Tagesarchiv für den 22. August 2009

Sonntagsspiele

22. August 2009

Sonntagsspiele sind irgendwie immer ein wenig ätzend. Als Fan des betroffenen Vereins, der noch einen Tag warten muss, dauert das alles viel zu lange, bevor es um alles geht. So ist es normalerweise. Wenn aber der FC Bayern am Tag zuvor ausrutscht, dann ist das schon ein ganz besonderer Sonnabend. 34 Spieltage in der vergangenen Saison waren die Münchner nie auf Platz eins, obwohl es oft vollmundig angekündigt worden war. Und auch in dieser Saison sind die Bayern noch nicht an der Spitze erschienen. Nach der 1:2-Pleite bei Mainz 05 wird es sogar noch eine geraume Zeit dauern, bevor die großen Bayern mal wieder ihre Visitenkarte auf Rang eins abgeben können – wer hätte das gedacht?

Dazu fällt mir ein, dass ich ja kürzlich im Doppelpass neben dem Stuttgarter Manager Horst Heldt saß. Während einer Werbepause sagte der ehemalige Regisseur zu mir: „In München, vielleicht sogar in ganz Deutschland, reden sie alle nur von den starken Bayern, die ohnehin wieder Meister werden. Ich sehe das ganz anders, aber ich werde mich hüten, das öffentlich zu sagen. Sollen die doch alle an die Bayern glauben, und dann wird ein anderer Klub den Titel holen – am liebsten wäre mir natürlich der VfB. Für mich jedenfalls wird Bayern München nicht Meister.“ Recht hat er bislang, der Hellseher Heldt aus Stuttgart.

Wobei diese Fragen in Richtung Münchner erlaubt sein müssen: Kann sich ein Klub, der die Champions League gewinnen will, einen Torwart wie Michael Rensing erlauben? Und kann ein Verein, der den deutschen Fußball dominieren will, einen so großen Schwachpunkt wie Daniel van Buyten leisten, der bei beiden Toren der Mainzer wie eine Schaufensterpuppe agierte? Kann sich der FC Bayern erlauben, einen Kämpfer wie Ivica Olic auf die Bank zu setzen, um dagegen einen wieder einmal nur durch seine Pomadigkeit auffallenden Miroslav Klose zu bringen? Und sollte nicht doch besser Uli Hoeneß mit auf der Bank sitzen, denn wenn er dort Präsenz zeigt, laufen die Herren Profis doch irgendwie ein wenig flotter? Fragen, die in den nächsten Tagen für viel Zündstoff an der Isar sorgen werden.

Übrigens: Bei Mainz 05 stand ein ehemaliger Hamburger zwischen den Pfosten, der überragend hielt und der Torwart des Wochenendes werden dürfte: Heinz Müller, ehemals St. Pauli. Und noch ein ehemaliger Hamburger stand auf einem anderen Platz im Blickpunkt: Hannover 96 siegt mit dem ehemaligen St.-Pauli-Trainer Andreas Bergmann in Nürnberg. Auch hier eine Frage: Hat da eine Mannschaft (die von der Leine) wie von einer Last befreit aufgespielt?

Dazu dann der Auftritt von Leverkusen! Alle Achtung, dieses 5:0 in Freiburg ist großartig und verdient Anerkennung. Zur Erinnerung: Dort hatte der HSV vor 14 Tagen ein 1:1 erreicht. Das Bayer-Team von Altmeister Jupp Heynckes wird zu beachten sein, keine Frage.

Der HSV wird wohl am Sonntag in Wolfsburg mit Frank Rost zwischen den Pfosten antreten können. Allerdings gibt es da noch ein kleines Fragezeichen, denn genau um 14.10 Uhr am Sonnabend wehrte der Keeper einen Flachschuss mit dem rechten Fuß ab und brach danach neben dem Tor vor Schmerzen zusammen. Wieder das Fersenbein? Nein, diesmal soll es das Knie sein, der harte Schuss hatte wohl das Innenband ein wenig lädiert. Rost ist hart im Nehmen, er wird wohl spielen können, doch abzuwarten bleibt trotz allem, wie sich eine solche Verletzung über Nacht entwickelt.

Unklar ist ebenfalls, wer für den verletzten Guy Demel in die Mannschaft kommen wird. Aufschluss hätte ein Trainingsspielchen am Sonnabend geben können, aber es gab keines. Bruno Labbadia verzichtete darauf, so dass die Frage, ob Jerome Boateng oder David Rozehnal in der Innenverteidigung stehen werden, oder doch Collin Benjamin zum Einsatz kommen wird, offen blieb. Apropos Benjamin: An ihn ging der Hoch- und Weit-Preis des Sonnabends. Beim Torschusstraining drosch der Abwehrspieler den Ball über den Fangzaun in die Botanik des Volksparks, nach der Kugel wird wahrscheinlich noch am Sonntag gesucht werden müssen – von den Kollegen gab es begeisterten (aber leicht hämischen) Beifall.

Gute Stimmung also beim HSV, trotz der kleinen, aber gewiss nicht unproblematischen Unannehmlichkeit, in Paris für eine kurze Nacht aus dem Flieger klettern zu müssen. Soll aber alles ganz harmlos gewesen sein, denn am Charter-Jet war eigentlich alles ganz heil – bis auf ein kleines Lämpchen, das dem Kapitän einen Fehler signalisierte. Dann ist es eben trotz allem besser, auf Nummer sicher zu gehen. Auch wenn eine solche Zwischenlandung nicht unbedingt gut für die Nerven aller Beteiligten ist. Bleibt abzuwarten, wie es mit dem HSV und der Fluggesellschaft jetzt weitergeht. Vielleicht hat der neue Sportchef in naher Zukunft ja eine andere Idee.

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