Tagesarchiv für den 9. August 2009

Das war kümmerlich, HSV!

9. August 2009

Keine Ideen, kaum Torchancen, mieses Defensivverhalten, Schlafwagen-Fußball. Und dennoch ein glückliches 1:1 in Freiburg. Das Gute daran: Es kann ja nur besser werden.  Aber insgesamt muss zu diesem Auftakt-Spieltag doch festgestellt werden: Wie herrlich vielseitig ist Fußball doch. Das gilt für das abwechslungsreiche 3:3 zwischen dem VfL Bochum und Borussia Mönchengladbach, aber das gilt natürlich auch für den HSV in Freiburg. Das war vielseitig, und zwar im höchsten Maße.

Der Grund: Was sagen die Herren Trainer nicht immer vor dem Anpfiff und auch nach dem Spiel? Bruno Labbadia hat in diesem Falle nur ein gutes HSV-Spiel versprochen, mehr nicht, aber vielleicht hat er vorher daran gedacht: „Ein schnelles Tor würde uns schon helfen, dann können wir in Ruhe von hinten heraus sicher nach vorne spielen, können abwarten, die Freiburger dürfen sich austoben und wir können nach Herzenslust Konter fahren – und Tore schießen.“ Nach dem Spiel könnte er, und da kommt dann die Vielseitigkeit ins Spiel, gedacht haben: „Dieses schnelle 1:0 von Jonathan Pitroipa hat doch eher uns geschadet. Denn danach legten sich die meisten meiner Spieler auf die faule Haut, taten nicht mehr als nötig, taten sogar kaum noch etwas. Nein, dieses 1:0 hat uns ganz sicher gelähmt.“

Also besser kein Tor – als ein schnelles? Das wird wohl immer Auslegungssache bleiben. Und jeder, ob Trainer, Spieler oder Funktionär, wird sich das stets so auslegen, wie er es braucht. Bruno Labbadia aber, das sei noch einmal ausdrücklich erwähnt, hat weder das eine noch das andere zu diesem schnellen 1:0 gesagt.

Nicht gesagt, sondern schon geschrieben hatte ich am Freitag bei „Matz ab“, dass das Mischungsverhältnis beim HSV (noch) nicht stimmt. Das heißt: Zu wenige Defensivspieler, zu viele Offensivkünstler. Was wäre wohl gewesen, wenn der HSV nicht beim (zwar tüchtigen, aber nicht überragenden) Aufsteiger begonnen hätte, sondern gegen Wolfsburg oder die Bayern? Wären diese hochkarätigen Gegner dann wie das Messer durch die warme Butter durch die kaum vorhandene Hamburger Defensive spaziert?

Immerhin: Es war bewundernswert, wie ruhig Frank Rost geblieben ist, als ihm im Zwei-Minuten-Takt die Bälle – in Halbzeit eins vornehmlich von der rechten Freiburger Seite – um die Ohren geflogen sind. Schon in Düsseldorf war der Torwart-Routinier ruhig geblieben. Wo er sonst als HB-Männchen dramatisch verbal dazwischen und aus der Haut fährt, bewahrt er nun die völlige Ruhe. Äußerlich jedenfalls.

Oder ist es ein Anflug von Resignation? Auf jeden Fall Kompliment, Frank Rost, denn diese Ruhe hilft der abwehrschwachen Hamburger Mannschaft zurzeit wohl am besten. Obwohl: In der 64. Minute rastete Rost dann doch einmal aus, nach einem völlig überflüssigen Rückpass. Aber genau dieser passte bestens zum Spiel des lange um das Gegentor bettelnden HSV.

Dass beim 1:1 der Herr Sippel, der Schiedsrichter dieser Partie, mithalf, soll keine Entschuldigung sein, es ist Tatsache. Idrissou foulte (schubste) den eingewechselten David Rozehnal um, doch die Pfeife schwieg. Nicht untypisch für Peter Sippel, der selbst einmal in höheren Klassen Fußball gespielt haben soll, den ich aber für einen der schwächsten Erstliga-Unparteiischen in Deutschland halte. Er überlebt jedoch von Saison zu Saison. Also muss er wohl doch etwas können, was mir bislang verborgen geblieben ist.

Wobei ich, das muss ich schnell noch einmal los werden, eigentlich ein dicker Freund der Schiedsrichter bin, denn die haben wahrlich den schwersten Job im (Profi-) Fußball, weil gefühlt 30 Kameras alles aufklären und jeden Fehler sekundenschnell entlarven.

Zurück zum HSV. Der wollte gewinen, um in der Woche bis zum Heimspiel gegen Borussia Dortmund Ruhe in der Stadt zu haben. Hat er die nun? Das wage ich stark zu bezweifeln, denn in dieser schwachen Verfassung wird es wohl noch so manche Enttäuschung geben.

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