Tagesarchiv für den 16. August 2009

Die richtige Antwort

16. August 2009

Das war genau die Antwort, auf die Fußball-Hamburg gewartet hatte. 4:1 gegen Dortmund, das ist ein gewaltiger Klotz, das ist ein Resultat, das dem HSV in der Liga wieder gehörigen Respekt verschaffen wird. Und wer vorher von einem richtungsweisenden Spiel gesprochen hat (wie auch ich), der weiß nun, wohin der Hase laufen wird. Die Euphorie im Stadion war riesig, und sie ist nun auch in der Stadt sehr groß. Und irgendwie auch normal, denn das sah nach Bundesliga-Spitze aus. Wohltuend aber, wie sehr sich Trainer Bruno Labbadia bemühte, auf dem Teppich zu bleiben. Da war zwar ein bisschen Freude erkennbar beim Coach, aber er wusste auch, dass längst nicht alles so geklappt hatte, wie er es sich wünscht. Trotz der Gala-Vorstellung seines Teams.

Unübersehbar war, dass die HSV-Defensive des Öfteren große Probleme mit den Dortmundern Kontern hatte. Das Spiel hätte auch 6:4 ausgehen können – natürlich für den HSV. Daran wird weiter zu arbeiten sein. Auffällig aber war gegen die Borussia auch, dass nicht nur Labbadia die Gefahr erkannt hat, dass sein Team nach hinten anfällig ist, sondern dass auch die Spieler selbst, vornehmlich die im Mittelfeld, mitbekommen haben, dass sie defensiv besser funktionieren müssen. Bei Dortmunder Ballbesitz war jeder bemüht, sofort in Sachen Abwehrarbeit umzuschalten – das war schon gut zu sehen. Auch wenn es nicht immer vollständig gelang, und dann brannte es sofort vor dem Rost-Tor.

Erstaunlich für mich war, dass Eljero Elia, der Draufgängertum und Stürmerblut in den Adern hat, auch nach hinten dachte. Das war im Training zuvor nicht erkennbar, da spielte er in echter Straßenfußballer-Manier auf, frisch, fromm, fröhlich, frei, aber er „verdaddelte“ den Ball auch schon mal als letzter Mann, weil er zu übermütig ein Dribbling riskierte. Gab es danach ein wenig Schelte von den Kollegen, winkte der Niederländer nur kurz ab. Von diesem Bruder Leichtfuß aber war, wie gesagt, gegen Dortmund nichts mehr zu sehen. Im Gegenteil, Elia, der auch körperlich voll dagegen hält und sich nicht umschubsen lässt, dribbelte und sprintete sich auf Anhieb in die Herzen der Fans. Er ist ein echtes Schlitzohr und wird die Rakete vom Volkspark, da muss man kein Prophet sein. Ein Einkauf, der sich jetzt schon auszahlt.

Ebenso Marcus Berg. Der neue Stürmer (kam in der 68. Minute für Mladen Petric) sorgte sofort für Alarm – schoss auch nach 240 Sekunden sein erstes Tor. Nicht nur dadurch drängt er sich wohl in Labbadias Überlegungen noch stärker auf: Berg zeigte in den wenigen Minuten, in denen er auf dem Rasen stand, mehr Aktion als sein Vorgänger. Petric sucht nach wie vor noch seine Form, und das werde ich an dieser Stelle ganz sicher nicht mit dem geplatzten Wechsel zum VfL Wolfsburg verbinden. Es ist eben so, auch Profis sind nur Menschen und unterliegen Formschwankungen. Ich bin mir aber ganz sicher, dass Mladen Petric noch kommen und wieder zur alten Form auflaufen wird. Das, so glaube ich sagen zu dürfen, denken wohl auch viele Fans, denn am Freitag erlebte ich, wie sehr die Rothosen-Anhänger den Kroaten lieben. Als er vor dem Training vom Parkplatz in Richtung Kabine marschierte, gab es donnernden Applaus der Kiebitze – wie bei keinem anderen HSV-Spieler an diesem Tag zu hören.

Wobei auch erstaunlich war, wie gut der HSV schon wieder im Saft steht. Trotz des späten Trainingbeginns. Mehr durch Zufall telefonierte ich am Sonnabend nach dem HSV-Spiel mit Martin Jol. Im Grunde genommen hat er das Thema „VTB“(Verspäteter Trainings-Beginn) auch schon abgehakt, aber den einen oder anderen Satz ließ er dennoch darüber verlieren. Nämlich: „Alle sollten einmal ein Jahr zurückdenken, dass ich damals nur drei Wochen Vorbereitungszeit hatte. Und zu diesem Jahr: Hat eigentlich mal einer nachgezählt, welche Spieler bei einem früheren Trainingsbeginn in Hamburg gewesen wären? Ich könnte da einige Namen nennen, die nicht da gewesen wären, weil sie nach Saisonende noch lange für ihre Länder hatten spielen müssen.“ Ansonsten aber hat sich Martin Jol mit dem HSV gefreut, dass es diesen hohen Sieg über Dortmund gegeben hatte. Er wollte in allen Einzelheiten wissen, wie die Tore gefallen sind, wer stark war, wie gut Elia auftrumpfte, wie sich Berg präsentierte, und, und, und. Jol denkt eben immer noch an Hamburg, auch wenn er nun bei Ajax (am Sonntag 3:4-Niederlage gegen Eindhovens Fred Rutten) tätig ist.