Tagesarchiv für den 12. August 2009

Doll war das nicht, aber gewonnen

12. August 2009

Deutschland darf weiter von Südafrika 2010 träumen, in Baku wurde Aserbaidschan mit 2:0 besiegt. Vom HSV waren Piotr Trochowski und Marcell Jansen dabei. Letztere saß zunächst auf der Bank, löste dann aber seinen HSV-Kollegen in der 77. Minute ab. Und beim Gastgeber war HSV-Torhüter-Legende Uli Stein, der Torwarttrainer, neben Chef-Coach Berti Vogts zu sehen. Hamburg also gut vertreten bei diesem WM-Qualifikationsspiel, aber im Gegensatz zu meinem sehr geschätzten TV-Kollegen Tom Bartels habe ich Trochowski nicht so wirkungslos gesehen, im Gegenteil, der HSV-Profi hat viele deutsche Angriffe eingefädelt. Nur nach hinten offenbarte der Dribbelkünstler erneut die eine oder andere Schwäche. Insgesamt gesehen muss ich aber gestehen, dass es mich schon überrascht, wie negativ auch einige HSV-Fans „ihren“ Piotr Trochowski nach dem Auftakt in Freiburg sehen. Ich kann das, ganz ehrlich, nicht nachvollziehen, aber natürlich darf jeder seine Meinung äußern. Bundestrainer Joachim Löw aber wird wissen, warum der Hamburger längst zu einem Stammspieler bei ihm geworden ist.

Und wo wir gerade bei Überraschungen sind: Auch die negativen Äußerungen über David Jarolim kann ich nicht verstehen. Wenn einer ein vorbildlicher Profi ist, dann der Kapitän. Selbstverständlich weiß ich, dass sich an dem Tschechen die Geister scheiden, weil er zu oft oder zu schnell fällt, aber ihm jetzt noch zu unterstellen, dass er schlecht Fußball spielt, finde ich ein absolut übertrieben. Und zu seiner angeblichen „Fallsucht“: Jarolim geht in die Zweikämpfe, er sucht sie sogar, aber er geht auch dorthin, wo es weh tut. Das macht in dieser Form kaum ein anderer Hamburger. Aber wie gesagt, jeder darf seine Meinung haben, ich will da auch niemanden bekehren – mich aber wird in diesen beiden Punk-ten (Trochowski und Jarolim) auch keiner umstimmen können. Und das ist auch gut so!

Weniger gut ist, dass es dem früheren Hamburger Publikums-liebling Thomas Doll in der Türkei offenbar nicht so prickelnd geht, wie wohl von ihm vor Wochen erhofft. „Dolly“, der nur noch Thomas genannt werden will, ist Trainer bei Genclerbirligi, einem Klub der türkischen Hauptstadt Ankara. Fatal daran ist: Der Klub-Präsident ist Besitzer zweier Vereine. Einer davon ist in der vergangenen Saison in die Zweite Liga abgestiegen, und Genclerbirligi rettete sich am letzten Erstliga-Spieltag dadurch vor dem Abstieg, weil auf einem anderen Platz noch ein wichtiges Tor gefallen ist. Nicht gerade die besten Voraussetzungen also für Doll, zumal der Präsident seine beiden Mannschaften (also Absteiger und Fast-Absteiger) zu Beginn dieser Spielzeit zusammenlegte. Und wohl gehofft hat, dass daraus ein fußballerischer Riese erwächst. Da fragt man sich aus dem fernen Hamburg schon mal: Wovon träumt der Herr Präsident nachts?

Doll, mit dem ich telefonierte, ist jedenfalls alles andere als erbaut, und das tat er am Wochenende, beim Auftakt-0:0 gegen Kayserispor, auch in einem TV-Interview mit. Was zur Folge hatte, dass sein Präsident und dessen Umfeld wenig amüsiert reagierten. Thomas Doll, der Offensivkünstler, hat mit diesem, mit seinem Loser-Team, nur eine Überlebenschance, wenn er Mauer-Fußball praktiziert. Das hat er trainieren lassen, das hat auch in Spiel eins gut geklappt. Der junge Trainer jedenfalls lobte das taktische Verhalten seiner Mannschaft, in der zehn Ausländer stehen. “Es ist die schwerste Aufgabe meines Lebens“, sagt Doll. Wohl wahr, denn wissenswert über Genclerbirligi ist auch, dass der Klub in den vergangenen zwei Jahren stolze zwölf Trainer verschlissen, bes-ser entlassen, hat. Es geht für alle Beteiligten nur ums nackte Überleben. Und da stellt sich eventuell schon mal die Frage: Wann muss Thomas Doll, der noch auf der Suche nach Spielern und damit nach Sofort-Hilfe ist, wieder seine Koffer packen? Und mit ihm Co-Trainer „Katze“ Zumdick, einst auch beim HSV.

Am Sonnabend steigt das Derby gegen Ankaraspor (vom Deutschen Jürgen Röber trainiert), dann wird „Dolly“ wissen, wohin der Weg mit Genclerbirligi geht. Diese 90 Minuten werden richtungsweisend sein für ihn und den Klub, aber das gilt nicht nur für Doll, sondern auch schon für den HSV, wenn es am Sonnabend gegen Dortmund geht.

Im Volkspark ist die Hölle los

12. August 2009

Es sind zwar kaum Spieler da aber Fans. Aus ganz Deutschland, so hat es den Anschein. Und die Profis, die trainieren, die legen danach noch immer eine Sonderschicht ein – im Autogramme schreiben. Romeo Castelen und Dennis Aogo, die freiwillig (!) mit Techniktrainer Ricardo Moniz noch eine Sonderschicht im Eins-gegen-eins-Spiel eingelegt hatten, mussten sich die Finger wund schreiben. Das taten sie unter Atemnot, aber auch gerne. „Das sind doch Kinder, die haben sich den ganzen tag darauf gefreut, die kann ich gar nicht enttäuschen. Allerdings müssen sie sich benehmen können“, sagte Aogo – immer noch freundlich lächelnd.

So gab sich auch Bruno Labbadia, obwohl ich mir vorstellen könnte, dass er innerlich zu kochen beginnt. Er muss seine Mannschaft auf das schwere Heimspiel gegen Dortmund vorbereiten, aber keiner ist da. Wie soll das gehen? Und vor allem: In welcher Verfassung kommen die HSV-Profis wieder von ihren Einsätzen bei den Nationalmannschaften zurück? Verletzt, angeschlagen oder ausgelaugt? Keine einfache Situation für einen Coach, der unter Druck steht. Fans sind ja so, die blicken schon voraus. Oft gehört im Volkspark: „Lass’ den HSV mal gegen Dortmund nicht gewinnen, dann kommt das Spiel in Wolfsburg! Und dann?“

Erst aber einmal Borussia. Und in diesem Zusammenhang möchte ich auf das Gewinnspiel hinweisen. Die Bedingungen sind ausführlich genannt worden, ich möchte noch einmal sagen, dass ich die Trikots aus meiner Privatsammlung „opfere“. Das sage ich deswegen, weil dann jeder Gewinner sicher sein kann, das er ein Original in Händen halten wird. Diese Trikots sind stets auch von HSV-Spieler getragen worden.

So, an dieser Stelle noch ein, zwei Antworten. So wurde darauf verwiesen, dass auch Gerhard Krug, Erwin Piechowiak und Horst Dehn beispielsweise auch nette Kerle sind, mit denen man Pferde stehlen könne. Natürlich, selbstverständlich. Die Liste ließe sich noch erweitern: Jochen Meinke, Horst Schnoor, Klaus Neisner, Uwe Seeler und Gert Dörfel. Alle Spieler der Meistermannschaft von 1960 sind Pfundskerle und passen in die Welt. Aber: Damals war ich ein kleiner Knabe, als diese Herren die erfolgreichste und wichtigste Zeit für den HSV gespielt haben. Ich habe aber deshalb nur die Profis aufgezählt, die ich später beruflich beim HSV kennengelernt habe.

Dann zu der Frage, ob der HSV noch weitere Spieler verpflichten wird. Das würde ich zum jetzigen Zeitpunkt absolut verneinen, denn eigentlich hatte der HSV, da waren sich in der Sommerpause alle Hamburger Zeitungen einmal einig, „nur“ 16 Millionen Euro für Verstärkungen in der Kasse. Gekauft wurden aber Spieler im Werte von 23,5 Millionen Euro. Deswegen: Sollte sich keiner mehr langfristig verletzen, wird es wohl beim jetzigen Kader bleiben, denn irgendwann geht auch dem HSV das Geld aus. Und: Das hat ja auch ein Gutes. Es muss jetzt nur noch ein neues Mannschaftsfoto bis zur Winterpause gemacht werden, und nicht alle 14 Tage.

Und noch eine Antwort: Lieber Uli Lutkus, ich dresche nicht auf Mark van Bommel ein, ich schreibe nur das, was zurzeit (und auch schon seit Monaten) alle anderen Journalisten-Kollegen in Deutschland schreiben. Mehr nicht. Alles andere erledigt – im wahrsten Sinne des Wortes – Herr van Bommel selbst.

Nichts geschönt.

12. August 2009

Hier bei „Matz ab“, wird nicht geschönt, nichts verharmlost und nichts unter den Tisch gekehrt. Und es ist auch keine HSV-Postille, was hier erscheint. Nachzulesen unter „Butter bei die Fische“. Ich will auch nicht den Kopf von Bruno Labbadia retten, wenn ich dafür plädiere, dass es für eine Trainer-Diskussion noch zu früh ist.

Fakt ist doch aber, dass der HSV erst ein Bundesliga-Spiel hinter sich hat, dass der HSV noch nicht verloren hat und dass es deshalb doch Wahnsinn wäre, bereits jetzt über einen Trainerwechsel zu debattieren. Eine 100-Tage-Schonfrist, so wie bereits gefordert, sollten auch diejenigen, die jetzt bereits der Meinung sind, dass es Bruno Labbadia beim HSV nicht packen wird, einräumen. Wenn das zu HSV-freundlich ist, tut es mir leid, ich denke, das gebietet der sportliche Anstand.

Nicht einmal über Rudi Gutendorf sind die Fans damals, 1977, bereits nach einem Spieltag hergefallen – „Riegel-Rudi musste dann aber doch im Oktober schon gehen. Ich aber werde nichts dagegen tun (können), wenn sich trotz allem mancher Fan schon ein wenig weiter vorwagen will. In Deutschland herrscht – zum Glück – freie Meinungsäußerung.

Davon hat auch Gert „Charly“ Dörfel stets eifrig Gebrauch gemacht. Ich traf den einst weltbesten Linksaußen gestern gemeinsam mit seinem Bruder Bernd, es ging naturgemäß hoch her. „Charly“ ist wie Fips Asmussen, nur er nimmt kein Geld für seine Witze. Sein Mund steht niemals still, zu allem und jedem hat er seinen Senf dazu zugeben. Er ist immer noch hoch sensibel, schlagfertig und witzig.

Und: „Charly“ ist in seiner Art überragend. Kaum jemand würde wohl auf die Idee kommen, dass dieses „ewige Kind“, das wohl nie erwachsen werden wird, in wenigen Tagen, genau am 18. September, 70 Jahre alt wird. Ist aber Tatsache. Von 1959 bis 1972 stürmte „Charly“, der Fußball-Clown, für den HSV, er brachte es auf 101 Oberliga- und 224 Bundesliga-Spiele, leider aber nur auf elf Einsätze in der Nationalmannschaft. Sein oft zu vorlauter Mund hat wohl weitere Länderspiele verhindert, ein Mann seiner Güte hätte eigentlich locker die Zahl 100 schaffen müssen.

Ich hoffe in „Charly“ Dörfels Interesse, dass ihn die HSV-Fans, seine Anhänger, zum 70. gebührend feiern werden, er hätte es verdient. Für mich ist „Charly“ nach Uwe Seeler die HSV-Legende schlechthin.

Sein Bruder Bernd, inzwischen 64 Jahre alt und seit Jahren in der Welt unterwegs, demnächst dann am Bodensee sesshaft werdend, hat es auf 15 Länderspiele gebracht und auf 88 Bundesliga-Einsätze für den HSV, bevor er nach Braunschweig und später in die Schweiz (zu Servette Genf) wechselte.

Ganz interessant: Bernd spricht „Charly“ stets mit „Atze“ an – in Erinnerung an den Filmemacher Arthur „Atze“ Brauner. Warum? Bernd: „Wenn wir früher unterwegs waren, in Restaurants oder so, wurden unsere Unterhaltungen oft ein wenig lauter. Wenn ich dann Charly zu ihm gesagt habe, horchten alle auf und wussten spätestens dann, dass das Charly Dörfel ist, der da am Tisch sitzt – und fortan wir waren nicht mehr alleine“ Und warum dann „Atze“? Bernd: „Sein Kopf sieht doch von der Form du von der Glatze her genau so aus, wie Atze Brauner. Eigentlich fehlt Charly nur der dunkle Bart. . .“

Übrigens: Bernd Dörfel hat mit Fußball nur noch höchst selten etwas „am Hut“, und Gert Dörfel verfolgt den HSV auch nur noch im Fernsehen. Und der Klub hat ihre großen Verdienste, die sie sicher um den HSV erworben haben, schon seit Jahrzehnten vergessen, vielleicht auch nur ein wenig verdrängt. Weil beide nicht die bequemsten Zeitgenossen sind?

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