Tagesarchiv für den 8. August 2009

Wer mit einem Sieg startet …

8. August 2009

Als wäre die Bundesliga nie weg gewesen, alles war eigentlich wie immer: Die großen Bayern zeigen beim 1:1 gegen Hoffenheim, dass auch sie nur mit Wasser kochen. Van Bommel spielt wieder den Rambo, Schiedsrichter Dr. Helmut Fleischer macht aus einer Özil-Schwalbe einen Elfmeter – und schon morgen wird wieder die Torkamera gefordert.

Meistertrainer Felix Magath gewinnt weiter, Dortmund setzt mit dem 1:0 gegen Köln den Aufwärtstrend fort, Werder ohne Diego und Pizarro doch ein wenig lächerlich gegen Frankfurt, und Leverkusen bietet schon wieder den gewohnten Spaß-Fußball: schwungvoll, ideenreich, aber nicht unbedingt erfolgsorientiert, Mainz holt einen glücklichen Punkt.

Die Bundesliga lebt! Nur in Berlin sah es so aus, als hätte die Leichtathletik-Weltmeisterschaft doch schon eine Woche früher begonnen. Dass diese Stolper-Hertha in der vergangenen Saison noch vor dem HSV eingelaufen ist, ist heute absolut unfassbar. Diese erste Vorstellung, dieser gestolperte 1:0-Erfolg über die besseren Hannoveraner, war typisch für Berlin und grausam zugleich.

Und erinnerte doch ein wenig an die Pleite-Partie HSV gegen Randers vom Donnerstag. Irgendwie scheint es auch immer noch in den Köpfen der Hamburger Spieler herum zu spuken. Beim Abschlusstraining am Sonnabend im Volkspark herrschte eher gedrückte Stimmung. Kein Lachen, kein Spaß, kein Leben. Die Ruhe vor dem großen Sturm in Freiburg? Auffällig war, wie oft Trainer Bruno Labbadia und sein Co Eddy Sözer das Trainingsspielchen unterbrachen, um ihren Jungs sofort die Fehler unter die Augen zu reiben.

Eine Stunde und 40 Minuten ließ der neue HSV-Coach trainieren. Den Trainingskiebitzen, 200 an der Zahl, entging dabei nicht, wie Labbadia das Sonntagsspiel im Breisgau angehen will: Räume eng machen, dem wilden Gegner nicht ins offene Messer laufen, Freiburg an der Mittellinie attackieren und nicht in der gegnerischen Hälfte – und bei Balleroberung Konter, Konter und Konter fahren.

Könnte gegen einen Aufsteiger, der noch mit einer gewissen Euphorie in die ersten Spiele in Liga eins geht, genau die richtige Taktik sein. Gut für den HSV: Torwart Frank Rost konnte trainieren. Gegen Ende der Einheit stand Mannschaftsarzt Dr. Nikolai Linewitsch neben dem Tor und unterhielt sich mit dem Keeper. Angstvolle Momente für die Fans, die rätselten, ob Rost wohl trotz seiner Fersenbeinverletzung in Freiburg im HSV-Tor wird stehen können. Rost gab aber die erlösende Antwort: „Ich werde spielen, einen verletzungsbedingten Ausfall gibt es nicht.“

Erfreulich. Nicht nur Frank Rost, auch Jonathan Pitroipa. Der dribbelte sich so richtig in die Herzen der Fans. Und erhielt nach einem sensationellen Slalomlauf gegen vier, fünf Gegenspieler und dem anschließenden Tunnel gegen Frank Rost spontanen Beifall der Kiebitze. Kann Pitroipa diese Form konservieren, könnte er gegen seinen ehemaligen Verein SC Freiburg vielleicht eine ganz entscheidende Rolle spielen.

Das werden die Neuzugänge David Rozehnal, Eljero Elia, Robert Tesche und Marcus Berg nicht, jedenfalls nicht von Anfang an, sie alle sitzen beim Anpfiff auf der Bank. Einziger Neuer, der von Beginn an spielen wird, ist Ze Roberto, der auch im Training mit einigen Zuckerpässen glänzte. Die Aufstellung des HSV: Rost, Demel, Boateng, Mathijsen, Aogo, Jarolim, Ze Roberto, Trochowski, Pitroipa, Guerrero und Petric.

Bleibt jetzt für die HSV-Fans nur noch zu hoffen, dass diese Elf dann doch ein wenig mehr Leben zeigt, als am Sonnabend beim Abschlusstraining. Das Motto hat Frank Rost seinen Kollegen vorgegeben: „Wer mit einem Sieg in die Saison startet, erspart sich einige Probleme.“ Und ganz sicher auch einige Fragen.