Tagesarchiv für den 18. August 2009

Rotation

18. August 2009

Zum Schluss des Trainings schnappte sich Mladen Petric einen Ball und schoss ihn von der Mittellinie ins leere Tor. Ein ganz kurzes, wirklich nur ein klitzekleines Lächeln huschte über sein Gesicht, ohne dass es die Kollegen entdeckten. Und der Trainingskiebitz, der es mitbekam, freute sich über diese kleine HSV-Randnotiz. Endlich mal ein Lachen von Petric, endlich mal wieder ein Lebenszeichen.

Im Training zuvor, das eine Stunde und 45 Minuten gedauert hatte, gab es keinerlei Anzeichen für eine solche Gemütsverfassung des Kroaten. Im Gegenteil. Wenn er beim Schusstraining das Tor nicht gemacht hatte, ließ er den Kopf hängen und trabte ohne jegliches Leben zurück. Fast hatte man Mitleid mit ihm.

Es gibt eben Tage und Zeiten, an denen nichts laufen will. Kennt doch jeder. Petric scheint eine solche Phase gerade gepachtet zu haben. Immerhin: Nachdem er den Ball ins Tor geschossen hatte, zog er sich noch Torwarthandschuhe über und versuchte, die Bälle, die seine Kollegen aus Jux und Dollerei auf das Gehäuse schossen, zu halten. Und er lachte dabei, hatte merklich Spaß an der etwas anderen Aufgabe.

Es ist damit natürlich nichts Weltbewegendes passiert, aber trotzdem sind solche Szenen dazu geeignet, einen Spieler, auch einen Profi, wieder in die Spur zu bringen. Wenn der Spaß wieder da ist, dann klappt es auch bald schon mit dem Tore schießen, dann gibt es bald schon das nächste Erfolgserlebnis. Petric schöpft Hoffnung, der HSV auch, denn er braucht einen schlitzohrigen Stürmer wie Mladen Petric dringend. Egal, ob nun Marcus Berg zurzeit die besseren Karten hat, um von Beginn an in Guingamp zu spielen. Konkurrenz belebt das Geschäft, es wird sich jeder Angreifer zerreißen müssen, um künftig in der Startelf zu stehen.

Apropos Startelf. Am Donnerstag geht es bekanntlich in der Europa League gegen den französischen Zweitliga-Klub. Und im Montagstraining hatte es den Anschein, als ließe Bruno Labbadia rotieren. Im abschließenden Spielchen A- gegen B-Team gab es neue Gesichter im Stamm: David Rozehnal nahm die Position von Jerome Boateng ein, Collin Benjamin spielte für Dennis Aogo, Mickael Tavares kam für den aus privaten Gründen in München weilenden Ze Roberto zum Zuge, und Jonathan Pitroipa tauschte mit Eljero Elia. Sollte der HSV am Donnerstag tatsächlich so auflaufen, und sollte es dennoch auch ein ordentliches Resultat geben, dann könnten vor allem diejenigen jubeln, die jetzt schon die erstklassige HSV-Bank im Spiel gegen Dortmund bewunderten.

Wenn dem so sein sollte, dann hätte der HSV und sein Boss Bernd Hoffmann (erst einmal) alles richtig gemacht, denn dann könnten wichtige Kräfte für das schwere Sonntags-Spiel gegen den VfL Wolfsburg geschont werden. Allerdings bleibt in der Tat abzuwarten, ob Labbadia dieses Risiko tatsächlich eingehen wird, denn es ist die letzte K.o.-Runde vor der EL-Gruppenphase. Erreicht die der HSV, dann ist ein warmer Regen der finanziellen Art garantiert.

Übrigens: Das A-Team bezwang das B-Team mit 4:1. Warum ich das erwähne? Jerome Boateng, wohlgemerkt im B-Team, reagierte beim Schlusspfiff von Schiedsrichter Labbadia empfindlich genervt. Er nahm sich einen Ball und drosch ihn hoch und weit durch die Gegend, dabei einen lauten Schreit der Unmut ausstoßend. Ein sehr gutes Zeichen. Ihn ging der Einsatz in der B-Mannschaft auf den Zeiger, und er will ganz offensichtlich auch im Training nicht verlieren. So etwas sieht jeder Trainer gern – auch wenn es nur eine weitere kleine Randnotiz ist.

Zum guten Schluss noch ein tröstendes Wort an „Andre“. Bitte nicht verzweifeln, aber so geht es eben manchmal, wenn man sich (gute) Gedanken macht. Wie bereits erwähnt, ich finde es klasse, wenn das gemacht wird – und ich fad auch die Gedankengänge nicht abwegig.