Monatsarchiv für August 2009

Wo endet das noch?

31. August 2009

Ze Roberto und kein Ende. Oder, was ich mich frage: wo endet das noch? Ich halte es da im Prinzip wie „HSV-Oliver“, ich bin ganz sicher kein Feind von Bernd Hoffmann, denn der hat viel Gutes für den Klub getan. Ich wehre mich allerdings dagegen, wenn mir, wie bei „HSV-Oliver“ geschehen, unterstellt wird, dass ich etwas Falsches geschrieben habe. Deshalb möchte ich einmal aufklärend in die Runde schicken: Am Sonnabend meldete der NDR 90,3 im Sport, dass Ze Roberto laut eines Berichtes im Spiegel doch vier Millionen Euro Ablöse gekostet hat. Dazu wurde Aufsichtsrat-Chef Horst Becker vom Sender befragt, und Becker antwortete dem Sinne nach: Das war mir so nicht bekannt. Horst Becker wurde dann von 90,3 dazu noch einmal am Sonntag befragt und sagte sinngemäß: „Das Gesamtpaket Ze Roberto wurde bei dessen Verpflichtung nicht überschritten. Die Summe, die vom Aufsichtsrat genehmigt wurde, ist eingehalten worden.“ In der Bild (Montag-Ausgabe) sagte Horst Becker zudem, dass aufgrund der Ablösesumme Ze Roberto im Gehalt gedrückt werden konnte.

So weit, so schön. Zum besseren Verständnis für alle User: Beim HSV muss jede Summe über 500.000 Euro ausgegeben wird, vom Aufsichtsrat genehmigt werden. Und nun zurück zu Ze Roberto: Was bitte ist denn da für ein Konstrukt aufgebaut worden? Welche Rolle spielt der Klub in Uruguay? Und welche Rolle hat der Spielerberater Juan Figer inne? Wo gehen die vier Millionen hin? Tatsächlich an Nacional Montevideo? Und wenn ja, warum überhaupt? Und wenn das Geld (auch nur zu Teilen) an Figer gehen sollte – warum? Gibt er davon etwas weiter? Und wenn ja, an wen? Und noch eine ganz wichtige, ja entscheidende Frage: Ist es total ausgeschlossen, dass dem HSV durch diese nebulösen Transferaktionen steuerliche Nachteile entstehen?

Um noch mal auf „HSV-Oliver“ zurück zu kommen: Ich glaube in diesem Profi-Sport nicht mehr an den Weihnachtsmann Das Geschäft ist knallhart, und es geht um Millionen. Um Millionenden sogar, wenn ich das einmal so überspitzt schreiben darf.

Fakt ist: Ze Roberto hat nie für Nacional Montevideo gespielt. Ob er es jemals vorhatte? Auch da habe ich meine Zweifel. Und: Figer hält an diesem Klub die Mehrheitsanteile. Nachtigall, ick hör dir trapsen. Mehr möchte ich nicht mehr dazu sagen. Es mögen andere Leute, nämlich die, die dafür zuständig sind, sich daran versuchen, mehr Licht ins Dunkel bringen.

Nur das möchte ich auch noch einmal betonen: Seit Bernd Hoffmann – natürlich im Zusammenspiel mit Sportchef Dietmar Beiersdorfer – im Februar 2002 den HSV übernommen hatte, ging es mit dem Klub sportlich bergauf. Auch fast alle Neuzugänge, die geholt wurden, hatten klangvolle Namen, es wurde in Dimensionen eingekauft, von denen der HSV zuvor nur hatte träumen können. Hoffmanns Verdienst. Deswegen möchte ich auch betonen, dass ich den Klub-Boss nicht von der Spitze des HSV weg haben möchte. Dass er dennoch nicht unumstritten ist, liegt wohl auch daran, dass er es gelegentlich schafft, sich spielend über gewisse „Spielregeln“, die es innerhalb des HSV gibt (die Satzung), hinweg zu setzen. Da waren in der Vergangenheit eventuell Dietmar Beiersdorfer und das Vorstandsmitglied Christian Reichert (sein Nachfolger Oliver Scheel ist noch jung im Amt) noch ein gewisser Widerpart für Hoffmann, der Aufsichtsrat war es nicht immer (oder viel zu selten?). Und, diese Frage muss erlaubt sein, wie ist es in Zukunft mit dem neuen Sportchef? Mal abwarten.

Festzuhalten ist aber trotzdem: Wenn alle Medien, das Fernsehen, die Zeitungen und die Radiostationen, davon berichten, dass Ze Roberto im Sommer 2009 ablösefrei zum HSV gekommen sei, dann ist es natürlich das gute Recht des HSV, zu schweigen und auch über die Dusseligkeit aller zu schmunzeln. Wenn aber nicht nur, wie eingangs erwähnt, der Aufsichtsrat nichts davon weiß, und sogar die Uefa, wie im „NDR Sportclub live“ berichtete, auf ihrer Homepage schrieb, dass Ze Roberto ablösefrei zum HSV gekommen sei, dann läuft da vielleicht doch etwas ein ganz klein wenig falsch. Oder sehe ich das etwa zu eng?

Wobei ich noch eine Anmerkung machen möchte: Dem HSV steht noch eine weitere kleine Unannehmlichkeit ins Haus. Im Juni 2009 nämlich wollte Bernd Hoffmann den Stürmer von ZSKA Moskau, Vagner Love, verpflichten. Es gab mehrere Treffen mit einer Sportagentur, der HSV war bereit, bis zu 17 Millionen Euro für den Angreifer auf den Tisch zu legen. Die ganze Geschichte zog sich über einige Tage hin, letztlich sollte der Transfer wohl zwölf Millionen Euro kosten, doch der Deal platzte. Bis dahin ist noch alles völlig normal.

Aber: Die Firma H. und Partner GmbH und Co. KG reklamiert nun für sich, gewisse (Vor-)Arbeit geleistet zu haben, und wenn gearbeitet wird, gibt es auch gewisse Forderungen, die beglichen werden müssen. Weil es da aber gewisse Zahlungs-Schwierigkeiten gibt, ist bislang auch keine Zahlung erfolgt. Die Firma H. und Partner schaltete deswegen am 13. Juli 2009 einen Anwalt ein. Es soll um 1,5 Millionen Euro gehen. Die Firma einen von Bernd Hoffmann und Katja Kraus unterschriebenen Vertrag haben (per Fax), der dem Spielerberater 1,5 Millionen Euro zugesteht. Umstritten soll dabei nur sein, dass Bernd Hoffmann diesen Vertrag zwar unterschrieben habe, dabei aber der Firma H. und Partner gesagt hatte, dass er für diese Summe noch das Okay des Aufsichtsrates einholen müsse – und wolle.

Um zum Ende zu kommen: Bernd Hoffmann trat quasi in letzter Sekunden von dem Vertrag und von dem Vorhaben, Vagner Love zu verpflichten, zurück, weil der HSV zeitgleich Eljero Elia unter Vertrag genommen hatte; Vagner Love durfte (musste) in Moskau bleiben – und erst einmal Ende. Der Aufsichtsrat wusste von diesem geplanten Transfer nichts, musste ja auch gar nicht erst bemüht werden, denn der Vertrag mit Vagner Love kam ja auch nicht zustande.

Die Firma H. und Partner aber, die von einem schwebenden Verfahren spricht und deshalb schweigen möchte, hat jedoch noch den von Hoffmann und Kraus unterschriebenen Vertrag in der Schublade – und wartet nun auf Entschädigung. Die muss, wenn die Einigung beider Parteien ausbleibt, zur Not das Gericht festlegen. Bernd Hoffmann sagt dazu: „Wenn es zum Vertragsabschluss mit Vagner Love gekommen wäre, dann hätte die Agentur einen Anspruch auf die übliche Zahlung einer Provision gehabt, aber es kam nicht zum Vertragsabschluss.“ Fortsetzung folgt.

Gewonnen ist gewonnen

30. August 2009

„Spielerisch war das keine Glanzleistung, aber gewonnen ist gewonnen. Das war ein Arbeitssieg, und man weiß ja aus Erfahrung, dass man nicht immer nur glänzen kann. Hauptsache gewonnen“, sagte der frühere HSV-Meistertorwart von 1960, Horst Schnoor, sichtlich zufrieden. So wie ihm erging es den meisten der 54 112 Zuschauern beim Spiel gegen den Tabellenletzten 1. FC Köln. Durchatmen, Mund abwischen und Richtung VfB Stuttgart blicken, der kommt nun in 13 Tagen in den Volkspark.

Wer hatte nicht vorher geunkt: „Dem Miso Brecko spielt der Eljero Elia einige Knoten in die Beine.“ Und dann? Dann kam es ganz anders. Muss man als Hamburger anerkennen, der gute Brecko hat seine Haut teuer verkauft. Die Wahl seiner Mittel war nicht immer ganz fair und ganz fein, aber der Zweck heiligt die Mittel. Brecko hatte sich offenbar ganz genau auf Elia vorbereitet, ging mit Härte, Haken, Ösen, Händen und Ellenbogen zur Sache, und kaufte damit der „Rakete aus dem Volkspark“ den Schneid ab. Auf jeden Fall kam Elia nicht so zum Zuge, wie zuvor in den Begegnungen.

Zudem gab es diesmal keinen Frühstart des HSV, was natürlich an der Engmaschigkeit der Kölner Defensive lag. Der FC, so hatte ich auf der Tribüne den Eindruck, wehrte sich mit allen erlaubten und unerlaubten Tricks, spielte aggressiv, mauerte, gab sich enorm lauffreudig, wollte in erster Linie das HSV-Spiel verhindern und zerstören, tat aber viel zu selten etwas, um zu einem eigenen Torerfolg zu kommen. Solche Spiele laufen dann für den Fan nicht immer schön und erst recht nicht spektakulär ab. Und wenn das so ist, dann muss Fußball eben gearbeitet werden. Genau das tat der HSV zur Freude der eigenen Anhänger dann auch.

Glück kam hinzu: Beim 1:0 von Paolo Guerrero hätte der gute Schiedsrichter Dr. Felix Brych auch auf Foul des HSV-Stürmers entscheiden können, beim 2:0 von Guerrero stand Ze Roberto so im Abseits, wie beim Dortmund-Spiel vor 14 Tagen ein Borusse. Ihr erinnert Euch? Frank Rost reklamierte so lange, bis der Unparteiische das vermeintliche 2:4 zurück nahm. Diesmal reklamierte allerdings kein Kölner, nicht einmal Torwart Mondragon. Rost ist eben cleverer.

Und zu Guerrero sei gesagt: Er wird allmählich zu einem riesigen Problem für den HSV. Der Peruaner wird immer stärker, und sein Vertrag läuft nur noch ein paar Monate. Was nun? Den holen die finanziell starken Klub doch so mir nichts dir nichts und auch kurzerhand vom Hof, wenn der Vertrag nicht doch noch schnell (oder bald) verlängert wird. Guerrero hat nicht nur gegen Köln wieder großartig gespielt, er hat dadurch auch erneut unter Beweis gestellt, wie sehr er sich seit seinem Wechsel von Bayern München zum HSV verbessert hat. Unglaublich war eine Szene, die ich für Guerreros geniales Spiel symptomatisch halte: Abschlag von Rost, die Kugel ist 60 Meter in der Luft und plumpst genau auf die Brust des HSV-Stürmers. Und dort liegt der Ball so, als hätte er das Trikot mit Pattex bestrichen, der Ball klebt. Im Gegensatz dazu sprang die Kugel bei Kölner Stoppversuchen wie beim Flipper-Automat hin und her.

In meinen Augen war Jubilar Joris Mathijsen in seinem 100. Bundesliga-Spiel ein Garant für die funktionierende Defensive, der Niederländer war wieder einmal die Zuverlässigkeit in Person. Super und enorm wichtig, wenn auch nicht spektakulär, auch David Jarolim, der permanent die Bälle heranschleppte, ganz souverän erneut Jerome Boateng, der Lukas Podolski über weite Strecken zum Statisten degradierte. HSV-Fan Peter aus Mühlheim an der Ruhr dazu: „Ganz klar: Lahm links, Boateng rechts, so muss die künftige Viererkette in der Nationalmannschaft auf den Außenpositionen besetzt werden.“ Recht hat der gute Mann ja, aber ob Jogi Löw da auch noch ein wenig mitspielt?

Was auffällig war: Als die Mitspieler merkten, dass an diesem Tage nicht viel mit Elia ging, wurde er auch kaum noch gesucht. Ein Fehler? Vielleicht. Auf jeden Fall sollten sich die Kollegen schon ihrer besten Waffe bewusst sein – und sich auch kräftig bedienen. Das trifft auch für Mladen Petric zu. Wie vor einer Woche, beim 4:2-Sieg in Wolfsburg, als Piotr Trochowski oft in bester und freistehender Position vor dem gegnerischen Tor übersehen wurde, so wartete Petric auch oft im Niemandsland auf das Zuspiel, aber er wurde mit fast schon fahrlässiger Nichtachtung gestraft. Oft sogar. Dabei weiß der Kroate wohl am besten beim HSV, wohin der Ball gehört.

Ein Wort noch zu Trochowski: Er war bemüht, er war auch wieder besser als in Wolfsburg, aber er war immer noch nicht so überragend, wie er es sein könnte, vielleicht sogar müsste. Bewundernswert aber ist, wie er sich die Kugel schnappt, wenn es Elfmeter für den HSV gibt. Das macht er überragend, er wandelte auf den Spuren von Manfred Kaltz – und wie wichtig Elfer-Schütze Trochowski ist, werden spätestens dann alle erkennen, wenn erst einmal ein anderer Kollege schießen muss – und es dann kein Tor gibt. Wie sehr auch ein verwandelter Strafstoß Selbstvertrauen geben kann, sahen alle in der Arena nach dem 3:1. Trochowski stieg in die Luft, freute sich wie ein Kind und schrie seine Freude – und die von ihm gewichene Last der Erfolglosigkeit – in den Abendhimmel.

Übrigens: Ze Roberto taute diesmal erst gegen Ende dieses Spiels so richtig auf, und in der Endphase hatte auch Bruno Labbadia wieder eine (seine) Idee: Er wechselte Jonathan Pitroipa für ein paar Minute ein so wie er es in Wolfsburg mit Romeo Castelen tat. Kluger Schachzug, so hält der Trainer den einen oder anderen Spieler mehr bei (bester) Laune. Und das kann nur gut für das Verteidigen der Tabellenführung sein.

Es könnte also alles bestens sein im HSV, es darf und wird wieder reichlich geträumt, sportlich ist vieles super – aber was ist da in Sachen neuer Sportchef los? Ich wurde an diesem Kölner Nachmittag so oft wie kaum einmal zuvor in Sachen Aufsichtsrat angesprochen. Das am meisten benutzte Wort dabei: Unfassbar. Es passt, wenn nun auch noch heraus kommt, dass für Ze Roberto doch vier Millionen Euro Ablöse gezahlt wurde. Auch das unfassbar. Und ganz besonders unfassbar, dass es Monate hieß, Ze Roberto sei ablösefrei gekommen. Das haben alle gesagt und geschrieben, das wurde von allen als bare Münze genommen, aber es ist falsch. Auch das unfassbar, aber wahr!

Nun ist es nicht die Aufgabe des HSV-Vorstandes, das muss man fair zugeben, allen Medien mitzuteilen, dass sie entgegen anders lautenden Berichten doch Ablöse gezahlt wurde. Vertragsinhalte bleiben immer und überall geheim, aber sollte nicht wenigstens der Aufsichtsrat… ?

Nun ja, in der Zweiten Liga steht der „etwas andere Verein“ aus Hamburg an der Spitze, in der Ersten Liga macht sich nun der Tabellenführer auf, ebenfalls ein „etwas anderer Klub“ zu werden. Und dieser Weg ist offenbar gar nicht so schwer, im Gegenteil, er wurde nun schon bestens beschritten!

PS: Jacek Dembinski war da, Ihr könnt morgen bei „Matz ab“ sehen, wer dieser Mann ist. Ich wünsche Euch allen eine gute und erfolgreiche Woche.

Drittes Nähkästchen

30. August 2009

Die Zeit bis zum Anpfiff der Partie gegen den 1. FC Köln möchte ich wieder mit einem kurzen Blick zurück überbrücken, ich möchte wieder mal aus dem Nähkästchen plaudern. Gedanken habe ich mir aktuell zu Bruno Labbadia gemacht. Damals, als er für den HSV stürmte, das war von 1987 bis 1989, hätte ich nie im Traum daran gedacht, dass er eines Tages einmal Trainer in Hamburg sein würde. Nicht einmal daran habe ich gedacht, dass der schöne Bruno einst ein Bundesliga-Coach werden könnte. Das war absolut unvorstellbar – warum, kann ich gar nicht mal sagen.

Wahrscheinlich liegt es daran, dass eigentlich ja Stürmer viel seltener die Trainer-Laufbahn einschlagen. Oft sind es die Regisseure, dann folgen die Abwehrspieler. Der Labbadia von 1989 als Trainer? Wahrscheinlich hätte ich damals einen hohen Betrag gesetzt, dass er nicht. . .

In der Bundesliga-Geschichte kommen denn auch „stürmende Trainer“, die später den Titel mit ihren Teams geholt haben, seltener vor. Ottmar Hitzfeld ist eine dieser Ausnahmen, Jupp Heynckes ebenfalls, Udo Lattek hat einst beim VfL Osnabrück im Sturm, aber gelegentlich auch in der Abwehr gespielt, und das war es dann auch schon. Otto Rehhagel war Verteidiger, Ernst Happel auch, Thomas Schaaf ebenfalls, Frank Pagelsdorf kam aus dem Mittelfeld, Felix Magath war Spielgestalter. Stürmer sind auch auf diesem Gebiet rar gesät.

Wobei es beim HSV ja durchaus den einen oder anderen offensiven Spieler gab, der hier Trainer wurde. Gerd-Volker Schock, der noch immer in der Torschützen-Bestenliste der Zweiten Liga weit vorne rangiert, ist da zu nennen, auch Willi Reimann und Thomas Doll. Letzterer, das gebe ich zu, liegt mir dabei besonders am Herzen. Als „Dolly“ 1990 von Dynamo Berlin kam, war ich gerade HSV-Reporter bei Bild. Doll und Rohde kamen vor der Vertragsunterzeichnung zur sporttauglichen Untersuchung nach Hamburg eingeflogen, und auch ich stand damals am Flughafen Fuhlsbüttel. Dienstlich. Ich sollte mich auf die Spuren der beiden Neuzugänge machen.

Vor dem Flughafen stand damals auch Hartmut Diekhoff, in jener Zeit eine Art „Mini-Manager“, denn einen echten Manager hatte der HSV gerade mal nicht. Wahrscheinlich aus Kostengründen, denn der Klub war klamm. Diekhoff entdeckte mich, kam zu mir und fragte: „Herr Matz, können Sie mir einen Gefallen tun? Ich habe nur eine ganz alte Klapperkiste, Sie aber einen neuen Wagen – können Sie Thomas Doll, Frank Rohde und den Berater Wolfgang Metzler nicht in die Klinik nach Henstedt-Ulzburg fahren, ich komme dann nach?“ Natürlich habe ich das gemacht, selbstverständlich. Und ganz nebenbei war ich so natürlich von der ersten Minute an, die Doll und Rohde auf Hamburger Boden verbracht haben, auf Ballhöhe. Vor der sporttauglichen Untersuchung hatten wir dazu noch eine gewisse Zeit zu überbrücken, da HSV-Arzt Dr. Uli Mann gerade noch operierte, also mussten wir uns die Zeit noch ein wenig vertreiben. Willi Witters, der damalige Bild-Fotograf, hatte einen Ball an Bord, wir gingen auf den Klinik-Rasen und spielten Fußball. Hacke, Spitze, eins, zwei, drei. Das klappte sogar bei mir ganz ansehnlich, nicht nur bei Rohde und Doll. Am Abend jedenfalls, als sie wieder zurück nach Berlin flogen (das ging damals noch), versprach mir „Dolly“: „Dieter, du bist in Ordnung, wenn ich in Hamburg bin, kannst du mich zu jeder Zeit, Tag und Nacht, anrufen, ich bin für dich da.“ Willi Witters hatte am Abend schon fertige Fotos vom Kick auf dem Rasen gebracht, ich ließ mir das Versprechen von Doll auf ein solches Foto schriftlich geben – habe es heute noch, wie sich das gehört.

Als „Dolly“ dann zu Lazio Rom wechselte, arbeitete ich wieder beim Abendblatt – und war dabei, als er sein erstes Punktspiel mit Lazio im Olympiastadion zu Rom gegen Parma bestritt (0:0). Nach dem Spiel war ich dann stolz wie Oskar: Doll, der zur Pressekonferenz gebracht wurde, schenkte mir vor versammelter Medienschar sein Trikot mit der Nummer acht.

Wir verbrachten zu jener Zeit noch einige Tage in Rom, damals schon lernte ich, dass es nicht so einfach ist, bei einem italienischen Erstliga-Klub das Training zu verfolgen. Ich musste mich vorher, bereits aus Hamburg, akkreditieren lassen. Ohne Legitimierung kam keiner auf das hermetisch abgeriegelte Gelände, und selbst mit Ausweis war man nicht unbedingt gerne gesehen. Ich erinnere, wie mich der damalige Lazio-Trainer Dino Zoff, die Torwart-Legende, von oben bis unten musterte, sich fragend, was der langhaarige Typ hier wohl zu suchen hätte. Wenn Blicke töten könnten… Ich habe es aber überlebt.

Und warum ich die Sache mit dem Trikot erzählt habe? Jahre später, als Thomas Doll beim HSV Amateur-Trainer geworden war, trafen wir uns natürlich häufiger. Auch in seinem Haus in Quickborn. Dort hingen, fein unter Glasrahmen, alle Trikots seiner Klubs, für die er einst gespielt und gezaubert hatte. Nur das Lazio-Trikot fehlte. Ich fragte, Doll sagte: „Ich habe es schlicht vergessen, mir eines mitzunehmen. Ich habe wirklich alle, nur das nicht. Aber jetzt habe ich mir eines bestellt, doch das dauert schon lange. Wer weiß, ob das überhaupt noch mal etwas wird?“ Und: Wenn es gekommen wäre, wäre es ja auch sehr wahrscheinlich kein Original mehr gewesen.

Deshalb: Zwei Tage später fuhr ich zum Amateurtraining nach Ochsenzoll und gab Thomas Doll „sein“ Trikot mit der Nummer acht zurück – auch wenn es mir sehr schwer fiel. Aber: Seine Sammlung ist jetzt komplett, das war und ist mein Trost.

Übrigens: Wenn mich 1990 jemand gefragt hätte, ob Thomas Doll einst Bundesliga-Trainer und sogar einmal HSV-Coach werden würde, dann hätte ich, genau wie bei Bruno Labbadia, unbeirrt gesagt: „Never!“ So kann Mann sich irren. Ein Tipp noch: Solltet ihr „Dolly“ einmal treffen (nun in Ankara tätig), so nennt ihn nicht „Dolly“, sondern Thomas Doll. Seinen Kosenamen hat der frühere HSV-Publikumsliebling abgelegt, er möchte, nun als Trainer, seriöser rüberkommen.

Die Reihe Nähkästchen wird fortgesetzt, viel Spaß beim und mit dem Köln-Spiel.

In den Führungsgremien brodelt es

29. August 2009

Das Spiel gegen den 1. FC Köln steht vor der Tür, und nicht wenige HSV-Fans träumen von der nächsten Torshow im Volkspark. Doch vorher gibt es vor allem in einigen Vereinsgremien noch reichlich Rede- und Diskussionsbedarf. Der Grund ist, und das überrascht weniger, die mittlerweile eher leidige Suche nach einem Nachfolger für Dietmar Beiersdorfer. “Didi” soll, das haben weitere Recherchen ergeben, ja einer, wenn nicht DER Topfavorit für den Posten des Fußballoberchefs aller Red-Bull-Projekte (u.a. USA, Afrika, Leipzig, Salzburg) sein. Entschieden ist aber noch nichts, doch das könnte sich in den nächsten Tagen ändern.

Beim HSV muss sich Aufsichtsratschef Horst Becker warm anziehen – und das nicht nur wegen der sinkenden Temperaturen in der Hansestadt. Dem Oberkontrolleur begegnet nach Abendblatt-Informationen auch Aufsichtsrat-intern ein immer heftigerer Gegenwind. So soll er Klubmanager Bernd Wehmeyer ohne Absprache mit seinen Gremiumskollegen erklärt haben, dass “Fummel” nicht der Favorit des Personalausschusses im Rat sei. Auch von Vorstandschef Bernd Hoffmann soll eine derartige Nachricht an Wehmeyer gegangen sein – natürlich den Vorstand betreffend. Daraufhin hat Wehmeyer seine Kandidatur zurückgezogen. Damit dürfte der Weg für Roman Grill frei sein.

Oder eben auch nicht, denn eine Zweidrittelmehrheit braucht auch der Spielerberater m.W.z.J (mit Wunsch zur Jobveränderung) im Aufsichtsrat noch – und die Herren Kontrolleuere wollen jetzt erst einmal intern diskutieren.

Mein Abendblatt-Kollege Marcus Scholz hat ebenfalls einen Beitrag zu internen Diskussionen geleistet. Er hat ein nach meiner Meinung außergewöhnlich inhaltsstarkes und gutes Interview mit Torwart Frank Rost geführt, in dem es auch oder gerade um die Sportchef-Frage geht. Lest es mal selbst: http://www.abendblatt.de/sport/fussball/HSV/

Ich bin gespannt, was Ihr davon haltet. Eines ist es in jedem Fall, was Rückhalt Rost liefert: ehrliche, mutige Worte. Er wäre offenbar ein Befürworter der Wehmeyer-Lösung gewesen und, so wie ich ihn kenne, ist höchstgradig angenervt, dass durch die wochenlangen Diskussionen plötzlich auch teamintern unnötige Unruhe entstehen kann. Piotr Trochowski wurde jedenfalls schon mehrfach geflachst, dass er sich dank Grill ja keine Gedanken mehr um einen guten Vertrag machen müsse. Klar, solche Witzeleien gibt es in jeder Mannschaft, und sie müssen nicht gleich negative Folgen haben, aber wenn sich der Vakuum-Zustand in Sachen Sportchef fortzsetzt, zudem zwischen Aufsichtsrat und Vorstand (mal wieder – oder erstmals in dieser Konstellation) Missstimmungen herrschen, dann können dadurch Reibungspunkte entstehen, in denen unnötig Kraft und Zeit verschwendet wird. Ich plädiere daher für eine rasche Lösung noch an diesem Wochenende, um das Thema endgültig von der HSV-Liste zu streichen. Und an qualitativ tauglichen Kandidaten kann es ja nicht mangeln.

Jubilar Mathijsen

28. August 2009

Abwehrchef Joris Mathijsen feiert gegen den 1. FC Köln am Sonntag ein ganz besonderes Jubiläum: sein 100. (!) Bundesligaspiel. Jaja, ich weiß, ich hatte nach dem Training heute aus Versehen eine Null zu viel in die Tasten gehackt – und den Niederländer damit prompt zum Bundesligarekordspieler befördert.

Eines kann ich bei dieser Korrektur aber gleich noch machen, nämlich ein paar Worte zum Jubilar verlieren. Als Mathijsen einst zum HSV kam, wurde im Kollegenkreis und auch unter Experten viel diskutiert. Mathijsen war relativ unbekannt und wirkte in seinen ersten Spielen nicht überragend schnell, herausragend kopfballstark oder brillant im Aufbauspiel. Ein überschätzter Mann (wie vielleicht Daniel van Buyten)?

Meine Antwort ist eindeutig: nein. Mathijsen ist die Sorte Defensivspieler, die Trainer gerne mögen. Er ist nämlich außergewöhnlich zuverlässig. So wenige herausragende Qualitäten er vielleicht auch haben mag, so wenige augenscheinliche Schwächen hat er auch. Mathijsen bringt genau die Komponenten in ein Spiel ein, die man bei der Zusammenstellung einer erfolgreichen Mannschaft benötigt: gutes Stellungsspiel, ordnendes Eingreifen, starkes Zweikampfverhalten, Cleverness, Reife. Er kennt seine Stärken, bringt sie ein; und er reflektiert sich gut, kennt also auch seine Schwächen und versucht eigentlich nie, “Zauberpässe” zu spielen oder Szenen in der eigenen Gefahrenzone mit überhöhtem Risiko zu lösen.

Mathijsen wird im Team sehr geschätzt, weil er eben diese Stabilität für die gesamte Hintermannschaft mitbringt. Er ist meist ruhig und ausgeglichen, im entscheidenden Moment aber auch mal impulsiv und aufbrausend (auch gegenüber den Kollegen) – das spornt an.

Und wie sehr Mathijsen die Raute längst verinnerlicht hat, also auch eine echte Identifikationsfigur ist, zeigte heute ein TV-Interview für N3. Mathijsen wurde gefragt, was er zu Bayern Münchens Verpflichtung von Arjen Robben halte, ob er sich wegen eines weiteren Landsmannes in der Liga freue. Der Abwehrmann zögerte kurz und sagte dann bierernst, dass er sich nicht sonderlich freue, weil ein Konkurrent damit einen guten Spieler hinzubekommen habe. So viel Herzblut tut gut.

Depression der Abteilung Attacke

28. August 2009

In Hamburg sind die Ferien vorbei. Das merkt man nicht nur auf den nun wieder überfüllten Straßen, sondern auch beim HSV-Training, wo die Zuschaueranzahl nun erstmals wieder unter die 100-Personen-Marke rutscht.

Trainer Bruno Labbadia lässt sich davon aber nicht irritieren. Er hat den gelungenen Saisonstart mit Wohlwollen registriert und möchte ihn nun zu einem „sehr guten“ ausbauen. Dabei wies er bei der Pressekonferenz vor dem Köln-Spiel meines Erachtens zu Recht darauf hin, dass die Kölner trotz ihrer bisher mageren Bundesligaausbeute von einem Pünktchen keinesfalls ungefährlich oder gar „Fallobst“ sind. „Mit Petit, Maniche, Mondragon, Podolski und Co. verfügen die Kölner über eine Mannschaft mit international erfahrenen Profis“, sagt Labbadia. Er hält die Kölner vor allem für konterstark – und wird seine Männer entsprechend vorbereiten.

Dass die HSV-Spieler um ihren Jubilar Joris Mathijsen (feiert gegen Köln seinen 1000. Bundesligaeinsatz für den HSV, meinetwegen können noch mindestens 200 folgen) extrem gewillt sind, den Positivtrend nach dem grandiosen 4:2-Sieg in Wolfsburg fortzusetzen, war vor, während und nach der Einheit am Freitagmorgen deutlich erkennbar. Kaum ein Spieler sprach noch von der Qualifikation für die Europa League – was natürlich auch daran lag, dass die eingesetzten Profis beim Auslaufen waren und nicht mit dem A-Team auf dem Trainingsrasen standen -, dafür ackerten die Männer beherzt für das Duell gegen „Kölle“.

Zwei Stammspieler zeichneten sich dabei vor allem durch Wutausbrüche aus: Dennis Aogo, der beim Vier-gegen-Zwei-Spiel gemeinsam mit Eljero Elia ein Abonnement für die Mitte hatte und zwischenzeitlich zu mancher „Monstergrätsche“ mit Frustinhalten ansetzte, und Kapitän David Jarolim, dessen Vier-Mann-Team bei einer Spielform-Übung derartig von den Kontrahenten dominiert wurde, dass der Tscheche ein lautstarkes Fluchgewitter folgen ließ. Einige Zaungäste, vor allem Mütter mit ihren Kindern, waren vom rauen Umgangston der angehimmelten HSV-Spieler ziemlich überrascht. Doch da sorgten die Zöglinge für Beruhigung: „Mensch, Mama, das hier ist Fußball…“

Die „Abteilung Attacke“, wie Martin Jol einst die drängenden Talente im Kader seines Klubs nannte, steckt derzeit wie schon mehrfach erwähnt in einer tiefen Depression. Maxim Choupo-Moting mochte mehreren Fragestellern am Rande der Übungseinheit nur mit einem demonstrativen Schulterzucken antworten, warum er gegen Guingamp nicht hatte spielen dürfen. Tolgay Arslan musste das Training angeschlagen abbrechen. Und Änis Ben-Hatira sagte nach der Dusche, er warte minütlich auf einen Anruf von Klubboss Bernd Hoffmann, um seine Freigabe zu erhalten. Dabei, und das ist neu, geht es offenbar nicht mehr um ein Leihgeschäft, sondern um einen kompletten Verkauf. Ben-Hatira: „Leihgeschäfte bringen mich jetzt auch nicht mehr weiter, ich möchte einen kompletten Neuanfang starten.“

Hoffmann wird es bestimmt nicht leicht fallen, zwei der vier Nachwuchskräfte so kurz vor Transferschluss zu verabschieden – zumal Trainer Labbadia die hungrigen Eigengewächse fördern und fordern will, um so auch den Druck für die gestandenen Profis ständig aufrecht zu erhalten. Trotzdem, meine ich, geht die Entwicklung der besagten Spieler nur noch über Spielpraxis auf Profiniveau weiter. Und da stehen die Chancen in Hamburg aufgrund der hohen Qualität des Kaders natürlich nicht allzu gut.

Zwei Dinge noch schnell vorm Start des Bundesligawochenendes: Erstens betrachte ich die Gruppe C des HSV in der Europa League als echte sportliche Herausforderung, zumal Celtic, Rapid Wien und Hapoel Tel Aviv allesamt große Ambitionen haben und keine „Selbstgänger“ sind. Andererseits peilt Bernd Hoffmann ab 2010 den Angriff auf Europas Fußballspitze an – und wer sich auf dem europäischen Fußballthron dauerhaft einen festen Platz sichern will, der muss auch Gegner dieser Kategorien in die Schranken weisen.

Zweitens kursieren seit Donnerstagabend Gerüchte über Dietmar Beiersdorfer, der Sportchef bei Red Bull Salzburg werden soll. „Was? Das ist doch ein Schritt aufs Abstellgleis!“, hörte ich manchen Kollegen und Fan raunen. Doch hinter der Sache könnte noch mehr stecken. Sobald ich mehr weiß, werde ich Euch informieren.

Die Gewinner unseres Gewinnspiels stehen fest: Julia Brügmann hat das Trikot gewonnen, Matthias Suttmann die zwei Eintrittskarten. Ich gratuliere herzlich.

Und noch eine letzte Anmerkung: Die Genesungswünsche für den verunglückten St.-Pauli-Fan nehmen immer mehr Formen an. Schaut selbst rein: http://www.upload.ixxis.de/download.php?file=e760e20c07caa036cb6ed62915afd251

Ende gut, alles gut.

28. August 2009

Was auch immer die Franzosen von Guingamp auch getrunken hatten, sie liefen von der ersten Minute an wie die Hasen über den Rasen. Trotz eines 1:5-Rückstandes wurde jeder Zentimeter im Volkspark beackert, das war irgendwie auch bravourös. Der HSV dagegen hatte wohl mit einer solchen Gegenwehr weniger bis gar nicht gerechnet, es ging nichts. Dafür gab es in der 28. Minute erstmals Pfiffe aus dem Norden, und das war doch irgendwie berechtigt. Nach 35 Minuten hieß es sage und schreibe 0:6 im Eckballverhältnis, und Bruno Labbadia ruderte am Rande mit seinen Armen ganz aufgeregt durch den Abendhimmel. Und er setzte dabei eine ganz finstere Miene zum bösen Spiel auf. Aber: Ende gut, alles gut. Mit dem letztlich noch lockeren 3:1-Erfolg wurde der Pflichtsieg unter Dach und Fach gebracht.

Zu Beginn war Collin Benjamin der HSV-Kapitän, zum Schluss war es Tunay Torun. Welch eine Blitz-Karriere! Kam aber nur deshalb zustande, weil Physiotherapeut Uwe Eplinius keinen anderen Abnehmer für die Binde gefunden hatte (als Benjamin verletzt ausscheiden musste). Er hatte einen fürchterlichen Oberschenkelkrampf erlitten.

Geärgert, das gebe ich zu, habe ich mich darüber, dass die Franzosen zum Schluss auf alles traten, was eine rote Hose trug. Das hätte noch böse enden können für den einen oder anderen Hamburger, denn Robert Tesche, Jonathan Pitroipa, Marcus Berg und Torun wurden zu Teil richtig hinterlistig traktiert. Zu diesem Zeitpunkt aber hatte der schwedische Schiedsrichter innerlich schon längst auf Freundschaftsspiel-Charakter umgeschaltet.

Was mich erfreut hat an diesem Kick, den eigentlich keiner mehr gebraucht hätte: Wolfgang Hesl hat erneut eine gute Partie gespielt, obwohl das Gegentor sicher vermeidbar gewesen wäre. Den Tipp wird er bestimmt von Frank Rost bekommen: Losfliegen, Körper strecken, mit der linken Faust zum Ball (statt mit beiden Händen) – dann hätte es auch mit dem Halten geklappt. Das sahen offensichtlich auch die Fans im Norden so, denn sie bauten den Keeper wieder mit „Hesl-Hesl-Hesl“-Rufen auf. Völlig berechtigt.

Erfreulich auch die engagierte Leistung von Tesche, der seine ersten beiden Europapokaltore erzielen konnte. Er deutete auf jeden Fall an, dass er in der Zukunft noch „einer“ für den HSV werden kann. Ob das mit Tomas Rincon auch noch klappt? Da gibt es einige Zweifler, auch ich gehöre dazu, aber gegen Guingamp spielte er auf einer für ihn total ungewohnten Position (hinten rechts), zog sich dort aber dennoch geschickt aus der Affäre. Er gewann viele Zweikämpfe und eroberte viele Bälle für sein Team zurück – teilweise ackernd wie ein Büffel.

Auffällig auch, wie Dennis Aogo nach seiner Einwechslung zur zweiten Halbzeit auftrumpfte. Der ehemalige Freiburger ist ein ganz, ganz feiner Fußballer, ist technisch hervorragend, spielt mit Auge. Wenn mich nicht alles täuscht, wächst auch da ein Hamburger Talent für die Nationalmannschaft heran, Aogo ist durch und durch ein Fußballspieler. Die schwache Auftaktpartie in seiner alten Heimat Freiburg sei ihm verziehen, damals saß seine ganze (Groß-)Familie auf der Tribüne, ihr wollte (der eventuell nervöse) Aogo wohl zeigen was er fußballerisch alles drauf hat – und überzog dabei ein bisschen. Er weiß es wohl, ist aber auch längst abgehakt.

Positiv sicher auch die Vorstellung von Marcus Berg, der erneut sein großes Spielverständnis bewies, ein Tor schoss und viel für die Mannschaft ackerte. Der Schwede zeigte auf jeden Fall, dass er auf jeden Fall eine Verstärkung werden wird.

Stark, beinahe unglaublich sogar, war der Besuch in der Arena. 25 798 Zuschauer bei einem Live-Spiel, dass vor dem Anpfiff bereits entschieden war, das ist einfach nur sensationell zu nennen. Dazu die großartige Stimmung (besonders im Norden), das hat gepasst. Zum Schluss gab es dann auch viel Beifall – und sogar das Eckballverhältnis stimmte versöhnlicher, es lautete nämlich 6:6.
Für den stark „krampfenden“ Collin Benjamin hatte Trainer Bruno Labbadia zum Schluss auch noch eine kleine, nicht ganz ernst gemeinte Empfehlung: „Die Kapitänsbinde war eventuell zu schwer für ihn, davon werden wir ihn in Zukunft dann einfach verschonen.“ Wie gesagt, ein Witz. Aber: Ende gut, eben alles gut.

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