Tagesarchiv für den 26. August 2009

Ernüchterung

26. August 2009

Lieber Jacek Dembinski, was ist da unverständlich dran? Gestern war vom HSV nichts zu erfahren, heute ja. So spielt das Journalisten-Leben. Gestern wollten einige HSV-Leute nichts sagen, heute habe ich gleich zwei Leute gesprochen, und beide haben sie bestätigt, dass Rafael van der Vaart kein Thema ist. Und wenn man hört, dass Wesley Sneijder nun für 15 Millionen Euro von Real Madrid zu Inter Mailand wechselt, dann ist auch leicht nachvollziehbar, warum. Zu verschenken haben die „Königlichen“ eben auch nichts. Die wollten Sneijder zwar loswerden, genau wie van der Vaart, aber sie wollen eben auch einige Dollars kassieren. Und davon hat der HSV zurzeit nicht mehr ganz so viele. Aus verständlichen Gründen, denn es wurde doch schon viel, viel mehr eingekauft, als vorher erwartet und von vielen Seiten prognostiziert worden war. Und irgendwann ist eben auch in Hamburg das Ende der Fahnenstange erreicht.

Die Wahrheit zu van der Vaart, ob ja oder nein, ist die: Vor acht Wochen wollte ihn der HSV haben, doch da wollte der ehemalige HSV-Kapitän nicht. Seine Antwort lautete damals kurz und knapp: „Ich will und werde mich bei Real durchbeißen.“ Das hat nun nicht so richtig geklappt, ganz das Gegenteil ist der Fall, doch nun will eben der HSV nicht mehr. Oder er kann nicht mehr – und das eventuell nicht nur aus finanziellen Gründen. Über die sportlichen Gründe habe ich aber genug geschrieben – und Ihr alle natürlich auch (es gibt aber KEINE Abmahnungen!).

Es geht nun also nicht mehr um neue (oder auch nur einen neuen) HSV-Spieler, die noch bis zum 31. August nach Hamburg kommen könnten, sondern nur noch um einen neuen Sportdirektor. In diesem Punkt soll plötzlich wieder Klub-Manager Bernd Wehmeyer eine Rolle spielen. Was mir, ehrlich gesagt, ein kleines Rätsel ist. Wer auch immer ihn wieder ins Spiel gebracht hat, ich weiß es nicht. Eigentlich war der frühere Linksverteidiger aus der 83er-Meistermannschaft ja schon lange aus dem Kreis der Anwärter ausgeschieden, aber irgendeiner meldet sich dann doch wieder (ein wenig unqualifiziert) zu Wort, und schon ist die Diskussion wieder voll entbrannt. Ähnlich wie im Falle van der Vaart, könnte man meinen.

Für mich, das sind meine Informationen, geht es aber jetzt nur noch um Roman Grill. Wird er es, oder wird er es nicht? Nur das ist hier noch die Frage. Und wer mich fragt, der erhält die Antwort: „Er wird es, das steht für mich ganz eindeutig fest.“ Am Dienstag stimmen dann die Herren Aufsichtsräte ab, und dabei kann es durchaus sein, dass es noch den einen oder anderen „Störrischen“ in diesem Zwölfer-Gremium gibt, der den Aufstand proben will und sich weiter an dem Namen Wehmeyer klammert, aber nach kurzen und eventuell auch heftigen Diskussionen wird dann doch nur über Grill abgestimmt – und dann ist es Grill. So einfach ist das.

Nun noch ein kleiner Schwenk zu meiner Nachwuchs- und Privattrainer-Geschichte: Ganz klar, früher, zu Oliver Bierhoffs Zeiten, gab es einen Chef-Trainer und eventuell einen Co-Trainer. Natürlich gibt es heute einen ungleich größeren Trainerstab. Und genau das habe ich auch gemeint: Wenn es schon nicht der Chef-Coach übernehmen will, so gibt es andere in seinem Stab, die sich um den Nachwuchs verdient machen könnten. Ich meine sogar, müssten! Wobei ich jetzt gar nicht über den Trainerstab von Bruno Labbadia wettern will, denn der hat seine Arbeit ja erst kürzlich aufgenommen.

Für mich existiert dieses Thema schon viele, viele Jahre, denn auch die Trainer verdienen gutes Geld, haben an manchen Tagen aber nur einige (wenige) Stunden Arbeit. Und letztlich müsste jedem Trainer daran gelegen sein, aus dem vorhandenen Spielermaterial (jetzt werde ich wieder beschimpft, ich weiß aber, was für ein hässliches Wort das ist) etwas zu machen, zu zaubern, auf die Beine zu stellen. Dafür sind sie doch alle einst Fußballlehrer geworden, oder?

Ich möchte an dieser Stelle noch kurz einmal aus dem Nähkästchen plaudern. Es gab beim HSV mal einen Trainer, der unmittelbar vor Trainingsbeginn in die Kabine gehechelt kam, und dann beim Umziehen in die Runde seiner bereits wartenden Assistenten fragte: „Was ist heute eigentlich für ein Tag?“ Die Antwort wussten alle: „Dienstag.“ Darauf der Chef-Coach, immer noch beim Umziehen, zu einem Co-Trainer: „Dienstag? Dann bist du doch dran, Erwin, das Programm mit der Mannschaft zu machen. . .“ So geht es natürlich auch, aber von diesen Zeiten ist der HSV (und die Bundesliga) wahrscheinlich nun schon Lichtjahre entfernt. Hoffentlich. PS: Die Geschichte stimmt, der Name Erwin stimmt natürlich nicht, denn ich möchte jetzt, Jahre später, auch niemandem zu nahe treten.

In diesem Sinne, ich wünsche Euch ein schönes Spiel gegen die Franzosen aus Guingamp, und dazu eine hungrige und engagierte HSV-Mannschaft – ganz egal, wer dabei auch immer zum Einsatz kommen wird.

Der „kleine Engel“ kommt nicht

26. August 2009

„Was ist denn nun mit van der Vaart?“ Fragt „Lars“. Die Antwort, die ihn weniger befriedigen dürfte lautet eindeutig: „Nichts!“ Der „kleine Engel“ wird definitiv in diesem Sommer nicht zum HSV zurückkehren. Auch wenn es da irgendwelche Aktivitäten innerhalb des Vorstandes geben sollte, das sind keine Rückhol-Aktivitäten für van der Vaart. Es wird auch, wenn nicht in letzter Sekunde noch ein Wunder geschieht, keinen anderen neuen Spieler mehr für Bruno Labbadia geben, alle Verpflichtungen, die getätigt werden mussten, sind auch getätigt. Und Ende. Ich weiß sehr wohl, dass nun einige von Euch bitter enttäuscht sein werden, aber das ist nun einmal die Realität. Mal ehrlich: Wo sollte denn van der Vaart bei diesem HSV spielen? An Ze Roberto käme er nicht vorbei, und ansonsten im Angriff? Das geht schon mal gar nicht, weil Paolo Guerrero, Mladen Petric und Marcus Berg viel torgefährlicher sind, wahrscheinlich auch schneller und robuster. Und wenn nicht einmal der große und so arg gebeutelte FC Bayern etwas von van der Vaart wissen will, was sollte denn der HSV. . ?

Die einzigen Aktivitäten, die es beim HSV noch auf dem Transfermarkt geben könnte, sind Ausleihgeschäfte. Eric Maxim Choupo-Moting und Änis Ben-Hatira sind da noch in der Verlosung. Letzterer wird von mir immer noch ganzhoch eingeschätzt, obwohl ich mir da zuletzt so manches „blaue Auge“ und einige hämische Kommentar gefallen lassen musste. Ben-Hatira erinnert mich immer noch an den jungen Thomas von Heesen, ich weiß aber auch, dass der gute Änis nicht den unbedingten Biss hat, es hier in Hamburg all denen zu zeigen, die ihn nicht unbedingt auf der Rechnung haben. Das ist in meinen Augen aber schade, jammerschade sogar.

Wobei wir bei Talenten wären. Tolgay Arslan wurde zuletzt aus Euren Reihen gefordert, was ich nachvollziehen kann (hatte ich ja geschrieben). Grundsätzlich muss ich zu diesem Thema mal etwas anmerken: Der Name von Heesen steht für eine höchst ungewöhnliche Aktion. Als es mit dem gelockten Mittelfeldspieler nicht so recht voran gehen wollte, als er sogar am Scheideweg stand (Profi oder doch kein Profi?), gab er plötzlich Vollgas – und spielte sich in die Stammelf und in die Nähe der Nationalmannschaft.

Alle Welt fragte sich: Woher kommt diese plötzliche Leistungsexplosion? Bis von Heesen selbst einmal das Geheimnis lüftete. Er hatte am Vormittag Training beim HSV, und am Nachmittag trainierte er dann in der Jahnkampfbahn im Stadtpark. Unter der Führung von Diskus-Olympiasieger Rolf Danneberg. Den hatte sich Thomas von Heesen als „Privattrainer“ engagiert, aus freien Stücken. Er hatte erkannt, dass er mehr tun muss, um nicht zu scheitern – und es hat sich für ihn ausgezahlt. Auch für Danneberg, denn als es publik geworden war, dass er den Privattrainer gab, wurde der Leichtathlet vom HSV als Trainer verpflichtet (später dann auch vom Nachbarn St. Pauli).

Was ich damit sagen will: Ein junger Spieler kann es ruhig auch selbst mal in die Hand nehmen, wenn er die große Karriere starten will. Was auch ein zweites Beispiel belegt: Patrick Owomoyela (einst Stellingen 88) nahm sich als Spieler des damaligen Lüneburger SK gleich zwei Privattrainer zugleich. Einmal K-P Nemeth (jetzt St. Paulis Torwarttrainer), dazu den Schwimmtrainer Dirk Lange (heute Bundestrainer). Die formten „Owo“ so, dass er noch Nationalspieler wurde.

Ihr werdet Euch zudem erinnern, dass es auch mal einen Nationalspieler namens Christian Rahn beim HSV gab. Der brachte es immerhin auf fünf Länderspiele. Und der heutige Zweitliga-Profi von Greuther Fürth hätte sicher viele Einsätze mehr schaffen können, wenn er sich damals hätte überzeugen lassen. Ich habe oft und lange versucht, ihn davon zu überzeugen, dass er sich einen Privattrainer nehmen sollte. Weil Rahn zwar nach vorne unglaubliches Talent besaß, aber nach hinten auch unheimlich große Defizite. Das hätte ein Coach, der sich nur darum hätte kümmern sollen, sicher beheben können – und Rahn wäre heute noch in der Ersten Liga. Davon bin ich restlos überzeugt, aber er tat es nicht.

Ich gebe aber natürlich auch zu, dass das Beheben von Defiziten in erster Linie auch Sache der Trainer wäre. Doch die haben in der Vergangenheit in Hamburg entweder nichts erkannt, oder sie hatten keine Zeit (natürlich nur eine Ausrede!). Schlimm ist für mich beides.

Wobei ich spontan auch an Oliver Bierhoff denken muss. Der HSV-Spieler, bei dem ich mich wohl am gründlichsten geirrt habe. Als er damals den HSV verließ, habe ich gedacht: „Den siehst du nie wieder.“ Und dann wurde er in Italien Torjäger und Meister mit dem AC Mailand. Wir haben heute noch ein großartiges Verhältnis, er hat mir einst gestanden, dass er auf zwei deutsche Trainer nicht besonders gut zu sprechen ist: Rolf Schafstall und Willi Reimann. Bierhoff: „Beide haben mich nicht gefördert, sie haben mich überhaupt nicht verbessern wollen, ich sollte nur funktionieren. Und da ich es in ihren Augen nicht konnte, war ich eben nur Ersatz und schnell weg vom Fenster.“

Erst in Italien wurde er ein Riese. Weil sich dort ein Trainer die Zeit nahm, sich mit ihm nachmittags, wenn alle anderen Spieler frei hatten, zu beschäftigen. Immer und immer wieder wurde Bierhoff geschult, sein Kopfballspiel, seine Ballfertigkeit, seine Schnelligkeit. Und dann machte er diese große Karriere. Ein Denkanstoß für jedes Talent, sein Schicksal auch mal selbst in die Hand zu nehmen (und nicht auf andere warten, die doch nichts tun), ein Denkanstoß aber auch für Vereine, viel mehr an Ausbildung in seine Spieler zu investieren, als dieses Training für ein gesamtes Team. Manchmal könnte es sich tatsächlich lohnen – und die Trainer werden ja ohnehin für einen ganzen Tag bezahlt. Oder ist Einzeltraining einfach nicht drin?

Überwältigend

26. August 2009

Vorweg noch einmal in eigener Sache. Ich bin überwältigt, Ihr seid ja sensationell, das ist einfach nur klasse. Wie Ihr hier mitmacht, das macht mich fassungslos, das hätte ich nie im Leben erwartet. „Danke“ wollte ich ja eigentlich nicht mehr sagen, weil ich Euch damit nicht langweilen möchte, ist aber in meinen Augen noch einmal unumgänglich und auch ganz ehrlich gemeint: Eure Beiträge sind über mich hereingebrochen wie das herrlichste Schönwettergebiet.

Allerdings möchte ich Euch doch bitten – ganz besonders „Kavennsmann“ -, dass ich noch einen etwas längeren Zeitraum bei „Matz ab“ mitmachen und schreiben darf. Ich möchte, wo ich doch gerade erst damit angefangen habe, noch nicht aufhören, und ich möchte mich sehr wohl noch etwas anstrengen müssen. Möchte nicht nur Euch fordern, sondern auch mich. Ich hoffe auf Euer Einverständnis.

„Dembinski“ lobt den guten Umgangston bei „Matz ab“, das kann ich nur unterstreichen. Und ich hoffe, dass es auch so bleiben wird. Es wird auch keine Zensur geben, sollte es kritische Töne – auch gegen mich – geben, Kritik wird erscheinen, ganz klar. Allerdings sollten wir alle darauf achten, dass kein Mensch persönlich diffamiert wird, dass niemand menschenunwürdig „heruntergeputzt“ und attackiert wird. Das ist meine große Bitte an Euch, dass wir diesen Umgangston, den wir bislang miteinander gepflegt haben, auch beibehalten.

Großartig finde ich ferner, dass sich viele von Euch zum so schwer verunglückten St.-Pauli-Fan Mini geäußert haben. Das hätte ich niemals für möglich gehalten, obwohl das absolut in meinem Sinne ist. „Jakob Klobutzki“ hat sogar angeregt, am Sonntag, beim Spiel gegen Köln, ein Banner zu zeigen, auf dem die HSV-Fans dem St.-Pauli-Mini beste Genesungswünsche aussprechen. Sollte sich jemand mit der Anfertigung eines solchen Banners beschäftigen, so bin ich bereit, diese Aktion mit 50 Euro (für Farbe etc) zu unterstützen – bitte melden.

Und noch eines finde ich einfach hervorragend: Wie sehr Ihr Euch alle Gedanken um diesen, um Euren HSV macht. Dass dabei sogar an die ganz jungen Talente gedacht wird – alle Achtung. “HSV-Oliver“ hält so viel von Tolgay Arslan und hätte es so gerne, wenn dieser junge Mann schon bald einmal eine Chance bei den Profis erhielte. Die Antwort darauf aber ist fast schon bei „Matz ab“ gegeben.

Welcher junge Mann soll einem „alten Hasen“ den Platz in dieser „Hammermannschaft“ wegnehmen? Und sei das Talent sowie die Veranlagung noch so groß, ich sehe das zurzeit nicht. So leid es mir für jeden jungen Spieler tut. Arslan ist sicher sehr talentiert, aber ich kann ihm nur das raten, was ich schon Änis Ben-Hatira und Tunay Torun geraten habe: Geduldig bleiben, im Training immer Biss zeigen, lernen, lernen, lernen wollen, niemals aufgeben und sich niemals hängen lassen, und wenn es noch so hart sei.

Dann kann es eines Tages etwas werden. Und wenn dann doch nicht? Dann wartet die Zweite Liga. Siehe Sidney Sam, der nun beim 1. FC Kaiserslautern kickt. Ist zwar nicht das Allergrößte, aber gewiss auch nicht ganz schlecht. Und: Die Zeiten, in denen ein Uwe Seeler mit 17 Jahren in der Nationalmannschaft debütierte, die gehören doch irgendwie schon seit Jahren der Vergangenheit hat.

Von kleinen Ausnahmen mal abgesehen (z. B. Lukas Podolski, Bastian Schweinsteiger). Weil nicht nur das Talent ausschlaggebend ist, sondern auch die körperliche Fitness. Es gehört heute eine ungeheure Schnelligkeit dazu, gepaart mit einer gewissen Robustheit und Schlitzohrigkeit. Auch da gibt es ein Beispiel: Ihr habt es sicher schon beobachtet, davon bin ich restlos überzeugt, wie der junge Eljero Elia kickt. Der geht nicht nur ab wie eine Rakete, der lässt sich auch nicht die Butter vom Brot nehmen. Bevor ein Verteidiger die Stabilität seiner Hölzer überprüft, macht es Elia selbst. Der teilt aus, obwohl er wie der liebe junge von nebenan aussieht. „Eli“, wie ihn die Kollegen rufen, lässt sich nichts gefallen – anders kann man im heutigen Profi-Fußball auch nicht überleben, geschweige denn nach oben kommen. Das sei Tolgay Arslan noch schnell in sein künftiges Fußball-Profi-Stammbuch geschrieben.

Schon 135 Zeilen, wo will ich noch hin? Umgehend zum heutigen Fußballgeschehen im Volkspark: Am Donnerstag, im Europa-League-Spiel gegen Guingamp, wird nur eine ersatzgeschwächte HSV-Mannschaft auflaufen (ich spreche extra nicht vom B-Team), da müssen alle ganz tapfer sein. Ich werde das
unterstützen, denn die EL-Gruppenphase ist nach dem 5:1 im Hinspiel bereits erreicht, und am Sonntag wartet mit dem Heimspiel gegen Köln eine ganz unangenehme Aufgabe. Ihr erinnert Euch doch noch an den letzten Kick gegen Ende der vergangenen Saison, oder? Deswegen ist es doch nur verständlich, wenn Bruno Labbadia nun seine Cracks schont, damit sie den Kölner mit vollster Kraft voraus begegnen können.

Leid tut mir ein wenig das ZDF, das live aus dem Volkspark übertragen wird, Leid tun mir in dem Falle auch die Zuschauer. Aber es ist ja auch nicht gesagt, dass es erneut ein Trauerspiel wie gegen Randers geben wird, denn jeder HSV-Profi muss doch versuchen, sich mit einer guten Leistung für die Stammelf zu empfehlen.
Das geschieht, so habe ich das Gefühl, auch schon im Training. Da lässt sich kaum einer hängen. Und die Stimmung am Dienstag war großartig. Eine Stunde und 20 Minuten wurde ohne (!) Ball trainiert, es gab Kraft- und Konditionstraining mit vielen Läufen, und erst danach ein Spielchen. Da ging es dann aber sehr, sehr munter zur Sache, jeder wollte sich zeigen. Jerome Boateng schoss dass „Tor des Monats“ und kassierte viel Beifall von den 300 Fans, Collin Benjamin trat Jonathan Pitroipa klassisch um, und den Hoch-und-weit-Preis des Tages erhielt diesmal Marcus Berg, der die Kugel wuchtig in Richtung Güterbahnhof Wandsbek beförderte.

Erstaunlich war das Ende des Trainings: Nach einer Stunde und 50 Minuten schien Schluss zu sein, einige Spieler packten ihre Sachen und gingen (Autogramm schreiben). Es blieben aber noch 15 Profis, die Frage, die ich nicht klären konnte, war die: freiwillig? Es gab Flanken und Torschüsse, es ging zu wie beim Straßenfußball. Herrlich anzusehen. Und da bin ich kurz noch bei einem anderen Thema: Straßenfußball. Gibt es den heute noch? Kaum! Aber die Profi-Klubs hätten beste Voraussetzungen, ihn wieder einzuführen. Sie haben die Plätze, sie haben Trainer, sie haben Spieler, vor allem junge, hungrige Männer.

Die müssten eigentlich darauf bedacht sein, zu lernen, lernen, lernen. Jede Ballberührung würde sie stärker machen – aber es macht seit Jahrzehnten kaum einer mehr als vom Verein gefordert. Kein Klub, keine Trainer, kaum Spieler denken daran, dass man eigentlich viel erreichen könnte, wenn etwas mehr gemacht werden würde, als alle anderen. Schade eigentlich, denn Zeit und die anderen Voraussetzungen wären gegeben. Vielleicht kommt ja irgendwann mal einer drauf. In diesem Sinne wünsche ich Euch einen großartigen Mittwoch.