüber den Kollegen) – das spornt an.

Und wie sehr Mathijsen die Raute längst verinnerlicht hat, also auch eine echte Identifikationsfigur ist, zeigte heute ein TV-Interview für N3. Mathijsen wurde gefragt, was er zu Bayern Münchens Verpflichtung von Arjen Robben halte, ob er sich wegen eines weiteren Landsmannes in der Liga freue. Der Abwehrmann zögerte kurz und sagte dann bierernst, dass er sich nicht sonderlich freue, weil ein Konkurrent damit einen guten Spieler hinzubekommen habe. So viel Herzblut tut gut.

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