Tagesarchiv für den 19. August 2009

Alles gut

19. August 2009

Das ist doch mal eine erfreuliche Nachricht. Das HSV-Spiel am Donnerstag bei EA Guingamp wird nun doch noch im Fernsehen gezeigt. Das Deutsche SportFernsehen DSF schlug quasi in letzter Sekunde zu und überträgt von 18.30 Uhr aus dem Stade du Roudourou. Es gab in den vergangenen Tagen schon so viele enttäuschte Gesichter von HSV-Fans, die sich vergeblich nach einer Live-Übertragung erkundigt hatten, diese Mienen werden sich nun doch aufhellen.

Während die Mannschaft in Frankreich um den Einzug in die K.-o.-Runde der Europa League kämpft, sucht in Hamburg der Aufsichtsrat immer noch nach dem neuen Sportchef. Ein Gerücht besagte zuletzt, dass es doch Bernd Wehmeyer (Klub-Manager) werden sollte, Als eine Art Übergangslösung. Bis sich Oliver Bierhoff nach der Weltmeisterschaft in Südafrika vom Deutschen Fußball-Bund gelöst hat. . .

Das aber ist wirklich nur ein Gerücht, wir, mein Abendblatt-Kollege Christian Pletz und ich, sind der Sache nachgegangen und haben herausgefiltert, dass daran nichts Wahres ist. Oder besser gesagt: alles Quatsch. Es wird somit keine Übergangslösung geben, es wird auch nicht Nationalmannschafts-Manager Bierhoff, einst HSV-Stürmer, verpflichtet. Deswegen deutet vieles darauf hin, dass es wohl doch auf den früheren Nationalspieler und Bayern-Profi Oliver Kreuzer (Red-Bull Salzburg) hinaus laufen wird. Letzteres ist allerdings auch nicht sicher, denn im Aufsichtsrat wird noch eifrig gemauert. Erst wenn es eine Sitzung gegeben hat und alle Räte dieser Lösung zugestimmt haben, wird der neue starke Mann verkündet und präsentiert.

Dass er stark sein wird, ist wohl eine Grundvoraussetzung. Immerhin war aus dem Zwölfer-Gremium zu hören, dass die Mehrheit schon einen Sportchef möchte, der in erster Linie für die Mannschaft und Trainer Bruno Labbadia da sein soll – und erst in zweiter oder dritter Linie für Vorstands-Boss Bernd Hoffmann. Es wird also einer gesucht, der sich gegen den Chef behaupten kann. Damit es nicht noch einmal zu Disputen wie zu Beiersdorfers Zeiten kommen kann. Das klingt schon mal vernünftig.

Aus dem Rennen sollen auf jeden Fall Bernd Wehmeyer und der frühere Nationalspieler Stefan Reuter, zuletzt Sportchef beim TSV 1860 München, sein. Ihnen wird offenbar nicht zugetraut, sich gegen Hoffmann zu behaupten. Was im Falle Reuter, so meine Informationen aus München (die bayerischen Kollegen flüsterten es mir zu), auf jeden Fall auch Tatsache sein soll.

Der neue HSV-Sportchef soll Ende des Monats, spätestens aber Anfang September vorgestellt werden. Dann sollte der HSV möglichst noch auf allen drei Hochzeiten tanzen, also Pokal, Meisterschaft und Europa League, deswegen ist das Spiel, sind die beiden Spiele gegen Guingamp so wichtig für den Klub. Wird die Gruppenphase der Europa League erreicht, gibt es Geld zu verdienen – und mit dieser dann gut gefüllten Kasse könnte der neue Mann dann schon im Winter damit beginnen, die Mannschaft weiter zu verstärken. Vielleicht ja sogar mit Rafael van der Vaart.

Vorwärts

19. August 2009

Gegen einen französischen Zweitliga-Klub muss rotiert werden, keine Frage. Das ist die überwiegende Meinung der HSV-Fans, die auch am Dienstag wieder in Scharen in den Volkspark strömten: über 500 Zuschauer sahen zu. Die Euphorie in der Stadt ist unglaublich. Und wenn nicht gegen EA Guingamp rotiert wird, wann denn dann? Übrigens, EA steht für En Avant, das heißt Vorwärts. Und der Trainer der Franzosen, Victor Zvunka, hat vollmundig versprochen, dass er am Donnerstag gegen den HSV nach vorne spielen lassen will: „Wir werden uns nicht mit einem Unentschieden begnügen, sondern auf Sieg spielen. Volles Risiko.“ Abwarten. Sagen kann der gute Mann ja viel.

Fest steht allerdings, dass Guingamp nicht, ich wiederhole, keineswegs zu unterschätzen ist. Ich habe mit einem Kollegen von L’Equipe telefoniert, der sah den französischen Pokalsieger im Halbfinale gegen den Erstliga-Klub Toulouse spielen und siegen, er berichtete nun: „EA ist eigentlich keine Zweitliga-Mannschaft, die sind besser.“ Und immerhin haben sie im Finale ja mit Rennes einen weiteren Erstliga-Klub bezwungen. Vorsicht ist also geboten.

Das weiß auch Bruno Labbadia, der gestern, im letzten Training vor dem Abflug nach Frankreich, offenbar nichts mehr von Rotation wissen wollte, Es spielte im A-Team genau jene Mannschaft, die gegen Dortmund 4:1 gewann. Diesmal gab es einen 1:0-Erfolg über die Reserve.

Ein Fingerzeig darauf, dass der HSV-Coach seine besten Kräfte aufbieten wird, um ja kein Risiko einzugehen? Fast sieht es so aus. Wobei ebenso unumstößlich ist, dass Frank Rost die Reise zu diesem Europa-League-Spiel gar nicht erst mit antreten wird, für ihn wird Wolfgang Hesl zwischen den Pfosten stehen.

Aber auch Gegner Guingamp ist geschwächt. Der beste Mann der vergangenen Saison, Eduardo, wurde an den RC Lens verkauft, und gegen den HSV wird Innenverteidiger Christian Bassile (ehemals Energie Cottbus) nicht eingesetzt werden können, weil er eine Muskelzerrung erlitt – und wohl auch noch im Rückspiel fehlen wird. Ebenfalls nicht dabei ist Mittelfeldspieler Richard Soumah, der noch vor Ende der Transferperiode verkauft werden soll.

Guingamp gilt in Frankreich als eher „deutsch spielende“ Mannschaft. Trainer Zvunka gilt im Land als Fuchs, der stets überaus kluge Systeme ausklügelt. Seine Mannschaft spielt diszipliniert, ist bestens organisiert, ist mit Leidenschaft bei der Sache und ist immer darum bemüht, Fußball zu spielen, nicht unbedingt nur zu kämpfen. Das 18 000 Zuschauer fassende Stadion ist mit 16 000 Fans ausverkauft (wegen der Uefa-Auflagen), in dieser kleinen Arena wird Frankreich auch das WM-Qualifikations-Rückspiel gegen die Faröer austragen, denn der EA-Präsident ist zugleich auch der Verbands-Vize von Frankreich und ließ kurzerhand mal seine Beziehungen spielen.

Trainer Zvunka, der ein 4:4:2-System bevorzugt, sah den HSV in dieser Spielzeit noch nicht persönlich, fühlt sich aber dennoch bestens im Bilde, denn er beobachtete den Gegner aus Hamburg zuletzt zweimal live im Uefa-Pokal der vergangenen Saison, und zwar im Viertel- und Halbfinale. Ein Grund, den HSV leicht zu unterschätzen? Guingamp ist in dieser Saison nach zwei Spielen noch unbesiegt (ein Dreier, ein Unentschieden), bekleckerte sich aber zuletzt mit dem 0:0 daheim gegen Angers nicht gerade mit Ruhm. War das eventuell Schonung für das HSV-Spiel?

Bleibt wirklich abzuwarten, ob Labbadia sich unter diesen Vorzeichen tatsächlich zur Rotation durchringen kann. Ein Risiko bleibt es in jedem Fall.

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