Tagesarchiv für den 7. August 2009

Farbiger Auftakt

7. August 2009

Der Auftakt war farbig, da hatte sich die Deutsche Fußball-Liga (DFL) etwas Nettes einfallen lassen. Und es gab viele altbekannte Gesichter zu sehen, vom HSV waren Horst Hrubesch und Richard Golz am Start, eine gute Idee. Und ein gutes Spiel.

Wolfsburg hat mit diesem 2:0-Sieg über den VfB Stuttgart gezeigt, dass der Titel kein Zufall war, sondern verteidigt werden soll. Diese 90 Minuten waren eindrucksvoll. Für mich ist dieser VfL auch der Meisterschaftsfavorit, trotz des übermächtig scheinenden FC Bayern, der super eingekauft hat. Das aber hat Wolfsburg auch, das Veh-Team ist super eingespielt, hat keinen Spieler verloren. Das gab den Ausschlag.

Für die lange Zeit gut mitspielenden Stuttgarter tat es mir leid, besonders für Trainer Markus Babbel. Der war ja einst auch beim HSV, und er steht bei mir ganz oben auf der Liste jener Spieler, die in Hamburg Profi waren, sondern auch Mensch.

Noch einmal zurück zu den guten Ideen der DFL: Nicht ganz so gut waren die Denkansätze für drei Wochenend-Tage Bundesliga: Die Bayern zum Beispiel am Sonnabend spät, der HSV am Sonntag auch spät in Freiburg – schlecht für die Anhänger aus Hamburg, die dann nachts quer durch die Republik nach Hause müssen.

Und überhaupt: An die Verstümmelung des Spieltags muss sich der Fan erst noch gewöhnen. Mir tun vor allem die Amateure leid. DFB-Präsident Theo Zwanziger hatte in den zurückliegenden Jahren stets betont, dass er nicht nur ein Herz für die Frauen-Nationalmannschaft hat, sondern auch für die Amateurklub, aber in diesem Fall haben seine Befugnisse wohl nicht ausgereicht. Profit siegte über Sport. Die Amateure könnten ja jetzt morgens um 9.30 Uhr antreten, oder aber um 23.30 Uhr – um diese Zeit spielt nur noch die portugiesische Liga.

Zeit ist das Stichwort. Als die HSV-Spieler am Freitag ihr Training beendet hatten und in die Kabine gingen, humpelte ein Mann an Krücken durch den Haupteingang. Der rechte Fuß war stark bandagiert und geschient: Bastian Reinhardt. Bei ihm geht es langsam, ganz langsam bergauf, ihm wurden gestern die Fäden aus der Operationswunde gezogen. Aber natürlich ist nach dem erneuten Mittelfußbruch noch lange nicht an Fußball zu denken, doch an Aufgabe verschwendet der Innenverteidiger auch nicht den Hauch eines Gedankens.

Gedanken machte sich unterdessen Dennis Aogo („Wir haben uns gegen Randers nicht blamiert, wir haben nur jungen Leuten eine Bewährungschance gegeben“), der am Sonntag gegen seinen alten Verein spielt. Als der Abwehrspieler vor einem Jahr aus Freiburg nach Hamburg kam, begleitete ihn auch ein wenig Misstrauen und Häme aus dem Breisgau mit an die Elbe. Motto: „Der schafft es nie beim HSV, was will der in Hamburg?“

Und was hat Aogo für eine Antwort gegeben? Die bestmögliche! Das Verteidiger-Talent (22) ist nicht nur beim HSV längst ein Hoffnungsträger geworden, er hat auch beste Aussichten, eines Tages A-Nationalspieler zu werden. So wie sein Vereinskollege Marcell Jansen, der in der kommenden Woche mit der Nationalmannschaft nach Baku zum WM-Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan reisen wird.

Aber ob der Hamburger auch zum Einsatz kommt? Fraglich, denn seine Form war bislang nicht so, als dass er für Deutschland spielen könnte – oder sollte. Jansen bleibt ein Rätsel. Gegen Ende der Saison wurde er geschont, trat auch deshalb nicht mehr die Reise nach Asien mit an, und trotzdem kommt er zu Beginn dieser Spielzeit nicht so richtig in Schwung.

Zwei Beweise: In Düsseldorf verschuldete er (nach vorauf gegangenem Trochowski-Fehler) das späte 3:3, als er den Ball an der Mittelline einem Fortuna-Spieler unbedrängt und mustergültig in den Fuß legte – Konter, Tor, Verlängerung. Und gegen den FC Randers ließ er sich vor dem einzigen Tor des Abends nach allen Regel der Fußballkunst austanzen. Das konnte Jansen doch früher viel, viel besser.

Warum kommt der Mönchengladbacher erneut, wie schon zu Beginn der vergangenen Saison, in Sachen Fitness nicht gemeinsam mit den Kollegen aus den Startlöchern? Warum läuft Marcell Jansen der Musik wieder hinterher, was läuft da falsch?

Die Frage gilt übrigens auch für die HSV-Mannschaft. In der Arena über 40.000 Zuschauer, die sich schon in Bestform präsentierten (die Deerns und Jungs im Norden sangen fast 90 Minuten – einzigartig und bewundernswert für einen solchen Grotten-Kick!), das Spiel zur besten Zeit live im Fernsehen, das Wetter ist super – da muss „jeder Spieler Lust am Fußball spielen haben“, so Labbadia vor dem Randers-Spiel.

Und dann diese unschöne Pleite. Die aber eines bewies: Der HSV hat keine Schön-Wetter-Spieler unter Vertrag. Was für Sonntag nicht unbedingt Gutes verheißt, denn dann soll es auch im Breisgau sommerliche Temperaturen (heiter bis wolkig, keine Schauer, 27 Grad) geben. Aber vielleicht schleicht sich ja doch noch ein leichtes Tief in den Schwarz-wald, damit es beim HSV gleich zu Saisonbeginn ein dickes Hoch gibt.

Nachsicht üben

7. August 2009

Vielen Dank zunächst einmal allen, die mir Glück gewünscht und zum Blog gratuliert haben, das war schon schön zu lesen. Einen besonderen Dank möchte ich dabei den Frauen aussprechen, es ist für mich eine neue und tolle Erfahrung zu sehen, wie viele weibliche Fans der Fußball (und natürlich der HSV) hat. Kompliment!

Wo wir gerade bei Fans sind: Beim heutigen Training waren wieder an die 200 Kiebitze an der Nordbank-Arena, und natürlich war die 0:1-Pleite gegen Randers noch immer in aller Munde. Ein großer Kritikpunkt war dabei das Interview, das Trainer Bruno Labbadia dem ZDF nach dem Schlusspfiff gegeben hatte. Tenor heute im Volkspark: „Wir brauchen keinen Trainer, der eine solche Katastrophe-Stimmung auch noch schönredet.“

Mag ja sein. Aber was wäre wohl heute in Hamburg los, wenn Labbadia gleich nach dem ersten Misserfolg über sein Team hergefallen wäre? Wenn er alle Versager vernichtet hätte? Der Teufel wäre los gewesen. Und es hätte eine viel größere Kritik eingesetzt: „Das kann der Labbadia doch nicht machen, so raubt er den Spielern doch jegliches Selbstvertrauen.“ So oder ähnlich hätte es wohl geheißen.

Und sich selbst hätte der schöne Bruno wohl auch ein wenig ins Abseits gestellt, denn bei seinen Jungs wäre das ganz sicher auch nicht auf Wohlwollen gestoßen. Also ließ es der neue HSV-Coach zuerst einmal ganz gemütlich angehen. Wahrscheinlich hatte er beide Hände zu Fäusten geballt in der Hosentasche, als er seine Worte ins Mikrofon sprach, aber es ging ja gar nicht anders. Intern wird Labbadia sicher die richtigen Worte gefunden haben, er wird seinen Spielern schon die Meinung gegeigt haben, denn eines ist ja wohl klar: Einen solchen Grotten-Kick kann sich kein Trainer, sei er noch so weich oder herzensgut, gefallen lassen. Und Labbadia ist ganz sicher nicht zu weich – Leverkusen lässt grüßen.

Zudem sei darauf verwiesen, dass gegen Randers ja vornehmliche jene Spieler zum Einsatz kamen, die in dieser Saison wahrscheinlich nur sehr selten einmal in der A-Mannschaft auftauchen dürften. Und genau über diese Spieler sind nach dem Randers-Spiel auch viele Fans hergefallen. Was meiner Meinung nach falsch ist, denn: Talente wie Tunay Torun (19) oder Änis Ben-Hatira (21) haben ganz sicher ihre Qualitäten, aber wenn sie sich dann in einem „B-Team“ entfalten sollen, dann ist das höchst schwierig.

Jeder, der einmal Fußball gespielt hat, weiß das. Insgeheim hoffen sich solche Talente nämlich, einmal in der Stammelf zum Einsatz zu kommen. Einmal mit Ze Roberto, David Jarolim, Piotr Trochowski, Joris Mathijsen und Co in einer Mannschaft – und dann aufdrehen. Das wäre ihr Traum. In einem Reserve-Team aber, in dem ohnehin nicht viel zusammenläuft, kann von diesen jungen Leuten niemand Wunderdinge erwarten.

Geht dann, wie bei Torun und Ben-Hatira, gleich zu Beginn die eine oder andere Aktion daneben, ist ohnehin jegliches Selbstvertrauen dahin. Das war übrigens Ben-Hatira im Freitags-Training auch noch deutlich anzumerken.

Also, nicht gleich nach diesem grausamen Spiel über jedes Talent herfallen, sondern Nachsicht üben. So wie es Bruno Labbadia mit allen, auch und sogar mit den gestandenen Profis, getan hat.

Erschütternd, grausam, enttäuschend!

7. August 2009

Für Abendblatt-Blogs



Was war das denn, HSV? Das war ein höchst peinlicher Auftritt von Missverständnissen, Fehlpässen und unglaublich vielen Unzulänglichkeiten. Ganz bitter, diese Vorstellung und dieses 0:1 gegen die Dänen aus Randers.

Natürlich war nach dem 4:0 im Hinspiel schon alles geklärt, aber so darf man sich dann doch nicht präsentieren. Traurig für die über 41 000 Fans im Stadion, schlimm für die Fernsehzuschauer, die mit Augenschmerzen zu Bett gehen mussten. Das war Anti-Werbung, eine Qual für jeden Fußball-Ästheten.

Gut vielleicht nur, dass der Freiburger Trainer Robin Dutt diese 90 Minuten auf der Tribüne verfolgte, denn nun dürfte er doch ein wenig optimistischer als zuvor in die Sonntagspartie gegen den HSV gehen. Allerdings wird dieses harmlose Hamburger B-Team kaum noch einmal eine zweite Bewährungschance erhalten. Wer auch immer aus dem zweiten Glied des HSV bislang meinte, er müsse Stammspieler der A-Elf sein, der wurde an diesem Donnerstagabend gründlich aus all seinen Träumen gerissen. Das war ganz flau, HSV!

Natürlich gibt es für Trainer Bruno Labbadia aus diesem Trainingsspielchen kaum positive Erkenntnisse, Ähnlich wie bereits am vergangenen Montag, beim DFB-Pokalspiel gegen Zweitliga-Aufsteiger Fortuna Düsseldorf. Unübersehbar in der LTU-Arena die Schwächen in der HSV-Defensive. Sollten die nicht schleunigst abgestellt werden, wird das in Liga eins sicher noch häufiger zu unliebsamen Überraschungen führen. Vielleicht schon am Sonntag beim Erstliga-Aufsteiger?

Die Mischung in der HSV-Defensive stimmt (noch) nicht. Oder: Es fehlt eine richtige Sechs. Wer auch immer auf die Idee kam, Ze Roberto für die Defensive vorzusehen und einzuplanen, er lag und liegt daneben. Der Brasilianer ist ein wunderbarer Fußballer, er ist dribbelstark, hat ein feines Auge für den tödlichen Pass, setzt offensive Akzente. Warum soll sich ein solcher Zauber-Fußballer am eigenen Strafraum mit den gegnerischen Angreifern herumschlagen. Das wäre wie Perlen vor die Säue. Auch wenn er in der brasilianischen Nationalmannschaft defensiver spielt, es gibt nun einmal noch einen kleinen Unterschied zwischen Brasilien, dem HSV und der Bundesliga.

Was Ze Roberto fußballerisch drauf hat, das hat er in Düsseldorf in der zweiten Halbzeit bewiesen, als er der Sieger im Slalomlauf wurde. Aber die Arbeit nach hinten? Das war bei ihm nicht so doll, das war auch bei allen Mitspielern nicht so wirklich gelungen. Angriff soll ja der beste Weg zur Verteidigung sein, aber ganz sicher nicht in dieser Konstellation. Wenn Frank Rost nicht gewesen wäre…

Was diesem HSV fehlt ist ein Typ wie Nigel de Jong. Einer, der Gras frisst, der dem Gegner den Ball vom Fuß kämpft, der auch mal die Hölzer der Gegenspieler abklopft. Diesem HSV fehlt ein klassischer Staubsauger. David Jarolim und Ze Roberto sind erstklassige Fußball-Spieler, sie sind enorm laufstark, haben aber ihre Stärken in der Spieleröffnung, sie spielen filigran mit Raffinesse und Auge. Nur “harte Hunded, die dem Gegner Respekt einflößen, die auch die Knochen- und Drecksarbeit für ihre Mannschaft verrichten, das sind sie eher nicht.

Sollten Jarolim und Ze Roberto aber doch dafür vorgesehen sein, wären sie damit verschenkt. Und der HSV hätte ein Problem: Mit nur vier reinen

Defensivspezialisten (die Viererkette) lässt sich in der Bundesliga kaum etwas erben. Spiele werden vorn entschieden, Titel werden hinten gewonnen, so heißt es im Fußball seit Jahrzehnten. Warum wohl hat der FC Bayern einen Arbeiter wie Mark van Bommel in seinem Team?

Aber das wird Labbadia schon richten. Und zum Glück hat der Pokal-Auftritt von Düsseldorf ja auch keinen großen Schaden angerichtet. Im Gegenteil, eigentlich kann der HSV schon jetzt vom ersten Titel seit dann 23 Jahren träumen, denn die Vergangenheit hat gezeigt, dass nach einem solchen Zitter-Sieg in Runde eins durchaus der Pott gewonnen werden kann: 1999 siegte Werder bei den Amateuren von Leverkusen knapp mit 2:1 – es gab den Pokal.

2007 blamierte sich der spätere Cup-Sieger 1. FC Nürnberg mit einem mageren 1:0 beim BV Cloppenburg, und ein Jahr später waren die großen Bayern bei Wacker Burghausen eigentlich schon ausgeschieden, gewannen aber noch im Elferschießen und wurden DFB-Pokalsieger. Also, HSV, Platz schaffen in der Vitrine.

Was sicher ganz im Sinne von Klub-Chef Bernd Hoffmann wäre. Dem geht der Aufschwung des HSV ohnehin viel zu langsam, zumal er ja das Ziel ausgegeben hatte, schon in den nächsten Monaten wieder zur Spitze Europas gehören zu wollen. Was Hoffmanns HSV ja eigentlich schon vollbracht hat: Platz zehn in der europäischen Klub-Rangliste, eine Platz vor Real Madrid!

Hoffmann aber wird und will sich damit nicht begnügen, er denkt an nicht nur einen Titelgewinn. Und hat deswegen in diesem Sommer tief in die Tasche gegriffen. Eigentlich hatte der HSV nur 16 Millionen für Verstärkungen in der Kasse, jetzt sind fast 25 ausgegeben geworden. Respekt. Erstmals scheint Bernd Hoffmann ins Risiko zu gehen, was er bislang stets vermeiden wollte und wohl auch vermieden hat.

Woraus sich der Schluss ergibt, dass es doch eigentlich gar keinen neuen Sportchef (als Beiersdorfer-Nachfolger) geben müsste. Hoffmann sollte es richten, als eine Art Mini-Magath. Alle Macht dem Klub-Boss. Sein Golf-Handicap würde zwar etwas leiden, aber das müsste der General dann ganz einfach mal verkraften – nur der HSV! Und als Hoffmanns Hans Dampf in allen Gassen sollte Bernd Wehmeyer herumwieseln, quasi als linke Hand des Chefs – denn die rechte ist ja bereits vergeben: Katja Kraus.

Mit dieser Lösung könnte der HSV zwei Fliegen mit einer Klappe erledigen: Wehmeyer müsste keine Gehaltserhöhung erhalten, und Hoffmann könnte das tun, was er schon immer tun wollte und gelegentlich auch schon – sehr zum Verdruss von Dietmar Beiersdorfer – getan hat: Hoffmann könnte sich in Sachen Fußball UND Finanzen nach Gutsherrenart austoben, einmischen und seine Zeichen setzen. Also, die Herren Aufsichtsräte, einmal nachdenken.

Ein Bernd Hoffmann als doppelter Funktionsträger wäre die Ideal- und auch die Billig-Lösung für den HSV. Von dem dann eingesparten Geld (für Wehmeyer, Kreuzer, Reuter oder Hochstätter?) könnte eventuell noch ein Spieler verpflichtet werden. Aber einen Defensivspezialisten, Keinen Offensivkünstler wie Rafael van der Vaart.

In eigener Sache
Pfeil
0  00 : 00 : 00
Tage  Std.  Min.  Sek.